Warum Instrumente immer selbst bauen?

Von Minnesang über Dudelsack und Lautenspiel bis zu mittelalterlichen Tanzschritten - Spielt auf zum Tanz!

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Warum Instrumente immer selbst bauen?

Beitragvon Flinkhand » 26.12.2005, 22:11

Rigana ...
... Erstellt am 20.11.2005 - 15:03

Ich weiß, wir sind ein Forum voller Selbermacher, die auch gerne ihre Grenzen austesten möchten.

Eine davon ist der Instrumentenbau, über den ich hier in letzter Zeit immer mehr lese und den ich am liebsten auch ausprobieren würde, wenn er nicht meine Grenzen übersteigen würde.
Als Musikerin hege ich Ansprüche an mein Instrument, die ich mir mit meinen Fähigkeiten nicht erfüllen kann: guter Klang und Dauerhaftigkeit.

Leider vermute ich dort eher, dass man einfach eine Sache billiger haben möchte, als sie im Handel angeboten wird ("Boah! Harfen sind ja so teuer! Da kostet eine ja 1200€. Dabei ists ja nur ein bissl Holz, Metall und Saiten" oderso...)

Bei einfachen/primitiven Instrumenten ist es durchaus möglich, auch im Eigenbau (damit meine ich OHNE Bausatz) beim 1. oder 2. Exemplar ein gutes Ergebnis zu erzielen.
Bei komplexeren Dingen kommt man kaum ohne Bausätze aus bzw. benötigt wenigstens einige Fertigteile - Hut ab vor denen, die ohne auskommen!

Es gibt garantiert eine Menge talentierter Leute, die auch ohne berufliche Instrumentenbau-Erfahrung sehr gute Instrumente bauen können.
ABER: ein gutes Instrument für gute Musik braucht auch gute Komponenten und diese gibts nicht im Baumarkt!
Zwar kriegt man auch aus Kiefernlatten eine Harfe hin, aber diese wird weder schön klingen noch lange halten. Sowas würde allerhöchstens Übung im Zuschnitt des Teils bringen.
Kauft man gutes Holz, Saiten, Metallkomponenten, Bauplan, Werkzeug etc. und investiert Zeit. Da sollte das Ergebnis doch mehr sein als etwas, das zum Glück Töne hervorbringt.
Selbst ein etwas kostspieligerer Bausatz benötigt kostspielige Zeit (z.B. einen Instrumentenbau-Kurs)!

Daher: wer nur selbst Instrumente baut, um bei der Anschaffung des eigenen Instruments eventuell einige Euros billiger wegzukommen, sollte sich das Ganze überlegen. Das Instrument wird nur so gut wie der Erbauer. Selbst ein begnadeter Spieler kann da nicht viel verändern.
Wer allerdings Instrumente baut, um das eigene Interesse an den eigenen Grenzen oder an der Physik der Musik zu befriedigen, ohne darauf zu hoffen, dass das erste Exemplar direkt problemlos spielbar ist (bzw. sein muss), dem sei sein Hobby gegönnt
Wie auch z.B. beim Bänderweben ist das erste Band nicht unbedingt das Schönste, auch wenn man mitunter stolz darauf ist. Die z.B. erste Harfe wird vielleicht wie ein Eimer klingen, aber man ist stolz darauf (wir haben hier so einen "Eimer" herumstehen).

Sorry für diesen Sermon , aber ich musste das mal loswerden.
Ein gutes und teures Instrument ist meist eine Anschaffung fürs Leben und unerlässlich für gute Musik.

Liebe Grüße,
Rigana, die schon immer von einer "Altus-Flöte" träumt



Ingo ...
Die Nadel
... Erstellt am 21.11.2005 - 10:26

Gut umrissen das Thema Andrea (wen wunderts?) ,

Ich denke, es hat schon immer Menschen gegeben, die fasziniert waren von der Idee, irgendwelchen Gegenständen Töne oder Geräusche zu entlocken - sei es zu eigenen Erbauung oder um andere zu beeindrucken oder ihnen imponieren zu können.

Das "Musik" mit "Geräusch" verbunden ist, welches nicht von allen als angenehm empfunden wird, wusste auch schon W. Busch zu berichten. Es wird also immer auch unterschiedliche Ansprüche zum "Klangerlebnis" des selbst gefertigten Instrumentes geben.

Deine "Warnung" sollten sich alle hier zu Herzen nehmen und beachten; denen, die sich den Spaß dadurch trotzdem nicht nehmen lassen, sollten weiter basteln und uns auch (zumindestens optisch) an den Ergebnissen teilhaben lassen

Gruß, Ingo



Sleipnir ...
... Erstellt am 21.11.2005 - 12:47

Ich muß Rigana beipflichten, wer bei der Anschaffung von Instrumenten zusehr spart, wird sich hinterher nur schwarz ärgern, ich spreche da aus reichhaltiger eigener Erfahrung, hier bei mir stehen auch so einige "Schnäppchen" in der Ecke, sind zwar dekorativ, aber es macht nicht wirklich Spaß, darauf zu spielen. Es sind zwar keine selbstgebauten Instrumente , aber ich habe letztlich genug Lehrgeld bezahlt, als das ich mich noch dazu hinreißen lassen würde, ohne fachmännische Betreuung durch einen Instrumentenbauer mich an komplexere Instrumente zu wagen. Selbst das richten und polstern einer Saxophonmechanik überlasse ich dem Instrumentenbauer meines Vertrauens.
dem der es kann, ich leider nicht.
Wen mir entsprechendes Rohmaterial zur Verfügung steht, bin auch ich keinem Experiment abgeneigt, aber beschränke mich da wirklich nur auf die o.g primitiven Instrumente
In diesem Sinne, lg Sleip



Adele ...
... Erstellt am 24.11.2005 - 11:32

Ohja, sehr aus dem Herzen gesprochen. Besonders für Marktmusik ist es sehr schwierig, die Instrumente sollen dann auch noch möglichst authentisch sein, aber nicht wetterempfindlich. Mittlerweile steh ich zu meinen Plastikflöten, die werden einfach nicht so schnell heiser wie die Mollenhauer und Moeck-Teile.
Beim Dreh war es sehr spannend, was fast alle anwesenden Musiker am Dudelsack meiner Mitspielerin auszusetzen hatten (mein Freund hat alles mitbekommen! - aber es war kein einziger von ihnen bereit, die eigenen Instrumente der Kälte und dem Schneeregen auszusetzen.
Tja, und selbst die Instrumente von Herstellern mit ausgezeichnetem Ruf haben dann manchmal noch ihre Macken (ich denk da an einen Dudelsack, der einfach nicht aufhört zu knurren...).
Ich mein, ich kauf ja auch nicht die billigen Saiten für meine Laute - auch wenn sie "nur" eine e-bay-Markthure ist. Da soll ja auch ein bisschen Klang rauskommen. Und ansonsten ist es wie mit den Spinnrädern: Wenn das Handwerkszeug nichts taugt, wirds auch mit der Musik schwierig....

Adele vom Werder



Moyra ...
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... Erstellt am 29.11.2005 - 06:38

Hallo,

Also selberbaun ist was für Liebhaber mit Experimentierlaune. Die meisten meiner Instrumente sind gekauft, aber einige habe ich im Laufe der zeit verändert, da mir z.B. die Saitenlage nicht gefiel (z.B.die Gitarre).

Ich finde, wer das mag, sollte es trotz Lehrgeld mal ausprobieren. (Bin mit meiner Flöte sehr zu frieden)

Es gibt zum Instrumentenbau auch ein sehr schönes Anfängerbuch, in dem erklärt wird, wie man mit preiswerten mitteln sich an den Bau von Instrumenten heranwagen kann.

Inhalt:
Aerophone (Flöten, Dudelsäcke und Pfeifen)
Idiophone (Klappern, Schellen und Ratschen)
Membraphone (Trommeln und Reibetrommeln)
Chordophone (Holzschuhgeige, Drehleier und Dosenbanjo)

Titel des Buches: Musikinstrumente selber bauen /Hugendubel Verlag / ISBN 3-89631-312-6

Nach diesem buch habe ich schon einiges im ersten Anlauf recht passabel geschafft selbst Kinder können danach Instrumente bauen.

Gruß Moyra (Instrumentebau find ich klasse, aber man sollte dabei als Leie seine Erwartungen an sich und sein Instrument nicht zu hoch schrauben. Schlieslich muß der Fachmann ja auch von etwas leben)
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