Genetisches Verständnis / Logik im MA?

Welche Sitten und Gebräuche pflegte man im Mittelalter? Ob christlich oder heidnisch - hier wird es diskutiert.

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Genetisches Verständnis / Logik im MA?

Beitragvon Annie-Petit » 17.12.2012, 19:35

Ich mache gerade ein wenig "Recherche" bzw. Überlegungen, um seit langem mal wieder eine Geschichte zu schreiben. Da kam mir eine Frage auf, die für meine Erzählung entscheidend wär.

Man stelle sich ein Herrscher-Paar vor, dessen Kind eine gänzlich andere Haarfarbe als die der Eltern hat. Natürlich wird da der Mann schon missträuisch, soviel genetisches Wissen traue ich den Menschen im MA schon zu. Allerdings frage ich mich: Würde er der Frau glauben, wenn deren Eltern eine ähnliche Haarfarbe wie das Kind haben?

Wie weit war man sich im Mittelalter über die Vererbung von bestimmten Merkmalen bewusst? Kannte man vielleicht sogar eine Möglichkeit, um die Abstammung herauszufinden - also quasi ein MA-Vaterschaftstest? :gruebel:

Da es sich um eine märchenänliche Geschichte handelt, kann ich keine genauen Jahreszahlen angeben in der die Geschichte spielen soll. Wie das bei Märchen so üblich ist, hab ich mir aber schon den Rahmen Mittelalter bzw. Rennaisance gesetzt.
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Beitragvon Lise » 18.12.2012, 10:07

Hey Annie,

also das mit der Genetik als erklärung kannst du fürs MA vergessen. Die ersten Erkenntnis in diese Richtung hat der Herr Mendel gemacht (soweit mein Schulwissen dazu, ich habs damals gehasst!)

Und hier Wikipedia:
Das Wissen, dass individuelle Merkmale über mehrere Generationen hinweg weitergegeben werden, ist relativ jung; Vorstellungen von solchen natürlichen Vererbungsprozessen prägten sich erst im 18. und frühen 19. Jahrhundert aus. Als Begründer der Genetik gilt der Augustinermönch und Hilfslehrer Gregor Mendel, der in den Jahren 1856 bis 1865 im Garten seines Klosters systematische Kreuzungsexperimente mit Erbsen durchführte und diese statistisch auswertete.

Also wahrscheinlich kannst du mit dem Misstrauen deines Herrschers machen was du willst. Misstrauen bei anderer Haarfarbe ist aber schon verständlich, inwieweit sich die Dame da rausreden kann ist fraglich. Vielleicht kannst du das Misstrauen wegen der Vaterschaft auf was anderem fußen lassen? Rumgetratschte Gerüchte oder so?

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Beitragvon Annie-Petit » 18.12.2012, 10:37

Danke Lise! Ja, Biologie... ist ein weilchen her, aber stimmt, da gab's diesen Mendel :dizzy:

Okay, ich danke dir für die Auffrischung und Erklärung. Nunja, für meine Geschichte muss der Herrscher schon misstrauisch werden, der Rest der Bevölkerung soll sich aber schön "verarschen" lassen. Die Herrscherin wird dann schon dafür sorgen, dass etwaige Mitwisser artig den Mund halten ;-)
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Beitragvon Hîdril » 18.12.2012, 12:30

Ich denke, die Menschen des MA hatten eher ein intuitives Verständnis von Genetik. Sie wussten, welchen Hengst sie mit welcher Stute zu kreuzen hatten, damit "vernünftige" Fohlen rauskamen.

Aber da man damals ja den Menschen für ein Abbild Gottes hielt, könnte ich mir vorstellen, dass sie dieses Wissen nicht auf den Menschen übertrugen. Zu Bedenken wäre auch noch, dass man ja auch noch von verschiedenen "Menschenrassen" sprach. Ein dunkelhäutiger Mensch war hier in Europa ja nicht dasselbe "wert" wie ein Weißer.
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Beitragvon Klara » 18.12.2012, 20:30

Gibt's da bei Parcival nicht einen Mischling, der halb schwarz und halb weiss sein soll? Soviel zum Wissen über Vererbung beim Menschen...

Ciao, Klara
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Beitragvon Sandra » 18.12.2012, 21:27

Ja, je nach Übersetzung/Interpretation soll der Mischling entweder schwarz-weiß gescheckt oder eben halb schwarz, halb weiß gewesen sein.
Hatten wir auch in der Schule :lesen:

Wie Hîdril schon schrieb, war sicherlich ein wenig Wissen durch die Zucht von Pferden und Hunden (Jagd etc.) vorhanden. Da passt das mit den Fellfarben ja auch nicht unbedingt zu den Elterntieren.

Außerdem gehts ja nicht nur um Augen- und Haarfarbe sondern auch um Gesichtszüge, Körperhaltung und anderes. Da fallen dir bestimmt noch ein paar Ansatzpunkte ein.
Liebe Grüße, Sandra

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Beitragvon Opium-Angel » 18.12.2012, 22:12

Soweit ich weiß hatten die Menschen schon ein grundsätzliches (intuitives) Verständnis von "Vererbung" aus der Tierzucht. Aber nicht wissenschaftlich fundiert, sondern eher so, dass man z.B. einen Hengst, den man aus irgendeinem Grund "toll" fand (Erscheinung, Rittigkeit, Mut im Kampf) mit einer Stute, die man aus anderen oder denselben Gründen "toll" fand, gekreuzt hat in der Hoffnung, dass das Fohlen dann genauso "toll" ist. Wird wohl mal funktioniert haben und mal wirds in die Hose gegangen sein - dann war das wahrscheinlich eine Strafe Gottes für ... was auch immer. ;-)

Aber wie Hîdril schon geschrieben hat, wäre ein Schluss von den Erfahrungen bei Tieren auf den Menschen wohl Frevel gewesen. :gruebel:

Ich denke aber, dass die Menschen früher auch schon gecheckt haben, dass Kinder ihren Eltern immer irgendwie ähnlich sehen. Insofern könnte für den misstrauischen Herrscher die "falsche" Haarfarbe ("In meiner Familie hatte noch NIE jemand schwarze Haare, wir waren alle blond!") ein erstes "Indiz" sein und wenn dann z.B. die familientypische Nasenform auch nicht vorkommt, verstärkt sich der Verdacht.
Romantisch ausgedrückt könnte man wohl auch sagen, dass der Papa (oder eben Nicht-Papa) intuitiv spürt, dass es "nicht sein eigen Fleisch und Blut" ist. ;-)
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Beitragvon Carola » 20.12.2012, 17:22

Wissen um die Vererblichkeit von Merkmalen auch bei Menschen gab es schon - allerdings wird eher umgekehrt ein Schuh draus, d. h. man wusste nur, dass Merkmale sich weiter vererben konnten. Deswegen findet sich in der Literatur auch so oft der Topos des verlorenen Kindes, das anhand eines familientypischen Muttermals identifiziert wird. Aber diese Weitergabe war nach damaligem Wissen kein Muss, sondern man glaubte dass sie durch die Umstände von Zeugung und Schwangerschaft begründet sei. Deshalb wurde Frauen geraten, während der Schwangerschaft schöne Bilder zu betrachten und angenehme Musik zu hören um schöne Kinder zu bekommen, während schreckhafte Erlebnisse für Missbildungen verantwortlich gemacht wurden. Von dem Glauben an Wechselbälger (durch Elfen untergeschobene Babies) ganz zu schweigen. Aber wenn der Sohn dem Vater ähnelte, dann wurden nicht die Gene, sondern die besonders starke Zu- oder Abneigung der Mutter verantwortlich gemacht. Genauso konnte aber auch das Aussehen eines anderen "abfärben".
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Beitragvon Lise » 20.12.2012, 17:54

na das klingt doch gut für deine Geschichte, Annie :-)
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Beitragvon Annie-Petit » 20.12.2012, 20:08

Oh ja, das gibt guten Stoff :biggrin:
An die Wechselbälger hab ich gar nicht gedacht, das könnte ich sogar gut mit unterbringen. Auf jeden Fall danke für eure Ausführungen und Anregungen, die werden mir gut helfen :dankeschoen:
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