Die Waldgräfin

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Die Waldgräfin

Beitragvon alina » 26.12.2005, 19:47

Becky
Erstellt am 27.09.2004 - 16:13

"Wie eine eisige Hand kroch die Kälte über meine Knie und fuhr schmerzhaft die Knochen entlang. Meine Finger, die ausden wollenen Binden herausschauten, waren blau gefroren: Jedes Mal, wenn ich das Schiffchen glücklich durch die Kettfäden gezogen habe,..."
Das sind die ersten Sätze des Buches und ich glaube, wer an einem kalten Tag im Lager beim Weben saß, weiß wovon Alienor redet. Das Buch ist wirklich super, ich konnte es kaum aus der Hand legen. Das Buch spielt im Jahr des Herrn 1066, aber lest selber die Kurzfassung zum Buch

Alienor, die Tochter des Freigrafen, lebt mit ihrem Vater und ihrer kranken Schwester Emilia auf der Burg Sassenberg in der Eifel. Seit dem Tod ihrer Mutter ist sie gezwungen, den Aufgaben einer Burgherrin nachzukommen, was ihr schwer fällt, da sie - eigenwillig, hochgewachsen und mit dunklem, widerspenstigem Haar - lieber in Männerkleidung reiten und jagen gehen würde, als Schleier zu sticken, zu weben und die Hausarbeiten zu überwachen. Darüber hinaus genießt sie, die mütterlicherseits normannischer Abstammung ist, nicht unbedingt den Respekt der Gefolgschaft.
Eines Tages im Herbst bringt ihr Vater nach der Jagd einen verletzten Wilderer in die Burg, dem ein hartes Los droht: Auf Wilderei in den gräflichen Wäldern stehen empfindliche Strafen. Der Mann wird sofort in den Kerker geworfen, so dass Alienor kaum mit ihm in Berührung kommt. Nur seine entsetzlichen Schreie dringen gelegentlich an ihr Ohr. Erst an Weihnachten, sich auf ihre christlichen Pflichten der Nächstenliebe und des Erbarmens besinnend, erinnert sie sich seiner wieder. Sie sucht ihn im Kerker auf, um ihm Essen und einen Umhang zu bringen - und ist erschüttert von seinem Anblick. Von den Folterungen übel zugerichtet, dankt er ihr auf Französisch, der geliebten Sprache ihrer normannischen Mutter. Als Alienor dies ihren Vater wisssen läßt, beschließt er sofort, ihr den Gefangenen zu schenken. Er läßt ihn von seinem jüdischen Arzt Naphtali versorgen und präsentiert ihn seiner Tochter geschoren, mit dem Freigrafenwappen auf der Brust gebrandmarkt und mit einem Eisenring um den Hals. Allerdings stellt er die Bedingung, dass Alienor durch weibliche List in Erfahrung bringen möge, wer der geheimnisvolle "Barbar" in Wirklichkeit ist. Denn man weiß man nur, dass er Heide und offenbar guter Abstammung ist, doch seinen Namen wollte er selbst unter Folterqualen nicht verraten. Alienor ist dieser Mann unheimlich, doch sie überwindet ihr anfängliches Unbehagen...


Der süßliche Titel täuscht, Die Waldgräfin ist keine Romanze. Dagmar Trodler beschreibt sehr fundiert eine Zeit, in der heidnische und christliche Traditionen in Deutschland nebeneinander bestanden. Die Waldgräfin ist ein über weite Teile hin gut recherchierter historischer Roman, der einem die Zeit des Mittelalters nahe bringt. Trotzdem hier und da ein Anachronismus eingeflossen sein mag, der eher in die Zeit des Hochmittelalters gehört, schildert Trodler nachvollziehbar, welchen Konflikten die Menschen der damaligen Zeit ausgesetzt waren.
Aber Trodler hat noch ein anders Plus: es gelingt ihr, mit der Icherzählung der Heldin ihre Personen und deren Handlungsweisen authentisch zu beschreiben, und so erleben wir mit Alienor kein Konstrukt der Moderne im historischen Rahmen, sondern eine Frau, die zu dieser Zeit wirklich gelebt haben könnte.

auf Mittelaltermärkten: Yersenia von Lechenich



Heinz
Erstellt am 27.09.2004 - 16:18


Hallo,
gutes Buch kenn ich spielt sozusagen bei uns in der nähe.
Beste Grüße Heinz



Sabine
Erstellt am 28.09.2004 - 08:53


*handhochahltend*
Jauh, habe es gerade wieder mal durchgelesen. Ist wirklich sehr spannend.

@Becky: Kannst Du bitte bei Deinem Beitrag noch den genauen Titel, Seitenzahl, ISBN, Verlag usw. zu schreiben?! Das ist ja schon ein seeeehr langes Zitat und dann gehört das dazu.

Ganz liebe Grüße
Sabine



Becky
Erstellt am 30.09.2004 - 12:23


Sorry, ich werd alt und vergeßlich Dagmar Trodler "Die Waldgräfin", 608 Seiten, ISBN 3-8289-7267-5, Weltbild verlag

auf Mittelaltermärkten: Yersenia von Lechenich



Sabine
Erstellt am 30.09.2004 - 17:00

....Duuuuuu und alt????? *wieherndesgelächter*!!!!!!!!

Danke schön
Sabine



Schoferin
Erstellt am 08.07.2005 - 11:57


Dazu gibts neu den 2. Band:

Freyas Töchter, München : Blanvalet, ISBN 3-442-36182-6
Als Taschenbuch 9,95
Spielt hauptsächlich in Norwegen, Alienor folgt ihrem Erik in seine Heimat.

Und ganz brandneu:
Die Tage des Raben, allerdings nur gebunden für 22,90



Knappe
Erstellt am 08.07.2005 - 15:32

Warum spielt immer alles im 11. Jahrhundert? Gibts eigentlich auch mal ein Buch übers 13.??

Ich habe "die Säulen der Erde" gelesen und bin gerade bei "das geheimnis des mönchs", wobei ich gerade an einer stelle bin, wo das buch etwas schwächer wird und langatmig...


alina
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