Wikinger-Musikinstrumente

Von Minnesang über Dudelsack und Lautenspiel bis zu mittelalterlichen Tanzschritten - Spielt auf zum Tanz!

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Wikinger-Musikinstrumente

Beitragvon Flinkhand » 26.12.2005, 22:17

Sleipnir ...
... Erstellt am 13.12.2005 - 12:28

Hallo zusammen.
In dieser jahreszeit, kurz vor Jul, frag ich mich immer, wie man sich wohl vor tausend Jahren das tagelange Jultrinken kulturell ausschmückte. Neben Skaldendichtung und Erzählungen mag ja wohl noch einwenig Platz gewesen sein, den man mit Musik füllen konnte.
Welche Musikinstrumente sind eures Wissens für die Wikingerzeit belegt? Knochenflöten? Trommeln? Saiteninstrumente?

Würde mich freuen, wen ihr da mehr wisst als ich...
IN diesem Sinne,
LG Sleip



David
... Erstellt am 13.12.2005 - 12:48 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen

Hallo,

es gibt da eine Cd mit Rekonstruktionsversuchen wikingischer Musik. Die Leute (alles Musikwissenschaftler) benutzen u.a. Knochenflöten und Leiern.
Die Cd heisst: "Wikingerklänge- mir träumte ein Traum" Sie dreht sich um das älteste wikingische Musikfragment das uns erhalten ist "Dromte mig en drom..." Es sind aber auch Stücke aus der Voluspa drauf.
Es ist kein Marktgedudel, sondern wissenschaftlich recherchierte Musikgeschichte mit einem ausführlichen, bebilderten booklet (sogar in deutsch!) zu wikingischer Musikgeschichte und den alten Instrumenten.
Ich glaube die Cd ist nicht mehr zu beziehen, weiß es aber nicht genau...
Unter Umständen würde ich meine veräussern. Ich habe es ja nicht so mit der Epoche.

David



Rigana ...
... Erstellt am 14.12.2005 - 12:11

@david könntest du mir Titel und Daten dieser CD geben? Reinhören tät ich ja gern
edit: ich blöd... Titel steht ja da. Aber Interpret?

Kürzlich bin ich über einen Artikel über Leierfragmente gestolpert. Ich werde die Daten dazu nochmal genau nachschlagen.

Vielleicht waren die Skaldendichtungen auch musikalisch unterlegt/unterbrochen. Ich stelle mir da weniger was Gesungenes vor, da bereits die Parameter für eine richtige Skaldenstrophe eine Wissenschaft und Sprachmusik für sich sind...

Liebe Grüße,
Rigana



David
... Erstellt am 14.12.2005 - 13:23

Hallo Rigana,

ja das ist, bis auf ein Lied, alles instrumental.
Hab das wesentliche mal eingescannt:

http://home.versanet.de/~d-seidlitz/cd1.jpg
http://home.versanet.de/~d-seidlitz/cd2.jpg
http://home.versanet.de/~d-seidlitz/cd3.jpg

Sehr schöne, ruhige, meditative Musik. Besonders interessant: alle Instrument sind Rekonstruktionen von regionalen von Funden.

David



Ingo ...
Die Nadel
... Erstellt am 14.12.2005 - 14:37

Alte Musikinstrumente zu rekonstruieren aus Abbildungen, Beschreibungen oder Funden kann ich mir noch vorstellen, aber wie wird eine Musik, die seit mehr als 1000 Jahren keines Menschen Ohr merh vernommen hat wieder rekonstruiert - sind dazu Noten gefunden worden? Oder werden rein "meditativ" Klänge der Natur mit den rekonstruieren Instrumenten nachempfunden? Wie kommt so eine CD zustande?

Gruß, Ingo



David
... Erstellt am 14.12.2005 - 16:06

Hallo Ingo,

für das Titelstück gibt es ein rekonstruierbares Notenfragment (in welcher "Schrift" auch immer...). Die konkreten intonisierenden Instrumente sind allerdings nur eine Idee dessen, und stützen sich auf Instrumentenfunde.
Wie gesagt, es gibt zu der CD ein sehr umfangreiches Booklet. Darin wird die Entstehung der Lieder genauestens erläutert. Mehr kann ich dazu nicht sagen, ich bin kein Musikhistoriker...
Aber aus dem hohen Mittelalter gibt es wohl auch überlieferte Noten. Da müsste man sich nochmal an berufener Stelle informieren.

David



Beate ...
... Erstellt am 14.12.2005 - 16:43

Die Gruppe Sequentia hat sich mal darin versucht, die Lieder-Edda zu vertonen, so wie es vielleicht im Island des frühen Mittelalters geklungen haben könnte.

Die CD heißt "Edda: Myths from Medieval Iceland"

http://www.spielleut.de/cdvorst22.htm



Rigana ...
... Erstellt am 15.12.2005 - 10:37

Das hohe Mittelalter hat verglichen mit den paar frühen Dokumenten einen reichen überlieferten Musikschatz.

Wenn man nach Frühmi-Musik sucht, geht es nur selten außerhalb des geistlichen Repertoires. Das hat aber nix mit der originalen Verteilung von Musikausübung zu tun, sondern nur mit der Verschriftlichung.

Ich glaube nicht, dass es sich bei der CD hier um eine "mystische" Zusammenstellung von esoterisch angehauchtem Naturzeugs handelt, auch wenn einiges wohl nur klanglich und nicht melodisch nachempfunden werden kann.
Was mich nun fasziniert, ist das rein instrumentale bzw. die fast ausschließlich instrumentale Umsetzung des Ganzen.
Vokalmusik war zu etwas späteren Zeiten und in anderen Breitengraden die vorherrschende Form (Stimme hat man fast immer dabei )
Bei einigen der Titeln vermute ich auch einen vokalen Ursprung.

Eine wirklich seriöse CD mit solch alter Musik auf originalen Instrumenten verlangt viel wissenschaftliche und musiktechnische Vorarbeit.
Im Gegensatz zu neueren Sachen muss vieles von dem, was die Musiker tun, gerechtfertigt werden... "Warum verwende ich dort Leier und Gesang, aber keine Trommel etc..." Hinzu kommt auch noch eigene künstlerische Gestaltung.
Irgendwie haben wir ähnliche Dinge auch in anderen Rekonstruktionsbereichen - denkt mal an Kleidung

Alles Gute,
Rigana
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