Stillen im Mittelalter

Welche Sitten und Gebräuche pflegte man im Mittelalter? Ob christlich oder heidnisch - hier wird es diskutiert.

Moderator: Moderatoren

Beitragvon Grace » 10.10.2007, 06:38

Moin,

interessantes Thema.
http://www.authorsden.com/visit/viewArticle.asp?id=5658
beschäftigt sich zwar nicht ausschliesslich mit dem Stillen, aber dennoch sehr interessant.....

oder hier
http://www.telegraph.co.uk/news/main.jh ... xhome.html

den fand cih auchganz interessnt..
http://www.archaeology.org/0311/newsbriefs/breast.html

LG Sonja
Grace
 

Beitragvon Ermelind von Riuwental » 09.11.2007, 21:17

Bin heute in der Bibliothek auf Bartholomäus Metlinger gestoßen, der 1473 ein "Kinderbüchlein" verfasst hat, in dem er auch über das Stillen geschrieben hat. Ich habe nur noch keine Edition gefunden. Tut mir echt leid. Eigentlich nützt dann mein Beitrag nicht viel. Aber vielleicht regt es mitlesende Germanistikstudenten an, selbst eine Edition zu schreiben. :undecided:
[edit]Aber steht nicht auch was zum Thema bei Eucharius Rösslins Der swangern frowen und hebammen roszgarte? Ich habe mich noch nicht reingelesen, werde das aber demnächst wohl mal machen.[/edit]
Schäring is caring.
Benutzeravatar
Ermelind von Riuwental
Dame / Ritter
Dame / Ritter
 
Beiträge: 111
Registriert: 12.03.2007, 14:59
Wohnort: Leipzig

Beitragvon Serinde » 15.02.2008, 18:24

Also ich habe von meiner Ärztin gesagt bekommen, das ich nach der Geburt besonders leicht wieder schwanger werden könnte und auch Stillen das nicht verhindert.
Wenn man direkt wieder schwanger wird, kann es glaube ich sein, das die Milch ausbleibt, weil beides für den Körper zu viel ist. Wenn dann also eine Amme geholt wird, um mehr Kinder zu bekommen, dann vielleicht eher, um die Ernährung des ersten Kindes zu sichern.
Während ich das hier schreibe fällt mir auf:... ganz schön frauenverachtende Sichtweise!
Benutzeravatar
Serinde
Dame / Ritter
Dame / Ritter
 
Beiträge: 228
Registriert: 01.01.2008, 12:28
Wohnort: Neuwied

Beitragvon Carola » 17.02.2008, 19:42

Serinde hat geschrieben:Also ich habe von meiner Ärztin gesagt bekommen, das ich nach der Geburt besonders leicht wieder schwanger werden könnte und auch Stillen das nicht verhindert.
Wenn man direkt wieder schwanger wird, kann es glaube ich sein, das die Milch ausbleibt, weil beides für den Körper zu viel ist. Wenn dann also eine Amme geholt wird, um mehr Kinder zu bekommen, dann vielleicht eher, um die Ernährung des ersten Kindes zu sichern.
Während ich das hier schreibe fällt mir auf:... ganz schön frauenverachtende Sichtweise!


Mhm, zu den medizinischen Hintergründen kann ich nichts sagen. Aber meine Hebamme hat nur darauf hingewiesen, dass Stillen keine sichere Verhütungsmethode sei, weil man auch während der Stillzeit schwanger werden könne. Allerdings hat es bei mir nach beiden Geburten etwas über 6 Monate gedauert, bis ich die erste Periode hatte. Ab dem 6. Monat habe ich zugefüttert...
Das mit dem "besonders leicht" wieder schwanger werden, glaube ich daher nicht.

Aber zum Punkt frauenverachtende Sichtweise gebe ich Dir vollkommen Recht.
Benutzeravatar
Carola
Herzogin / Herzog
Herzogin / Herzog
 
Beiträge: 1104
Registriert: 16.01.2007, 20:24
Wohnort: Frankfurt/Main

Beitragvon alina » 18.02.2008, 07:23

Hallo!

Der Knackpunkt ist wohl, dass man nicht die Menstruation braucht, um Schwanger zu werden, sondern der Eisprung genügt.

Meines Wissens ist es so, dass eine Schwangerschaft während der Stillzeit Auswirkungen auf die Milchbildung hat. Die Milch geht zurück bzw. bekommt eine andere Zusammensetzung. Es ist wohl so, dass sich viele Babys, wenn die Mutter wieder schwanger ist, von selbst entwöhnen, weil ihnen die Milch nicht mehr schmeckt; hervorgerufen durch die Hormonveränderung.

Aber es gibt durchaus Frauen, die es schaffen ein Neugeborenes und ein Kleinkind zu stillen. Das ganze nennt sich "Tandem-Stillen". (Ich denke, es sind nur wenige! ;-) )

Viele Grüße, Alina.

[ot]P.S: Zum Weiterlesen: Hannah Lothrop: Das Stillbuch.[/ot]
alina
Fürstin
Fürstin
 
Beiträge: 847
Registriert: 24.12.2005, 08:04

Beitragvon Carola » 18.02.2008, 10:43

@alina
Du hast natürlich Recht; ich habe mich ungenau ausgedrückt.

Selbstverständlich braucht man keine Menstruation, um schwanger zu werden. Schließlich kommt es erst zur Menstruation, wenn nach dem Eisprung keine Nidation (d.h. Einnistung des Eis in die Gebährmutter) stattgefunden hat. Die Menstruation ist also im Normalfall ein Zeichen dafür, dass keine Schwangerschaft besteht (die seltenen Fälle, in denen es trotz Schwangerschaft zu Schmierblutungen oder einer Scheinmenstruation kommt, klammere ich hier mal aus).

Andererseits sind mir für das Ausbleiben der Menstruation genau zwei Gründe bekannt: Schwangerschaft und Ausbleiben des Eisprungs.

Da ich mir nun sehr sicher bin, nach keiner meiner beiden Schwangerschaften sofort wieder schwanger geworden zu sein, gehe ich mal stark davon aus, dass die Menstruation in meinem Fall aus dem 2. Grund ausgeblieben ist. Mit anderen Worten: Erst nachdem ich nicht mehr voll gestillt habe, ist es wieder zum Eisprung gekommen. Damit hat wenigstens in meinem Fall der Volksglaube Recht behalten, wonach Stillen eine weitere Schwangerschaft verhindert.

Zuverlässig ist diese Art der Verhütung allerdings nicht. Der Zusammenhang zwischen Stillzeit und erneuter Schwangerschaft dürfte aber erheblich augenfälliger gewesen sein, alses noch keine Verhütungsmittel im heutigen Sinn gab.
Benutzeravatar
Carola
Herzogin / Herzog
Herzogin / Herzog
 
Beiträge: 1104
Registriert: 16.01.2007, 20:24
Wohnort: Frankfurt/Main

Beitragvon alina » 18.02.2008, 11:44

Hallo!

@Carola: So ganz medizinisch bewandert, wie das ist, bin ich nicht. Ich wollte Dir auch nicht wiedersprechen, sondern nur ergänzen. Ich stimme Deinen Postings zu. :-)

Mein Frauenarzt hat mir erzählt, dass es in der Stillzeit sein kann, dass frau einen Eisprung hat, aber keine Menstruationblutung. Man (frau) könne also nicht einfach davon ausgehen, nur, weil sie noch keine Menstruation hat, nicht schwanger werden zu können.
Möglicherweise meinte er, den Eisprung auf den die Menstruation folgen würde, wäre frau nicht schon wieder schwanger. ( :wolltessagen: )

Wie Du bereits geschrieben hast, auch nach Frau Lothrop bietet Vollstillen einen Schutz vor einer erneuten Schwangerschaft, allerdings keine 100%. Außerdem nennt sie verschiedene Faktoren, die diesen Schutz beeinflussen. Wenn frau vollstillt und diese Faktoren nicht erfüllt sind, dann geht die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft gegen 0.

Nichts für ungut, Alina.
alina
Fürstin
Fürstin
 
Beiträge: 847
Registriert: 24.12.2005, 08:04

Beitragvon Assija » 14.03.2013, 13:03

Das Thema ist zwar ein wenig alt, aber ich wollte hier trotzdem ein wenig mein Wissen hereinwerfen :-)

nontox hat geschrieben:Viele wissen das nicht mehr, aber der Milchfluss ist bei steter Nachfrage über drei Jahre leicht aufrecht zu erhalten. Ein "Einspringen" ist unter diesen Umständen ein Leichtes.


Es ist sogar möglich, es über 6-8 Jahre aufrecht zu erhalten, nach dem Prinzip Angebot und Nachfrage ;)
Währenddessen mehrmals schwanger zu sein ist auch kein Problem. Meine Freundin hat eines ihrer Kinder 6 Jahre gestillt. Im Prinzip hat sie da eigentlich 3 Kinder Tandemgestillt... den 6jährigen, die 3jährige und das Neugeborene. Ich denke, das war im MA auch durchaus üblich.

Serinde hat geschrieben:Also ich habe von meiner Ärztin gesagt bekommen, das ich nach der Geburt besonders leicht wieder schwanger werden könnte und auch Stillen das nicht verhindert.
Wenn man direkt wieder schwanger wird, kann es glaube ich sein, das die Milch ausbleibt, weil beides für den Körper zu viel ist. Wenn dann also eine Amme geholt wird, um mehr Kinder zu bekommen, dann vielleicht eher, um die Ernährung des ersten Kindes zu sichern.!


Dass man nach der Geburt leicht wieder schwanger werden kann, stimmt. Aus eigener Beobachtung, kann ich aber sagen, dass, je häufiger der Säugling trinkt, die Wahrscheinlichkeit eines Eisprungs und auch das Ausbleiben der Mens geringer ist, natürlich ist das keine Garantie oder eine zuverlässige Empfängnisverhütung.

alina hat geschrieben:Meines Wissens ist es so, dass eine Schwangerschaft während der Stillzeit Auswirkungen auf die Milchbildung hat. Die Milch geht zurück bzw. bekommt eine andere Zusammensetzung. Es ist wohl so, dass sich viele Babys, wenn die Mutter wieder schwanger ist, von selbst entwöhnen, weil ihnen die Milch nicht mehr schmeckt; hervorgerufen durch die Hormonveränderung.


Es stimmt aber nicht, dass die Milch in der Schwangerschaft weniger wird bzw ausbleibt, nur weil die Frau schwanger wird. Es ist aber so, dass die Brustwarzen in der Schwangerschaft deutlich empfindlicher werden, und das Stillen sehr schmerzhaft bzw unangenehm sein kann, weswegen Frauen ihr Kind in der Regel weniger anlegen, und deswegen wegen geringerer Nachfrage die Milchmenge auch reduziert wird. Dass die Milch wegen hormoneller Umstellung anders schmeckt, mag wohl stimmen, aber das stört die meisten Kinder nicht.

Und der weibliche Körper ist, was Stillen und Schwangersein betrifft, zumindest nach heutigem Hygiene- und Medizinstandard eine Hochleistungsmaschine, zuviel werden kann es da denke ich nicht...
Assija
Jungfer / Knappe
Jungfer / Knappe
 
Beiträge: 55
Registriert: 10.03.2013, 12:02
Wohnort: Wien

Beitragvon Morgan » 14.03.2013, 13:38

Aus heutiger Sicht stimmt es sicher, dass das Stillen einer Frau nicht körperlich zuviel werden kann.
Stillen verbraucht bis zu 600 kcal mehr am Tag.
Ist die Frau gut genährt, kann sie recht lange von den Reserven zehren, Ansonsten isst sie eben was, wenn sie Hunger hat.
Zu früheren Zeiten war das wohl eher nicht gegeben (und ist es auch heute nicht überall...)

Ich habe vier Kinder genoren, das erste kam 1985, das letzte 2005. Jeder Frauenarzt und jede hebamme warnte mich davor, mich auf den Empfängnis"schutz" durchs Stillen zu verlassen. Die Empfängnisfähigkeit sei zwar gemindert, habe aber immer noch einen pearl-Index von 3 - 4 und das auch nur, wenn frau nicht mehr als 3-4 Stunden zwischen den Stillmahlzeiten vergehen lässt. Sobald das Kleine also nachts durchschläft, ist der Schutz dahin.

Meines Wissens nach hatten Ammen vor allem höhergestellte Damen (es sei denn natürlich, die Mutter verstarb und der Vater hatte genug Geld oder Beziehungen für eine Amme).
Könnte es sein, dass man solche Adelssprösslinge nicht vor allem auch deshalb von Amme und Kinderfrau aufziehen ließ, um eine allzu enge Bindung der Eltern an den Sprössling zu verhindern? Schließlich war die Kindersterblichkeit hoch und es war auch üblich, Kinder im - heute würden wir sagen: Grundschulalter an einen anderen Hof zu geben, damit sie dort erzogen würden. Einer Fürstin mit einer sehr engen Bindung an ihr Kind würde das bestimmt das Herz brechen (ebenso wie dem Kind). Dem Kind aber gab man die Kinderfrau oft mit an den fremden Hof.
Morgan
Jungfer / Knappe
Jungfer / Knappe
 
Beiträge: 69
Registriert: 11.03.2013, 20:22

Vorherige

Zurück zu Sitten & Gebräuche

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast