Brettchen: Pappe, Holz oder Metall?

Fragen zu Webstühlen, Brettchen, Garnen oder lieber am Gürtel weben usw. sind hier richtig.

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Re: Brettchen: Pappe, Holz oder Metall?

Beitragvon KrisK » 07.07.2016, 10:37

Ganz neu hier und beim Brettchenweben lese ich mich gerade langsam vorwärts und habe schon die ersten Fragen.

Meine Brettchen sind, bis auf auf einem Markt gekaufte Randbrettchen aus Holz, aus Pappe (Rückseite einer DIN A4-Kladde) geschnitten und gelocht. Angefangen habe ich jetzt mit Baumwollgarn in der Stärke 3,5 - aber, schwupps, ist der erste Strang nach ein paar Zentimetern gerissen. Ok, wird ein Lesezeichen.

Ist das normal bei Wolle?
Schiebe ich vielleicht zu viel vor und zurück?
Ist die Spannung zu groß?
Taugt die Wolle nix? (Ich habe auch schnell Fussel an den Fäden - sowohl bei einer Wolle aus dem Euroshop als auch bei der aus dem Wollladen.)
Ist die Pappe zu rauh?
Und was passiert, wenn ich dann mal dünnere Fäden nehme? Häkelgarn? Leinen? Seide?

Als nächstes will ich auch Brettchen aus Balsaholz o. ä. ausprobieren. Die wurden hier angesprochen. Aber wie ist denn da die Erfahrung?

Was wär mit Alubrettchen? (Könnte ich mir selber machen.)
Ich würde auch gern ausprobieren, mit Brettchen aus Horn oder Knochen selber zu machen. Hat da jemand Erfahrung und Tipps? Welche Knochen wären geeignet und wo bekomm ich die her?

Vielen Dank schon mal für die Antworten und Tipps.
Weitere Fragen kommen bestimmt.
KrisK
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Re: Brettchen: Pappe, Holz oder Metall?

Beitragvon WickedWeaver » 07.07.2016, 10:58

Günstiges Baumwollgarn zum Stricken oder Häkeln kann schnell aufrauhen und fusseln, vor allem, wenn es mehrfädig ist (meine Erfahrung). Das dünnere zum Spitzenhäkeln, dass es auch im Flinkhandshop etwa gibt, ist mercerisiert, hat dadurch eine glattere Oberfläche und ist weniger anfällig. Je glatter das Garn, desto besser :-) Bei Wolle (von Schafen :biggrin: ) muss man aufpassen, dass sie nicht schnell verfilzt, also regelmäßig vorsichtig auseinanderfriemeln.
Bei den Brettchen gilt dasselbe, wenn die Löcher scharfkantig sind und zu viel Spannung auf den Fäden liegt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Fäden durchscheuern, größer. Darauf solltest du also achten, wenn du selbst Brettchen machst. Die Stärke der Fäden ist also eher zweitrangig, wenn die Beschaffenheit derselben und der Brettchen sowie die Spannung gut ist.
Versuch mal, dir Brettchen aus Spielkarten zu basteln, die halten mehr aus und sind glatter als Blockpappen. Was andere Materialien angeht, da hab ich keine Erfahrung, ich bin mit den Pappbrettchen ausm Shop vollkommen zufrieden.

Viel Spaß beim Ausprobieren weiterhin!

Marion
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Re: Brettchen: Pappe, Holz oder Metall?

Beitragvon Tjorven » 10.07.2016, 06:53

Ich webe schon seit vielen Jahren mit Messingbrettchen und bin damit hochzufrieden - die sind glatt, hakeln nicht und sind wetterfest. Wenn es dann doch zu viele werden (Mantelborte oder so) nehme ich Pappbrettchen aus dem Flinkhand-Shop. Unser Barde macht schöne dünne Holzbrettchen, die ebenfalls ganz glatt geschliffen sind. Gib lieber ein bißchen Geld oder Zeit dran, als dich hinterher mit schlechtem Material rumzuärgern - das verleidet einem auch den Spaß an der Sache! Und gute Brettchen hast du ja nicht nur eine Saison, die sind was für laaaaange Zeit.

Ich kann nur bestätigen, was Wicked Weaver sagt: zu viel Spannung auf der Kette sorgt direkt und indirekt für arg strapazierte Fäden, zum einen duch die Spannung selbst und dann scheuern natürlich die Brettchen auch umso mehr. Versuch mit so wenig Spannung zu weben, wie es geht. Die Brettchen sollen nur gerade so eben halten und nicht runterfallen. Bei wenig Spannung werden auch die Muster schöner und nicht so in die Länge gezogen. Für den Anfang ist mercerisiertes Baumwollgarn/ Filethäkelgarn einfacher als Wolle - falls du mal zurück musst, weil du einen Fehler gemacht hast, ist das viel einfacher, weil die Fäden nicht aneinander verfilzen.
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Re: Brettchen: Pappe, Holz oder Metall?

Beitragvon Allyfants » 11.07.2016, 10:46

Zusätzlich zu dem, was Tjorven und WickedWeaver geschrieben haben, gibt es noch einen weiteren Faktor: Die Drehrichtung der Fäden!

So ein Garn ist ja in eine Richtung gedreht (einfädig) oder verzwirnt. Beim Brettchenweben drehen wir entweder die Garne weiter in diese Richtung oder wir drehen sie auf. Bei Mustern, wo vor und zurück sich in Waage hält, ist es egal. Aber gerade bei Brettchen, die überwiegend in eine Richtung gehen in Kombination mit schlecht verzwirntem Garn, kann sich das sehr leicht aufdröseln und dann reißen.

Aber selbst wenn mal ein paar Fäden reißen ist das kein Grund mit der Borte aufzuhören. Einfach den gerissenen Faden nach unten hängen lassen, einen neuen Faden durchs Loch und entlang der anderen ziehen und den Anfang mit einer Stecknadel an der Unterseite der fertigen Borte befestigen. Später die beiden losen Fäden miteinander verknoten und mit einer Nähnadel entlang der Schussfäden vernähen. Wenn die Borte aufgenäht wird, kann man selbst darauf verzichten. Von oben wird man nichts sehen und es wird sich nichts aufdröseln.
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Re: Brettchen: Pappe, Holz oder Metall?

Beitragvon KrisK » 16.07.2016, 13:01

Vielen Dank für die Antworten.

Ich webe inzwischen mit Brettchen aus einer Hochglanzpräsentationsmappe meines Arbeitgebers (nicht weitersagen!), die schön glatt sind, und mit mercerisiertem Häkelgarn.
Jetzt macht es so richtig Spaß!
:-)

Sogar das Rückwärtsweben, wenn ich mal wieder nicht mehr weiß, wo ich bin, klappt viel besser.
:wacky:

Und es geht zügig vorwärts.
Ich bin also im Moment rundum zufrieden.
KrisK
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Re: Brettchen: Pappe, Holz oder Metall?

Beitragvon Peregrina » 16.07.2016, 17:50

Was wär mit Alubrettchen? (Könnte ich mir selber machen.)

Alu ist wie jedes Metall schön glatt und nicht zu schwer; allerdings neigt es dazu, helles/weißes Garn anzugrauen, und den Abrieb kriegst Du nicht mehr raus, meiner Erfahrung nach. Meine Alubrettchen nehme ich deshalb kaum noch.
Wozu Socken? Sie schaffen nur Löcher. (Albert Einstein)

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Re: Brettchen: Pappe, Holz oder Metall?

Beitragvon KrisK » 17.07.2016, 20:09

Upps, danke für den Hinweis. Diesen Abrieb kenn ich wohl von meinen Fingern, wenn ich mit Alu gearbeitet habe. :-)
Aber dass selbst weiches Garn den verursachen kann, hätte ich nicht gedacht.
Obwohl ich mir vieles lieber selber mache, habe ich auch schon Abstand von eigenen aus Alu genommen. Die Sauarbeit mit dem Sägen (ich säge da per Hand) und Zurechtfeilen und -schmirgeln lohnt einfach nicht. Vielleicht gibt es dann bei mir auch mal welche aus Messing.

Andererseits: Mit Horn und Knochen habe ich noch nicht gearbeitet, da würde ich direkt mal Webbrettchen ausprobieren. Wenn mir jemand sagt, wo ich geeignetes Material bekomme und wie das mit der Bearbeitung ist. :cool:
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