Nachweis von Webnadeln?

Habt Ihr Hinweise auf archäologische Funde oder Analysen von Funden im Netz oder in Papierform? Hinweise nimmt dieses Forum entgegen!

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Nachweis von Webnadeln?

Beitragvon Neunwelten » 16.09.2020, 10:50

Hallo Allerseits,
Mich würde brennend interessieren, ob im HoMi die Webnadel auf den
frühen horizontalen Webstühlen zum Einsatz kam?
Weiss da jemand Bescheid, und hätte sogar ein Foto oder eine Dokumentation?
Das wäre fantastisch, vielen Dank an die Antwortenden :biggrin:
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Re: Nachweis von Webnadeln?

Beitragvon Glaskocher » 16.09.2020, 20:06

Ea könnte zur Herausforderung werden, eine Nadelbinde-Nadel von einer Webnadel zu unterscheiden. Vermutlich waren beide aus Holz, Horn oder Knochen geschnitzt und hatten zum Verwechseln ähnliche Form. Man müßte vermutlich nach Abbildungen suchen, auf denen eine Webnadel in Benutzung abgebildet ist.

Es kann sein, daß sie in der Bildwirkerei benutzt wurden. Allerdings findet man auch Abbildungen von "Klöppeln", auf denen ein gewisser Vorrat an Schußfaden aufgewickelt war, im Internet.

Beschreibe doch mal etwas genauer, welche Form der Webnadel Du suchst. Manchmal werden sehr ähnlich aussehende Werkzeuge zu unterschiedlichen Techniken verwendet. Ein schmales "Webschiffchen" kann auch eine "Filetnadel" gewesen sein, um sehr feinmaschige Netze zu knüpfen.


Insgesamt wird es auf eine recht breite Suche hinaus laufen, um den Nachweis zu erbringen. Ich wüßte jetzt nicht, wo exakt man da den Anfang machen sollte.
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Re: Nachweis von Webnadeln?

Beitragvon Verry » 16.09.2020, 20:36

Stellt sich erst mal die Frage, ob Webnadel für dich die Nadel ist oder das Schiffchen. Hab ich beides schon gehört
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Re: Nachweis von Webnadeln?

Beitragvon Neunwelten » 16.09.2020, 22:03

Eine Webnadel ist bei uns wohl dasselbe wie beim Brettchenweben, so eine Holzlatte mit Einkerbungen auf beiden Seiten (wenn ihr wisst was ich meine :dizzy: ) einfach ein paar Nummern grösser.
Da ich recht dicken Wollfaden verarbeite, geht das Schiffchen nicht. Auf sämtlichen Abbildungen sind jedoch immer nur Schiffchen zu sehen. Ich denke dass sie wohl Webnadeln hatten, die aber sehr schnell verrotteten?
Oder als etwas anderes gedeutet wurden? Hmmm, schwierig :gruebel:
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Re: Nachweis von Webnadeln?

Beitragvon kypert » 17.09.2020, 00:38

Zum Mittellter weiss ich nichts, aber hier wird für traditionelle Techniken mit dickem Garn eine "dukke" verwendet, sowohl am Hochwebstuhl als auch am Flackwebstuhl. Keine Ahnung, wie A das ist, aber das ist jedenfalls auch eine Möglichkeit, wenn das Schiffchen nicht geht.
ich habe einen Blog :)
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Re: Nachweis von Webnadeln?

Beitragvon Neunwelten » 17.09.2020, 12:56

Ja, das wäre durchaus eine Möglichkeit. Danke für den Tipp!
Eine Webnadel ist halt schneller ;-)
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Re: Nachweis von Webnadeln?

Beitragvon Glaskocher » 17.09.2020, 20:07

Du meinst mit der "Webnadel" vermutlich das )=====( was ich mit "Schiffchen" bezeichne. Solche Teile sollte es schon deutlich länger geben. Mit sehr schmalen Lücken zwischen den Enden werden ähnliche Teile (hand- bis fußlang) als Filetnadeln benutzt, um feine (Haar-) Netze zu knüpfen. Solche Teile sind schon deutlich länger im Gebrauch.

Auch die Netznadel ist mindestens seit der Bronzezeit im Fundgut nachweisbar, zum Teil nur über die typische Form ihrer Bruchstellen von Kaputtgegangenen identifiziert. Eine Netznadel hat am einen Ende eine zweizinkige Gabel, wie deine "Webnadel" zwei hat. Am anderen Ende ist mittig ein Dorn, der von einem Spitzbogen umschlossen ist. Das Garn wird immer um den Dorn und dann durch die Gabel und auf der anderen Seite wieder um den Dorn (Gabel ...) gewickelt. Dadurch wickelt es sich während der Knüpfarbeit nicht ungewollt ab und kann bei Bedarf recht einfach abgewickelt werden*. Nimmt man jetzt zwei Netznadeln und verbindet sie mit den Gabeln nach Außen, dann ist es wieder diese "Webnadel".
* = Information von Jörg Nadler


Daneben gab es sicher auch Webschiffchen, die Garnspulen im Inneren trugen. Möglicherweise konnte man den Stab der Handspindel, vom aufgesteckten Wirtel getrennt, dort hinein legen und ohne zu haspeln sofort von der Spindel das Single-Garn verweben.
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Re: Nachweis von Webnadeln?

Beitragvon Verry » 17.09.2020, 22:20

Zumindest am Gewichtswebstuhl kenne ich direkt von der Spindel auch als Standard. Was hier als Webnadel läuft ist für breitere Ketten sehr schlecht geeignet, irgendwann sind die Arme zu kurz.

(interessanterweise kenne ich als 'Webnadel' eine 15 cm lange Stopfnadel, den hier diskutierten Gegenstand als 'Schiffchen' und die Dinger mit der Rolle als 'Handschützen' oder 'Schwedenschiffchen')
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Re: Nachweis von Webnadeln?

Beitragvon Neunwelten » 18.09.2020, 07:18

@Glaskocher
Genau die meine ich :wideeyed: die Schiffchen mit den Garnspulen
sind praktisch auf jeddm Bild zu sehen, aber eben nirgends eine „Webnadel“!
Und da ich auf 80 cm mit dicker Wolle webe, brauche ich ein entsprechendes
„Gerät“ welches für mich A sein muss, und dann noch ins 13. JH passt :dizzy:
Danke für alle Antworten!
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Re: Nachweis von Webnadeln?

Beitragvon Neunwelten » 18.09.2020, 11:33

Einen Artikel fand, ich wo sie bei den „Kelten“ eine Webnadel gefunden haben,
was jedoch auf einen Gewichtswebstuhl schliessen lässt!
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