Die Farbe Gelb

Welche Sitten und Gebräuche pflegte man im Mittelalter? Ob christlich oder heidnisch - hier wird es diskutiert.

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Beitragvon Hîdril » 06.10.2010, 10:39

Genau. Da das Ehepaar Lorentz es mit der Authentizität zur Gunsten der Spannung nicht so genau nimmt, denke ich, dass es so etwas wie Wanderhuren nicht gab. Die Städte waren ja sehr darauf bedacht, die Damen des horizontalen Gewerbes an einem Ort und damit unter genauester Beobachtung zu haben. Und so ein "fahrendes Weib" durfte garantiert erst gar nicht in die Stadt und da gar ihr Gewerbe ausüben.

Außerdem darf man nicht die große, blühende Fantasie der Requisiteure beim Film vergessen.
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Beitragvon kiarachao » 06.10.2010, 11:12

ich denke das ist nicht ganz korrekt.....es gab durchaus Trosshuren die mit Militärlagern duch die Lande zogen, und die auch regelrecht angeworben wurden....die Prostitution hatte durchaus einen Zweck und wurde auch toleriert, damit die HErren nicht den anständigen Mädels an die Wäsche gingen....die Farbe Gelb ist nur den meisten als Hurenfarbe gängig daher wurde sie im Roman auch benutzt denke ich.
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Beitragvon Hîdril » 06.10.2010, 11:22

Okay, Trosshuren ja, aber eine Frau, die wie ein Wandergeselle durch die Gegend zog und ihr horizontales GEwerbe ausübte, kann ich mir nicht vorstellen.
Die Trosshuren waren ja auch auf ein bestimmtes Gebiet, nämlich das Heerlager, beschränkt.
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Beitragvon Carola » 06.10.2010, 12:17

Hîdril hat geschrieben:Okay, Trosshuren ja, aber eine Frau, die wie ein Wandergeselle durch die Gegend zog und ihr horizontales GEwerbe ausübte, kann ich mir nicht vorstellen.


Das ist auch meine Vermutung. Natürlich gab es "fahrendes Volk" und sicher haben sich einige der Fahrenden durch Prostitution einen Nebenverdienst verschafft. Aber von Frauen, die ausschließlich und offen als Prostituierte von Ort zu Ort gezogen sind, habe ich noch nie gehört (abgesehen von den Trosshuren natürlich - aber die haben, wie Hidril schon sagte - ja auch einen festen Kundenkreis).
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Beitragvon nachteulchen007 » 06.10.2010, 12:40

Wobei es tatsächlich vorkam, dass bei großen "Events" wie Konzilen usw. die Bevölkerung der Städte sprungartig anstieg und zwar nicht nur wegen der geladenen Besucher sondern auch wegen der Prostituierten, die hier viel Kundschaft bekamen.
Ist nun die Frage, wo diese Frauen hergekommen sind, denn ich vermute mal, dass eine Hübschlerin aus einem "Frauenhaus" nicht einfach mal kurz verreisen konnte.... :gruebel:
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Beitragvon Isa » 06.10.2010, 12:47

Ich bin mir jetzt nicht sicher ob ich dies in "Henker, Huren, Handelsherren: Alltag in einer mittelalterlichen Stadt" von Kay P. Jankrift oder "Bettler und Gaukler, Dirnen und Henker: Außenseiter in einer mittelalterlichen Stadt. Köln 1300 - 1600." von Franz Irsigler und Arnold Lassotta gelesen habe, da müsste ich bei Bedarf mal nachgucken... aber ich meine gelesen zu haben, dass Frauen, die sich im Privaten als Prostituierte betätigt haben, um der öffentlichen Denunziation als Hure zu entgehen des öfteren in andere Städte gezogen sind. Ob für Frauen die einmal als Hure öffentlich bekannt waren eine "Selbstständigkeit" möglich war weiß ich aber nicht, ich habe beim Lesen den Eindruck gehabt, dass es immer Bestrebungen gab die Huren unter eine Oberaufsicht zu stellen.
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Beitragvon kiarachao » 06.10.2010, 19:54

klar weil die auch steuern zahlen mussten wenn sie innerorts ihrem gewerbe nachgingen *g*
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Beitragvon blanche_fleur » 06.10.2010, 21:14

ist zwar nicht mehr MA aber doch ziemlich amüsant: Ich hab kürzlich einen Artikel gelesen der die Forschungsarbeit einer diesen Sommer verstorbenen Historikerin und Kostümforscherin (Elfriede Kezia Knauer) vorstellte; in dem die im Deutschen als Mona Lisa, im Französisch und Italienischen aber als Gioconda bekannte Dame der Hurerei bezichtigt wird ;)
Der Artikel ist etwas umständlich geschrieben und wie gesagt nur eine Kurzfassung, allerdings fand ich die dann sehr einleuchtend, v.a. wenn man bedenkt dass eine Gioconda nun wirklich am treffendsten mit Freudenmädchen übersetzt wird. Auf jeden Fall haben Pigmentuntersuchungen am Original die Farbe des langen Schales, den sie um die Schulter geschlagen hat, eindeutig als Gelb nachgewiesen, ebenso wie die Ärmel des Untergewandes.
Auf jeden Fall gab es in dem Artikel auch ein Zitat eines Venezianischen Gesetzes zur Kleiderordnung der "Huren" von 1421:
«Prostituierte müssen, wenn sie in der Stadt Venedig unterwegs sind, über ihrer Oberkleidung ein gelbes um den Hals geschlungenes Tuch tragen, so dass es gut sichtbar und nicht verborgen ist» ( meretrices publicae, deberent portare super vestem superiorem faziolum zalum circa collum).

Falls jemand den ganzen Artikel lesen möchte:

http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/li ... 41321.html
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Beitragvon nachteulchen007 » 20.10.2010, 17:14

Isa hat geschrieben:Ich bin mir jetzt nicht sicher ob ich dies in "Henker, Huren, Handelsherren: Alltag in einer mittelalterlichen Stadt" von Kay P. Jankrift oder "Bettler und Gaukler, Dirnen und Henker: Außenseiter in einer mittelalterlichen Stadt. Köln 1300 - 1600." von Franz Irsigler und Arnold Lassotta gelesen habe, da müsste ich bei Bedarf mal nachgucken... aber ich meine gelesen zu haben, dass Frauen, die sich im Privaten als Prostituierte betätigt haben, um der öffentlichen Denunziation als Hure zu entgehen des öfteren in andere Städte gezogen sind. Ob für Frauen die einmal als Hure öffentlich bekannt waren eine "Selbstständigkeit" möglich war weiß ich aber nicht, ich habe beim Lesen den Eindruck gehabt, dass es immer Bestrebungen gab die Huren unter eine Oberaufsicht zu stellen.


Bin gerade am Buch "Henker, Huren, Handeslherren" von Kay Peter Jankrift und hier habe ich unter dem Thema "Aufgaben des Henkers" den Passus gefunden: "... Noch nicht erwähnt wird.... seine Rolle bei der "peinlichen Befragung", der Folter. Dafür aber die Verpflichtung, die städtischen Dirnen zu beaufsichtigen und fremde, >>fahrende Fräulein<< aus der Stadt zu vertreiben."
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Beitragvon Chrissie » 20.10.2010, 17:28

Hat jemand vll das Buch
ERNST SCHUBERT: FAHRENDES VOLK IM MITTELALTER
?

Dort im Inhaltsverzeichnis gibt es folgendes Kapitel:
VI. Der Gegensatz zum adeligen »Traum von Heldentum und Liebe«:
Die »fahrenden Fräulein« und die Lohnarbeiter des Krieges 311
1. Stigma, aber auch verständnisvolle Duldung: Wanderdirnen, «schöne
Frauen« und Frauenhäuser 312
Dirnen im Frühmittelalter - Selbstverständlichkeit des Umgangs mit »hübschen
Frauen« im hohen und späten Mittelalter - Stigmatisierung ohne Ausgrenzung:
Einstellungsmuster gegenüber den »schönen Frauen« - Messen,
Feste, Hoftage und Konzile als Dirnentreffpunkte - das »fahrende Fräulein« -
Wanderdirnen und Frauenhäuser - Mobilität und temporäre Seßhaftigkeit -
der Untergang der mittelalterlichen Frauenhauskultur - die Dirne in den Söldnerheeren
Liebe Grüße,
Chris

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