Mythen-, Legenden- und Gebräuche

Welche Sitten und Gebräuche pflegte man im Mittelalter? Ob christlich oder heidnisch - hier wird es diskutiert.

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Mythen-, Legenden- und Gebräuche

Beitragvon Flinkhand » 26.12.2005, 14:35

Xiabeau ...
... Erstellt am 21.10.2004 - 18:10

Hallöchen,

ich weiss nicht ob der Thread stimmt, aber trotzdem mal eine allgemeine Frage:
Allgemein wird ja behauptet, das die ärmeren Leute damals aus Kostengründen, barfuss rumliefen. Das halte ich für einen Mythos, waren denn die Leute nicht genauso modebewusst, wenn nicht noch schlimmer, als heute? Und genauso stolz? Und nach den Pestjahren lebte ja die Mode auf und die Menschen waren eitler und putzsüchtiger als zuvor. Auch wenn sie arm waren. Umsonst gibt es ja keine Kleiderordnungen. Und die Kirche war doch so bedächtig hinterher, das ihre Schäfchen züchtig bedeckt waren. Und anstatt sich unsittlich und unmodisch barfüssig auf die Strasse zu wagen, ging man lieber mit nicht mehr ganz so nagelneuen Schuen auf die Strasse. Aber nur mal eine Mutmassung. Wie denkt ihr darüber ?

Liebe Grüsse, Xia



Ingo ...
Die Nadel
... Erstellt am 21.10.2004 - 18:36

Also, wenn wir den zahlreichen bildlichen Darstellungen mittelalterlicher Bauern glauben wollen, war eine "barfuß"-Mode (zumindestens bei vielen Arbeiten, z.B. auf dem Feld) gar nicht so selten anzutreffen, ob dies nun aus Geldmangel, Bequemlichkeit, Mode, zu viel Hitze oder sonst welchen Gründen geschah, erzählen die Bilder nicht.

Es gab Kleiderordnungen, die auch Art des Schuhwerkes für die verschiedenen Bevölkerungsschichten festlegte (u.a. Bauern einfache Rindslederschuhe) - wer dafür aber kein Geld hatte oder sonst Gründe für das barfuß gehen, wurde dadurch aber nicht zum Schuhe tragen gezwungen.

Ich wünsche noch einen schönen Tag und keine kalten Füße!

Gruß, Ingo



cecilie ...
... Erstellt am 14.11.2004 - 23:08

Hallöle,

ich könnte mir vorstellen, daß das mit den Schuhen so war, daß quasi jeder nur ein paar hatte und das hatte Sonntags Ausgang.

Die Bauren waren soweit ich weiß selbstversorger. Was sie nicht selbst herstellen oder durch Überschüsse oder Gefallen eintauschen konnten, hatten sie eben nicht.

Also dürfte dementsprechend auch der Bestitz von Schuhen nicht jedem gegeben sein. Glaube ich.

Alles liebe

Cecilie von Pentilingin



Big-Bonsai ...
... Erstellt am 15.11.2004 - 11:56

Hatten wir das mit der Mode und den Schuhen nicht schon mal wo?

Viel interessanter fänd ich es in dem "Mythen- und Legendentread" auch Mythen und Legenden aufzuzählen!

So was wie, dass man den Löffel bei Tisch mit der Rundung nach unten legte, damit sich der Teufel nicht reinsetzen konnte...

ist doch toll!

Grüßle
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Beitragvon Silvia » 03.02.2006, 21:42

Hallo,
um die nackten Füße der Bauern noch mal aufzugreifen:Ich erledige bei warmen Wetter ausser Graben die meiste Arbeit mit nackten Füßen.(im Garten)
Ich find es angenehm,die Schuhe bleiben sauber,es tut meinen Füßen gut...
Jetzt mal aufs MA umgelegt,Schuhe waren mit Sicherheit,viel Arbeit,bzw.kosten Geld,warum die Schuhe nicht so weit es geht schonen?
Es wird ja nicht jeder Bauer ein Paar Arbeitsschuhe und ein Paar Sonntagsschuhe gehabt haben.Der Boden war noch nicht mit Scherben,Kippen und Nägeln übersäht,was spricht bei "schönem Wetter"
gegen barfußlaufen?

Silvia
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Beitragvon Ulfhednar » 05.02.2006, 18:15

Also alle Abbildungen aus dem Späteren MA die ich habe zeigen Bauern überwiegend mit fast knielanfben Stulpenstiefeln ?? oder wenigstens mit ebensolangen Gamaschen über des Lederschuhen ??
hat mich auch sehr gewundert
Ulfhednar
 

Beitragvon Halvor » 05.02.2006, 18:53

Ich kenne diese Abbildungen von Bauern in Stulpenstiefeln auch und sie haben mich ebenfalls gewundert. Man muss sich hier aber wahrscheinlich bewusst machen, dass Bauer nicht gleich Bauer ist. Ein freier Großbauer konnte sich schon etwas leisten, die meisten Bauern waren aber halbfrei oder unfrei und entsprechend einfach ausgestattet.

Ich stelle bei meiner Wikingergruppe einen Knecht aus dem Jahre 1050 dar und da gilt ebenfalls: barfuß laufen. Im Winter haben sich die einfachen Leute Stoffstreifen, Fell- und Lederreste um die Füße gewickelt. Sogar einfache Krieger der Wikinger konnten sich nur selten richtige Schuhe leisten, weshalb ich mal davon ausgehe, dass man dies für viele einfache Bauern im übrigen Europa auch annehmen kann.
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Beitragvon Ulfhednar » 05.02.2006, 22:45

Da hast Du wohl recht, die Kunst ist ja inehin oft etwas Idealisierend und zeig mitunter nicht die Durchschnittlichen sondern die Optimalen Begebenheiten.

Zudem stammen die Bilder die ich meine durchweg aus dem 15. und 16. Jhd. da waren die Umstände etwas anders als 1050 und Lederschuhen schon eher Grundausstattung selbst der weniger wohlhabenden Erwerbstätigen
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Beitragvon Miriam » 06.02.2006, 16:39

In dem Buch von Dieter Kühn habe ich gelesen, dass Schuhe bei normaler bis starker Beanspruchung oft schon nach einem Monat durchgelaufen waren und daher "Massenware" waren, die oft ersetzt wurde. :question:
Der Text bezieht sich allerdings auf die Ausstattung eines Ministerialen im 12.Jh., bei Bauern mussten die Schuhe wohl bei geringerer Beanspruchung länger halten.
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Beitragvon Flinkhand » 06.02.2006, 17:33

Ich behaupte jetzt einfach mal, daß Lederschuhe für den einfachen Bauern eher zur Sonntagskleidung gehört haben. Barfuß, Holz- oder Strohschuh zur Arbeit würde ich sagen.
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Beitragvon Miriam » 06.02.2006, 20:45

Strohschuhe, daran habe ich auch noch nie gedacht... im Salzburger Land gibt es noch ab und zu Bauern, die Strohschuhe bzw. -pantoffeln herstellen, aber ich weiß nicht, ob die Technik noch was mit dem MA zu tun hat.
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Beitragvon Flinkhand » 06.02.2006, 21:36

Frag die doch einfach mal - vielleicht wissen sie ja, was sie tun :biggrin: Würde mich jedenfalls auch mal interessieren.

Wie man die macht, weiß ich nämlich auch nicht. Aber im Museumsdorf Düppel haben sie das mal als Experiment gemacht, nur war ich leider nicht dabei.
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Beitragvon Hîdril » 06.02.2006, 23:58

@Flinkhand: So weit ich die Techniken von heutigen Strohschuhen, in diesem Falle aus Japan, kenne, wird das Stroh zu einem langen Zopf geflochten und dann in Kreisen zusammen genäht. Bei den "europäischen" Strohschuhen dürfte nach der gleichen Technik das "Oberleder" gefertigt werden. In Japan sind es ja eher Strohsandalen, bei denen die Sohle an den Fuß geschnürt wird. Ich muss mal meinen Rechner durchforsten, irgendwo habe ich ein Bild von diesen Strohsandalen.

Halvor hat ein Stück weiter oben geschrieben: Sogar einfache Krieger der Wikinger konnten sich nur selten richtige Schuhe leisten,....

Schuhwerk war bei allen Armen der Welt und eigentlich durch alle Zeiten eine beliebte Beute der Sieger. Man nahm den Gefallenen die Waffen, die Wertgegenstände und meist zu allererst die Schuhe ab, was zeigt, dass (gute) Schuhe durchaus ein Luxusgut waren.
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