Mailingaktion zum Schutz von Kulturgütern

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Mailingaktion zum Schutz von Kulturgütern

Beitragvon Baerbel » 31.03.2006, 08:39

Hallo alle zusammen,

kam heute über die Keltenliste rein und braucht meiner Meinung nach viel Unterstützung.
Lest selbst.

Grüße
Bärbel

Handelsverbot für Hehlerware aus Raubgrabungen

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
liebe Freunde der Archäologie,

nach 35 Jahren des Verweigerns und Verschleppens ist es der
Bundesregierung nun doch zu peinlich geworden, dass Deutschland als
eines der letzten Staaten das UNESCO-Übereinkommen zum Schutz von
Kulturgut von 1970 noch immer nicht unterzeichnet hat. Ein Gesetzentwurf
wurde vom Kabinett beschlossen und steht kurz vor der Verabschiedung
durch Bundestag und Bundesrat.

Dieser Entwurf pervertiert jedoch die Ziele der UNESCO-Konvention und
orientiert sich primär an den Interessen derjenigen, die bislang die
Unterzeichnung der Konvention erfolgreich zu verhindern wussten: In den
Erläuterungen zu dem Gesetzentwurf wird unverblümt von den „berechtigten
Interessen des Handels“ gesprochen und davon, dass
„Wettbewerbsnachteile... für den Kunsthandel vermieden werden“ sollen
(siehe www.bundesregierung.de).

Träte das Gesetz in der jetzt vorliegenden Fassung in Kraft, so würden
de facto alle vor Inkrafttreten aus den Herkunftsländern geschmuggelten
Raubgrabungsfunde legalisiert. Nach diesem Datum aufgetauchte
archäologische Objekte dürfen nur dann nicht verhandelt werden, wenn sie
in einer im deutschen Bundesanzeiger veröffentlichten Liste erfasst
wurden. Archäologische Bodenfunde dürften zwar noch innerhalb eines
Jahres nachträglich auf die Liste gesetzt werden, aber nur dann, wenn
der exakte Nachweis der ursprünglichen Herkunft (bezogen auf einen
modernen Staat) erbracht wird. Bei Hehlerware aus undokumentierten
Raubgrabungen dürfte dies in aller Regel nicht gelingen. So wären
beispielsweise römische Raubgrabungsfunde von dem Kulturgüterschutz
nahezu völlig ausgeschlossen, gibt es doch alleine rund 30
Nachfolgestaaten des Imperium Romanum.

Doch selbst wenn die Herkunft eines Objektes bekannt sein sollte (weil
es beispielsweise am Zoll bei der Einreise bemerkt wurde) so soll auch
künftig in der Regel eine straffreie Einfuhr möglich sein und zwar auch
dann, wenn das Herkunftsland explizit ein Exportverbot erlassen hat.
Diese Exportverbote für archäologische Objekte, die in nahezu allen
Ländern gelten, sollen somit weiterhin von Deutschland ignoriert werden,
da eine andere Regelung angeblich „mit dem Grundgesetz kollidieren“ würde.

Was sogar in den USA eine Selbstverständlichkeit ist, die
Beschlagnahmung archäologischen Schmuggelgutes an den Landesgrenzen, ist
hier nicht vorgesehen (außer wenn jemand versucht Zollabgaben zu
hinterziehen). Schildkrötenpanzer, Papageienfedern und Elfenbeinanhänger
können aber sehr wohl an deutschen Grenzen beschlagnahmt werden.

Die beabsichtigte de facto - Legalisierung archäologischer Hehlerware
wird den Umsatz fördern, neue Nachfrage erzeugen und die Ausplünderung
von Fundstätten und Museen forcieren. Kein Kulturgüterschutz sondern ein
Raubgrabungs-förderungsgesetz wurde formuliert!

Ausführliche Informationen und Dokumente finden Sie auf der extra
eingesichteten Website http://web.uni-marburg.de/vorgeschichte/protest.html

Nur durch massiven Protest kann hier das Schlimmste verhindert werden.
Schreiben Sie an die Abgeordneten des Bundestages, denen die Brisanz des
Themas wohl kaum bewusst sein dürfte.

Der einfachste Weg ist, unseren eigens hierfür eingerichteten Mailomat
(http://web.uni-marburg.de/vorgeschichte/protest.html) zu nutzen. Hier
können Sie mit Ihrem Namen als Absender den als Attachement beigefügten
Protestbrief an alle Bundestagsabgeordneten mit einem Mausklick
schicken. Vorteilhaft (aber nicht unbedingt erforderlich) wäre, wenn Sie
den „Betreff“ individuell formulierten, ggf. auch den ersten Satz. Das
erschwert ein Ausfiltern der Mails. Noch besser sind eigene Schreiben.

Leiten Sie unsere Mail mit dem Attachement auch möglichst an alle Ihnen
bekannten Interessierten weiter.


Mit freundlichen Grüßen




Dr. Michael Müller-Karpe Prof. Dr. Andreas Müller-Karpe
Römisch-Germanisches Vorgeschichtliches Seminar der
Zentralmuseum Mainz Philipps-Universität Marburg
Ernst-Ludwig-Platz 2 Biegenstr. 11
D-55116 Mainz D-35037 Marburg
Tel +49 6131 9124277 Tel +49 6421 2822339
Fax+49 6131 9124199 Fax+49 6421 2828901
muellerkarpe@rgzm.de vorgesch@staff.uni-marburg.de
(See attached file: RaubgrabungProtestmuster.doc)
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Kelten mailing list
Kelten@lists.univie.ac.at
http://lists.univie.ac.at/mailman/listinfo/kelten
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Beitragvon Baerbel » 31.03.2006, 22:40

Hi,

bitte unterstützt die Aktion. Das ist wirklich wichtig!!!

Sie ist seriös - kein Hoax - Ich kenne einen der Initiatoren (mein Prof von der Uni) und kann das einschätzen.

Übrigens habe ich selbst den Mailomat der Uni Marburg benutzt und ein Antwortmail (auch vorgefertigtes Massenmail) vom Büro von Monika Griefahn bekommen.
Daraus geht hervor, dass der Gesetzesvorschlag jetze erst mal dem Bundesrat, d. h. den Länderregierungen, zur Stellungnahme vorgelegt wurde.
Leute, es geht vielleicht auch noch was auf Länderebene! Schickt Briefe und Mails an die Zuständigen in den Bundesländern.
Ich werde mich jetzt am Wochenende mal drangeben.

Bitte macht mit, sonst wird Deutschland bald zu einem El Dorado für Raubgräber und ihre Funde - und die Geschichte bleibt auf der Strecke.

Liebe Grüße

Bärbel
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