"Weihnachtliche" Bräuche

Welche Sitten und Gebräuche pflegte man im Mittelalter? Ob christlich oder heidnisch - hier wird es diskutiert.

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"Weihnachtliche" Bräuche

Beitragvon Flinkhand » 26.12.2005, 20:17

Zauberin ...
... Erstellt am 07.12.2004 - 05:56

Seid gegrüßt!

Gab es im Mittelalter schon so etwas wie "weihnachtliche" Bräuche? Auch im Zusammenhang mit anderen Kulturkreisen bzw. Religionen? Wann ist die ganze Schenkerei und der Kram überhaupt aufgekommen? Gab´s schon den Nikolaus? Ich habe zwar manchmal schon mit einem halben Ohr etwas über solche Bräuche gehört, aber das hat mich bisher nicht so wirklich interessiert .

Gibt es mittelalterliche Weihnachtsbräuche, die vielleicht etwas ungewöhnlich sind, die Ihr aber zu Hause selber pflegt?

Ich wünsche Euch allen eine besinnliche Adventszeit!

Hexliche Grüße
Maike



Mona
... Erstellt am 07.12.2004 - 13:07

Also ich kenne einen Brauch:

Barbarazweige
Am 4. Dezember werden im Garten Zweige von Bäumen geschnitten, die kleine Knospenansätze haben, zB. Kirsche oder Mandel.
Die stellt man in warmes Wasser und täuscht ihnen damit den Frühling vor.
Sie blühen dann genau zum 24. Dezember auf, am besten funktioniert das, wenn draußen schon einmal Frost war...

Die Tradition sagt, dass wenn es klappt, man im nächsten Jahr eine Hochzeit in der Familie hat.

Ich glaube ihc habe das hier 3 Tage zu spät reingestellt...

Wie alt dieser Brauch ist, kann ich nicht sagen, aber ich finde ihn hübsch!



mona ...
... Erstellt am 07.12.2004 - 13:09

Klick mich!!
Warum er mich ausloggt weiß ich nicht....

Diesen Link habe ich auf die Schnelle gefunden =)



Rigana ...
... Erstellt am 08.12.2004 - 11:32

Habe schon im MA-Kochbereich einen netten umfassenden Link reingestellt.

Alt ist die Tradition, immergrüne Zweige ins Haus zu stellen, wenngleich es der Weihnachtsbaum es erst spät in die Stuben geschafft hat.
Der hl. Nikolaus lebte im 4. Jahrhundert und er war hier in den Breiten zunächst der Geschenkebringer, weil das seiner Legende entsprach. Erst später wanderte die Schenkerei in Richtung Weihnachten.
Etwas früher noch lebte die hl. Barbara - eine der frühen Märtyrerinnen.
Weihnachts- und Neujahrsbräuche gibts zuhauf, z.B. der Extra-Teller am Tisch, bestimmtes Essen, Küssen unterm Mistelzweig etc...

Liebe Grüße,
Rigana



Ingo ...
Die Nadel
... Erstellt am 08.12.2004 - 11:39

Küssen unterm Mistelzweig
- das geht auch das ganze Jahr über gut (über der Küchentür hängt bei uns zu Hause immer Mistel )

Gruß, Ingo



Zauberin ...
... Erstellt am 13.12.2004 - 05:43

Seid gegrüßt!

Hm, das klingt doch alles schon mal gut - aber auch in der heutigen Zeit noch in manchen/vielen Gegenden bekannt. Gibt es auch etwas, was über die Zeit quasi "verlorengegangen" ist?

Hexliche Grüße
Maike



Big-Bonsai ...
... Erstellt am 13.12.2004 - 10:57

Naja, verlorengegangen - was aber wohl noch bekannt sein dürfte - ist, dass der Weihnachtsmann früher die Farben weiß/schwarz bzw. weiß/grau hatte. Erst einem Werbegag von CocaCola ist es zu verdanken, dass unser lieber Beschenker weiß/rot (wie ein guter Dip für Pommes frites) herumläuft!

Aber das ist kaum mittelalterlich...

Ansonsten war das mit dem schmücken des Baumes eine Zweckentfremdung:
es gab nämlich einige "heidnische" Bräuche , die im Winter einen Baum im Haus forderten. Als die Christianisierung in Mitteleuropa Einzug hielt, übernahm man einfach einige der Bräuche, um den "neuen" Christen - die ja heidnisch aufgewachsen waren - ein "bekanntes" Gefühl geben zu können. Getreu dem Motto: was der Bauer nett kennt.... *hihi*

Mehr weiß ich aber nicht...

(Für alle Neugierigen: nein, an mir hängen noch keine Christbaumkugeln und Lametta konnt ich auch noch erfolgreich verhindern! )


Grüßle



Alrune ...
... Erstellt am 13.12.2004 - 21:57

Hallo Big-Bonsai,

mir hat vor ein paar Tagen jemand, der sich auf die Fahne geschrieben hat, "alte Bräuche" wieder bekannt zu machen" einen kurzen Vortrag über Weihnachtsbäume gehalten.
Ich kenne ihn noch nicht besonders gut und weiß nicht recht, auf welche Quellen er sich bezieht, aber ich fand die Idee ganz nett, deshalb hier eine kurze Wiedergabe:
Angeblich wurden die ersten "echten" Weihnachtsbäume in der Kirche aufgestellt. Es gab früher zu Weihnachten nicht nur das noch heute bekannte Krippenspiel sondern auch, um den "Fast-Heiden" die Geschichten näher zu bringen, ein "Paradiesspiel", bei dem halt die Geschichte von Adam und Eva gespielt wurde. Und da durfte dann der Tannenbaum "mitspielen", er wurde mit Äpfeln geschmückt und stellte den "Paradiesbaum" dar.
Im Laufe der Zeit wurde dann die Erlaubnis gegeben, den Baum anschließend zu plündern...
Mir gefällt die Idee! Die ganzen "Gläubigen" futtern den "Baum der Erkenntnis" leer...

Wenn ich demnächst wieder in dem Laden vorbei komme, frage ich noch nach den Quellen und genaueren Daten.
Es hängen dort auch seitenweise Erklärungen zu den Raunächten und damit verbundenen Reinigungsritualen an den Wänden (leider hatte ich noch keine Zeit, mir das ganze näher anzusehen).

Ich hoffe, daß ich bald mal wieder etwas mehr Zeit habe!

Viele Grüße
Carmen



Big-Bonsai ...
... Erstellt am 14.12.2004 - 15:09

naja, es ist in der Geschichte nunmal "üblich" gewesen, sich in Sachen Religion bei seinen Nachbarn Inspiration zu holen.
Ein sehr schönes Beispiel ist die ägyptische Göttin Isis, die sehr gern mit ihrem Sohn Horus abgebildet wird. In exakt der gleichen Haltung, mit dem Kind auf der gleichen Schoßseite, wird heute sehr oft - naja, eigentlich immer - Mutter Maria mit dem Jesuskind abgebildet.
Oder schaut euch die Götter der alten Griechen und Römer an. Das ist kein Zufall, dass die sich alle ähneln und "nur" andere Namen haben.

Aber was du sagst, Alrune, kann schon sein. Denn warum wurden denn Bäume in der Kirche zugelassen? Weil den "Heiden" - wie du sagtes - der christliche Glaube Nahe gebracht werden sollte.
Und geht das nicht besser, als den Baum Yggdrasil zu den Christen zu holen?
Ist nur eine Vermutung, ich habe sowas mal gelesen, aber mir selbst meine Gedanken dazu gemacht.

Aber ich habe erst heute wieder gelesen, dass der Islam zum großen Teil auf dem frühen Christentum basiert. Na, wenn ich das meiner Cousine sage, geht die mir gleich heilig an die Gurgel!! (nur um direkt danach wieder hihi)

Allen Christen und Moslemen ein liebes: , ist nicht bös gemeint!!

Grüßle



Wyvern ...
... Erstellt am 14.12.2004 - 16:20

Wie etabliert man am effektivsten eine neue Religion? Klar, indem man die alten Bräuche und Feiertage der vorherigen Religion übernimmt. Weihnachten zB ist (oh Gott, hoffentlich erwisch ich jetzt das richtige) Beltane gewesen? Mist, die Wintersonnwende halt. Sowas sieht man öfter, wenn man mal nachforscht. Meine Freundin hatte sich da mal ein wenig eingelesen. Mal sehen, ob ich sie auch zu diesem Board animieren kann.


Alrune ...
... Erstellt am 14.12.2004 - 17:07

Also, auch wenn ich im Moment nicht zuhause bin... der Grund, weshalb bei uns der Geburtstag Christi am 24 bzw. 25. Dezember gefeiert wird ist die Konkurenz zum Mithras-Kult, der am 25. Dezember einen seiner Hauptfeiertag hatte. Dieser Kult war bei den römischen Legionären sehr verbreitet und beliebt. Und am Anfang des Christentums hat man ja noch versucht, freiwillige Anhänger zu finden und wenn beide Kulte die gleichen Feiertage haben und auch sonst einige Gemeinsamkeiten aufweisen (ich schau aber noch mal genau nach, versprochen).

Später wurde das Christentum dann schon dreister, immerhin war man alleine seligmachend, die armen Heiden kapierten es nur nicht... Da muße man schon mal zu Schwert und Feuer greifen. Und man hat zur Not auch irgenwelche Götter zu christlichen Heiligen gemacht, Feiertage umgeändert usw. Man war sehr erfinderisch.

Daß die römischen und die griechischen Götter so viel gemeinsam haben könnte auch daran liegen, daß die Römer immer sehr von der giechischen Kultur angetan waren und eigentlich ihre "Entstehungsgeschichte" schon bei den Griechen geklaut haben. Hier hat man nicht versucht, den Griechen neue Götter zu geben sondern sich selbst welche "gesucht".
Die alten Ägypter haben irgendwann zur Zeit der Ptolemäischen Könige ihren "Olymp" dann auch noch mit den griechischen Göttern "gekreuzt", es gab dann so was wie "Osiris-Zeus" (bitte jetzt nicht wörtlich nehmen, a ist es nicht meine Spezialität und b habe ich im Moment keinen Zugang zu meinen Infos). Man war immer ganz fleißig dabei Götter aus anderen Kulturen zu übernehmen, die einem erfolgreicher erschienen.
Wenn irgendwelche Religionsgruppen aber dazu übergingen, ihren Glauben mit Gewalt auf andere zu übertragen, dann hatten die Götter auch die gleichen Namen zu haben usw.

Übrigens Big-Bonsai, wenn du die 3 monotheistischen Weltreligionen (die mit nur einem Gott) vergleichst, wirst Du feststellen, daß sie alle sehr ähnlich sind und eigentlich nur Weiterentwicklungen des selben Gedankenguts zu unterschiedlichen Zeitpunkten sind (nicht hauen!).
Die älteste Festschreibung ist die Tora, auf die sich die Juden beziehen. Dann kam das Christentum, das sich die Tora als altes Testament nahm und die neueren Gedanken eines Juden, von dem sie glaubten, er wäre Gottes Sohn, als neues Testament anhängte.
Der Islam bezieht sich auf die gleichen Ideen, Moses und Jesus sind Propheten des einzigen Gottes, allerdings wird Jesus nicht als Gottes Sohn anerkannt (ist halt nur ein Prophet). Die Grundgedanken sind sooooo ähnlich. Die Religionen sind im gleichen Gebiet entstanden, ich frage mich wirklich immer wieder, wieso alle so sehr darauf bestehen, die einzig "richtige" Religion zu sein...



Alrune ...
... Erstellt am 14.12.2004 - 22:45

Ist ja wieder typisch, meine Bücher finde ich nicht...
scheinen doch langsam zu viele zu werden...
Oder hatte ich das Buch, das ich suche auch nur geliehen...
Aber sollte sich jemand für den Mitras-Kult interessieren, vielleicht hier ein Link:

de.wikipedia.org/wiki/Mithras

Und hier ist noch einer, allerdings ist der Text auf englisch, aber im unteren Bereich werden sehr schön die "Gemeinsamkeiten" mit den christlichen Riten beschrieben.

www.geocities.com/spenta_mainyu_2/mithras.htm

Wenn gewünscht, kann ich auch gerne bei der Übersetzung helfen.

Auch interessant gerade in Bezug auf Weihnachten und übernommene Riten:

www.brgzell.salzburg.at/lainer/mythlex/mithras.htm

Viel Spaß beim Schmökern!



Schoferin ...
... Erstellt am 07.07.2005 - 10:58

Brauch war es wohl, eine Mitternachtsmesse zu halten, das wird in katholischen Gegenden heute noch gemacht.
Der Weihnachtsbaum selbst in der Form, wie wir ihn kennen, ist erst ca. 150 Jahre alt und kommt aus dem süddeutschen Raum. Er wurde anfänglich allerdings an die Decke gehängt. Adventskränze kommen aus dem Rauen Haus in Hamburg (Kinderheim) und sollten das Warten deutlich machen. Der Adventskalender ist aus dem Schwäbischen und erst ca. 100 Jahre alt. Ursprünglich war für jeden Tag ein Wiebele drin.
Das Schmücken des Hauses mit Stechpalme und anderem Wintergrün ist dagegen ein sehr alter Brauch und hat etwas mit der Hoffnung und der Fruchtbarkeit zu tun. Immergrüne Zweige sind das Versprechen auf den Sommer.
Misteln sind seit Urzeiten heilige Pflanzen und deshalb vor allem im angelsächsischen Bereich sehr beliebt.
In den Raunächten (zwischen Weihnachten und Neujahr) soll man keine Wäsche aufhängen, damit sich Frau Perchta (Frau Holle) nicht darin verfängt. Sie ist mit den unschuldigen Kindlein unterwegs und für diese war es durchaus üblich, eine Schale mit Milch und etwas Gebäck hinzustellen.
Das austauschen von Geschenken zu Weihnachten war wohl auch schon im Mittelalter üblich, meist waren es praktische Dinge wie Stoff für Kleider, Nadeln, für die Kinder sicher auch mal ein Püppchen oder so etwas.



Adele ...
... Erstellt am 17.07.2005 - 10:34

Rotweißer Weihnachtsmann von Coca Cola? Sehr spannend. Mal gegoogelt und festgestellt, dass das zu stimmen scheint. Unglaublich, wie wir manipuliert werden.

Adele vom Werder



Giraut ...
... Erstellt am 17.07.2005 - 15:07

Nein, das stimmt nicht. Schau mal hier:
img309.imageshack.us/my.php?image=nikolaus1496deutsch0bs.jpg

Bild
Nikolausdarstellung von 1496

Roter Mantel, weiße Handschuhe, alles da, was den Nikolaus ausmacht.
Das Gerücht darum ist anders: es ist eben das Gerücht, dies sei eine Coca-Erfindung. DAS ist das Gerücht. Wie du aber siehst, stimmt der Hintergrund dazu nicht: 1496 gab es noch keine Coke



Flinkhand ...
... Erstellt am 17.07.2005 - 20:46

Öhm .... wir haben Juli ....

Und ich hoffe, das Bild unterliegt nicht dem Copyright

Claudia, Die Flinke



Giraut ...
... Erstellt am 17.07.2005 - 21:02

Flinkhand schrieb
...
Und ich hoffe, das Bild unterliegt nicht dem Copyright


Ähh, ich vermute mal, dass nach 509 Jahren kein (c) mehr gelten dürfte...



Xiabeau ...
... Erstellt am 26.07.2005 - 14:50

Das ist schön Schliesslich ist es nicht mehr lange bis Weihnachten, lasst uns drüber sprechen

In weihnachtlicher Stimmung, Xia, die grade einen amerikanischen Nikolaus in Kreuzstich auf einen türbehang stickt ( keine Ironie! )



Flinkhand ...
... Erstellt am 26.07.2005 - 15:07

Xia, du tust ja gerade so, als hättest du sonst nichts zu tun

Bei mir stapeln sich die MA-Projekte bis unter's Dach ... und sie sitzt da und stickt Weihnachtsmänner im Kreuzstich *seufz*

Claudia, Die Flinke



Xiabeau ...
... Erstellt am 26.07.2005 - 15:22

Naja manchmal hab ich so Anwandlungen, heisst aber nicht, das ich nichts mehr zu tun hätte: ein Unterkleid, noch ein seidenes Unterkleid, einen Schleier, ein Übergewand, ein Sonntagsgewand und noch ein Haufen Nadelgebundene Sachen ...

Weihnachtliche Grüsse *gg*



Schoferin ...
... Erstellt am 27.07.2005 - 11:43

Soviel kannst du ja gar nicht anziehen. Seide? Ist das nicht ein wenig dekadent? Oder brauchst du das für Bad Ischl?
Und noch ein Übergewand und ein Sonntagskleid, ziehst du jetzt fest ins Lager ein? Das wird ja eine richtige Modenschau bei uns *g*
Alles anschauen will!!!!!



Xiabeau ...
... Erstellt am 27.07.2005 - 12:31

Hallo Johahnna,

ja, das Seidenunterkleid brauch ich für Bad Ischl, ich weis nicht ob Leinen darunter so gut kommt. Und das ich kein anständiges Wollkleid habe ... Das rote ist mir vieeeeel zu gross . Aber das wird alles sicher ein Winterprojekt, mir fehlt bis jetzt die Zeit, noch eine Nähorgie zu veranstalten. *seufz*

Liebe Grüsse, Xia



Trinao ...
... Erstellt am 03.08.2005 - 13:21

na... Weihnachten kommt immer so plötzlich, gelle?
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Beitragvon Silvia » 15.01.2006, 15:48

Ich hätte noch anzumerken,das der Adventkranz ,das ewige Leben symbolisiert.Der Kranz ohne Anfnag und ohne Ende aus immergrünen Zweigen gebunden.Die Schleifen waren anfangs die Befestigung für die Kerzen,statt Draht.Wie alt der Adventkranz ist weiß ich allerdings nicht.

Silvia
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Beitragvon Hîdril » 15.01.2006, 18:28

Silvia hat geschrieben:Ich hätte noch anzumerken,das der Adventkranz ,das ewige Leben symbolisiert.Der Kranz ohne Anfnag und ohne Ende aus immergrünen Zweigen gebunden.Die Schleifen waren anfangs die Befestigung für die Kerzen,statt Draht.Wie alt der Adventkranz ist weiß ich allerdings nicht.

Silvia


Weihnachten 2005 ist er genau 166 Jahre geworden. Er entstammt entgegen vieler Meinungen NICHT der christlichen Tradition, sondern ist schlicht ein Kalender gewesen, um den nimmermüden Fragen der Kinder "Wann ist denn endlich Weihnachten" eine eindeutig Antwort zu geben.
Erfunden hat den Adventskranz der hamburger Erzieher und Theologe Johann Hinrich Wichern im Jahr 1839 aus einem alten Wagenrad, auf das er 19 kleine rote Kerzen und vier dicke weiße Kerzen stellte. Jeden Tag wurde dann eine rote Kerze entzündet und an den Adventssonntagen die weißen. Erst ab 1860 wurde das Rad dann mit Tannengrün umwickelt.

Die Deutung, dass der Adventskranz das Ewige Leben symbolisiere, wurde erst sehr viel später von der Kirche aufgebracht, um den Adventskranz "kirchenfähig" zu machen. Ebenso die Bedeutung des Grüns.
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Julfest

Beitragvon Odindissa » 20.09.2006, 09:27

Hallo an alle,
die Marktsaison ist fast vorbei und man kommt doch jetzt ein wenig zur Ruhe und kann sich anderen Dingen zuwenden. Ich habe mich mal durch die einzelnen Themen gelesen aber nichts zum Thema Julfest gefunden. Ich habe, was dies angeht lediglich "näheres Randwissen" und würde gern wissen ob folgende Bräuche stimmen die ich hier und da aufgeschnappt habe:
Ich weiß z.B. dass das Julfest ein altes germanisches Fest zur Zeit der Wintersonnenwende am 21. Dezember ist. Dieses Ereignis wurde in der Zeit vom 18. bis 21. Dezember gefeiert. Die etwas Wohlhabenderen konnten sich einen Wildschweinbraten leisten (die Ärmeren legten sich Federvieh auf den Grill).
Als nächstes weiß ich noch zu berichten dass ein Baum im Wohnbereich aufgestellt wurde, vornehmlich Tanne; wahrscheinlich war eine Tanne leichter zu transportieren, da bin ich mir aber nicht ganz so sicher. Diese sollte den Weltenbaum "Yggdrasil" (oder auch "Irminsul" genannt) darstellen. Sie wurde durch eine aufgesteckte Spitze optisch vergrössert.
An der Tanne wurden 12 Kugeln (die 12 Monde des Jahres) und 12 Lichter (die Sonnen???) angebracht.
Um die Toten zu ehren gab es einen Kranz mit 4 Kerzen (für die 4 Jahreszeiten???) der zu Beginn des Monates Dezember auf den Tisch gestellt wurde. Dann brannten auch zuerst alle 4 Kerzen, dann 3, dann 2 und zum Schluß nur noch ein Licht um die zunehmende Dunkelheit die typisch für diese Jahreszeit ist, nachzuempfinden.

Das sind so die Kenntnisse die ich über das Julfest habe. Wie sieht es da bei Euch aus?
Ich habe nämlich dieses Jahr vor, das Julfest (statt Weihnachten) zu feiern weil mich die germanische Kultur des Frühmittelalters vor der Christianisierung fasziniert und würde gerne wissen wie so ein Fest genau abläuft. Aß man tatsächlich Wildschwein bzw. Federvieh, was trank man dazu, handelt es sich bei dem Baum wirklich um eine Tanne oder nahm man etwas anderes? Ich hoffe, die eine oder der andere von Euch kann mir da weiterhelfen.
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Re: Julfest

Beitragvon Medusa » 20.09.2006, 14:43

Odindissa hat geschrieben:Ich weiß z.B. dass das Julfest ein altes germanisches Fest zur Zeit der Wintersonnenwende am 21. Dezember ist. Dieses Ereignis wurde in der Zeit vom 18. bis 21. Dezember gefeiert. .


Soweit ich informiert bin, feierten die alten Germanen das Julfest 10 Tage lang und zwar vom 21. bis 31.12. Dadurch ist dann auch unser Ausdruck "zwischen den Jahren" entstanden. Diese Zeit war ein Wendepunkt, man trennte sich (gedanklich) vom Alten und wandte sich dem Neuen zu. Ein Grund für die lange Feierei mag sicherlich gewesen sein, daß dieses Fest ein Grund war, zusammen zu kommen und das Reisen früher ja gerade im Winter beschwerlicher war.

Ein nettes "Spielchen" sich ab dem 20.12. jeden Tag einen Runenstab zu ziehen, jeden Tag einen für die kommenden 12 Monate. Die Bedeutung bezieht sich dann darauf, unter welchem Motto/Vorzeichen etc. der jeweilige Monat steht. Ob das wirklich ein alter oder aber nur ein neu-heidnischer Brauch ist, kann ich nicht sagen. Jedenfalls finde ich es eine nette Sache.

Was das Essen angeht, so wurde im Herbst/Winter das Vieh geschlachtet und das Fleisch auch haltbar gemacht. Ob deshalb jetzt extra ein Wildtier auf dem Plan stand für dieses Fest, weiß ich nicht. Genauso gut ist vorstellbar, daß es einfach frisch geschlachtetes Vieh war, während man später halt auf die gepökelten oder geräucherten Vorräte zurückgreifen mußte.

Man hat sich zum Julfest keinen ganzen Baum ins Haus geholt, auch das ist genau wie der Adventskranz ein neuzeitlicher Brauch, der jedoch auf die alte Verehrung immergrüner Gewächse zurückgeht. Meistens dekorierte man sich das Haus wohl mit einen paar immergrünen Zweigen.

Wenn ich ein Ritual nach nordischem (rekonstruierten) Brauch feier, opfere ich immer einen Apfel und einen Zweig vom Buchsbaum. Seit zwei Jahren mach ich das so, daß ich mir einen Zweig in den Julkranz lege und ihn bis zum nächsten Julfest aufbewahre, dann kommt er in das Opferfeuer und in der selben Nacht schneide ich mir einen neuen ab, der wiederum ein Jahr liegen bleibt. Aber das ist ganz persönlich.

Da außer der Edda, die auch noch von einem Christen zusammengetragen wurde - Snorri Sturluson - nicht viel über die germanischen und nordischen Traditionen überliefert ist, muß man sich vieles zusammenreimen oder sich selbst etwas zusammenbauen, was für einen wichtig ist, wozu man bezug hat. Zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten wurde auch anders gefeiert.
Viele Grüße,

Medusa (alias Svenja G.)

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Beitragvon Hîdril » 20.09.2006, 20:26

:guckstduhier: Julfest

Soweit zum Thema: das Julfest ist germanischen Ursprungs.

Und wer noch was über grüne Bäume in winterlichen Stuben wissen will:
:guckstduhier: Weihnachtsbäume
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Beitragvon Odindissa » 20.09.2006, 20:35

Hallo Medusa,
vielen Dank für die Infos. Dann hat sich das Tannenbaumgeschleppe in den 3. Stock Altbauwohnung glücklicherweise erledigt ;-)
Die Idee mit den Zweigen ist sehr interessant. Ich glaube, darauf werde ich zurückgreifen.
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