Ross und Reiter

Welche Sitten und Gebräuche pflegte man im Mittelalter? Ob christlich oder heidnisch - hier wird es diskutiert.

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Beitragvon Verry » 13.08.2012, 14:34

Ja, die Gebisse scheinen so gefunden worden zu sein... aber wenn man keine A-Sättel hat, braucht man doch auch keine A-Gebisse, zumal wenn sie den Pferden wehtun (ja, ich hab bei Gebissen strenge Maßstäbe, ich weiß, aber wer mal auch nur eine einfach gebrochene Wassertrense in der Hand hatte und kräftig an den Zügeln gezogen hat, weiß warum). Oder, wenns a aussehen soll, sprich mit Anzügen, vielleicht so was wie dieses Gebiss hier, aber mit den Zügeln in den oberen Ring verschnallt, das ist nicht ganz so scharf.Gebiss Oder einfach nicht so fest reingreifen...
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Beitragvon Opium-Angel » 13.08.2012, 15:25

... Oder einfach Pferde nehmen, die man nicht mit angezogener Handbremse reiten muss. Kaltis eben. :-)

Ich war gestern auf dem Further Drachenstich und hab mir auch den Festumzug vorher angeschaut (und fotografiert). Ich muss sagen: Die Pferde haben mir gefallen! :hurrah: Gut zwei Drittel Kaltblüter (1- bis 6-Spänner und geritten) und etwa genausoviele Hafis (ohne Araber-Einschlag, eher die schweren Typen) wie "sonstige Warmblüter". Und die eine Westernreiterin dort ist extrem aufgefallen: Hatte zwar Wappenrock an, aber Westernpad, -sattel, -trense und den "lässigen Reitstil". Ihre "Gardistenkollegen" waren wohl Englischreiter, aber die haben ihre Vielseitigkeitssättel unterm Wappenrock oder Schaffell versteckt und über die Zügel Stoffdeko gezogen.
Gut, Furth is etz auch ein Sagenspiel, das im ausgehenden Mittelalter angesiedelt ist, also nix "historisches" - höchstens insofern dass es aus der Fronleichnamsprozession mit St.Georgs-Spielen gemischt hervorgeht... Egal! Aber die haben sich echt bemüht, zumindest ambientig auszusehen!
Und die Kaltblüter... Hach... *schmacht* Gut die Hälfte davon hätt ich sofort eingepackt und mitgenommen...
Und zum Thema Gebisse dort:
Viele hatten entweder breite Kutschkandarren (haben wir auch für unsern und er ist absolut nicht hart im Maul dadurch - man muss halt mit umgehen können...) oder die "Arbeitsgebisse" ausm Wald am Lederhalfter eingeschnallt oder stinknormale Wassertrensen. Eine ist mit Glücksrad geritten, da hab ich mich voll gefreut. Aber der ihr Dicker war auch einer der tiefenentspanntesten... Hat sogar herzhaft gegähnt und sich gleich mal entspannt hingestellt, als der Zug halten musste und hinter ihm der Spielmannszug losgelegt hat. :cool:

Beim Schauspiel selber kommen auch sehr oft Pferde vor. Die werden manchmal ein bisschen "rumgezerrt", aber man darf nicht vergessen, dass das ja alles keine Stuntreiter und -pferde sind und das nur einmal im Jahr für ne gute Woche machen... Ach ja, "schärfer" als Wassertrense war im Schauspiel keine einzige Aufzäumung, waren manchmal bloß bissl "schickere" Wassertrensen (so mit Verzierung am Trensenring und so).

@Verry: Wenn die Westernbits denn wenigstens "A" wären... Oder so aussehen... Aber die schreien einen meist an: "Ich bin ein Westernbit!" ;-)
Ich würd mir abgesehen davon glaub ich eher ein "historisch aussehendes" Gebiss zulegen bevor ich das Geld für den Sattel investier... Denn nen Sattel kann man immer noch mit Schaffell, Gebamsel oder Wappenrock (fürs Pferd!) drüber "tarnen". Und außerdem ist ein Gebiss günstiger als ein Sattel. ;-)
Aber gerade so spanische/portugiesische/barocke Gebisse sind schonmal echt ne gute Alternative... Wie du sagst, dann eben die Zügel dort, wo es am wenigsten scharf ist. :-)

Alles in allem hab ich mich danach erneut gefragt, warum so wenig Kaltis auf Ritterspielen vertreten sind, obwohl die Vorteile auf der Hand liegen:
Sehen besser aus (okay, das is subjektiv... :devil: ), sind von Natur aus gechillter und brauchen meist weniger "Trainingszeit".


Und nochwas:
Dort im Museum hatten sie auch diverse Hufeisenfunde vom ca. 11. bis 16. Jahrhundert von einem Ort in der Nähe (war wohl ein Hufschmied dort...). Viel hat sich zum heutigen Hufeisen nicht verändert, außer dass es eben damals nicht so "hübsch" geschmiedet war... Aber das Prinzip war das gleiche. Sogar die Anzahl der Löcher für die Nägel hat wenig variiert.
Ich weiß nicht mehr, wer gemeint hat, dass die Hufeisen damals alle für viel kleinere Hufe waren, aber das stimmt definitiv nicht! Es waren von den ca. 30 verschiedenen Hufeisen bestimmt 5 dabei, die auf die Hufe von unserm Dicken (Percheron mit ca. 1,67 m Stockmaß) gepasst hätten. Es ist also eher eine Frage der Fundstelle, ob man mehr "Ponyhufeisen" oder mehr "Kaltbluthufeisen" findet. ;-)
Insofern gab es also auch früher schon große Dicke.
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Beitragvon Susanna » 13.08.2012, 20:21

Boah, bei "Ritterturnieren" hab ich auch schon so einiges gesehen. Handbremse, durchgedrückter Pferderücken, weit aufgesperrte Pferdemäuler mit dem Trensengebiß zu 2/3 durchgezogen. :motz:

Und ja, ich erwarte von einem Teilnehmer mit Pferd, dass er oder sie das Tier so weit an den Hilfen hat, dass es auch unter Turnierbedingungen weitestgehend das tut, was es soll. Schrecksekunden gibt es natürlich immer. Und wenn das noch nicht klappt, sollen sie verdammt noch mal weiter üben! Bei einer Feldschlacht wird von den Leuten auch erwartet, dass sie ihre Waffe kontrolliert einsetzen können, warum nicht bei einem Ritterturnier?

Auf Adventon hatten wir die Rittergruppe als Nachbarn, mit dem Chef bin ich bezüglich Horsemanship auch ins Gespräch gekommen. Bei dieser Gruppe wird darauf geachtet, dass die Pferde korrekt geritten werden, und das konnte man deutlich sehen. Ganz toll wären natürlich klassisch gerittene Pferde wie bei dieser Veranstaltung ende August, aber der Anspruch à la Bückeburger Hofreitschule ist extrem hoch.
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Beitragvon Verry » 13.08.2012, 20:47

:-) der Friese bei 2:20 in dem Video sieht genau wie unser Yasha aus!

url=http://www.reitschule-wolzmühle-mönchberg.de/schulpferde.html

Und der entkommt dem Halsring nicht ;-)
http://www.reitschule-wolzmühle-mönchberg.de/reiterferien---kurse.html

(unten 2.Bild von links, Sio mit seiner Pflegerin)


edit: keine Ahnung, warum der Link nicht funktioniert. Na ja, dann müsst ihr ihn halt eintippen ;-) :-(
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Beitragvon claudi87 » 13.08.2012, 21:12

Ist echt schade, dass ich so weit weg wohne. Es Pferd wie Yasha würd ich gern mal reiten...wird echt mal wieder Zeit, aber dafür ist erstmal abnehmen angesagt, momentan ist es nahezu unmöglich,ein Pferd zu finden...aber naja. zurück zum Thema...:)
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Beitragvon Verry » 13.08.2012, 21:18

Leider hat Yasha ca. 5 Jahre nur Gelände hinter sich..... aber er macht sich, nach 3 Monaten kann er jetzt auch endlich Rechtsgalopp ;-) ;-) über einer Stange angaloppiert. Und das Sommerekzem kriegt er plötzlich auch.... :buhaeh: noch ein Pferd, das man jeden Tag als Geschenk verpacken darf.
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Beitragvon Tjorven » 14.08.2012, 07:03

Verry hat geschrieben:Leider hat Yasha ca. 5 Jahre nur Gelände hinter sich..... aber er macht sich, nach 3 Monaten kann er jetzt auch endlich Rechtsgalopp ;-) ;


Ähm, es soll auch Pferde geben, die nur im Gelände geritten werden, aber das heißt ja nicht, dass sie nicht gymnastiziert werden! Mein Pony kennt seit 13 Jahren fast nur Wald und Wiese, aber man kann durchaus auch hier Biegungen, Galoppwechsel und Seitengänge reiten! Man muß es eben nur tun und nicht immer nur ab geht die Luzi...
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Beitragvon Verry » 14.08.2012, 10:41

Ich weiß, dass im Gelände auch Gymnastizierung möglich ist. Aber so sehr ist bei Yasha wohl nicht darauf geachtet worden (aber er reagiert auf superfeine Hilfen ) Als er zu uns kam, hatte er wenig bis gar keine Hallenerfahrung, und das merkt man halt ;-) Aber wie gesagt: er macht sich. Unsere Reitlehrerin hat ein ehemaliges Turnierpferd von sich gegen Yasha getauscht, weil Ex mit 1,80m für den Schulbetrieb einfach zu groß war und nach dem 3. Bänderriss nur noch wenig arbeiten darf. Yashas Besitzerin (bzw jetzt die von Ex) kann mit ihm viel lernen (S-Dressur ausgeb.) und Yasha bei uns ;-) .Sie kommt auch ca. 3-4 mal die Woche vorbei, also ist der Kontakt nicht abgerissen.
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Beitragvon Opium-Angel » 14.08.2012, 12:19

@Claudi: Ja, du bist leider echt zu weit weg... Sonst könntest du auch vorm Abnehmen mal reiten - unserer müsste dich tragen können (ohne jetzt dein gewicht zu kennen). ;-)

Tjorven hat geschrieben:
Verry hat geschrieben:Leider hat Yasha ca. 5 Jahre nur Gelände hinter sich..... aber er macht sich, nach 3 Monaten kann er jetzt auch endlich Rechtsgalopp ;-) ;

Ähm, es soll auch Pferde geben, die nur im Gelände geritten werden, aber das heißt ja nicht, dass sie nicht gymnastiziert werden! Mein Pony kennt seit 13 Jahren fast nur Wald und Wiese, aber man kann durchaus auch hier Biegungen, Galoppwechsel und Seitengänge reiten! Man muß es eben nur tun und nicht immer nur ab geht die Luzi...

Äh, ja. Wollt ich auch noch sagen... Man muss halt nur die Möglichkeiten, die sich im Gelände bieten, nutzen. :-)
Dass reine "Geländepferde" leider oft "einhändig" sind was den Galopp angeht, stimmt. Haben wir auch so ne Kandidatin... :undecided: Aber gerade jetzt mit den vielen Stoppelfeldern bieten sich ja wunderbare Möglichkeiten, Zirkel, Volten etc. auch ohne Platz zu reiten. - Bevor einer was sagt: Wir haben die betreffenden Bauern extra gefragt und es ist okay, wenn wir auf den Feldern reiten, solang noch keine Saat drauf ist! ;-)

Aber es stimmt schon, Verry: Viele achten bei ihren "Wald und Wiesen"-Ritten nicht auf sowas. Und Tjorven hat's schon gesagt: Oft wird Gelände mit Rennbahn verwechselt und hauptsache Gas geben.

Um den Bogen zum "Mittelalter" zu spannen: Bei solchen "Dressur"-Lektionen im Wald kann man auch ganz wunderbar für Ritterturniere o.ä. üben: Punktgenaue Gangartwechsel ("bei der Buche Trab, an der Bank Stehen und dann bis zur Laterne Schritt"), einhändiges Lenken (nicht Zerren!!!!!! :flucht: ), Wenden auf engem Raum und und und...
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Beitragvon Verry » 18.08.2012, 16:31

Und man kann die Pferde an Lagerfeuer gewöhnen ;-) ..... Nee, ernsthaft, das ist uns mal auf einem Mondscheinritt passiert. Party mit Lagerfeuer und Discomusik direkt am Wegrand. Die Pferde waren nicht eben begeistert :-( . Aber durch den Umweg bin ich eine halbe Stunde länger draußen gewesen :biggrin:
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