Verwendung verbotener Zeichen

Alles über Heraldik, Symbole, Farben und was so dahinter steckt, findest du hier.

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Beitragvon Alvara » 06.07.2006, 18:44

Hallo Ihr Lieben,

an dieser Stelle möcht ich mal reinstellen, was ich in 2 anderen Foren eingetragen haben.
Denn ich glaub, dass es für Leute in meinem Alter genau darum geht.
Mein Sohn , 18, und meine Töchter können ganz unbefangen damit umgehen...

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Verfasst: 9/6/2006, 22:08 Titel: Berlin im Juni 2006

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Was ich an dieser Stadt liebe, ist ganz gering und doch ganz gross.

Es scheint die Sonne, und heute beginnt die Fussballweltmeisterschaft.
Die Stadt ist voller Touristen, allein an diesem Wochenende sind 500.000 mehr als sonst in der Stadt.
Man zeigt Flagge.
Man zeigt deutsche Flagge.
Nicht zuviel, nicht überall - aber doch soviel, dass ich als deutsches Kind der 60er Jahre ins Grübeln komme.
Hat man uns nicht gelehrt, dass deutsche Flagge zeigen verwerflich ist? Hat man uns nicht gelehrt, das die Deutsche Flagge = Nazionalsozialismus= rechtes Gedankengut ist?
Ich bin befremdet, fühle mich komisch und schaue an den geschmückten Hausfassaden hoch.
Da huscht am U-bahnhof Ausgang ein Schatten vorbei.
Genauer gesagt sind es 2, in auffälliges Hellblau-Weiss gekleidet.
Die Schatten reden spanisch und sagen: wo soll hier der Park sein mit der Übertragung? Ein bisschen wenig geschmückt ist das hier!
Der letzte Satz klingt in meinen Ohren wie eine Anklage.
Leute, hier ist ein Fest - wo denn bitte?!
Die nächste U-Bahn ist wohl gerade gekommen und viele Leute strömen die Treppe herauf.
Wie sonst auch.
Heute aber sehen sie anders aus, sie tragen Fahnen in rot-weiss, blau-gelb,
schwarz-rot-gelb und blau-weiss-rot.
Sie sind geschminkt und lachen, machen Scherze und ihre Augen strahlen.
Es ist nachmittags, 16 Uhr.
Ich gehe weiter, muss mich beeilen.
Der Kindergarten ist nicht mehr weit, und meine Tochter wartet sicher schon.
Mein Blick wendet sich noch dem Taxi zu, das links und rechts 2 Deutschlandfahnen trägt und nicht lange auf Kundschaft warten muss, weil 4 gehörnte, bunte Gesellen auf es zuwanken.
Ich nähere mich dem Kindergarten, und sehe lauterTrikots im warmen Wind wehen. Julia No. 6 steht da.
Die Erzieherin sagt mir, dass im WM Projekt der Kita die Mädchen gegen die Jungen spielen und die Mädchen sich die Trikots mit Borten, Perlen und Pailletten verzieren. Das sei ihr Weltmeisterinnen-Bonus
Ein grinsen huscht über mein Gesicht, und ehe ich Nein sagen kann, habe ich einen Schminkstift auf den Wangen in Schwarz-Rot-Gelb.
Ich schlucke und bringe gerade noch ein "Ich bin aber für Costa-Rica" über die Lippen.
Bin ich wirklich für Costa-Rica oder ist das mein antrainiertes Moralempfinden?
Da sagt der Erzieher: "Das ist Costa-Rica - du musst nur genaus hingucken"
Recht hat er.
Wir gehen los, das Kind zu seinem Vater, ich zu einer Freundin, bei der schon die ältere Tochter wartet.
Auf ihrem Balkon grillt es sich so schön, denn die Aussicht ist fantastisch: Blick über die Strassen zum Wasserturm.
Dort ist eine WM-Party, nach und nach füllt sich das Jugendzentrum mit vorwiegend Jugendlichen arabischer und türkischer Herkunft.
Eine kommt in gelben Leggins, rotem Rock und schwarzem T-shirt.
Sie ist Türkin.
Ein Auto hält, Deutsch beflaggt, heraus steigen 4 harte Kerle mit Baggy Hosen und zu kleinem Baseballcap.
" Hei Akadash, alles klar Alta?"
"Fick Dich, jabma und nu geh mal rin da, ey voll crass hast du das Bier?"
Der türksiche Rap wird noch abgestellt und die Jungs stürmen die Party.
Das erste Tor fällt.
Ich glaub, es ist Silvester, die Schwalben und der Turmfalke denken das wohl auch.
Wieviel Silvesterknaller haben die gehortet?
Das 2. und auch das 3. Tor fällt, als wir in der Küche die Teller zubereiten.
Der Lärm ist ohrenbetäubend - die Leute schreien.
Wir rennen auf den Balkon und korrigieren uns: sie schreien nicht, sie jubeln.
Beim 4. Tor sind wir auf dem Balkon und gehen in Deckung.
Es fahren hupende Autos durch die Strassen, die mit dunkelhaarigen jungen Leuten bestückt sind - und sie tragen die Deutschlandfahne.

Irgendwann, lange nach dem Ende des Spiels gehen wir nach Hause.
Bei der Eckkneipe an der Strassenecke, die sonst eher sehr leer ist, brodelt das Leben.
Ein Grill steht auf dem Gehweg, lauter Stühle, Tische und ein Fernseher zieren die Strasse.
Kein Platz mehr frei, man hört ein wirres Sprachengewirr und lautes Lachen.
Die Leute reden miteinander, werden nur von den hupenden Autohorden unterbrochen.

Ich glaub, ich werd mich mit der deutschen Flagge anfreunden.

*****

Tja, ich glaube kein Land der Welt leidet so unter der Vergangenheit wir unseres. Nicht, dass sie gut war oder dass nur Teile dieser Vergangenheit, deretwegen es in unserem Land überhaupt verbotene Zeichen gibt.
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Beitragvon Ziuwari » 13.07.2006, 10:21

Knappe ...
... Erstellt am 25.06.2005 - 14:22


Ich mein der Hitlergruß stammt eigentlich auch von Mussolini und der wiederum hat´s als Anlehnung an die alten Römer verwendet. Deswegen ist er trotzdem verboten.


Ich will nur kurz was richtig stellen :)
Der Hitlergruß wurde nicht von den Römern übernommen, sondern von den alten Germanen. Und zwarstellten sie sich in einem Kreis auf und streckten sie ihren rechten Arm aus um ihrem Häuptling / Herzog Heil zu wünschen, wenn er zB in den Kampf zog...
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Beitragvon Serinde » 12.10.2009, 21:29

alvara, ich finde Deinen Text toll!
Ich habe das Fahnenschwingen bei der WM ähnlich empfunden und ich hoffe, daß sich das Verhältnis der Deutschen zu ihrer Geschichte langsam normalisiert, ohne sie zu vergessen.
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Beitragvon hunzenstrunz » 11.06.2012, 01:18

entgegen dem dringenden Bedürfnis mich über Nationalstolz auszulassen ( und wie quatschig ich eben diesen finde)

Ein Gedankengang den ich fernab meiner politischen Überzeugungen mal nahe legen möchte:
Ich gehe mal davon aus, dass viele von euch (oder zumindest einige) als Händler auf Märkten sind.
Nicht jeder der so eine Borte sieht denkt sich: "Oh, der hat da nen Hakenkreuz. Da sprech ich den/die drauf an!" - Bildungsgedanke schön und gut aber ist das, also ein Markt, der richtige Rahmen?
Die nächste naheliegende Reaktion wäre: "Guck an Hakenkreuze, da kauf ich nicht!" - also aus Trotz , weils ja ach so authentisch ist, auf Kunden (=Umsatz) verzichten
Oder, hoffentlich für euch mindestens genauso schlimm: "Ah, toll! Kameraden!" - Würd ich nicht wollen..!

--> Ihr stellt euch fast zwangsläufig in ein falsches Licht, was wirklich nicht sein muss. Die Möglichkeit euch zu erklären werdet ihr in den wenigsten Fällen haben! Andere Fundstücke haben auch schöne Töch...ööh Borten.


In einem anderen Rahmen, Museen etc. ist es eine andere Ebene weil dort eine solche Borte eben nicht einfach wortlos hingenommen werden kann aufgrund der Beschreibung zum jeweiligen Exponat.
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Beitragvon Silvia » 11.06.2012, 06:25

Falsch.
Die wenigsten von uns sind als Händler auf Märkten unterwegs.
Die Leute die diese Borte rekonstruieren und auch wirklich tragen, tragen sie als 1:1 Rekonstruktion eines Fundes, im Rahmen musealen Veranstaltungen, oder produzieren ums mal gemacht zu haben, die Borte verläßt aber nicht das Haus.

Mit allen Anderen hast Du Recht, so blöd sind allerdings die Wenigsten.
Oder hast Du es schon mal auf Märkten bemängeln müssen ?
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Beitragvon hunzenstrunz » 11.06.2012, 11:41

da ich nur recht unregelmäßig auf Märkten aushelfe ich persönlich nicht.
Meine Mutter, die das Gewerbe betreibt, hat mir schon das ein oder andere mal von Händlern erzählt die soetwas tragen. (wohl alle nicht rechts)

Wie schon geschrieben finde ich es im musealen (schönes wort btw) Kontext richtig wenn bewusst und aktiv damit umgegangen wird.
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Beitragvon Carola » 11.06.2012, 23:27

Ich habe kein Problem mit der Bundesflagge, die auf die mit schwarz-rot-goldenen Bändern geschmückten Fahnen der Burschenschafter zurückgeht, die auf dem Wartburgfest für ein geeinigtes Deutschland (gegenüber dem in 36 Staaten zersplitterten Reich) demonstrierten. Ich kann auch ohne Probleme die deutsche Nationalhymne singen, denn was ist falsch an Einigkeit und Recht und Freiheit?
ABER das Hakenkreuz ist für mich so stark durch die neuere Geschichte geprägt, dass mir vollkommen egal ist, ob es in anderen Kulturen auch verwendet wurde und ob die alten Römer schon ... Gut, in einer Römerdarstellung, in einer Borte, ok. Das gleiche, wenn jemand den Krönungsmantel nacharbeitet (die 1 cm großen Hakenkreuzchen in der Borte fallen bei dem Monster ohnehin nicht auf) oder indisches Unabhängigkeitsreenactment betreibt. Aber wer sich das Teil groß und vielleicht auch noch schwarz auf weiß auf rot irgendwo hinnäht, hört für mich jedes Verständnis auf. Das ist nämlich nicht mehr geschichtsnah interpretiert, sondern eine deutliche Meinungsäußerung, da kann man auch gleich Doitschland, Doitschland über alles gröhlen.

Wer starke Zeichen sucht, findet leicht andere. Provozieren kann man auch mit einem geflügelten Penis, einer Vulva auf Füßchen oder mit kopulierenden Pärchen. In der Römerdarstellung wären sogar Darstellungen von Lustknaben möglich - nur da argumentiert plötzlich genau die Fraktion, die Hakenkreuze als ganz harmlos ansieht, nicht mehr mit geschichtlicher Kontinuität. Honi soit ...
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Versuch es erneut. Scheitere wieder. Scheitere besser.
(S. Beckett)
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Beitragvon hunzenstrunz » 12.06.2012, 05:21

Ich glaube nicht einmal das die Leute die das losgelöst vom musealen Kontext verwenden damit provozieren und sich als eine Art modernen Sid Vicous inszenieren wollen sondern eher das diese Leute sich so in das authentisch sein verrennen das sie ein wenig den Bezug zur neueren Prägung des Symbols verlieren. Ähnliches ist bei diesen (platt gesagt) Ethnotypen in der Tattooszene die sich mit Hakenkreuzen zuhacken weil ist ja der Hit in Indien.. Das wird dann gerne und schnell mal als Zurückerobern von Symboliken hochstilisiert.

Ausserhalb von Museen (oder Ähnlichem) haben Swastika meiner Meinung nach auch nichts zu suchen, weil eben die Nötige Aufklärung des Zusammenhangs fehlt. Schwarz-Weiß-Rot geht definitiv auch für mich in keinem Zusammenhang.

Nun doch noch zur Nation:
Nicht die Werte die in der Nationalhymne besungen werden sind falsch nur die Intention warum sie besungen werden --> schaffung einer nationalen Identität, diese ist Mittel zur Abgrenzung und Erhöhung gegenüber anderen. Weitere Ausführungen würden in diesem Thread zu weit führen, wenn gewünscht kann man sich darüber in einem anderen Thread die Köppe einschlagen ?!? :devil: :biggrin:
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Beitragvon roskur » 12.06.2012, 08:36

eins ist fast sicher. so viele, wie sich hier geäußert haben und noch werden, so viele meinungen wird es dazu geben. und jeder, der die meinung der anderen liest, wird dennoch seine eigene behalten.
wer sagt "er sei sich 100% sicher" ist 100% unsicher
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Beitragvon Barde » 12.06.2012, 08:54

stimmt, führt eigentlcih hier zu weit - aber dann stell' lieber so eine These hier nicht in den Raum, wo keine Antwort mehr drauf gegeben werden soll.

schaffung einer nationalen Identität, diese ist Mittel zur Abgrenzung und Erhöhung gegenüber anderen.

dem ersten Teil kann man noch zustimmen; Identität ja - ist mit Nationalhymnen eindeutig beabsichtigt.
In gewissem Maße geht jede Identität auch mit einer Abgrenzung zu anderen einher - ist ja bei Individuen auch nicht anders; ich bin ich und du bist du ...
Aber die Erhöhung automatisch in diesen Verbund mit reinzunehmen, kann ich so nicht stehen lassen; das ist ja bei Individuen, die sich ihrer Unterschiede bewußt sind, auch nicht zwangsläufig der Fall, dass sich jeder für besser hält; meist werden andere doch als gleichwertig anerkannt.

Ok, ich selbst bin zwar wirklich klüger, ehrlicher, zuverlässiger und rücksichtsvoller als die meisten Pappnasen da draußen; aber das ist Zufall, keine Erhöhung ...
:devil:
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Ein Hund sitzt neben dir, während du arbeitest - eine Katze sitzt auf deiner Arbeit!

Achtung - dieser Beitrag kann Spuren von Ironie enthalten!
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