Stillen im Mittelalter

Welche Sitten und Gebräuche pflegte man im Mittelalter? Ob christlich oder heidnisch - hier wird es diskutiert.

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Stillen im Mittelalter

Beitragvon alina » 08.10.2007, 06:24

Hallo!

Da ich mich zur Zeit aus verschiedenen Gründen mit dem Thema: "Stillen" befasse, beschäftigt mich die Frage nach dem Stillen im Mittelalter. Und ich komme nicht so richtig weiter.

Es wurde gestillt, das ist sicher. Es gibt Abbildungen von stillenden Frauen und die stillende Maria ist ein in der Kunst verbreitetes Motiv.

Aber wie ist das z. B. mit dem Ammenwesen. Und der Sittsamkeit?

Kann mir jemand Buchtipps geben?

Viele Grüße, Alina.
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Beitragvon nontox » 08.10.2007, 09:11

Nein, Buchtipps kann ich keine geben, aber die stillende Brust ist in der mittelalterlichen Kunst keine "unsittliche" Geschichte, sonst hätten die nie die Maria derart entblößt dargestellt, denn an die Ehre der MuGo zu rühren wäre ja nicht im Interesse frommer Kunst.
Ikonografisch gibt es da etliche Bedeutungsebenen, die Dich eher nicht interessieren oder?

Das Ammenwesen - auch da nur Mutmaßungen eines Vaters - war sicher innerhalb der größeren Familie völlig üblich. Angenommen, eine Mutter hatte Brustentzündung oder gar keine Milch, dann hat eine Schwester etc. aus der Verwandtschaft mit übernommen - ohne diese Einrichtung wären viele Kinder schlicht verhungert. Viele wissen das nicht mehr, aber der Milchfluss ist bei steter Nachfrage über drei Jahre leicht aufrecht zu erhalten. Ein "Einspringen" ist unter diesen Umständen ein Leichtes.
Nach dem, was man so landläufig weiß, hatten ja v.a. adelige Frauen Ammen, was möglicherweise mit dem damaligen Schönheitsideal der kleinen, mädchenhaften Brust zu tun hatte, aber da bin ich jetzt schon sehr am Spekulieren.

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Beitragvon Johanna_Wistrate » 08.10.2007, 10:12

Hallo Alina!
Hier ist vielleicht ein schöner LINK für Dich, falls Du ihn nicht schon kennst. Und dann gibt es noch folgendes Buch:
Baby, Säugling, Wickelkind – Eine Kulturgeschichte –
Von Beatrice Fontanel, Claire d’Harcoourt
Bildband, Verlag Gerstenberg
*omnis mundi creatura
quasi liber et pictura
nobis est et speculum*
(Jedes Geschöpf der Welt ist für uns gleichsam ein Buch und Gemälde und Spiegel)
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Beitragvon Heather » 08.10.2007, 12:20

Hallo nontox,

Die Annahme mit dem Schönheitsideal der kleinen Brust ist so spekulativ nicht. Die gleiche Begründung findet man auch
in "Der Alltag im Mittelalter" von Maike Vogt-Lüerssen. :lesen:
Should auld acquaintance be forgot
And never brought to mind?
Should auld acquaintance be forgot
And days of auld lang syne?
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Beitragvon suse » 08.10.2007, 14:13

....wobei auch heute noch Frauen die Angst "die Brust zu ruinieren" als Grund fürs Nicht-stillen angeben. Und das ein wenig albern schon ist, in Anbetracht der Tatsache, daß die Brust in erster Linie durch den hormonellen Einfluss in der Schwangerschaft wächst, um sich aufs Stillen vorzubereiten..... Das ist wie Kaiserschnitt aus Angst um die Figur :dizzy:
Gruß Suse
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Beitragvon alina » 09.10.2007, 06:48

Hallo!

@nontox:
nontox hat geschrieben:Ikonografisch gibt es da etliche Bedeutungsebenen, die Dich eher nicht interessieren oder?

Daran hatte ich zwar nicht gedacht, aber es klingt sehr interesssant. Würdest Du mir ein wenig davon erzählen?

@Johanna_Wistrate: Ja, den Link kannte ich bereits. Das Buch klingt gut. Mal sehen, ob das unserer Bib hat. Hier gibt es anscheinend eine kleine Zusammenfassung.

Eine Amme wegen Schönheitsideal "kleiner Busen" klingt für mich abstrakt, aber ich kann auch nicht verstehen, warum sich Frauen heute die Brust operativ vergrößern lassen. Bild

Viele Grüße, Alina.
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Beitragvon David » 09.10.2007, 08:43

Ich glaube mal irgendwo gelesen zu haben, daß die Ammen in erster Linie deswegen beschäftigt wurden, damit die Dame recht schnell wieder bereit zur Empfängnis ist. In den hohen Häusern des Mittelalters drehte sich fast alles um die entsprechende Nachfolge, und die wenigsten Kinder haben überlebt.
Da galt es möglichst viele Kiner zu bekommen. Auch ohne hormonelle Verhinderung einer Schwangerschaft in der Stillzeit kann eine Frau maximal 1 Kind pro Jahr bekommen.

Gruß,
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Beitragvon Flinkhand » 09.10.2007, 14:22

David hat geschrieben:Auch ohne hormonelle Verhinderung einer Schwangerschaft in der Stillzeit kann eine Frau maximal 1 Kind pro Jahr bekommen.


Gehen nicht auch 2? Wenn das erste gleich Anfang Januar kommt oder so? :devil:
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Beitragvon David » 09.10.2007, 15:04

rein Mathematisch besteht dazu die Möglichkeit, aber in der Praxis wohl eher selten... denk ich... :biggrin:

Da ich aber weder Frau, noch medizinisch besonders gebildet bin, halte ich mich da jetzt mal sauber zurück... :dizzy:

David
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Beitragvon alina » 10.10.2007, 05:54

[ot]:-) :wacky: Nur so am Rande, 'zwei auf einmal' müsste es auch schon vor dem 20. Jahrhundert gegeben haben, oder? ;-) :biggrin:
Viele Grüße, Alina.[/ot]

[ot]Einen Link, auf den ich gestoßen bin, will ich nicht vorenthalten, auch wenn er nicht unbedingt 'mittelalterlich' ist:Curiosa zum Thema Brusternährung[/ot]
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