Tasche Nummer 1- oder: Das Ungetüm aus der Vergangenheit ;)

Rund um die Gewandung: Wie nähe ich, was paßt in die Zeit, welche Stoffe, Schnitte usw.

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Tasche Nummer 1- oder: Das Ungetüm aus der Vergangenheit ;)

Beitragvon Pumo » 05.07.2010, 20:29

Neulich beim Kommoden aufräumen fiel mir ein lange verschollen geglaubtes Etwas in die Hand. Aus den Tagen meiner ersten Handnähversuche kroch mir Tasche nummer eins in blau entgegen und streckte seine krummen Nähte nach mir aus.
Von Weitem sah es noch ganz ok aus, doch je näher der Betrachter desto schlimmer das Betrachtete. Da waren die geschlängelten Nähte noch das geringere Übel ;)
Hier ist mein kleines Taschenmonster:

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Sieht noch ganz ok aus, wenn man sich den Boden der Tasche nicht so genau anguckt. Auf den nächsten beiden Bildern erahnt man allerdings schon die dilettantischen Versuche eines selbstgemachten Schnittes, bei dessen Umsetzung man es sich nochmal anders überlegt, aber eben doch nicht ganz konkret überlegt hat. Und gemäß der Richtlinie "was nicht passt, wird passend gemacht" wird eben einfach alles irgendwie zusammengenäht *hust*

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(beim letzten Bild hatte ich schon mit dem Auftrennen begonnen, die Nähte sind immerhin geschlossen gewesen)

Nach genauer Betrachtung und Abwägung von Nutzen und Arbeit entschied ich mich dann doch mein kleines Monsterchen aufzutrennen und ihm noch eine Chance zu geben. Leider erwies es sich als widerspenstig. Die Nähte sind zwar schief und krumm, allerdings ziemlich stabil (ha! immerhin etwas habe ich damals schon hingekriegt). Doppelter Faden (ziemlich dicker, in etwa so dick wie den Zwirn auf diesen Plastiksternchen doppelt genommen - ein Faden natürlich, also 4 Sternchenzwirnfäden für eine Naht), und nicht nur Verbindungsnähte, sondern auch noch Ziernähte (auch 4 Sternchenzwirn - wenn schon denn schon is doch klar). Gott sei Dank habe ich nicht beidseitig verziert! Da die Tasche schon etwas älter ist und das Garn schon bei der Verarbeitung nicht mehr so richtig neu - DDR lässt grüßen - hat sich beides irgendwie so aneinander gewöhnt, dass das Auftrennen einen ganzen langen Tag gedauert hat. Einen Berg aufgetrennte Fadenreste später, kams dann doch noch in die Waschmaschine und unter das Bügeleisen. Jetzt sieht meine Tasche so aus:
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Alle Teile sind doppelt, da ich Taschen lieber mit Futter habe. Morgen schau ich mal was man optimieren kann, damit keine Schummelraffungen an den Nähten nötig sind :dizzy:
Wenn mein Monstertäschchen brav ist bekommt es noch eine Stickerei für den Deckel rund um das Loch und eventuell probier ich mich extra für den Henkel im Brettchenweben.

Was macht ihr so mit euren "mißlungenen" Sachen oder Dingen, die nach mehr Übung in der Technik Augenkrebs bei euch verursachen?
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Beitragvon Sanja » 05.07.2010, 21:07

Hach, herrlich, Pumo, danke für's Teilen! :roflrofl:

Ich finde es sehr mitfühlend von Dir, dem kleinen Monster noch eine Chance zu geben. Ich bin bei solchen "Frühwerken" oft sehr rigoros und beerdige sie in der Mülltonne. :wacky: Manches hebe ich aber auch aus nostalgischen Gründen auf, gerade wenn viel Arbeit drinsteckt, ich mal furchtbar stolz drauf war (dann bin ich es meist für immer), oder besonders viel dabei gelernt habe. Obwohl, vom letzteren Standpunkt aus hätte ich die Tasche vielleicht dann doch wieder gerettet. ;-)

Meine erste Brettchenborte ist z.B. total unspektakulär (die Anfangsborte aus Candice Crocket), ich werde nie irgendwas damit machen, aber die würde ich nie wegschmeißen. An meinem ersten selbstgesponnenen Garn hingegen hing ich überhaupt nicht, lief irgendwie von vornherein unter Testversuch/Skizze. Das habe ich nur zu Demonstrationszwecken aufgehoben, um frustrierte Spinnanfänger zu motivieren. :cool:

Berichte mal, wie es dem Taschenmonster weiter ergeht. Du solltest sie unbedingt fertigmachen, das ist dann mal eine Tasche mit Charakter und einer echten Geschichte. :biggrin:

Liebe Grüße,
Sanja
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Beitragvon Pumo » 09.07.2010, 21:06

Sooooooo.....
Die Tasche war bisher kooperativ. Die Seiten sind zusammengenäht, Nahtzugaben geheftet und die Teile rutschfest verbunden. Wie bei allen gefütterten Taschen war es eine Qual die Innentasche passend zu nähen, sodass sie weder zu groß noch zu klein wird. Gibts dafür einen Trick, irgendwas läuft bei mir da immer schief :/
Bild Bild

Die Nähaktion hat sich etwas verzögert, da bei mir der Brettchenwebvirus zugeschlagen hat. Nur mal ausprobieren.... und zack war ich 2 Tage nur mit Brettchenweben beschäftigt. 2 Strippen sind bei rausgekommen, eine für die Tasche und eine für das neue Kleidchen der Kleinen. Flinkhands Anleitung war echt Gold wert :biggrin: (Nachdem ich das mit der s und z schärung beim ersten Versuch ausser Acht gelassen habe, bin ich bei Scrollen dann auf die Antwort der Frage gestossen, warum die rechte Seite das Muster so verzerrt :gruebel: ) Naja, ihr seid Schuld! Brettchenweben wollte ich ignorieren und nu steht neben meinem Schreibtisch ein brett mit Nagel und diverse Pappquadrate mit lustigen Farbmarkierungen. (In die ersten hatte ich zur Markierung der abgeschlossenen Runde einen Schnitt mit der Schere gemacht. Das war selten dämlich, da sich natürlich bei jeder Drehung die Fäden verhakelt haben) Das Endergebnis stimmt mich allerdings milde, es sind ein paar Webfehler drin, weil ab und an dann doch die Frage ungelöst blieb wo genau ich im Rapport war, aber für die ersten beiden Strippen ist es akzeptabel.

Bild

Jetzt bleibt erst einmal die Frage offen wie ich die Träger diesmal anbringe. Im ersten Versuch hatte ich ja seitlich Platz, da die Tasche jetzt keine Seitenteile mehr hat, kann ich die Träger nicht mehr dort einnähen.

Meine Überlegung ist, die Träger wie auf dem Bild unten anzunähen (natürlich verdeckt durch das Futter), was meint ihr, zieht das den Deckel im geschlossenen Zustand zu sehr nach oben?

Bild

@Sanja: Es kommt wohl immer drauf an, wieviel Herzblut in der Arbeit steckt, oder Erinnerung. Viele der allerersten Sachen habe ich auch getrost in die Tonne getreten, die Spinnversuche zum Beispiel. Zur Motivation anderer aufheben ist natürlich auch ne Idee hehe
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