Ross und Reiter

Welche Sitten und Gebräuche pflegte man im Mittelalter? Ob christlich oder heidnisch - hier wird es diskutiert.

Moderator: Moderatoren

Beitragvon Opium-Angel » 08.08.2012, 08:04

Vom Percheron weiß ich, dass es ihn so oder so ähnlich im Mittelalter schon gab. Er war zwar ein bisschen kleiner als heutzutage (wobei die Riesen-Perchis der Amis eigentlich auch nix mehr mit dem aktuellen Rassebild zutun haben und insofern ein falsches Bild abgeben...) und wahrscheinlich auch einen Hauch "schlanker", aber gerade der Percheron ist ja ein eher "kleiner" und "schlanker" Kaltblüter. - Laut Rassebild! Nicht laut dem, was einige so zamm züchten!

Dass man auf alten Datstellungen keine "dicken" Pferde sieht, liegt denk ich an der damals doch nicht ganz naturalistischen Darstellungsweise. Erst mit der Renaissance kamen Künstler auf die Idee, Personen und anderes naturalistisch abzubilden und Perspektive im Bild einzubauen. Vorher war es so, dass die wichtigen Sachen/Personen groß dargestellt waren und die "unwichtigen" (wie Diener und so) sehr klein. Das hatte aber nix damit zutun, dass die großen näher dran waren als die kleinen etc.
Ich weiß grad leider nicht mehr genau, wie das Bild heißt, aber es gibt eine spätmittelalterliche Darstellung von (wahrscheinlich) Jesus, der von zig Tieren umgeben ist. Die kann man zwar größtenteils erkennen, aber eigentlich ist keines davon wirklich "naturgetreu" gemalt - vor allem nicht, was die Größe angeht! Insofern erscheint's mir logisch, dass es eben für "Pferd" genau eine "Malweise" gab, egal ob Pony, Araber, Warmblüter, Kaltblüter oder Fohlen.


Ich denke, die Leute meinen, weil man bei Ritterspielen einhändig reiten muss und man im Westernreiten - zumindest wenn man Fortgeschrittener is - einhändig reitet, muss das ja zusammen poassen. Blödsinn.
Doma Vaquera o.ä. passt m.E. auch viel besser - und die klassicher weise dafür hergenommenen Pferde samt Ausrüstung passen auch viel besser ins Bild. ;-)
Selbst Englisch gerittene Pferde könnte man an "freihändiges Reiten" gewöhnen. Sollte ja auch kein Problem sein, denn wir haben ja Schenkel, Gewicht, Stimme - brauchen also eigentlich keine Zügel. :-)
Hab ich selbst mal in ner Reitstunde erlebt: "So, bevor wir die Zügel annehmen macht ihr mal aus der Ecke kehrt - und wehe einer zieht sein Pferd am Zügel rum!!! Die bleiben lang!!!" - Und mein liebes, tolles Knuddel-Schulpferd war noch unverdorben genug, dass ich ihn tatsächlich nur mit Schenkel und Gewicht zu ner engen Wendung überreden konnte! *freu*
Und die ganzen Bahnfiguren, Quadrille-Reiten und so Kram kommen ja eigentlich auch aus der Kavallerie. Man stelle sich mal die preußische Kavallerie mit Westernsattel und langen offenen Zügeln vor... Neeeeeeee! :roflrofl:
Dann eher so: Husaren zu Pferd
Enter the realm, don't stay awake
The dreams remain, they only break
Forget the task, enjoy the ride
And follow us into the night
- Nightwish "Nightquest" -

Wichtelbogen
Benutzeravatar
Opium-Angel
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 305
Registriert: 26.02.2012, 12:44
Wohnort: Altdorf b. Nürnberg

Beitragvon Klara » 08.08.2012, 13:11

Ich denke, es ist ziemlich schwierig, etliche hundert grosse Gangpferde zusammenzukriegen, die im Gleichschritt marschieren (oder zumindest im gleichen Tempo tölten). Erschwinglich müssen sie auch noch sein, und einen guten Galopp haben, und schussfest und grundsätzlich robust sein. Und überhaupt, wen interessiert der Komfort des Kavallarie-Rekruten, wenn ihm was am Trab nicht passt, soll er doch zur Infantrie gehen!

Vor der Kutsche braucht man die Sondergänge (die ich - in der bequemen Variante - für anstrengender als Trab halte (wieviele Distanzritte werden im Tölt gewonnen?)) schon gar nicht. (Tölt nehme ich hier übrigens als Oberbegriff für alle bequemen flotten Viertaktgangarten).

Gangpferde haben sich da gehalten, wo die Leute, mangels ausgebauter Strassen, im Sattel gereist sind. Hmm, so betrachtet sollte es eigentlich in Osteuropa bis Asien etliche Tölter geben - weiss da jemand genaueres? Mir fallen nur die Inder mit den Säbelohren ein... In der letzten Mongolei-Doku habe ich nur Schritt, Trab und Galop gesehen (und einen erschreckenden Mangel an Horsemanship beim Züchter).

Ciao, Klara
Klara
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 470
Registriert: 29.12.2005, 11:38

Beitragvon Opium-Angel » 08.08.2012, 13:27

Klara hat geschrieben:Und überhaupt, wen interessiert der Komfort des Kavallarie-Rekruten, wenn ihm was am Trab nicht passt, soll er doch zur Infantrie gehen!

:volldolllol: Jawoll! *kicher*

Klara hat geschrieben:Mir fallen nur die Inder mit den Säbelohren ein...

Du meinst Marwari, gell?
Dazu steht auf http://www.spezialrassen-online.de/pferderassen/marwaripferde/index.html folgendes:
Viele Marwaripferde verfügen über eine 4.Gangart, dem sogenannten Revaal, einen lateral verschobenen Tölt, der sehr bequem zu sitzen ist und sowohl langsam als auch schnell gelaufen wird. Besonders häufig findet man ihn in Pferden die in der Wüste geboren und aufgewachsen sind.


Ich wüsste jetzt auch keine Gangpferde aus der Ecke... :gruebel:
Enter the realm, don't stay awake
The dreams remain, they only break
Forget the task, enjoy the ride
And follow us into the night
- Nightwish "Nightquest" -

Wichtelbogen
Benutzeravatar
Opium-Angel
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 305
Registriert: 26.02.2012, 12:44
Wohnort: Altdorf b. Nürnberg

Beitragvon marled » 08.08.2012, 14:13

Viele Araber/Berber sind lateral veranlagt, Arravanis aus Griechenland, die Mongolenpferde werden ebenfalls besser bezahlt, wenn sie tölten, des weiteren gab es bis zum letzten Jahrhundert den sogenannten Bidet (heißt tatsächlich so) in der Bretagne, selbst bei den spanischen Pferden oder Lusitanos gibt es immer mal wieder lateral veranlagte, aus denen dann auch schlussendlich die Gangpferde Amerikas hervorgegangen sind. Und natürlich nicht zu vergessen die Traber, die eine durchaus geförderte Lateralveranlagung haben so wie andere hochblütige Pferde.
Marled
marled
Herzogin / Herzog
Herzogin / Herzog
 
Beiträge: 1198
Registriert: 25.12.2005, 14:50
Wohnort: Naurath

Beitragvon Opium-Angel » 08.08.2012, 15:17

Fassen wir also zusammen: Die Zusatzgangarten sind bei vielen Rassen zwar veranlagt, werden aber nicht gefördert. Es wurde also nicht wirklich was "weggezüchtet" oder "dazugezüchtet", sondern lediglich das Augenmerk in der Ausbildung im Laufe der Zeit verschoben. So wurden drei Gangarten also zur "Regel" bei den allermeisten Pferderassen und bei einigen wenigen Rassen wurden sie weiter gefördert, womit die als klassische "Gangpferde" bekannt wurden/sind.
Und dass es immer mal wieder Ausnahmen gibt, welche die Regel bestätigen, beweisen diverse Talente an Stellen, wo man sie nicht erwartet. :-)
Enter the realm, don't stay awake
The dreams remain, they only break
Forget the task, enjoy the ride
And follow us into the night
- Nightwish "Nightquest" -

Wichtelbogen
Benutzeravatar
Opium-Angel
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 305
Registriert: 26.02.2012, 12:44
Wohnort: Altdorf b. Nürnberg

Beitragvon Verry » 12.08.2012, 19:09

Irgendwo hab ich mal gelesen, dass man für Kutschen Pferde mit Vorwärtszug statt mit Aufwärts gezüchtet hat. (fragt sich nur wo? :gruebel: ) Da seien dann die Gänge einfach unter den Tisch gefallen. A propos Reiter und Pferde bei Ritterspielen: ja, ich finde auch dass viel zu wenig schwere Pferde dabei sind. Wenn ich mir im Vergleich dazu unser Friesen-Kaltblut-Mix Schulpferd angucke, der schreit geradezu nach Rüstung ;-) . Gestern war ich auf dem Spectaculum in Sierhagen. Was die mit scharfen Westernstangen da angestellt haben :buhaeh: Das brauchts nicht. 90% von dem, was die da gemacht haben, hätte man auch gebisslos/ Halsring reiten können- mit vielleicht 3-4 Monaten Training, ok, aber sowas....
Benutzeravatar
Verry
Gräfin / Graf
Gräfin / Graf
 
Beiträge: 704
Registriert: 05.01.2012, 17:20
Wohnort: Bonn

Beitragvon claudi87 » 12.08.2012, 19:19

das denk ich mir bei den mps-ritterspielen aber schon länger, grade der eine schimmel lief schon vor zwei jahren immer mit aufgesperrtem maul und wehrte sich gegen das scharfe gebiss...nicht schön.
ich hätt (aufgrund persönlicher präferenz) auch lieber mehr schwere pferde...:)
claudi87
Magd / Knecht
Magd / Knecht
 
Beiträge: 40
Registriert: 22.10.2011, 13:11
Wohnort: Kiel

Beitragvon Verry » 12.08.2012, 19:50

Ja, so mehr in Kaltblutrichtung wäre knuffiger.... unser Jascha ist ein heißer Halsing-Kandidat, sobald er nicht mehr über seine eigenen Hufe stolpert... Aber was die gestern gezeigt haben könnte ich einem unserer Schulpferde in 3 Wochen beibringen (der lässt sich nämlich schon freihändig galoppieren, mit Halsring Vorhandwende und Schenkelweichen reiten usw- und für anrempeln ist er immer zu haben ;-) )
Benutzeravatar
Verry
Gräfin / Graf
Gräfin / Graf
 
Beiträge: 704
Registriert: 05.01.2012, 17:20
Wohnort: Bonn

Beitragvon Klara » 13.08.2012, 11:42

Die scharfen Gebisse sind allerdings "A" - schon mal in einem Museum oder Buch - geschaut, was die armen Tiere damals im Maul hatten? Da ist das LTJ-Bit noch vergleichsweise harmlos... Von den Sporen gar nicht zu reden.

Aber, sagt mal, treten da wirklich Westernreiter in Westernklamotten auf???? Das würde ich ja nun extremst deplatziert finden.

Ciao, Klara
Klara
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 470
Registriert: 29.12.2005, 11:38

Beitragvon claudi87 » 13.08.2012, 12:29

naja,westernklamotten nicht, schon rüstung und wappenrock. aber sättel und zaumzeug sind bei manchen pferden eindeutig westernsachen. aber es ist das mps, da machen auch die westernsättel keinen unterschied. aber ein etwas feinerer umgang mit den pferden wäre schöner. finde ich zumindest.
claudi87
Magd / Knecht
Magd / Knecht
 
Beiträge: 40
Registriert: 22.10.2011, 13:11
Wohnort: Kiel

VorherigeNächste

Zurück zu Sitten & Gebräuche

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron