Reisewege im Mittelalter

Welche Sitten und Gebräuche pflegte man im Mittelalter? Ob christlich oder heidnisch - hier wird es diskutiert.

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Reisewege im Mittelalter

Beitragvon Flinkhand » 26.12.2005, 11:22

Sylvia
... Erstellt am 17.11.2004 - 15:20

Hallo und
ich suche Infos über Reisewege im MA.

Als meine Tochter anfing uns zu löchern über Reisegeschwindigkweiten - zu Fuß und zu Pferd ( das haben wir ja schon rausgefunden)
Eine Reise von hier nach Köln zum Erzbischof oder z.B. nach Hessen.
Welche Route hätte man genommen(so ohne Autobahn) Welche Städte und Ortschaften gab es um 1450 schon??
Hat der Burgherr seine ganze Familie mitgenommen oder ist der alleine gereist?

Fragen über Fragen - und ich habe keine Antworten!

Habe versucht über Google historische Karten einzusehen oder über Pilgerwege, aber entweder nix Gescheites gefunden oder "nur für zum Kaufen".

Da heißt es immer, Kinder sollen fragen - aber doch nicht die Fragen, auf die ich keine Antworten habe

Aber ich weiß ja, dass hier im Forum immer jemand ist, der Antworten hat oder Tipps oder Links

deshalb baue ich auf Euch!!

Interessant wäre für uns vor allem niederrheinische Gebiet so bis Köln und holländische Grenze.


Bin dankbar für jede Anregung

LG Sylvia



Ingo ...
Die Nadel
... Erstellt am 17.11.2004 - 15:39

Hallo Sylvia,

schau mal hier: AG Hochmittelalter

http://www.hochmittelalter.net/Projekte ... t2003.html

dort steht ein klein wenig zu dem Thema, die Gruppe reist gerne in Gewandung zu Fuß über größere Strecken durch Deutschland

Gruß, Ingo



mithfenien
... Erstellt am 17.11.2004 - 15:52

Hallo!

Der (heute) bekannteste Pilgerweg des Mittelalters ist ja die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela, nachzulesen u.a. hier:

www.kath.de/quodlibe/santiago/santiago.htm

Diese Pilger hatten als Erkennungszeichen die Jakobsmuschel dabei, das hast Du vielleicht schon mal gesehen/gehört?

Im obigen Link findest Du unter 'Wege' auch eine Beschreibung der Reiseroute, die man von 'Deutschland' (also der Gegend, die heute so heißt...) nahm.

Liebe Grüße,
Mithfenien



Flinkhand ...
... Erstellt am 17.11.2004 - 23:24

Hallo Sylvia,

wenn ich mal so in meinem Gedächtnis krame, fallen mir folgende Dinge ein:

Die Römer waren ganz große Straßenbauer, weil sie früh erkannt hatten, daß Truppen und Waren viel schneller auf befestigten Straßen transportiert werden konnten. Da Köln ursprünglich eine römische Siedlung (Colonia) war, führte dorthin bestimmt auch eine befestigte Straße (woher und wohin kann ich nicht sagen - aber woher kommt wohl der Spruch "Alle Wege führen nach Rom" ? ).

Im Mittelalter wurden diese Straßen zwar nicht mehr unbedingt alle die ganze Zeit über instand gehalten, aber wahrscheinlich doch als Handelswege benutzt. Vielleicht findest du ja was unter "Handelswege im Mittelalter", wenn du googelst. Wer mit Wagen unterwegs war, suchte sich möglichst befestigte Wege. Um 1450 gab es ja bereits einen regen Handel (orientalische Waren kamen über das Mittelmeer nach Europa,) und entsprechend auch Handelsstraßen, auf denen man den Händlern Zölle abknöpfen konnte - von daher waren zu dieser Zeit befestigte Wege oder Straßen eine lukrative Sache für den jeweiligen Gebietsherren. Der Straßenzoll müßte aus dieser Zeit stammen.

Um 1450 wird es die meisten Städte schon gegeben haben, denn die Zeit des Städtebaus und damit das Aufkommen des Bürgertums war, soweit ich weiß zwischen 1100 und vielleicht 1250 (Pi mal Daumen Fensterkreuz). Ein guter Anhaltspunkt zur Suche nach Städten, die es in dieser Zeit bereits gab, sind kirchliche Bauten. Jede Stadt, die was auf sich hielt, hatte eine Kirche. Und wenn man sich dann den Baustil ansieht, kann man damit auch auf das Alter der Stadt schließen - zumindest ist das ein recht schlüssiger Anhaltspunkt, wie ich finde. Dazu kommt, daß ein wichtiger Aspekt für eine Stadt das "Marktrecht" war, also das Recht, regelmäßig Markt abzuhalten. Das brachte Geld in Form von Abgaben für den Standaufbau usw. (alte Form der Märchensteuer *gg*). Um diese Städte dann auch mit Handelskarren gut erreichen zu können, machen Straßen recht viel Sinn, womit wir wieder beim Thema Straßen- oder Wegezoll sind (s.o.)

Zum Thema Reisen der "Burgherren": Der "Hof", also das gesamte Geklüngel rund um den König herum, war permanent im Königreich unterwegs. Es gab ja keine öffentlichen Medien, und der König mußte so oft es ging überall in seinem Land Präsenz zeigen, Gericht halten usw. Hierfür hatte der Hofstaat eigens für die Unterkunft desselben sogenannte "Pfalzen". Eine Pfalz ist nichts anderes als ein zeitweiliges Quartier für den gesamten Hofstaat. Zum Hofstaat gehören außer dem König und seiner Familie auch alle möglichen anderen Adligen, Zofen, Knechte, Köche usw. also ein ganzer Haufen Leute. Wenn die alle zusammen unterwegs waren, würde ich meinen, höchstens im Schrittempo zu Pferde. Es wurden ja schließlich Kind und Kegel mit durch die Gegend geschleppt.

Anders vielleicht ein Burgherr, der ja Herr einer Burg ist und somit einen "festen Wohnsitz" hat. Der wurde zwar womöglich auch vom König zum (Kriegs-)Dienst gerufen, brachte dann aber wahrscheinlich nicht seine ganze Familie mit, zumal die Burgherrin auch Haus- und Hofverwalterin war. Da ist er wahrscheinlich eher allein oder mit seinen Gefolgsleuten (also Kriegern) auf sein Pferd gestiegen und hat sich so einem Heer angeschlossen oder auch zeitweilig dem Hofstaat.

Ich hoffe, ich konnte ein paar Anhaltspunkte liefern, auch wenn ich selbst ebenfalls keine Straßenkarte habe.

Viele liebe Grüße,

Claudia, Die Flinke



Xanti ...
... Erstellt am 17.09.2005 - 17:26

Du könntest vielleicht auch mal versuchen, bei "Heimatforschern" in Deiner Nähe nachzufragen. Wir haben bei uns in der Region Obermain z.B. auch einen Verein, der sich speziell mit den alten Wegen und archäologischen Begebenheiten auseinandersetzt. Viele Wege führen ja über Bergkämme, weil Täler meist weitgehenst sumpfig waren. Das ist zumindest bei uns so der Fall. Ich habe gelesen, daß meist das Älteste an einem Ort die Verkehrswege sind und man daraus schon einiges schließen kann. Habe dazu einen ganz guten Band: "Archäologie in Deutschland" mit Kartenmaterial. Es gibt auch unzählige Werke, die sich mit den einzelnen Pilgerwegen nach Santiago befassen. Es sind dann viele verzweigte Wege, gerade aus Deutschland, die dann in einem immer stärker werdenden "Strom" zusammenlaufen. Doch gerade am Rhein könnte ich mir vorstellen, daß auch neben dem Fluß eine Route gen Süden läuft. Ich habe die Vermutung deshalb, weil ja viele bekannte Wanderrouten oft einfach auch alte Wege sind. So wie der "Trabweg West". Aber das ist natürlich nur eine Vermutung...

Viele Grüsse
Alexandra



Alvara ...
... Erstellt am 12.10.2005 - 20:56

Hab mal ganz interessiert eine Hausarbeit zum Thema "Reisekönige" gelesen und tatsächlich noch den Link gefunden *g*

www.familia-ministerialis.de/reisekoenig.pdf

sehr detailliert!

Das einfache Volk ist wohl weniger gereist - aber es gibt die alten Handelsstrassen, die Römerstrassen (wie schon erwähnt).
Ich komm gebürtig aus Bielefeld - dort gibt es eine Strasse, die den Namensteil "Hellweg" trägt: das war eine alte Handelsstrasse, die meines Wissens nach Paderborn führte...
Ganz bekannt ist ein anderer Hellweg - ich glaub zumindest, dass es ein anderer ist *g* - der führt vom Rhein über Essen, Dortmund, Soest nach Paderborn und ist noch aus germanisch/römischer Zeit. Wenn ich mich nicht irre, hat Karl der Grosse den weitergebaut/-entwickelt von der Kaiserpfalz bis in den Harz und - jetzt kommt die Neuzeit: heute ist da wohl die B1 *ggg*

Ich finds aber nicht so erquickend, an einer Bundesstrasse langzulaufen
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