Gewürze: antik und mittelalterlich?

Gaumenschmaus und Festgelage - was wurde aufgetafelt?

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Beitragvon Kattugla » 27.03.2009, 15:34

@meirah: das ist 'ne gute Idee. Und Gießen ist nun wirklich gleich um die Ecke...
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Beitragvon Alinor » 05.04.2009, 19:42

Das Thema Kochen/Backen/Gewürze begleitet mich seit gut 24 Jahren. Von daher hat sich einiges an Literatur angesammelt. Sorry, hab grad meine Bücher nicht zur Hand (Bücher zuhause, Internet bei meinem Freund)...

meine mich aber erinnern zu können, dass Würzwein schon mindestens seit der Römerzeit bekannt und gebräuchlich war. Ich glaub, von dem römischen hab ich auch ein Rezept...

Die verwendeten Gewürze und natürlich die Bezeichnung wandelten sich im Laufe der Zeit. Zwei Bezeichnungen sind mir aus dem MA bekannt und deren Rezepte kann ich gerne raussuchen:
- Claretum
- Hippokraz.

Bei der Recherche war ich erstaunt, wieviele Gewürze/Lebensmittel im MA bei uns schon bekannt waren. Aber nur die wenigsten sind hier auch heimisch. Das meiste wurde eingeschleppt/eingeführt.
Von dem, was heute bekannt ist, stehen auf meiner "Negativliste" folgende, im MA in Europa definitiv nicht erhältliche Gewürze:
- Piment
- Chili
- Paprika
- Vanille.
Die Liste ist nicht abschließend.
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Gewürze

Beitragvon Gundra » 17.07.2009, 12:02

Also, Gewürze nördlich der Alpen kannte, schätzte und nutzte man seit den Römern.

Im Hochmittelalter hatte man Handelskontakte mit Asien - Seidenstraße - und gerade durch die Reisen z.B. Marco Polo hatte man viele Kontakte. Im 12./13. Jahrhundert endeten die Überlandhandelsrouten in den Kreuzfahrerstaaten. Die Italienischen Hafenstädt wie Pisa, Venedig wurden steinreich durch den Transport von Rittern & Nachschub in die eine Richtung und Gewürze und andere Spezereien auf dem Rückweg.

Pfeffer, Galgant, Ingwer, Zimt ja - aber zu seinem Preis. Und der war gepfeffert - aber wer gesellschaftlich gut da stehen wollte - der fuhr davon reichlich auf.

Was es nicht gab war z.B. die Pfefferminze - die kam erst im 17. jahrhundert mit den ersten Kolonien der Engländer aus China zusammen überhaupt mit der Teekultur.

Grüße
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Viele Gewürze

Beitragvon Slania » 29.03.2011, 14:40

Die römische Küche ist eine Küche der Gewürze. Die Originalliste was für Gewüze unabningbar waren beinhaltet etwa 40 Gewürze oder Kräuter.

Die Römer hatten Handelsbeziehungen in den Orient, nach Japan, Indien. Sie kannten schon längst die Seidenstrasse, fanden aber auch den schnelleren Seeweg. Mit dem Untergang der Römerherrschaft gingen viele Handelsorte zugrunde und viel Handelswissen. Auch das typische Süssen mit eingekochten Traubenmost ging vergessen.

Man muss sich also eher fragen, welche Küche man darstellt. Die Römer kannten noch mehr Gewürze rsp verfügten darüber, als im Mittelalter. Hier muss man auch bedenken, dass auch das Klima schlecht war und vermutlich vorwiegend mit Wildkräutern gekocht wurde.
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Re: Gewürze

Beitragvon Tjorven » 29.03.2011, 16:39

Gundra hat geschrieben:Was es nicht gab war z.B. die Pfefferminze - die kam erst im 17. jahrhundert mit den ersten Kolonien der Engländer aus China zusammen überhaupt mit der Teekultur.


Echt? Aber zum Beispiel die Wasserminze ist doch einheimisch, oder?! Und Karl der Große hat den Anbau von verschiedenen Minzen schon Anfang des neunten Jahrhunderts empfohlen...

Hier gibt es einen Gewürzladen, der selber Gewürzmischungen herstellt, unter anderem auch (spät)mittelalterliche Gewürze. Die genaue Zusammensetzung weiß ich jetzt nicht, aber auf jeden Fall ist Zimt drin. Muß wohl recht beliebt gewesen sein, gut, wenigstens ab dem 16. Jhd...
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Beitragvon Chrissie » 29.03.2011, 18:21

Wie kommt es dann zur Sage von Hades und Minthe?

Edit:
Die heute übliche Pfefferminze ( Mentha piperita) ist eine Kreuzung, die im 17. Jahrhundert entstand.
Sehr wohl gab es aber Poleiminze, Wasserminze und andere Wildarten.
Liebe Grüße,
Chris

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Re: Viele Gewürze

Beitragvon Carola » 29.03.2011, 22:04

Slania hat geschrieben:Man muss sich also eher fragen, welche Küche man darstellt. Die Römer kannten noch mehr Gewürze rsp verfügten darüber, als im Mittelalter. Hier muss man auch bedenken, dass auch das Klima schlecht war und vermutlich vorwiegend mit Wildkräutern gekocht wurde.


Das ist mal wieder so eine wunderbare Vereinfachung.
Ja, man sollte sich bewusst machen, welche Küche man darstellt. Auch im Mittelalter gibt es da nämlich durchaus Unterschiede. Nicht nur zwischen Arm und Reich. Auch im Mittelalter importierte man fleißig Gewürze, baute mediterrane Kräuter und Pflanzen an und züchtete neue Sorten.
Das Klima war übrigens nicht so schlecht, sondern im Jahresschnitt sogar noch ein bisschen wärmer, als heute, so dass man sogar Feigen anbauen konnte.
Aber die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und so ist es kein Wunder, dass sich die mittelalterliche Küche (wenn man bei einer Epoche von 1.000 Jahren überhaupt von "die" sprechen kann) von der römischen unterscheidet. Außerdem kommt noch dazu, dass beim Kochen wenn möglich auch die Temperamentenlehre berücksichtigt werden musste - was auch unmittelbar auf den Geschmack wirkt.
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Beitragvon brenna » 30.03.2011, 09:45

Minzsorten gibt es eine Menge. Die Pfefferminze entstand wie von euch schon gesagt tatsächlich erst nach dem MA, aber es gab damals schon einige andere Minzen. Ich zitiere mal aus http://de.wikipedia.org/wiki/Minzen für die, die gerne A-Minzsorten hätten:
"812 schrieb Karl der Große bereits vier Minzearten für den Anbau in Gärten in seinem Reich vor (siehe Karlsgarten): Polei-Minze (Mentha pulegium), Wasser-Minze (Mentha aquatica), Ähren-Minze (Mentha spicata) und Ross-Minze (Mentha longifolia)."
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Beitragvon brenna » 30.03.2011, 10:01

Noch ein Nachtrag zum Thema Met:
Mein Ex hat da mal welchen gebraut, mit Wasser, Honig, Hefe (weiss nimmer was für eine), einem geriebenen Apfel und Mädesüß. Ich meine das war alles. Irgendwelche exotischeren Gewürze waren jedenfalls mit Sicherheit nicht drin. Und der war hammerlecker. (also wenn man auf eher süßen Met steht zumindest ;-) )
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Beitragvon blanche_fleur » 30.03.2011, 10:29

vergesst diese herumreiterei mit der Minze! Das ist doch wieder eine dieser "Weisheiten" die einfach jeder halbwegs verblödete Autor dem anderen abschreibt.... Dass die Sorte "Mitcham" in England 1750 angebaut und bis heute erhalten blieb, gibt noch lange keinen Hinweis darauf, welche Minzen im MA tatsächlich vorhanden waren!
Die Menta x piperita ist eine natürlich entstandene Kreuzung dreier einheimischer Minzen, die wahrscheinlich seit jahrhunderten (siehe Capitulare de villis vom grossen Karl) zusammen in den Gärten kultiviert wurden. Die Wahrscheinlichkeit, dass also schon vor 1750 derartige Bastarde entstanden, die ähnliche Eigenschaften wie die heutige Pfefferminze aufwiesen, ist also ziemlich gross..

Wenn schon detailbessesene "A" Diskussionen, dann bitte nicht mit Halbwissen...da kocht jede Gruppe frischfröhlich mit Früchten und Gemüsen und keiner schreit nach der "A"-tauglichen Sorte, hats aber irgendwo Minze drin geht das Geschrei los....
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