Herstellung von hangesponnenem Kettgarn (Tuchweberei)

Spinnen mit der Handspindel oder mit dem Spinnrad - hier findest du Hilfe!

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Beitragvon Iðunn » 26.01.2013, 17:10

Tog sind beim isländischen Schaf die langen Aussenhaare. Traditionell wurde das Vlies sortiert in tog und þel, das sind die inneren Daunenhaare. Tog wurde zu Kettgarn versponnen, þel zu Schussgarn. Das wurde hier so gemacht, so lange am GW gewebt wurde und zwar bis zum 18. Jh.

Tog kann bis zu 30 cm lang sein und man hat es auch zum Sticken und als Nähfaden verwendet. Auch um Schuhe zu nähen, die alten aus Fischhaut oder Schafsleder.

Aus þel habe ich mir mal ein Unterhemd gestrickt, das war mein erstes Woll-werk. Ich trage es heute noch und es ist wunderbar weich und warm und kratzt kein bisschen.


Gruss
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Beitragvon Iðunn » 26.01.2013, 17:14

@ Silvia

Genau! Deshalb finde ich es auch so schade, dass man bei den Herjólfsnes Rekonstruktionen Fabrikstoff genommen hat und mit der Maschine genäht hat. Da war ich schwer enttäuscht.

Gruss
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Beitragvon marled » 26.01.2013, 17:19

Das Haarkleid ursprünglicher Schafrassen besteht aus zwei (manche sagen drei) Schichten: das Deckhaar (tog) und die Unterwolle (Þel). Tog bei Islandschafen ist recht dick und wurde/wird von der Unterwolle getrennt.
Hier kann man das schön nachlesen bzw. sehen: http://cassiana.typepad.com/too_much_wool/2006/08/tog_og_thel_the.html
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edit: Sorry, war etwas zu langsam
Zuletzt geändert von marled am 26.01.2013, 17:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon marled » 26.01.2013, 17:24

Ich habe mich übrigens heute mit unserem Meisterspinner Randy über dieses Thema unterhalten, der sehr viel Islandschaf aus amerikanischen Zuchten verspinnt. Das Thema ist durchaus modern und heißt bei den heutigen Spinnern 'to block the yarn'. Randy hat dazu extra eine NiddyNoddy auf Plastikrohren mit Plastikmuffen gebastelt, die man mit aufgespanntem Garn einfach unter die warme Dusche hält und dann 9im Ganzen trocknen lässt.
Er wird uns beim nächsten Mal diese Plastikmuffen mitbringen, damit wir uns auch sowas basteln können, finde ich nämlich durchaus praktisch.
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Beitragvon Iðunn » 26.01.2013, 18:48

Kann man davon mal ein Bild sehen? Sowas bräuchte ich nämlich auch, nachdem bei meinem niddy-noddy schon der Lack abgeht, obwohl ich mich bemüht habe, die Berührungsstellen trocken zu halten.

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Beitragvon marled » 26.01.2013, 18:52

Ich bring dir eine mit! ;-) Foto hab ich selbst keine gemacht, aber ich glaub einige von unserer Gruppe. Wenn ich eins kriegen kann, stell ich eins ein.
Marled

[edit]Hier habe ich eine im Netz gefunden, sie sieht genauso aus. Diese Plastikverbinder mit Schraubgewinde gibt es hier in Deutschland leider nicht[/edit]
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Beitragvon Iðunn » 26.01.2013, 20:00

Oh wie schön, ich freu mich!

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Beitragvon Klara » 27.01.2013, 18:03

Nach meiner Erfahrung schläft Drall entweder von alleine ein, wenn der Single lange genug liegen bleibt (weshalb ja das Beurteilen vom richtigen Zwirndrall nicht ganz einfach ist), oder man kann nachhelfen. Das ist dann das gleiche Prinzip wie Haare auf Lockenwicklern. Nur dass Haare gekringelt werden, Wolle geglättet/gestreckt. Und der Effekt hält bis zur nächsten Begegnung mit Wasser bzw. Feuchtigkeit (habe ich das nicht gerade erst geschrieben?)

Interessant ist, dass man den Drall nie ganz wegkriegt: Ich habe Singles wegen Abfärbproblemen noch mal 30 Minuten in Essigwasser gekocht und nach den Trocknen hing der Strang glatt und nichts kringelte sich (ich hab' sie problemlos verstrickt). Aber als ich zu Testzwecken (Kathryn Alexander hatte geschrieben, dass man Drall eventuell "wegkochen" könne) einen Schlüsselbund an ein Stückchen Garn gebunden habe, hat sich das langsam aber sicher aufgedreht.

Und deshalb kann ich mir Einfachgarn als Kette am Gewichtswebstuhl nicht richtig vorstellen - müssten sich da die Kettfäden, an denen ein Gewicht hängt, nicht verdrehen? Oder lebt man einfach damit? Muss ich glatt mal nachlesen...

Ansonsten finde ich die Beanspruchung der Kettfäden am (Rollenzug-)Webstuhl (mit Schnurlitzen) lange nicht so schlimm, wie ich's mir immer vorgestellt hatte (oder wie's in der Literatur manchmal klingt) - 6 m Wolle mit 20 % Angora war kein Problem, und bei meiner kurzen 100% Angora-Probekette (war zum Glück bloss ein halber Meter, 15 cm breit, weil ich Muster testen wollte und das Ergebnis hat mir nicht gefallen) hat sich auch kein Faden durchgescheuert oder ist gerissen. Das Blatt darf halt nicht zu eng sein...

Andererseits bin ich von der Qualität industriell hergestellter Web(!)-Garne ziemlich schockiert - die reissen ja teilweise schon, wenn man mal leicht "ping" macht... Oder liegt das am Alter? Eine Freundin hat mir ein paar ihrer Restbestände überlassen - Alter und Lagerbedingungen (noch) unbekannt.

Aus unsortierten mischwolligen Vliesen - und wohl erst recht aus nur den Grannenhaaren (die man übrigens kaum schnell mal ein bisschen anfilzen kann beim Waschen, ich denke es ist die Unterwolle, die filzt - manchmal auch, wenn man nicht will) - kann man ohne weiteres Garne spinnen, die man nicht mehr bequem (oder, wenn dicker, gar nicht mehr) zerreissen kann.

Die Plastikmuffen für die Niddy-Noddys gibt's auch in frz. Baumärkten (Elektroabteilung, bei den dazugehörigen PVC-Rohren) - vielleicht in den deutschen noch mal schauen...

Ciao, Klara
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Beitragvon Ragnhild » 27.01.2013, 20:23

@ Silvia

Ich denke nicht, dass der Faden in sich gefilzt oder gewalkt war. Wie sollte das beim Spinnen passieren? Jedenfalls lässt er sich ganz leicht auseinander ziehen, wenn man mit den Fingern ein Stück entgegen der Spinnrichtung aufdreht.
Oder meintest du den Faden im Stoff? Ich denke schon, dass der mit den anliegenden Fäden beim Waschen etwas verfilzt.
In "Medieval garments reconstructed" vverstehe ich es so, dass die Kette als Singlegarn gesponnen und auf dem Gewichtswebstuhl verwebt wurde. Frag doch mal Anya, ob sie noch einen kleinen Rest meines Garns hat. Vielleicht schickt sie es dir ja.
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Beitragvon Silvia » 27.01.2013, 21:52

@Ragnhild beim spinnen natürlich nicht, aber beim waschen, Du hattest doch geschrieben, das Du das Garn gewaschen hast, meine ich.
Danke nein ,ich brauche kein Probegarn, :-) sondern ich wollte einfach ein wenig über Garne,herstellungstechniken und Möglichkeiten diskutieren.
Ein selbstgewebtes Kleid,habe ich seit ein paar Jahren. ;-)
Silvia
 

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