Brettchenborten bei den Slawen

Diskussionsforum Frühmittelalter (ca. Ende 6. bis Beginn 11. Jhd.)

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Beitragvon Britta » 01.03.2013, 12:12

Die Oldenburger Brettchenborten - mit Goldlahn - befinden sich an einem als Religienbeutel gedeuteten Fund aus Grab 74, einem Männergrab - es war reich ausgestattet, u.a. mit Brettspiel und 2 Schwertern.
Mehr dazu steht im von Dachs genannten Offaband 85 - das Buch gibt es in diversen Bibliotheken - aber für eine Rekonstruktion der Borten reicht es m.E. (noch) nicht, man muß abwarten, was die geplante genauere Untersuchung des Beutels ans Licht bringt.

Weiterhin gibt es die Seidenbänder von Kałdus in Polen - Artikel von Dr. Małgorzata Grupa - Silk bands from an early medieval cemetery in Kałdus (Poland) in Archäologische Textilfunde - NESAT IX, [Braunwald, 18.-20. Mai 2005] / Antoinette Rast-Eicher, Renata Windler (Hrsg.) -
aber das ist für die Fragestellung hier zu weit entfernt - die Oder sollte ja die Begrenzung sein - und es handelt sich bei Kałdus um skandinavische Bestattungen, nicht um Slawen.

Eben ist beim BLDAM ein neues Buch erschienen:
Felix Biermann, Franz Schopper (Hrsg.), Ein spätslawischer Friedhof mit Schwertgräbern von Wusterhausen an der Dosse - Arbeitsberichte Heft 23, 2012 - ich habe es noch nicht erhalten. Hierin findet sich die Untersuchung einer Goldborte - auf der Seite des BLDAM unter Publikationen nachsehen. in diesen Gräbern aus dem 12. Jhdt. wurden Eliten bestattet - ebenso wie im Grab 74 in Oldenburg, welches ins 10. Jhdt. gehört.

Fazit: Es handelt sich in allen Fällen um sehr reich ausgestattete Gräber. Das ist zu bedenken.

Gruß
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Beitragvon Dachs » 01.03.2013, 13:25

Ein Teil der Goldlahnfäden werden von mir genannten Veröffentlcihung der Kleidung (Ärmel) zugeschrieben (S. 203). "Goldbrokatbänder fanden sich in 5 Gräbern .." Spannend finde ich die Stirnbinde aus dem Kindergrab 35 und die Wetzsteinaufhängung aus Grab 85. Interessant ist auch das Webbrettchen (Abb. 44 S. 246).

Für die "Elitengräber" stellt sich im besonderen die Frage nach der "ethnischen" Zuordnung der Funde.

Danke für die Info, Britta.
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Re: Brettchenborten bei den Slawen

Beitragvon Marie87 » 24.01.2017, 19:20

Hallo, ich hoffe es ist ok, wenn ich das Thema wieder hochkrame.

Quintessenz dieses Threads und meiner Recherche im www ist, dass der "Otto-Normal-Slawe" keine Brettchenborten besessen hat. Allerdings finde ich überall die Information, dass die Schläfenringe vermutlich (u.a.) an Bändern um den Kopf befestigt wurden. (Mal ganz abgesehen davon, dass es tausende solcher Gewandungen gibt, das hat ja nichts zu heißen.) Wenn diese Bänder keine Brettchenborten waren, was waren sie dann? Kammgewebte Bänder? Etwas anderes? Oder weiß man das gar nicht? Die gleiche Frage gilt analog auch für die Gürtel, welche aus gewebten Bändern bestanden.

Vielen Dank im Voraus!
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Re: Brettchenborten bei den Slawen

Beitragvon SilviaAisling » 27.01.2017, 08:23

Zu den Schläfenringen kann ich dir nichts sagen, damit kenne ich mich nicht aus.

Aber Stoffgürtel (egal ob genäht oder gewebt) waren bis zum 14. Jhd. gar nicht so üblich wie man heute denkt. Erst im 14. Jhd. gibt es eine Schwemme von brettchengewebten Borten, wie z.B. aus dem Erfurter Schatz. Die waren aber häufig einfarbig und wurden mit Sechslochbrettchen gewebt.

Ich habe hier mal eine Aufstellung veröffentlicht [url]aislingde.blogspot.de/2015/07/brettchengewebte-gurtel-wie-sind-die.html[/url]
Ich bin nett, höflich, liebenswert und zuvorkommend
und garantiert nicht ironisch ;-)

http://aisling.biz/index.php/start
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Re: Brettchenborten bei den Slawen

Beitragvon Marie87 » 29.01.2017, 12:20

Vielen Dank für die Antwort und den Link! Wenn gewebte Bänder doch nicht so verbreitet waren, dann also Leder? Gibt es dafür Belege?

Kann vielleicht in Zusammenhang mit den Schläfenringen noch jemand etwas beitragen?
Marie87
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