Zunftwappen

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Zunftwappen

Beitragvon Tanteanni » 05.12.2010, 00:45

Hallo ihr. ich hae da mal eine Frage. Ich stelle auf den Märkten eine Spinnerin aus dem HoMi dar und nun suche ich verzweifelt nach einem Zunftwappen. Onkel Google spuckt da nur mäßig was aus. Gibt es soetwas überhaupt im Allgemeinen oder war das von Stadt zu Stadt verschieden??
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Beitragvon Sandra » 05.12.2010, 11:03

Ich habe noch nie von einer eigenständigen Zunft der Spinner gehört. Spinnen war ja kein Handwerk, in dem Meister Gesellen ausbildeten.
Im SpäMi gab es schon professionelle Spinner (übrigens ausschließlich Männer, Frauen waren nicht berufstätig), aber eine Zunft wäre mir nicht bekannt.
Vielleicht wirst du im Umkreis der Färber und Weber fündig, denn die müssten Zunftwappen gehabt haben. (Falls du welche findest, wäre ich auch daran interessiert)
Liebe Grüße, Sandra

Geschichte besteht aus einem Haufen Lügen über Ereignisse, die niemals stattfanden, erzählt von Menschen, die nicht dabei waren. (George Santayana)
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Beitragvon TheaEvanda » 05.12.2010, 11:37

Das Weber-Zunftwappen besteht aus drei im Dreieck angeordneten goldenen Weberschiffchen auf blauem Grund auf dreieckigem Schild. (Wenn ich das jetzt richtig blasoniert habe :dizzy: )

Färber weiss ich nicht; Sticker hatten definitiv nur lokale Wappen.

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Beitragvon Chrissie » 05.12.2010, 12:13

Ich wüsste aus meinen Recherchen auch nur von der Zunft der Weber und der der Färber, Spinner gab es in Deutschland meines Wissens nicht.
Die Zunftwappen an sich sind unter Wikipedia zu finden.
Liebe Grüße,
Chris

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Beitragvon Carola » 08.12.2010, 11:30

Spinnen war bis in die Neuzeit immer auch Heimarbeit. Deshalb gab es (ähnlich wie bei den Leinenwebern) zwar Handwerker, die ihren Lebensunterhalt mit Spinnen verdiehnt haben - aber ohne eigene Organisation.
Eine Ausnahme waren die Goldspinnerinnen, die (wenigstens in Köln) ab Mitte des 13. Jahrhunderts nachweisbar sind und mit den Goldschlägern eine Zunft bildeten. Ob die Zünfte allerdings schon damals eigene Wappen führten, weiß ich nicht.
I.ü. stimmt es nicht ganz, dass Frauen nicht berufstätig waren. Berufstätig waren sie schon - nur waren die wenigsten in Zünften organisiert, weil viele Zünfte keine Frauen aufnahmen. Die Goldspinnerinnen waren eine Ausnahme; andere Beispiele sind die Garnmacherinnen und Seidenweberinnen, die sogar in reinen Frauenzünften organisiert waren.

Zum Einlesen bietet kleio.org einen guten Überblick; vertiefend ist Edith Ennen "Frauen im Mittelalter" sehr zu empfehlen (erschienen bei Beck).
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Beitragvon Tanteanni » 08.12.2010, 12:05

danke sehr für die super Info. Ich werde mir die Bücher mal ausleihen und lesen. Ich hoffe ich finde etwas, denn es soll ein kleines Banner an meinem Lager stehen auf dem mein Beruf dargestellt ist. Und da ich nuneinmal eine Spinnerin darstelle, möchte ich halt dementsprechen auch ein Banner haben. Da dazu nichts belegt ist, könnte man da doch auch eigentlich improvisieren oder?
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Beitragvon Carola » 11.12.2010, 10:43

Ich fürchte, dass Du das falsch verstanden hast. Nicht belegt bedeutet nicht den Freibrief zur Improvisation (jedenfalls nicht, wenn Du Wert auf historische Richtigkeit legst). Außerdem hat längst nicht jeder ein Banner getragen; schon gar nicht im HoMi, wo die Dinger selbst im militärischen Bereich selten sind.
Spinnen ist nach meinen Quellen weitgehend Heim- bzw. Verlagsarbeit gewesen. D.h. die Spinner bekamen vom Auftraggeber Wolle/Leinen/sonstwas, das sie für ihn verarbeitet haben und das ihnen zu einem festen Preis abgenommen wurde. Zum Teil bestand die Bezahlung auch darin, dass sie einen Teil des Garns/des Rohmaterials auf eigene Rechnung verkaufen konnten. Diese Form der Arbeit richtet sich nicht an Laufkundschaft und erfordert daher kein "Ladenschild" o.ä., um auf sich aufmerksam zu machen.
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Beitragvon Tanteanni » 11.12.2010, 13:49

Ich wollte damit nicht sagen, dass ich mir ein Wappen ausdenken möchte. Wenn es keines gab, dann gab es keines und ich werde bestimmt keines erfinden. Ich wollte ja nur etwas haben, das ich neben dem Wappen meiner Stadt aufhängen kann, um direkt aufmerksam zu machen auf meinen Beruf.
Aber wenn man das Spinnrad sieht, kann man sich das ja auch denken und da ich ja auch noch andere Handarbeiten ausstelle, kann ich mir ja eines von deren Zunftwappen nehmen, falls ich das dann möchte. :-)
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Beitragvon Sandra » 11.12.2010, 14:00

Ja nachdem, was für dein Spinnrad du hast, bist du damit fürs Homi sowieso fehl am Platz. Das Flügelspinnrad war noch nicht erfunden, am weitesten war noch die Handspindel verbreitet und Spinnräder waren selten. Gerade Frauen, die nur in Heimarbeit gesponnen haben, dürften so etwas nicht gehabt haben Aber dazu gibts schon irgendwo den ein oder anderen Thread.
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