Der Naumburger Meister - Landesausstellung in Naumburg

Welche Museen sind sehenswert, wo finden wann interessante Ausstellungen statt? Hier könnt Ihr alles zusammentragen.

Moderator: Moderatoren

Der Naumburger Meister - Landesausstellung in Naumburg

Beitragvon Spinne » 02.08.2011, 21:04

Hallo ihr Lieben,

ich war heute in der Landesausstellung "Der Naumburger Meister - Bildhauer und Architekt im Eurtopa der Kathedralen" in Naumburg rund um den Dom.
Austellung Naumburg

:arrow: Eine sehr lohnenswerte Ausstellung, nicht nur für Hochmittelalterbegeisterte.

Es gibt viel zu sehen - von Modellen der Kathedralen und Dome an denen der Meister beteiligt war/Anregung fand, über Skulpturen und Abgüsse bis hin zu den Stifterfiguren natürlich selber. Dazu viele andere Dinge, wie originale(!) Urkunden, Psalter und andere Schriftstücke aus der Zeit, Goldschmiedearbeiten, Schwerter....und ein Gürtel aus Borte aus dem 13. Jh. mit Schnalle aus dem 15. Jh.!
Alles ist sehr schön gestaltet und der Domgarten sowie die Kinderdombauhütte laden zum verweilen ein.

Einfach sehenswert!
Grüße von der Spinne
SpinnesBlog
Benutzeravatar
Spinne
Dame / Ritter
Dame / Ritter
 
Beiträge: 151
Registriert: 08.03.2010, 14:06
Wohnort: Naumburg/Saale

Re: Der Naumburger Meister - Landesausstellung in Naumburg

Beitragvon Britta » 03.08.2011, 09:02

Spinne hat geschrieben:Einfach sehenswert!


Ja, ist diese Ausstellung. Sie übertrifft in meinen Augen alles, was ich bisher an Ausstellungen gesehen habe.

Untersucht wird die Frage nach der Person des bis heute namentlich unbekannten Meisters anhand seines Weges von den französischen Kathedralen ins Reims, Noyon und Metz, Schloss von Coucy, Dom zu Mainz, Naumburg und Meißen. In Naumburg gibt es 5 verschiedene Ausstellungsorte. Um ein bestmögliches Besichtigungserlebnis zu erzielen, empfehle ich den folgenden Verlauf - ich habe es selbst so gemacht und empfand es als die beste Variante. Es ist ratsam, früh anzureisen, denn man benötigt viel Zeit. Der Audioguide ist ausgezeichnet- dies kostet für das Schlößchen und den Dom EUR 5,00 und ist absolut empfehlenswert. Eine Führung würde ich nicht machen, weil man mit dem Audioguide mit sich allein ist und viel mehr Zeit für die einzelnen Objekte hat. Außerdem habe ich mehrere Führungen erlebt, die relativ schnell durch die Räume hasteten...

Am besten beginnt man am Markt im Schlößchen. Dort sollte man sich zuerst den halbstündigen Einführungsfilm ansehen, danach schaut man sich die als Einführung in die Thematik der Zeit des 13. Jahrhunderts aus der Sicht der (Bau)kunst an.

Danach geht man zügig in den Dom und läßt den Ausstellungsort "Hohe Lilie" - an dem man vorbeikommt - zunächst erst einmal liegen. Im Dom angekommen, geht es zunächst in völlig neu zugängliche Räumlichkeiten in der Marienkirche und der Klausur. Hier wird die Kathedrale von Reims vorgestellt, deren Austrahlung in viele andere europäische Länder reichte. Es wird erklärt, warum Naumburg Bischofssitz wurde und wie diese neue Machtposition durch die Gestaltung des Doms unterstrichen werden sollte. In der Klausur erfährt man, welchen Weg der Naumburger Meister genommen hatte und wovon er beeinflußt wurde und welche Zeugnisse es über die Stifterfiguren gibt.

Dann schreitet man eine Treppe hinab und es ist ratsam, in den neu geschaffenen Domgarten zu gehen um ein wenig das Gesehene zu verarbeiten und zu erfahren, welche Pflanzen dem Baumeister als Vorlage für die Kapitelle (das ist der Abschluß einer Säule, Betonung des Wortes liegt übrigens auf der letzten Silbe) dienten - z.B. Beifuß und Efeu.

Danach begibt man sich in den Dom. Hier lernt man zunächst etwas über die verwendeten Werkzeuge und Hilfsmittel, danach kann man sich über die Studien des Domkollegs informieren. U.a. wurde untersucht, welche Farbgebung die Figuren des Westlettners ursprünglich hatten bzw. wie sie 1518 übermalt wurden. Nach 2 weiteren Räumen mit Modellen des Westchores und des Meißner Doms (hier sind die letzten Arbeiten des Meisters zu finden, danach verliert sich seine Spur), erreicht man als Höhepunkt endlich den Westlettner und -chor. Ich habe den Dom schon öfters betreten, aber ich empfand diesen Moment jetzt nach der eingehenden Vorbereitung als überwältigend. Die Wirkung der Figuren ist zusammen mit den wunderbaren Fenstern unbeschreiblich.

Danach kann man sich zwischen dem West- und Ostlettner weitere Skulpturen ansehen. u.a. die Plastik des Hlg. Mauritius im Kettenhemd aus dem Magdeburger Dom. Abschluß ist die Plastik König Childeberts, ursprünglich in St. Germain-des-Prés aufgstellt - das ist "der Mann neben Uta" aus dem Ausstellungsposter - und nicht, wie viele meinen - Ekkehard. (Ich habe im Dom insgesamt ca. 6 Stunden verbracht).

Danach sollte man einen kleinen Spaziergang zum Domfriedhof machen- Diese befindet sich nur wenige Minuten vom Dom entfernt und zu sehen gibt es dort die Johanneskapelle aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts mit Elementen aus der Gotik Frankreichs. Auch ansonsten lohnt sich ein Spaziergang über den Friedhof, der fast völlig mit Efeu und Farn überwuchert ist. Das verleiht den wenigen Grabsteinen, die - teils ungefallen sind, ein höchst romantisches Aussehen (diese Grabsteine haben nichts mit der Ausstellung zu tun).

Zum Ende begibt man sich in die nun restaurierte Ägidienkurie neben dem Dom und kann darin die im ersten Stock befindliche Kapelle bewundern, die zeitglich mit dem Dom gebaut wurde. Besonders interessant ist das Fenster im ersten Stock - sowohl von außen als auch von innen.

Als krönenden Abschluß kann man sich nun im Dom die beiden Bände zu Ausstellung kaufen - Achtung, sie wiegen 6,5 kg! und der Kauf lohnt sich, da kein Mensch auf einmal die Fülle der Informationen verarbeiten kann. Danach kann man noch in der "Hohen Lilie" am Markt einiges über die Rezeption der Stifterfiguren und auch ihren Mißbrauch im Nationalsozialismus erfahren und Abgüssen Auge in Auge gegenüberstehen. Diese werden mittels aufgestellter Spiegel sehr geschickt präsentiert.

Wer nun noch mehr Zeit hat, fahre auf die Neuenburg nach Freyburg, nach Schulpforte, Merseburg und Zeitz - dort befinden sich Korrespondenzstandorte zur Ausstellung in Naumburg.

Etwas zu den Preisen:
Tagesticket EUR 12,00
ermäßigt: EUR 8,00
Dauerkarte: EUR 30,00
Begleitbände: EUR 49,99

Die Bahn bietet ein Kulturticket an, mit welchen man an einem Tag für EUR 39,00 zu Ausstellung fahren kann, weiteres findet man unter www.bahn.de

Als Ergänzung fahre ich nächste Woche noch nach Meißen - der Dom ist ebenfalls Korrespondenzstandort zu dieser Ausstellung.

Gruß
Britta
Britta
Dame / Ritter
Dame / Ritter
 
Beiträge: 142
Registriert: 09.09.2006, 18:59
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Nina117 » 03.08.2011, 14:23

Vielen Dank für die hilfreichen Tipps.
Bin vermutlich Ende Sept. wieder mal in Naumburg. Dann werde ich mir das auch ansehen. (Bin schon neugierig, denn meine Eltern haben im Dom geheiratet) Wie lang geht die ganze Ausstellung denn?
Servus Nina
Nina117
Jungfer / Knappe
Jungfer / Knappe
 
Beiträge: 58
Registriert: 20.07.2009, 15:33
Wohnort: A-8984

Beitragvon blue » 12.08.2011, 07:09

Danke für euren Tipp. Wir haben unseren Oktober Urlaub jetzt in diese Ecke von Deutschland gebucht. Bin total gespannt. Hoffe wir bekommen einen goldenen Herbst.
blue
Brettchenhinundherdreherin
Brettchenhinundherdreherin
 
Beiträge: 3927
Registriert: 25.12.2005, 21:01
Wohnort: Recklinghausen

Beitragvon blue » 23.10.2011, 15:58

Die Ausstellung war wirklich sehr gut Und da lag ein Brettchen gewebter Gürtel. :wideeyed:
Leider durfte ich keine Fotos machen und im Katalog ist nur ein ganz kleines.
Ansonsten ist die Ecke dort unten wirklich total Spannend. So viel gesehen und gelernt. Herzlichen Dank, ohne euch wäre ich da nie hingekommen.
blue
Brettchenhinundherdreherin
Brettchenhinundherdreherin
 
Beiträge: 3927
Registriert: 25.12.2005, 21:01
Wohnort: Recklinghausen


Zurück zu Museen und Ausstellungen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast