Einfache Tänze im Kreis?

Von Minnesang über Dudelsack und Lautenspiel bis zu mittelalterlichen Tanzschritten - Spielt auf zum Tanz!

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Einfache Tänze im Kreis?

Beitragvon Flinkhand » 26.12.2005, 21:40

Hexe ...
... Erstellt am 28.04.2005 - 20:09

Ich bin in einer Tanzgruppe. Das Problem ist, dass zu unserem Repertoire bisher kaum Tänze gehören, die man mit Einbezug de Publikums tanzen könnte.
Kennt von euch jemand einfache Tänze, die möglichst im Kreis getanzt werden und bei denen kein Patrnerwechsel, oder ähnlich "kompliziertes" vorkommt?
Bisher bin ich leider noch nirgens fündig geworden...



Ingo ...
Die Nadel
... Erstellt am 28.04.2005 - 22:30

Hallo Heike, da hättest Du bei unserem Flinkhandtreffen Anfang März Deinen Spaß gehabt - da war eine ganze Meute von Damen tanzwütig - Bilder dazu gibts unter Bilder vom Flinkhandtreffen

Schade, dass Bini z.Zt. ohne Zugriff zum Forum ist, die hat nämlich da die ganzen Fäden in der Hand gehabt und die "Puppen" tanzen lassen (schönes Wortspiel zu "unseren" Damen)

Aber Rigana wird da vielleicht noch etwas beitragen können, bis Bini wieder Forum-Online sein kann.

Dir noch einen schönen Tag

Gruß, Ingo



Alheydis ...
... Erstellt am 29.04.2005 - 10:58

Da hat sie mit euch wahrscheinlich den hier getanzt:

www.mittellande.de/bib/tanz/des_sabots.html

Und der ist auch nicht schlecht:

www.mittellande.de/bib/tanz/des_pois.html

Nur bei den Melodien muss ich leider passen.



Rigana ...
... Erstellt am 29.04.2005 - 11:27

Uffz... öh... ich find Tanzen toll und kann die Musik machen, aber leider kenne ich kaum Schrittfolgen

Wer weiterhelfen könnte, wäre noch Klara von Rheinbach. Sie ist in einer MA-Tanzgruppe.

Ansonsten hat die Uni Mainz noch tanzbegeistertes Personal: Historische Tänze

Liebe Grüße,
Rigana
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Einfache Kreistänze

Beitragvon Avenna » 07.02.2006, 22:44

Hallo,
also ich finde der Andro ist schon recht einfach ( ob der jetzt 100% "A" ist weiß ich nicht )
Ansonsten kenne ich nur Kreistänze die aus dem Weltmusik oder Orientbereich kommen !

Liebe Grüße

Avenna
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Beitragvon Lirana » 09.02.2006, 19:22

Nu weiss ich nicht ob es hier rein gehört oder zu Avennas Frage oder ein neuer Thread aufgemacht werden soll. Ich setz nu einfach mal zur Info was hier rein. Flinkhand, das Copy liegt bei mir, da es meinem Geschreibsel entsprungen ist. Die Quellen sind Google und diverse Fachbücher der Tanzliteratur allgemein.

...... Tanz ist einer der ältesten Formen der Kommunikation zwischenmenschlicher Beziehungen. Aber auch Bewegung der Tiere, z.B. in der Paarungszeit, wird so bezeichnet. Tanz drückt sich aus in reproduktiven oder improvisierten Bewegungen des ganzen Körpers nach rhythmischer Musik.....
.......Von der ägyptischen Kultur aus der Antike gibt es schriftliche und bildliche Zeugnisse, auf deren Darstellungen Sklaven zu sehen sind, die wahrscheinlich nur zu diesem Zweck gehalten werden. Auch hier war der Tanz Bestandteil religiöser Feierlichkeiten und Feste. Die Tanzriten stellten den Zyklus von Tod und Wiedergeburt des Gottes Osiris dar, bei denen der Jahreszeitenryhthmus vom Nil zum Ausdruck gebracht wird.
Bei den Griechen mit ihrem weit entwickelten Körperkult wurden die phyrrischen Tänze als Teil der Soldatenausbildung gefördert. Hier waren wahrscheinlich Sakraltänze der Ursprung des Tanzes im griechischen Theater. Auf Abbildungen ist zu sehen, dass ein Tragödienchor Verse mit Symbolgesten und Tanzschritten begleitet.
Von der römischen Antike ist bekannt, dass ihr Beitrag in dem mimischen Bereich hinein reicht. Trotzdem dass es berufsmässige Tänzer gab, die eher dem allgemeinen Künstlerbegriff wie Akrobaten oder Possenreißer zu zuordnen sind, entwickelte sich der Tanz nicht nennenswert weiter.
Im mittelalterlichen Europa missbilligte die mächtige Kirche den Tanz. Das Volk jedoch tanzte gegen den Willen des Klerus weiter. Aus diesen bäuerlichen Tänzen entwickelten sich die noch heute im Volkstanz gebräuchlichen Reigentänze. Volkstänze sind in der Regel Gruppentänze, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Zahlreiche dieser wurden zu den höfischen Tänzen der Renaissance weiterentwickelt. Aus diesen kristalisierte sich das Ballett an den Höfen Italiens und Frankreichs heraus. Im späten 17. Jhdt entstand daraus eine Gruppe von Berufstänzern.......
........Um einen reproduktiven Tanz zu wiederholen, benötigt man eine Niederschrift der Tanzschritte., eine Tanznotation. Eine der ältesten Formen erscheint um 1468 in zwei katalanischen Handschriften. Sie bestehen nur aus einer Kombination von waagerechten und senkrechten Zeichen, einzelnen Strichen in verschiedenen Bewegungsrichtungen. Aus einem Tanzbuch der Margaretha von Österreich sind Schritte wiedergegeben, die nur aus Anfangsbuchstaben bestehen. „Rbssdrb“ bedeutet Reverenze, Branle, Simple, Simple, Double, Reprise, Branle. Unter Ludwig XIV entwickelte sich das Berufsballett und damit ein voll entwickeltes Notationssystem. Der französische Tanzmeister Raoul Auger Feuillet veröffentlichte 1700 seine „ou l´art d´ecrire la danse par caractères, figures et signes démonstratifs“ als sein Buch der Choreographie. Die Position und die Figuren des Tänzers werden im Raum durch Linien aufgezeichnet, auf der Schritte und Armbewegungen festgehalten sind. 1590 erschien in Langres das erste Buch: Die Lehre der Tanzbeschreibung, Orchesographie von Thoinot Arbeau mit 35 Renaissancetänzen mit der gleichen Beschreibung wie ca. 100 Jahre vorher bei Margaretha von Österreich. Mit Fortschreiten der Ballettkunst gewann auch die Notation an Bedeutung. Man begann die Körperstellung mit Strichmännchen aufzuzeichnen. Der Choreograph Arthur Saint Leon zeichnete 1853 Strichmännchen auf Notenlinien, wobei dies zum erstenmal aus der Sicht des Zuschauers geschah. ........

Das heisst also, das lange Zeit die Tanzschritte nur mündlich weitergegeben wurden.

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faröer tänze

Beitragvon perchta » 06.04.2006, 20:35

hi,

ich habe vor ein paar jahren mal einen workshop mitgemacht, bei dem die alten lieder und tänze von den faröer inseln behandelt wurden. bei diesen tänzen hängt sich manchmal das ganze dorf mit ein und es wird im kreis, aber auch in schlangenlinien eine art stampf-tanz mit gesang gemacht. die frau, die diesen workshop leitete, hat ca. ein jahr dort gewohnt, um die traditionen der menschen zu studieren.
sie geht davon aus, dass in dieser abgeschiedenheit die bräuche wohl noch sehr ähnlich den mittelalterlichen bräuchen sei, so wie auch die faröer sprache wohl noch dem altnordischen am ähnlichsten sei.

so, jetzt versuche ich mal eine schrittanweisung:
die nebeneinanderstehenden tänzer unterhaken sich in der form, dass die unterarme nach vorne abgewinkelt werden, einer hält die handfläche nach oben, der nächste umschlingt den arm und legt seine hand mit der handfläche nach unten dann darauf. die oberarme werden fest an den körper gedrückt, so dass die tanzenden auf "tuchfühlung" kommen.
der schritt ist eigentlich ganz einfach:
1. schritt nach links - rechter fuß zieht nach.
2. schritt nach links - rechter fuß zieht nach und tippt nur an.
3. schritt nach rechts - linker fuß zieht nach und tippt an.
dann wieder von vorne
nach punkt drei kann noch ein hüpfer auf beiden füßen eingefügt werden.

dieser schritt kann auf fast jede mittelaltermusik getanzt werden, erst langsam üben, dann versuchen, in einen schnelleren rythmus überzugehen.
bei sehr langsamen liedern kann der schritt in eine art schwingen der gesamten gruppe übergehen.

in der regel gibt es eine art vortänzer, der die gruppe anführt und den weg der schlange bestimmt. das offene ende ist bestens dafür geeignet, umstehende gäste zu fassen und in den tanz mit einzubeziehen.

das besondere an den faröer tänzen mit den gesängen ist, dass die schlangenlinien so ineinander getanzt werden, dass die tänzer bauch an bauch aneinander vorbeitanzen und sich dabei ins gesicht schauen und grüßen (zunicken und lächeln).

viele grüße
perchta

der faröer tanz mit holzschuhen am meisten spaß macht :biggrin:
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Beitragvon marled » 06.04.2006, 20:55

Ich habe die färingischen Tänze mal auf Island anlässlich der Faröer-Tage in Stykkishólmur gesehen und habe sehr überrascht festgestellt, dass sie einschließlich der Armhaltung fast so wie die bretonischen Tänze sind und die sind ja sehr alt.
In Island selbst ist nur ein Tanz aus früherer Zeit übrig geblieben: der Vikivaki, der auch so ähnlich gehrt wie der von Perchta beschriebene.
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Beitragvon Lirana » 06.04.2006, 21:05

Ählichkeiten findest du auch bei den bretonischen Tänzen heute noch, von denen man auch sagt, dass sie noch lange zurück reichend überliefert sind.
Diese von dir beschriebene Tanzart ist auch in einem meiner Bücher beschrieben, aber frag bitte nicht nach welcher Melodie, das müsste ich suchen. (Wenns gewünscht wird, nach dem Urlaub)
Man hat mal die Vermutung geäußert, dass diese Tänze, bretonisch oder isländisch oder oder oder ins keltische bzw in ganz alte, teilweise vorchristliche Rhythentänze eingreifen, da vielfach diese Schritte noch im afrikanischen Ursprünglichen nach Trommel fast genauso getanzt werden.

(äh, verständlich ausgedrückt :gruebel: )

Gruß Lirana
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Beitragvon marled » 06.04.2006, 21:38

@lirana
Ja, ich verstehe dich schon.
Wenn man mal bretonische Tänze im Ursprungsland auf einem der unzähligen Festou-noz zwischen hunderten von Tänzern getanzt hat, kann man sich leicht in Gedanken 1000 oder 2000 Jahre zurückversetzen, zumal die festou-noz auch oft draußen in der freien Natur stattfinden und auf den kleinen Festen oft keine elektronische Verstärkung der biniou und bombardes stattfindet. Das Ganze hat was sehr archaisches und mitreißendes.
Eine schriftliche Notation der Tanzschritte findet sich übrigens bei Arbeau das erste Mal, aus früheren Quellen sind nur die Namen der Tänze bekannt.

marled, die sich auf ein verlängertes Tanzwochende auf der Printemps de Chateauneuf du Faou freut
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Beitragvon perchta » 07.04.2006, 11:01

ich persönlich würde die bedeutung der tänze weniger in mysthischen (habe ich rythentanz damit richtig verstanden?) ursprüngen suchen. diese art des zusammentanzens ist auf jeden fall eine möglichkeit, bei festlichen anlässen die soziale komponente einer gruppe/dorfgemeinschaft zu stärken, da hier alle gleichberechtigt mittanzen und die gesänge sich meist auf alte und neue geschichten über die jeweiligen bewohner oder ihre traditionen bzw. sehnsüchte beziehen.

beispiel aus dem flóvin baenadiktsson:

Es war am frühen Morgen, die Sonne begann zu scheinen
Marita schlüpfte aus dem Saale mit ihren Frauen im Gefolge
Kehrreim:
Laß mich schlafen in deinen Armen reiche Jungfrau
org.: "lat meg sova á tínum armi rika jomfrúva"

viele grüße
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Beitragvon perchta » 07.04.2006, 21:33

ich habe mal in meinen unterlagen gestöbert und noch was gefunden:

der grundschritt des faröer tanzes entspricht exakt dem branle simple und ist verwandt mit formen des carole.
wichtig beim faröer tanz ist der skipari -vorsänger- , der die ballade auswählt und das tempo, die tonhöhe sowie das rythmische verhältnis zwischen tanzschritt und gesungener ballade bestimmt. er (oder sie) führt die tänzer an und ist stets bemüht, den vortrag so mitreißend zu gestalten, dass die ballade zu einem erlebnis wird. häufig wurde (und wird immer noch) mehrere stunden am stück getanzt, wobei es üblich ist, während des tanzes den reigen zu verlassen, um sich auszuruhen. der vorsänger erzählt in den strophen die ballade, die tanzgruppe antwortet nach jeder strophe mit einem kehrreim. in der tanzkette wird dazu der grundschritt mitsonnen (nach links) getanzt.

die ältesten augenzeugenberichte über tänze auf den faröer inseln stammen aus dem 17. jahrhundert. die melodien werden noch heute mündlich weiter gegeben, niederschriften dienen eigentlich nur der wissenschaftlichen diskussion. es gibt zwei arten der melodik, die kvaedi, die einen geringen tonumfang haben und in einem sehr schnellen rythmus vorgetragen werden, sowie die vísur, welches ein ruhigeres grundtempo und eine stärker entfaltete melodie vorweist.

die balladenverse bestehen aus 14 betonten silben, auf die jeweils ein schritt getanzt wird. da der faröer tanz aus 6 schritten besteht, entsteht ein spannungsverhältnis zwischen reim-rythmus und schritt-rythmus.

früher war der färöische tanz ent mit dem alltagsleben verbunden, wie bereits oben erwähnt zur förderung des sozialen kontaktes als auch als mittel zum aufwärmen und als erzieherisches mittel. noch heute lernen alle färinger den färöischen tanz in der schule.

so, das war ne kurze zusammenfassung, quellen sind:
andrea susanne opielka: tanz auf den färöer inseln, univ. bochum, magisterarbeit;
r. wolfram: reigen- und kettentanzformen in europa, tanzhistorische studie nr. 5

die betrachtung des färöischen tanzes gibt uns einen blick auf den tanz des frühen mittelalters, vielleicht auch auf die tanzformen der germanen frei.

viele grüße
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