Heiraten wie die Wikinger??

Welche Sitten und Gebräuche pflegte man im Mittelalter? Ob christlich oder heidnisch - hier wird es diskutiert.

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Beitragvon Kraeuterengel » 19.10.2006, 08:14

@Dvergr:
Hab´s zugegebenermaßen nie bei Amazon versucht, aber mein Buch ist auch ein anderes, sieht zumindest anders aus,hat ´ne andere ISBN und ist über einige Umstände an mich geraten... :gruebel:

Ansonsten ist mir auch schon aufgefallen daß der Autor doch recht viel nach seinen Vorstellungen auslegt,besonders wenn es darum geht christliche Bräuche und derartiges schlecht zu machen...
Nichtsdestotrotz sind ein paar informative "Überlieferungen"(setze das mal in "...") enthalten,und Riten lassen sich halt leider nicht so gut wie Grabinhalte nachvollziehen. Ansonsten bin ich auch der Meinung daß eine Mischung aus vielen Quellen und eine individuelle Abstimmung auf das Paar wahrscheinlich die schönste "Party" gibt. :drunk:

LG
Nadine
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Beitragvon Rigana » 19.10.2006, 10:15

Auch wenn ich kein Wiki mache, hab ich doch mal rein interessehalber so einiges von den Sagas gelesen. Dort muss man schauen *Beate rechtgeb*

Wenn man wissenschaftlich nach irgendwelchen Ritualen oder religiösen Vorstellungen sucht, sollte man sich nicht im Bereich Archäologie umsehen, sondern in der Literaturwissenschaft.
Zu den Sagas und sonstiger nordischer Dichtung gibt es wirklich Massen an Sekundärliteratur, in der sich intensiv mit den Quellen auseinandergesetzt wird. Natürlich schaut nicht jede quellenkundliche Sekundärliteratur auf die Religion, sondern auch auf andere Aspekte (z.B. Rolle der Frau, Rechtssystem etc...). Man muss sich aus dieser Masse die entsprechenden Artikel extrahieren. Dazu empfehle ich z.B. eine kritische Ausgabe von einer Saga, bei der oft noch Diskussion zusätzlich zu dem eigentlichen Schriftstück enthalten ist und die eine dementsprechende Bibliographie irgendwo in ihren Anhängen aufführt.

Eine Arbeit an diesen Quellen ist bestimmt kein geringer Aufwand, aber wer wirklich das noch erhaltene religiöse Skelett extrahieren möchte, sollte sich den Originalquellen und der wissenschaftlichen Sekundärliteratur widmen.
Ich vermute mal, dass die Ergebnisse verglichen mit den regalweise vorhandenen neoheidnischen und esoterischen Büchern (die wie bereits erwähnt gerne zurechtbiegen und auch vorhandene Sachen nur nochmal neu aufkochen und teuer verkaufen) recht mager aussehen werden, aber dafür ist es "echt". Zumindest im Sinne der Sagas... Im Hinterkopf sollte man auch behalten, dass die Verschriftlichung schon im christianisierten Umfeld stattfand.

Wie dann letzten Endes die Hochzeitsfeier aussieht und wieviel aus Nachforschung oder doch aus persönlichem Wunsch hineinfließt, ist Sache des Hochzeitspaares. Schließlich gleicht ja auch keine christliche oder nur standesamtliche Hochzeit der anderen. Vielleicht ist der Ritus gleich, aber die Musikauswahl während der Zeremonie und das anschließende Fest habe ich immer grundverschieden erlebt. Und es war immer tolle Party :biggrin:

Ich persönlich genieße Autoren, die andere Religionen verteufeln, mit Vorsicht - gleich welcher Glaubensrichtung. Fundamentalismus ist gefährlich!

edit: hier mal ein Link, über den man sich weiterhangeln könnte
http://de.wikipedia.org/wiki/Germanische_Dichtung
Am Ende ist etwas Literatur angegeben...

Liebe Grüße,
Rigana
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Beitragvon Barde » 19.10.2006, 10:46

soweit so gut ...

davon abgesehen finde ich, ein Gode (bzw. bei den kelten ein druide ...) der sich bezahlen läßt (außer mal fahrtksoten bei weier anreise) hat den titel schonmal nciht verdient ... da fallen mir eher weniger schmeichelhafte ein *g*

klar, die jungs wurden ursprünglcih von der gemeinschaft mitversorgt; das ist heute nicht mehr so, also brauchen sie geld ...
ABER auch "damals" habe sie ja nicht gelangweilt in ihrer hütte gesessen, bis mal ein ritual gebracuht wurd, sondern haben sich ganz normal am alltagsleben beteiligt, mit holz hacken, schiffbauen usw, was so anliegt ...
das bedeutet für heute, dass es nicht ehrenrührig ist, einen Beruf auszuüben; das Godenamt ist en Ehrenamt (außerdem bin ich gespannt, auf welche offiziellen qualifikation sie sich berufen, um solche Gagen zu fordern ... *g*)
Da laßt es lieber einen aus der Gruppe machen, der vor Publikum gut sprechen kann - laut, klar, ohne steckenbleien oder viele "äh"s .
Zu der "weisen Frau" äußere ich mcih besser gar nicht erst; nichts gegen Gleichberechtigung, im gegenteil alles dafür, aber dieser zwang, immer bei jeder gelegenheit BEIDE einzubeziehen ist auch wieder typisch neoesoterisch ... klar kann das ritual ein Mann oder eine Frau durchführen, wen man gerade geeignetes hat, aber unbedingt beider vertreten sehen zu müssen ist mal wieder ... *kopfschüttel*
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Beitragvon Gisa » 19.10.2006, 12:24

Danke ihr Lieben,

ich freue mich sehr über die vielen lieben Antworten und Tips! :biggrin:

Mal schaun, was ich davon so Alles verwenden kann!
Mir geht es in erster Linie darum, dass wir für das Paar ein unvergessliches Fest ausrichten. Es soll einen feierlichen Rahmen bekommen, mit so ner Art Eheversprechen. Ob es damals 100% so war, steht dabei nicht so sehr im Vordergrunde. Die Hauptsache ist, das die Beiden es für immer in ihren Herzen haben und sich nach 20 Jahren immer noch gern an ihre "Wiki-Hochzeit" erinnern!
(Jaja, ich bin die totale Romantikerin! :blush: )

@ Dvergr: ja, ich gehöre zu der selben Gruppe.

@Kraeuterengel: ja, ich würde gern mehr drüber wissen um mir einen eingens Urteil erlauben zu können!

@ Beate: danke, ich werde mal in den Sagas stöbern, weiß auch nicht warum ich auf das Einfachste noch nicht selber gekommen bin! :gruebel:

@ Alle, danke noch mal für Euer Interesse!

Gruß

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Beitragvon Dvergr » 19.10.2006, 16:33

@Barde: Die Proffessionalität von einem Goden der mal 1500€ für sowas kassiert kam mir auch schon in den Sinn :gruebel:


Prinzipell schließ ich mich aber auch ganz Kräuterengel an... 100% rekonstruieren wird sichs eh nicht lassen (und dann is noch die Frage, ob das für das Paar überhaupt wirklich die beste Lösung wäre! Grade bei sowas muss einfach die Romantik vor der Authentizität stehen)
Würde also auch sagen, dass man sich halt einfach einen sehr schönen Platz sucht... den vll gemeinsam vor der Zeremonie weiht (als Brautpaar). Sich dann vor seinen engsten Freunden und Bekannten, von einem guten Bekannten, der möglicherweise auch was mit Religion zu tun hat (beispielsweise auch ein befreundeter Priester, oder ähnliches... falls dieser da etwas aufgeschlossen ist...)
Traditionelle Gelöbnise werden hier wohl kaum aufzutreiben sein... aber da kann man dann ja einfach der Fantasie und der Romantik freien Lauf lassen :-) (und auch hier bin ich der Meinung, dass es gar keinen "einheitlichen" Ablauf gab).

Und abschliessend vll ein großes schönes Fest, mit viel Essen, Met und Bier... und nem großen Feuerchen :-)


(einige Hinweise zum Opferfest, zur Weihe von Plätzen, und für ein Paar Rituale findet man auf www.lokis.de Einfach mal die Suchbegriffe "Blot", "Weihe eines heiligen Platzes" und "Rituale" eingeben... das hilft schon beim Grundaufbau!)
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Beitragvon Tjorven » 20.10.2006, 13:41

Dvergr hat geschrieben: Grade bei sowas muss einfach die Romantik vor der Authentizität stehen)

Und abschliessend vll ein großes schönes Fest, mit viel Essen, Met und Bier... und nem großen Feuerchen :-)


GENAU! :biggrin:

*Seufz* So stelle ich mir das im Prinzip eigentlich auch vor, ich glaube, bei einer so persönlichen Angelegenheit denkt man über alles Mögliche aber eher nicht über das große "A" nach, zumal das auch echt schwierig wird, eine wirklich authentische Hochzeit "nachzustellen". Wo steht das? Die Sagas lassen ja eher viel Interpretationsspielraum, Tiere opfern wird wohl niemand - und eine große Party war bestimmt dabei und ist auch heute nicht verkehrt :biggrin: .
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Beitragvon Dvergr » 22.10.2006, 09:39

Achja! Was mir zu dem Thema noch einfällt: Ein wichtiges Symbol bei einer Hochzeit war wohl die Übergabe des Schlüssels des Hofes an die Braut... der symbolisierte, dass die Frau von dem Zeitpunkt an die "Kontrolle" über den Hof hatte...
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Beitragvon Tjorven » 22.10.2006, 18:32

Wenn´s denn einen Hof gibt... :devil: sonst gingen ja vielleicht alternativ die Autoschlüssel ein echter Vertrauensbeweis - neee, das war ein Scherz :biggrin: !
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Beitragvon Barde » 22.10.2006, 19:25

aber ein guter *g*
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Beitragvon Dvergr » 22.10.2006, 23:01

*g* :biggrin:
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