Die Farbe Gelb

Welche Sitten und Gebräuche pflegte man im Mittelalter? Ob christlich oder heidnisch - hier wird es diskutiert.

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Die Farbe Gelb

Beitragvon blue » 06.10.2010, 06:55

Hallo
Ja, ich habe gestern Abend die Wanderhure im Fernsehen gesehen. :blush:
Also das Gelb zum Beispiel eine Farbe war die Juden tragen durften, das hatte ich schon ein paar mal gelesen. Das das Gewerbe der käuflichen Damen auch besondere Farben tragen durfte war mir auch klar. Aber warum Gelb? Und war diese Farbe wirklich nur auf diese Stände reduziert?
blue
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Beitragvon Chrissie » 06.10.2010, 07:07

Laut [url=http://www.wissenschaft-im-dialog.de/kinderbereich/fragen-und-wissen/wieso/detail/article/warum-ist-die-farbe-gelb-als-liturgische-farbe-im-christentum-verboten.html?tx_ttnews[backPid]=176&cHash=5de442d6bf]diesem Artikel[/url] scheint Gelb zwar nicht zwangsweise nur für Prostituierte und Juden vorgeschrieben gewesen zu sein, aber zumindest für mich wäre einleuchtend, wenn die anderen Leute keine falschen Assoziationen wecken wollten.

Es gab ja in verschiedenen Städten die Vorschrift zum Tragen eines gelben Kleidungsteiles für Prostituierte, z. B. gelbes Kopftuch in Hamburg um 1450, wenn ich das richtig im Kopf habe.
Liebe Grüße,
Chris

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Beitragvon Regilla » 06.10.2010, 07:11

Gelb ist am einfachsten zu färben, wird deshalb auch am billgsten gewesen sein. Dann hat Gelb auch den Nachteil, dass es nicht lichtecht ist.
Liebe Grüße,
Regilla
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Beitragvon Siegfriedsdottir » 06.10.2010, 07:49

Ich habe den Film gestern auch gesehen ;-).
Darüber hinaus habe ich mal einen Vortrag über Blumensymbolik gehalten und mich auch mit der Farbsymbolik beschäftigt. Zu "gelb" habe ich folgendes gefunden:
die von der Erfahrung abgeleitete Symbolik ist positiv (hellste und intensivste alle Farben, reflektiert das auf die Oberfläche treffende Licht am stärksten, Gelb hat eine aufhellende Wirkung, es zaubert Sonnenlicht, wird mit Licht und Gold assoziiert, eine heitere, freundliche, aufgeschlossene, optimistische Farbempfindung, aufmunternde Wirkung, vertreiben trübe Gedanken und depressive Müdigkeit).
Die historisch geprägte Symbolik ist eher negativ (ehemals Farbe der Geächteten, egoistisch, Neid, Eifersucht und Geiz, aber auch sauer wie Zitronen, bittere Galle, Gift, Yellow press = engl. Skandalblätter)
Ebenso fand ich folgenden Hinweis auf eine Hamburger Kleiderordnung von 1445, dass Prostituierte gelbe Kopftücher tragen sollten, in and. Städten sollten Prostituierte oder Frauen mit unehelichen Kindern ebenfalls gelbe Kleidungsstücke/Markenzeichen tragen.

Aber warum genau? Da muss ich mich auch unbedingt noch einmal belesen :lesen: .

Herzliche Grüße
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Beitragvon kiarachao » 06.10.2010, 07:50

die huren trugen mancherorts aber auch rot und grün je nachdem was regional als schandfarbe angesehen war..ich glaube das hat nichts mit der färbbarkeit zu tun eher mit farbsymbolik
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Beitragvon Peregrina » 06.10.2010, 08:21

Gelbe Kennzeichnung war nicht überall Pflicht, das kam auf die örtlichen Gepflogenheiten an (die Quelle muß ich noch suchen). Weil aber eine anständige Frau sich nicht auffäliig zu kleiden hat, trug sie auch kein Gelb. Hinzu kommt, daß Gelb zwar einerseits Sonne, Helligkeit und Gold symbolisiert (z.B. in der Heraldik), anderseits aber auch negativ belegt war: der Jünger Judas wurde immer in gelbem Gewand dargestellt (Farbe des Neides und der Mißgunst).
[ot]Noch eine Figur in gelbem Gewand: in Weil der Stadt in der Kirche Peter+Paul gibt es ein Glasfenster, das Christus und den Satan darstellt. Der trägt ein gelbes Gewand und die Gesichtszüge von Hitler. Dieses Fenster entstand 1940. Eine wirklich mutige Aktion.[/ot]
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Beitragvon Elfenhort » 06.10.2010, 08:44

In Frankfurt am Main wurde so wie ich gelesen habe den Hübschlerinnen vorgeschrieben rote Bänder zu tragen.
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Beitragvon Hîdril » 06.10.2010, 08:51

Diese Diskussion über Schandfarben und ihre Verwendung wurde hier schon ausgiebig diskutiert.

:guckstduhier:
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Beitragvon Isa » 06.10.2010, 09:35

Das ist schon richtig, dass die Kennzeichnung von Prostituierten, aber auch Juden und anderen "Unehrbaren" örtlich und zeitlich differenziert zu betrachten ist, darüber kann man auch in den einzelnen Städteverordnungen lesen. Was ich mich in dem Zusammenhang frage ist aber ob es eine unterschiedliche Kennzeichnung für Wanderhuren und Ortsansässige gab. Wenn ich mir überlege, dass eine Wanderhure womöglich in verschiedenen Städten verschiedene Kelidungsstücke bzw. Kennzeichnungen zu tragen hatte kommt da ja ganz schön was zusammen, so an Gepäck und Materialwert, konnten sich die Wanderhuren sowas leisten? Also erstens Dinge mit sich rumzuschleppen, die sie womöglich nur ein bis zweimal im Jahr brauchten wenn sie wieder in der entsprechenden Stadt waren und zweitens verdienten sie genug um sich so ein Sortiment anzuschaffen? In dem Zusammenhang wäre es logisch wenn Wanderhuren eine einheitliche Kennzeichnung besäßen, aber gibt es diesbezüglich Quellen? Weiß da jemand mehr?

LG Isa
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Beitragvon Carola » 06.10.2010, 10:24

Die erste Frage wäre doch: Gab es Wanderhuren? Oder ist diese "Berufsgruppe" wie vieles in den Büchern von Iny Lorenz frei erfunden?
www.igwolf.de
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Versuch es erneut. Scheitere wieder. Scheitere besser.
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