Nostepinne - seit wann?

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Nostepinne - seit wann?

Beitragvon Katharina di Mauro » 13.05.2013, 06:52

Hallo ihr lieben,

Weiß jemand von euch, seit wann es Nostepinnen gibt?
Ich habe im Netz schon gesucht, aber keinen zeitlichen Nachweis gefunden.
Liebe Grüße,
Kati
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Beitragvon wetterleuchten » 13.05.2013, 16:38

Hi Kati,

meinst du die gedrechselten Teile, die man überall sieht oder einfach nur Stöckchen, auf die das fertige Garn gewickelt wird, egal ob es dann drauf bleibt oder das Knäul abgezogen wird?

Auf ersteres: keine Ahnung.
Zweiteres: Karina Grömer schreibt in "Prähistorische Textilkunst in Mitteleuropa":
Das gesponnene (oder auch gezwirnte) Fadenmaterial konnte
nun aufbewahrt werden, bis es zum Weben oder Nähen benötigt wurde. Dazu hat man den Faden auf einem Stäbchen aufbewahrt oder gleich auf der Spindel belassen. Es gibt auch steinzeitliche Nachweise dafür, dass man die Fäden zu einem Knäuel aufgewickelt hat.

Weiter schreibt sie, dass sowohl Spindelstabreste mit Garn gefunden wurden, als auch "sorgfältig gewickelte Knäuel".
Das bezieht sich auf grob von Stein- bis frühe Eisenzeit. Über die Wickeltechnik äußert sie sich nicht, aber da z.B. Spinnwirteln wesentlich häufiger gefunden werden als Spindelstäbe aus Holz, könnte ich mir vorstellen, dass hölzerne oder knöcherne Wickelstäbe auch nicht unbedingt haltbarer sind als entsprechende Spindelstäbe.
Noch eher könnte ich mir vorstellen, dass es lange Zeit keine extra Wickelstäbe gab, sondern die frisch gesponnene und auf die Spindel gewickelte Wolle direkt als Knäuel von der Spindel gezogen wurde.

Oder gar nicht herunter gezogen wurde, sondern gleich vom Spindelstab runter geschärt, verwebt oder vernäht wurde. Das könnte z.B. so ausgesehen haben:
http://tethys.imareal.sbg.ac.at/realonline/


Edit sagt, ich kann nicht zu dem Bild direkt verlinken. Du musst auf der linken Seite "Materielle Objekte" anklicken, dann rechts "Garn" als Suchwort eingeben und auf "zeige Bilder" klicken. Gleich das erste mit der Bild-Nr. 003193 meine ich.
D' Frau Werwolf sagt, des g'hört so
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Beitragvon Draca » 14.05.2013, 08:40

Laut dem Strick-Magazin "Knits" von Interweave Press, Ausgabe Herbst 1997, sollen die Nostepinde, wie wir sie heute kennen, eine speziell schwedische Erfindung sein, weil man für das traditionelle schwedische Stricken mit zwei Fäden Knäuel braucht, die sich gleichzeitig von innen und von außen abwickeln lassen.

Für alle anderen Einsatzmöglichkeiten teile ich Wetterleuchtens Meinung, dass das Garn wohl am bequemsten gleich auf dem Spindelstab gelassen und so gelagert wurde. Man braucht für die allerwenigsten historischen Textiltechniken vor 1200 u.Z. Knäuel. Spulen und Stränge sind hier die Aufbewahrungsform der Wahl.

LG Draca
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