Heraldische Farben

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Heraldische Farben

Beitragvon Flinkhand » 26.12.2005, 13:31

Sabine
... Erstellt am 09.02.2005 - 18:38

*seufz*
Da wir ja unter den "Lilien" auf's Thema kamen, geht es jetzt hier auch weiter.

Es gibt in der Heraldik 9 Farben, die sog. Tinkturen. Davon sind fünf echte Farben:
Rot
Blau
Grün
Schwarz
und...uuupps, Farbe fehlt: purpur
Dann gibt es noch die 2 Mettallfarben:
Silber := weiß
Gold := gelb

Um es jetzt schon kompliziert zu machen, gibt es noch als Ausnahme zwei weitere "Farben":
- Feh (später im Spätmittelalter: Eisenhut), schwer zu beschreiben.........sehen aus wie weiße Kelche....
- Hermelin: sieht so aus wie die 11 Flämmchen im Kölner Stadtwappen oder :wie Kommatas, deren Spitze nach oben weist;

Für die Anordnung der Tinkturen gilt:
Farbe stößt stets an Metall, aber Farbe nie an Farbe und Metall nie an Metall, will heißen: Der Untergrund kann metallisch (gelb oder weiß) sein, dann ist das "Objekt" farbig...oder umgedreht.

Beispiel: Johanniter Orden: Rote Kreuz auf rotem Grund. Das rote Kreuz wird dabei nicht (!) schwarz eingerahmt.

Das war die Grundregel...

ABER davon wird in der Geschichte oft genug abgewichen:
Unter der Bourbonen die Französische Flagge: Goldene Lilien auf weiß (silber)
Deutsche Nationalflagge (richtiger ist die belgische)
Hessen/Thüringen
...und ich weiß nicht wieviele Familienwappen im Laufe der Zeit............

Genug ....für's erste........

Bei weiteren Fragen

Liebe Grüße
Sabine



Ingo ...
Die Nadel
... Erstellt am 09.02.2005 - 18:58

Bini schrieb

Beispiel: Johanniter Orden: Rote Kreuz auf rotem Grund.


Das typische achteckige Johanniterkreuz ist weiß auf rotem Grund.

Da gab es doch auch die ostfriesische Nationalflagge: Weißer Adler auf weißem Grund ...

Gruß, Ingo



Knappe ...
... Erstellt am 09.02.2005 - 19:14

Rot auf Rot ohne Rand... Hört sich interessant an

Zu einem richtig kompletten Wappen gehört übrigens noch der Helm (Stechhelm bei Bürgerlichen, Spangenhelm bei Adligen) mit Helmdecke, gebundener Kranz (Bürgertum) oder Krone (Adel) und Helmzier (meist Wappentier oder Büffelhörner).

Anhand der Proportionen und des Stils (besonders der Helmdecke) lässt sich meistens auch das Wappen datieren.



Sabine
... Erstellt am 10.02.2005 - 18:16

Ohweiha, bin ich blööööö...... *räusper*........

Rotes Kreuz auf weiß. Latürnich!!!!!!

@Knappe: Jauh, zu einem vollständigen Wappen gehört das noch dazu. Bin jetzt nur mal auf die Farben eingegangen und das auch nur relativ kurz. Da könnte man ja noch einen eigenen Thread aufmachen . Also bei Fragen.....einfach melden oder schreiben....

Liebe bunte Grüße
Sabine

P.S. Meine Güte Gibt es ja schon...........Mit mir ist heute nichts los



Ingo ...
Die Nadel
... Erstellt am 10.02.2005 - 21:50

Hallo Bini,

*räusperräusper*

jetzt mal richtig Butter bei die Fische:

Also zu den Farben der wichtigsten Ritterorden:

Deutschritter: Kreuz Schwarz / Umhang Weiß
Tempelritter: Kreuz Rot / Umhang Weiß
Ritter des heiligen Grabes: Kreuz Rot / Umhang Weiß
Orden der Schwertbrüder (Livlandorden): Kreuz Rot / Umhang Weiß
Johanniterorden: Kreuz Weiß / Umhang Rot

Noch Fragen? Dann einfach melden, nicht wahr Bini

Gruß, Ingo



Sabine
... Erstellt am 10.02.2005 - 22:15

Verdammt, habt ihr's doch schon gemerkt. Ist mir gerade beim Tatort gucken auch siedendheiß eingefallen. Christian ist im Boden versunken, als ich es ihm erzählt habe, dann kam noch ein Anruf dazwischen und da Du warst schon wieder schneller.
*soifz*.

Ich sag doch, nicht mein Tag heute und deshalb gehe ich jetzt ins Bett, ohne hier weiter zu lesen und evtl. in die Versuchung komme, doch noch was zu posten.....was verdrehtes oder so.

Aber gebt zu, kam gut - gelle?

Gute Nacht
Sabine, die jetzt durch's Bett im Boden versinkt......



Knappe ...
... Erstellt am 11.02.2005 - 09:52

Deswegen brauchst du doch nicht gleich im Boden versinken! Das ist uns alle schon mal passiert! (Und mir passiert das auch oft genug).

@Ingo: Sind die Kreuze bei den Orden alle gleich? Weil es gibt ja verschiedene Kreuzarten...



Ingo ...
Die Nadel
... Erstellt am 11.02.2005 - 19:11

Also zu den Kreuzen äußere ich mich erst nach Konsultation mit meinem Anwalt.

Nein, erst mal zu den Farben. In „meinem“ Lieblingsbuch über Heraldik: „Das Große Buch der Wappenkunst“ von Leonhardt sind acht Farben aufgeführt:

Rot (steht für Recht, Stärke, Tapferkeit, Würde und Liebe)
Blau (steht für Ruhm, Ehre, Aufrichtigkeit, Treue und Beständigkeit)
Grün (steht für Freiheit, Fröhlichkeit, Lieblichkeit und Gesundheit) – meine Lieblingsfarbe 
Schwarz/Diamant (steht für Standhaftigkeit, Demut, Frieden, Tod, Untergang und Trauer)
Gold/Topas (Gelb) (steht für Herrlichkeit, Ansehen, Hoheit, Würde und Reichtum)
Silber/Perle (Weiß) (steht für Reinheit, Keuschheit, Unschuld, Weisheit und Freude)
Pupur (kaiserliche Farbe, steht für Hoheit, Würde, Herrlichkeit und Macht)
Fleischton (nur für menschliche Körperteile) – diese Farbe unterliegt nicht den sonstigen heraldischen Grundregeln.

Die älteste Grundregel besagt übrigens, dass für jedes Wappen mind. zwei Farben (eine echte Farbe und ein Metall im Wechsel) verwendet werden müssen – es also eigentlich kein Wappen in nur einer Farbe geben darf.

Die Kreuze der Ritterorden haben eigentlich ja ihren Symbolcharakter aus dem christlichen Kreuz und dieses hat wenig mit den Kreuzen auf Wappen zu tun. Die Wappenkreuze leiten sich möglicherweise ursprünglich aus metallenen Schildbeschlägen und –verstärkungen ab und sind somit von den „Ritterkreuzen“ zu unterscheiden.

Das Aussehen der „Ritterkreuze“ war in einem gewissen Rahmen auch an bestimmte Regeln gebunden. Die Johanniter hatten z.B. ein „achteckiges“ Kreuz, dass bedeuted, das Ende jedes Kreuzbalkens ist (quasi wie eine Natternzunge) in zwei Spitzen aufgespalten (siehe heutiges Malteserkreuz). Trotzdem war offensichtlich die Farbgebung viel wichtiger, da auch „einfache“ Kreuze („viereckig“) auf der Kleidung oder Schilden getragen wurden (besonders, wenn sie über die ganze Brust, den ganzen Schild oder den ganzen Umhang gingen – und die Enden somit gar nicht sichtbar waren – kleiner Kreuze waren dann aber schon „ordentlich“ achteckig).

Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang „Die Titter des Johanniterordens (1100-1565)“ von D. Nicolle.

Der Deutschritterorden trug ebenfalls achteckige Kreuze.

Das Kreuz der Ritter vom Orden der Schwertbrüder (Livlandorden) wurde durch zwei gekreuzte Schwerter gebildet (war demnach auch achteckig, wobei allerdings durch die Schwertform mit Parierstange jeweils drei Ecken [der Schwertgriff] einer Ecke [der Schwertspitze] gegenüberstand).

So das war´s erstmal hierzu in aller Kürze.

Nach soviel Theorie habe ich jetzt Hunger bekommen und gehe erstmal Abendbrotessen

Gruß, Ingo



Touri ...
... Erstellt am 11.02.2005 - 23:51

Heraldik verwirt
@ingo
Die Ritter des Johanniterordens 1100-1565
128 Seiten - gebundenes Buch von David Nicolle
zum Beispiel
oder aus:
Der jüngste Tag - Die Deutschn im späten Mitelalter /Fischer-Fabian
3. Kapitel - Die Hanse und der Deutsche Orden
Kaufmannswort geht vor Königswort - "Dem ersten Tod, dem zweiten Not..." -
Die Titter mit dem schwazen Kreuz
gefunden da

Nächtliche Grüße

Detlef aus DU



Knappe ...
... Erstellt am 12.02.2005 - 15:56

@Ingo: Das große Buch der Wappenkunst habe ich auch schon einige Male ausgeliehen und durchblättert. Und dann war ich mal auf einem Vortrag über Heraldik von einem Kreisheimatpfleger, der sich ein wenig auskennt.



Knappe ...
... Erstellt am 12.02.2005 - 15:56

@Ingo: Das große Buch der Wappenkunst habe ich auch schon einige Male ausgeliehen und durchblättert. Und dann war ich mal auf einem Vortrag über Heraldik von einem Kreisheimatpfleger, der sich ein wenig auskennt.

Das Papstwappen mit den beiden Schlüsseln in Gold/ Silber ist ja dann praktisch auch heraldisch nicht korrekt, oder?



Xiabeau ...
... Erstellt am 23.02.2005 - 22:45

Hallo mein Süsser

Die Kirche dachte doch mal eine zeitlang sie sei das Non-plus-ultra und hat sich dementsprechend alle Rechte rausgenommen. Aber kann es sein das das Wappen aus einer post-mittelalterlichen Zeit stammt in der Heraldik nicht mehr soooooooo bedeutend war wie im HoMi? Denn so komplex wie das Wappen auch ist und wenn man sich die Schlüsselform betrachtet kann es durchaus aus der Spätrenaissance kommen. Könnten doch Erklärungsansätze sein?

Liebe Grüsse, Xia



Trinao ...
... Erstellt am 06.03.2005 - 13:39

also ich hab schon oft zu heraldik gelesen, dass es die kunst ist die ihre eigenen regeln am häufigsten bricht...

LG!
Lisa



Hidril ...
... Erstellt am 06.03.2005 - 14:30

Tja, dann muss ich hier auch mal meinen Senf dazu geben, vorallem zu den Johannitern.

@Ingo: Ich habe zwar die genannten Bücher nicht im Regal stehen, aber ich bin mir zu 99,9% Sicher, dass der Ritterliche Orden St.Johannes vom Spital zu Jerusalem, allgemein als Johanniter bekannt, niemals einen roten Umhang trug.

Weißer Umhang mit rotem Tatzenkreuz über derm Herzen.
Die heutigen Ritter des Ordens tragen übrigens einen schwarzen Umhang mit zweißem Kreuz über dem Herzen.

Das Kreuz (heraldisch: Tatzenkreuz): Die vier Balken des Kreuzes stehen für die vier Grundtugenden des Christentums (welche auch immer das sein mögen. Ich habe es vergessen, muss ich zu meiner Schande gestehen).

Die acht Spitzen des Kreuzes symbolisieren die acht Seeligpreisungen der Bergpredigt, das Rot des Kreuzes steht für das Blut Christi, das Weiß des Umhangs für die Reinheit des Glaubens.

Der Ritterliche Orden St.Johannes vom Spital zu Jerusalem ist der älteste noch existierende Orden. Gegründet 1099 in Amalfi von Kaufleuten, denen die Betreuung von verletzten Pilgern am Herzen lagen.
Nachdem der Orden dann von den Sarazenen aus dem Heiligen Land vertrieben wurden, siedelten sie nach Rhodos über, wo sie sich dann Rhodesierritter nannen, später ging es dann nach Malta weiter (die Heiden immer Nacken ), daher der Name Malteser.
Im 16.Jh. wurde der Orden dann evangelisch, spaltete sich aber bald in einen evangelischen Zweig, dem heutigen Johanniter-Orden und dem zum katholischen Glauben zurückgekehrten Malteser-Orden auf.

Beide Orden haben die heute bekannten, weltlichen HIlforganisationen Die Johanniter und die Malteser.

Puah, Ordensgeschichte im Schnelldurchlauf.

So, noch Fragen, Kinzle?

Hîdril, die alte Johanniterin



Ingo ...
Die Nadel
... Erstellt am 06.03.2005 - 21:21

@Hîdril,

Du hast Recht, ein Umhang ist in dem Buch tatsächlich nicht abgebildet, aber jede Menge anderer roter Kleidung (kurze und lange Wappenröcke, Gambesons und auch lange Kirchengewänder in rot mit dem Johanniter-Kreuz).

Gruß, Ingo



Hidril ...
... Erstellt am 06.03.2005 - 22:03

Hallo Ingo,

ja, die Farben sind so schon ganz richtig und das Johanniter-Kreuz ist eigentlich auch Weiß auf rotem Grund. Aber komischer Weise waren die Umhänge genau andersrum.

Ich hab mich nämlich immer gewundert, wieso kämpfende Ritter so etwas unpraktisches trugen. Also unpraktisch von den Farben her. Man sah sie auf Meilen leuchten und dann war das Ganze ja auch verschmutzungstechnisch nicht gerade praktisch.
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Beitragvon wurm » 17.06.2006, 16:16

oben wurde gefragt, wieso der Vatikan weiß und gelb (also silber und Gold) kombinieren darf, wenn es doch der Farbenregel widerspricht.
Soweit ich weiß, ist das keine Unkenntnis gewesen, sondern ein Privileg des Papsttums, und auch des Königreichs Jerusalem (gelbe Kreuze auf weiß). Also als heilige Institutionen angesehene Orte, die dürfen das einfach. So hat es mir mal ein Professor erklärt.
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Beitragvon Phelan von Zollern » 26.09.2008, 08:20

JAPP,

der Vatikan hat sich speziell gegen die Heraldik gestellt um ein Provileg für den Papst zu schaffen.

Zum Thema Lilie....Fleur de lys / Lile de fleur...gibts auch noch heute in deutschen Städtewappen......

Die Heraldik ist ein sehr spannendes Thema über das man sich stundenlang unterhalten könnte.
Phelan von Zollern
 


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