Bügeleisen im Mittelalter - gab's das?

Rund um die Gewandung: Wie nähe ich, was paßt in die Zeit, welche Stoffe, Schnitte usw.

Moderator: Moderatoren

Bügeleisen im Mittelalter - gab's das?

Beitragvon Klara » 16.06.2009, 09:46

Hallo,

ich habe mit Schneidern angefangen (ganz unmittelalterlich) und mich gerade mitwas Leinen-Ähnlichem (keine Ahnung, ob wirklich Leinen - war ein unbeschriftetes Sonderangebot) rumgeplagt, bei dem ich mehr Zeit mit dem Bügeleisen als an der Nähmaschine verbracht habe. Und da habe ich mich gefragt, ob im Mittelalter gebügelt wurde (wenn ja, womit?), oder ob da Knitterlook "in" war. Oder war's egal, weil aus Leinen nur die Untergewänder waren und die wurden weitgehend versteckt? Weiss da jemand was genaueres? Reine Neugierde...

Ciao, Klara
Klara
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 470
Registriert: 29.12.2005, 11:38

Beitragvon Elin » 16.06.2009, 09:59

Die ersten Bügeleisen sind aus dem 15. Jahrhundert bekannt. Sie bestanden aus einer massiven Metallplatte mit Griff, die auf einer heißen Ofenplatte erhitzt werden musste

Wikipedia


Ob die vorher andere Techniken hatten... keine Ahnung.
Elin
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 308
Registriert: 05.09.2006, 00:12
Wohnort: Schleswig

Beitragvon Asa Siegfridsdottir » 16.06.2009, 10:12

Wie wäre es mit einem Glättstein?

Hier ein kleines Video, wie das funktioniert:

http://www.hr-online.de/website/fernseh ... 1&jmpage=1


Funde von solchen Glättsteinen gibt es beispielsweise in Birka.
Benutzeravatar
Asa Siegfridsdottir
Jungfer / Knappe
Jungfer / Knappe
 
Beiträge: 68
Registriert: 03.02.2007, 22:10
Wohnort: München

Re: Bügeleisen im Mittelalter - gab's das?

Beitragvon caly » 16.06.2009, 10:15

Klara hat geschrieben:Oder war's egal, weil aus Leinen nur die Untergewänder waren und die wurden weitgehend versteckt?

Soweit ich weiß sind Falten im Untergewand gut, wenn nicht sogar gewünscht (irgendwo mal was diesbezüglich gelesen, finden würd ichs aber leider nicht mehr), da es dann im Sommer weniger auf der Haut anliegt.

Grundsätzlich würd ich aber vermuten, sie kannten zumindest einfache Methoden gegen gröbere Falten (nass auslegen/aufhängen/spannen, beschweren...).

Edit: Uh, Glättsteine kannte ich noch gar nicht, man lernt nie aus. :D
Benutzeravatar
caly
Dame / Ritter
Dame / Ritter
 
Beiträge: 152
Registriert: 26.04.2009, 16:18

Beitragvon Kattugla » 16.06.2009, 10:38

Mangels vorhandener Schleuder mit 1400 U/min würde ich auch aufs nasse Aufhängen tippen. ;-)
Ab wann wurde Wäsche eigentlich gemangelt?

Ich habe aber auch noch was Spannendes gefunden: in China nahm frau für die knittrige Seide heiße Pfännchen:
http://www.energiegeschichte.de/Content ... leisen.pdf
Bild"Verlasse dich nie auf das Bier eines gottesfürchtigen Volkes!" (Quark)
mein Wichtel-Fragebogen
Benutzeravatar
Kattugla
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 1480
Registriert: 15.02.2008, 16:13
Wohnort: im Taunus

Beitragvon Peregrina » 16.06.2009, 12:38

In dem Zusammenhang: ich lese immer wieder von einer "Kleiderpresse", in der die Kleidung aufbewahrt wurde, habe aber keine Vorstellung, wie das aussehen soll.
Wozu Socken? Sie schaffen nur Löcher. (Albert Einstein)

Mein Wichtel-Hinweisfragebogen
Benutzeravatar
Peregrina
Purpurträger/Purpurträgerin
 
Beiträge: 2262
Registriert: 07.10.2007, 17:08
Wohnort: Wannweil

Beitragvon katharina v. breitenbache » 16.06.2009, 18:43

Wir waren Anfang Juni in Speyer in der Wikinger-Ausstellung und da hab ich was seltsames gesehen. Wir haben uns das "Begleitbuch" Die Wikinger - von Edition Minerva gekauft und da steht drin (Seite 122), dass die flache, rechteckige Tafel aus Walknochen aus dem 8.-9. Jhd. stammt und in Norwegen gefunden wurde. Der Theorie nach wurden sie als eine Art Bügelbrett benutzt, um Leinen zu glätten.
In der Vitrine lag auch ein Leinenglätter (9.Jhd.) aus schwarzem Glas. Die Oberseite war kugelig und glatt, die Unterseite ist abgeflacht und hat Kratzer von der Herstellung. In Birka wurden so ein Stein und eine Tafel in einem Frauengrab gefunden.
Es steht beim Stein allerdings dabei, dass diese Teile wohl zum Glätten von Nähten von Leinenstoffen verwendet wurden.

Ist allerdings halt "nur" aus dem 9. Jahrhundert...

Ich habe festgestellt, dass meine Leinensachen mittlerweile viel weniger Falten nachm Waschen haben als zu der Zeit, als ich sie grad fertig gestellt hatte... Und ich hau mein Zeug bei 1400 U/m in die Maschine ;-) Aber ich hänge sie dann gleich nass auf.

LG
:schaf:
Benutzeravatar
katharina v. breitenbache
Dame / Ritter
Dame / Ritter
 
Beiträge: 191
Registriert: 14.03.2006, 22:58
Wohnort: im Süden, Nähe Österreich

Beitragvon Klara » 17.06.2009, 12:57

Schade, ich kann keine Videos anschauen (mein Modem läuft gerade mit 37 kbist/s) - kannst du ganz kurz beschreiben, was man da sieht? Jedenfalls spannend, wie viele Möglichkeiten es wohl schon gab. Und wenn Leinen mit der Zeit weniger knittrig wird, lässt mich das hoffen!

Ciao, Klara
Klara
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 470
Registriert: 29.12.2005, 11:38

Beitragvon Vlasta » 17.06.2009, 15:28

katharina v. breitenbache schrieb:
>In der Vitrine lag auch ein Leinenglätter (9.Jhd.) aus schwarzem Glas. Die Oberseite war kugelig und glatt, die Unterseite ist abgeflacht und hat Kratzer von der Herstellung. In Birka wurden so ein Stein und eine Tafel in einem Frauengrab gefunden.
Es steht beim Stein allerdings dabei, dass diese Teile wohl zum Glätten von Nähten von Leinenstoffen verwendet wurden.

hm, mir sind beim Lesen von den kugeligen Objekten zum Glätten von Leinen die Blaudruckschürzen der alten wendischen Damen hier in der Region eingefallen. Zur hiesigen Tracht kann man u.a. Blaudruck tragen, also indigogefärbtes Leinen. Es gibt Schürzen und auch Blusen. Und die Schürzen "für gut" wurden manchmal mit einer Glaskugel glänzend gerieben. Also nicht unbedingt glatt wie beim Bügeln, aber glänzend, weil das als besonders schön empfunden wurde. Bügeln für die Faltenfreiheit muß man ein solches Teil dann trotzdem noch.
Daher wäre ich mir jetzt nicht sicher, wofür dieser "Leinenglätter" aus dem 9. Jhd. nun verwendet wurde.
Benutzeravatar
Vlasta
Jungfer / Knappe
Jungfer / Knappe
 
Beiträge: 53
Registriert: 03.11.2007, 11:56
Wohnort: Cottbus


Zurück zu Nähen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast