Verwendung verbotener Zeichen

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Beitragvon Andreas zu Stemberg » 14.06.2006, 16:09

Das der eine Mensch da Sachen verkauft hat (und deswegen gewerblich handelt) hat eigentlich nichts mit der Klageerhebung zu tun.

Ich gebe hier mal ein paar Zitate des anklagenden Staatsanwaltes:

Oberstaatsanwalt Bernhard Häußler hat geschrieben:Wir wollen das Hakenkreuz - auch in entstellter Form - nicht in der Öffentlichkeit sehen


Oberstaatsanwalt Bernhard Häußler hat geschrieben:Klar ist, dass die Träger solcher Symbole nichts mit Neonazis zu tun haben, doch wir verfolgen keine Meinungen, wir verfolgen Straftaten


Oberstaatsanwalt Bernhard Häußler hat geschrieben:Wir wissen, wir bestrafen die Falschen, aber wir haben die Besorgnis, dass diese Kennzeichen, wenn sie massenhaft verwendet werden, sich in der Öffentlichkeit wieder einbürgern könnten.


Und noch was: Claudia Roth, Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, erstattete vor vier Wochen Selbstanzeige wegen Tragens eines Anti-Nazi-Buttons.
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Beitragvon Barde » 14.06.2006, 16:26

Dass die Staatsanwaltschaft Kalge erhebt, hat in der tat oft nichts mit dem ausmaß zu tun (obwohl auch die ein ermittlungsverfarhen auch im vorfeld schon wegen "mangelndem öffentlcihem interesse and er verfolgung" einstellen könnte); ich reden vom ausgang vor gericht; den die staatsanwaltschaft nunmal nciht alleine bestimmt :-)

Da besteht immerhin sogar die möglcihkeit, die klage schon vor eröffnung der hauptverhandlung wegen geringfügigkeit abzuweisen, ein ebensolcher ausgang ist in einer hauptverhandlung denkbar, auch GEGEN die staatsanwaltschaft.

Was bleibt ist der unterschied zwischen Vertrieb und TRAGEN der symbole einerseits und dem reinen ZEIGEN innerhalb einer klar definieren kontextes ("z.B. ind er Rubrik "Rekonsturktionen historischer Bänder" auf der website) mit entsprechneder erläuterung - die erläuterung kann beim reinen tragen in der tat oft zu kurz kommen, weil man nicht mit jedem, der einen so sieht, ins gespräch kommt, bei einer präsentation der Bänder im "museumsstil" in einer eigenen Vitrine ud mit erläuterungstafeln am stand oder eben im web mit noch ausführlicherem text ist das was anderes.
Vom tragen an der gewandung würde ich auch abraten ...
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Beitragvon wurm » 16.06.2006, 22:20

Wir haben´s schon schwer mit unserer eigenen Vergangenheit. Mein Onkel hat ein Familienwappen, dass seit 1204 (Lübeck) ein sogenanntes "Hakenkreuz" zeigt, auch wenn es für Heraldiker ein Krückenkreuz ist- und ganz peinlich hat die Familie das Wappen seit 1945 nirgendwo öffentlich gezeigt. Wenn man sich jedesmal für sein Familienerbe rechtfertigen muss, ist das ja auch nicht sinnvoll.
Aber wenn wir die Wahl haben, die Geschichte von 39 bis 45 zu vergessen, oder ganz offensiv klarzustellen, würde ich mich immer für letzteres entscheiden. Also lieber an einer historischen Rekonstruktion einen politisch "korrekten" Aufkleber anbringen (wie fragwürdig auch das wieder ist), als auf die Darstellung mittelalterlicher Hakenkreuze ganz zu verzichten. Sorry, aber wenns nicht anders geht?! Die Ansicht des oben zitierten Staatsanwaltes, wir wollten das zeichen in der Öffentlichkeit nicht sehen, klingt für mich fast wie ein "Schwamm drüber, vergessen wir mal die Geschichte".
Übrigens hatte ich vor einigen Wochen einen Band über Brettchenwebereien aus Birka in der U-Bahn gelesen, als ein Schwarzafrikaner aufstand und mir sagte: "cooles Muster", und auf die Hakenkreuze deutete. War das Sarkasmus? Ich habe es nicht verstanden.
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Beitragvon cecilie » 03.07.2006, 08:42

Nachdem ich mich jetzt durch alle Post gelesen habe möchte auch ich meinen Senf dazu geben.

Nicht die Symbole sind gefährlich sonder die Menschen! Die Zitate des Saatsanwaltes sind zwar aus dem Zusammenhang gerissen, aber es gehört schon eine ordentliche Portion Ignoranz (oder ist es Dummheit) dazu, soetwas zu sagen und wenn er das auch noch so gemeint hat, dann stellt sich mir die Frage: Ist das ein Staatdiener der die Interessen der Allgmeinheit vertritt, oder eher jemand der seine eigenen Schwierigkeiten nicht verarbeitet bekommt?

Geschichte ist nichts was man vergessen darf! Aber das heißt nicht, daß man nicht daraus lernen soll. Es hat aber den Anschein, daß das eher unpopulär ist. Gewalt gegen Menschen ist immer ein Thema gewesen und ist es auch heute noch, überall auf der Welt. Also doch nix gelernt!

Ich für meinen Teil denke das es besser ist intensiv Aufklärung zu betreiben und vor allem den braunen keine Chance zu geben, sich weiterhin des alleinigen Nutzungsrechtes der Symbole zu erfreuen. Da sie sich zum Teil nur darüber definieren und oft für mehr keinen Grips haben, ist es bistimmt kein Fehler die Symbole in ursprünglichen Sinne wieder zu verwenden und ihnen somit einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Identität zu nehmen.

Das unsere Geschichte, wie ihr ja alle wisst und ich glaube die meisten Menschen habe so eine Ahnung das es da mehr gibt, nicht ausschließlich aus den Jahren 33 bis 45 besteht, dürfen wir aber auch nicht vergessen. Sonst laufen wir irgendwie Gefahr uns nur durch diesen Abschnitt zu definieren.

Verbote haben noch nie zu echten Ergebnissen geführt.

Und in anderen Ländern werden diese Muster ohne Probleme weiterhin benuzt und sind nach wie vor Teil der Kultur. Wie kann es sein, daß 12 Jahre mißbrauch zu einem völlig falschen Verständnis gewisser Zeichen führen und unsere Selbstdarstellung derart beeinflußt, daß jede unserer Seelen damit gebranntmarkt ist?

Also nicht vergessen sonder aufklären und lernen!

Ein bisschen lang für 2 cent.
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Den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen zerrt es dahin.
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Beitragvon Knappe » 03.07.2006, 10:05

Kennt jemand das "große Buch der Wappenkunst" (Walter Leonhard; Verlag Georg D. W. Callwey)? Dort wird sowohl das "heraldische" Hakenkreuz, als auch das Enblem der Nazis mit Adler und allem drum und dran ganz ohne jede weitere Erläuterung gezeigt... Und das Buch stammt von 1978, als das dritte Reich noch nicht sooo lange vorbei war...

Irgendwie bekam ich beim Durchblättern des Buches, als ich auf die Hakenkreuze gestoßen bin, doch ein mulmiges Gefühl. :dizzy:
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Beitragvon wurm » 03.07.2006, 15:51

Ja und WIR machen uns in die Hose, weil wir ein jahrhundertealtes Snartemo-Band o.ä. ausstellen, aber in Laboe bei Kiel liegt eine feierliche Gruft mit Fackeln, wo die Nazi-Hakenkreuzfahne prall zwischen Fackeln hängt. Soll wohl eine Ausstellung zur deutschen Geschichte sein, und da hängen noch andere Fahnen, aber trotzdem fand ich es echt mulmig, daß die sowas dürfen, in solch feierlich-heroisierendem Rahmen, und wir dürfen das nichtmal mit wissenschaftlichem Abstand und jahrhundertealten Artefakten!
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Beitragvon Silvia » 03.07.2006, 19:39

@Wurm
Zitat:war das Sarkasmus?
Nee schwarzer Humor."gg"

Hallihallo.
Bei uns im Ort steht bei einer Kunstgalerie ein Komisches Häuschen ohne Dach mit merkwürdigen Zwichenwänden.Aus der Luft gesehen sieht das Ding aus,als ob ein Hakenkreuz darin wäre.Da geht mir der Kunstsinn vollkommen ab.Auch da finde ich die historiche Darstellung harmlos.Auch wenn es mir wie all Euch Anderen geht,und ich ein muliges Gefühl habe.
Es ist einfach das Symbol schlechthin für ein böses Stück Vergangeheit.

Cecilie Du hast schön gesprochen.

Viele Grüße
Silvia
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Beitragvon Hîdril » 04.07.2006, 21:27

Das hier schreibe ich gerade, während im Hintergrund das Halbfinale der Fußballweltmeisterschaft läuft. Deutschland gegen Italien. Hm, was hat das mit verbotenen Symbolen zu tun :gruebel: werden sich jetzt einige fragen.

Diese WM hat etwas eigenartigen und wie ich finde, auch schönes bewirkt: Die Deutschen sind wieder stolz auf ihr Land. Da werden wieder stolz die schwarz-rot-goldenen Fahnen rausgehängt (was in Skandinavien, Holland oder auch Frankreich ganz normal ist. Also die jeweilige Nationalflagge rauszuhängen, nicht die deutsche ;)), die Fußballspieler singen lauthals, wenn auch ein bisschen schief, die Nationalhymne mit und nuscheln sie nicht mehr verschämt vor sich hin und mittlerweile dürft wohl ein Großteil der Deutschen auch wieder den Text unsere Hymne kennen.

Vielleicht bewirkt diese WM und der damit einhergehende Nationalstolz dergestalt Wirkung, dass man bald auch Rekonstruktionen von historisch belegten Mustern nachweben kann, ohne gleich den Staatsanwalt im Nacken zu haben und einem mit einem Feriendomizil mit schwedischen Gardinen gedroht wird.

Zu hoffen wäre es.
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Beitragvon Sleipnir » 06.07.2006, 09:24

Tja, die WM...
ich will dazu eigentlich gar nichts sagen, aber ich halte es für ausgeschloßen, das sich das irgendwie auf die Toleranz der staatlichen Organe in Bezug auf historische Rekonstruktionen auswirkt, jedenfalls in demhier von uns erhofften Maß und Zusammenhang. Als Gegner jedweden NationalSTOLZES sehe ich die derzeitige Entwicklung eh mit einem sehr wachen Auge. ABer wie geagt, dazu will ich mich hier nicht näher auslassen, es geht hier nicht um Politik.

LG Sleip
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Beitragvon Silvia » 06.07.2006, 11:01

Ich wollte mir ja auf die Zunge beißen-aber es geht nicht.
Bei all den vielen Fähnchen an den Autos Zweirädern und Häusern denke ich das einige wirklich nur wertfrei dekorieren.Gäbe es die Fähnchen mit dem WM Zeichen also diesen Smilies öfter zu kaufen würden halt die aufgehangen.Ich habe wirklich Zweifel das es hier wirklich um Nationalstolz geht,sondern es geht den Menschen darum ihre Mannschaft anzufeuern.
Soviel von mir zum Fußball und der dazugehörigen Deko.
Silvia
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