Welche Pflanze färbt so?

Hier könnt Ihr Fragen zu, Ergebnisse mit und Enttäuschungen über einzelne Färbepflanzen oder andere Naturfarbstoffe posten und diskutieren. Bitte benennt die Threads immer mit der Pflanze oder der Färbedroge, um die es gehen soll, dann findet man es leichter.

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Beitragvon Shadow-Witch » 03.06.2013, 15:32

och nööö, so soll meine Wolle dann doch nicht aussehen :wacky:
ich hab auch grad nicht die Geduld zum ausprobieren, meine Tochter braucht eine Strickjacke, so eine, die die nächsten 6 Monate noch mitwächst :biggrin:
Grüße von Gaby
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Beitragvon Ragnhild » 04.06.2013, 20:02

So einen merkwürdigen Effekt hatte ich auch mal - mit blauen Malven. Die Flotte war ebenfalls lila, die Wolle aber nur beige.
Shadow, du hast recht. Deine Tochter verdient jetzt Purpur, nicht so ein Matschgelb.

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Beitragvon wetterleuchten » 05.06.2013, 05:59

Ich konnte mir das ja nicht wirklich vorstellen, weswegen ich auch ein paar Fäden Seide mitfärbte. Die ist tatsächlich rot-violett geworden, wenn auch nicht so brillant wie Marleds. Könnte daran liegen, dass der Farbstoffgehalt in den halb vergrünten Blättern nicht mehr optimal war.

Aber im Gegensatz zur Wolle immerhin ein deutlicher Rotblauton, die Wolle mehr oder weniger senffarben, bis auf weißköpfiges Fleischschaf und (graues) Merinofleischschaf, die haben null, nada gar nix angenommen
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Beitragvon wetterleuchten » 05.06.2013, 20:32

Null, nada, gar nix stimmt nicht so ganz. Bei vollem Tageslicht konnte ich immerhin einen leichten Grünschimmer in der grauen Wolle feststellen und eine leichte Vergilbung in der weißen :dizzy: Interessant war die Reaktion einer Strähne von irgendeinem weißen Hund, das gab ein nicht ganz unelegantes Schilfgrau. Der Rest der Schafwolle ist irgendwie p***gelb.
Und gerade fiel mir ein, dass mir etwas ganz ähnliches vor Jahren mit meiner ersten Pflanzenfärbung ever passierte. Da hatte ich mit Beeren vom Zwergholunder (Sambucus ebulus) auf alaungebeizter Merinowolle gefärbt. Die Flotte war vielversprechend tiefdunkel rotlila, heraus kam eben jenes Schmutzgelb.
Vielleicht sollte ich das Experiment noch mal auf Seide wiederholen? *überleg*
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Beitragvon anjulele » 05.06.2013, 21:31

Bei deinen nächsten Färbungen kannst du immer mal einen dieser Stränge mit in die Flotte geben. Vielleicht nimmt diese Wolle die Farbe ganz anders an. Das scheint auch nicht mit jeder Färbung zu klappen, ist mir mit einer roten Zwiebelfärbung passiert. Die jeweils 3. Stränge li und re waren vorher in einer Lindenblattfärbung, die nichts wurde.

http://www.flinkhand.de/forum/album_pic.php?pic_id=1215

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Beitragvon wetterleuchten » 06.06.2013, 06:01

Das meiste bei mir sind ja kardierte oder gekämmte Flöckchen, die kann ich bestimmt auch beim spinnen unauffällig verklappen. Die missglückte Holunderfärbung wurde damals noch ganz nett mit Indigo.
Ich hatte die Proben gestern nur ausgedrückt und auf ein altes weißes Baumwollhandtuch gelegt. Das hat jetzt knallmintgrüne Flecken. Teufelszeug :devil:
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Beitragvon Regilla » 16.07.2013, 16:21

Dass Wolle und Seide mit dem gleichen Farbstoff verschiedene Farben ergibt, ist logisch, lässt sich auch mit wenigen Sätzen erklären, wenn man weiß, wie Komplexe und Eiweißfasern aufgebaut sind.

Zuerst mal zu den Eiweißfasern. Wolle und Seide sind zwar beides Eiweißfasern, aber die Aminosäurezusammensetzung ist verschieden.Eiweiße sind große Moleküle, die aus Aminosäuren entstanden sind, dabei kann man sich jede Aminosäure wie eine Holzperle vorstellen, die auf zwei Seiten eine Metallschlinge hat und über die sie mit zwei weiteren Holzperlen verbunden ist. So entsteht eine lange Kette.

Jede Aminosäure besteht aus einem C-Atom, das mit einem H-Atom, einer Säuregruppe und einer Aminogruppe verbunden ist. Die Säure- und die Aminogruppe machen die Kettenbildung, Wären im obigen Bild die Metallschlingen. Das H-Atom macht nichts, nimmt an keinen Reaktionen teil, außer man verbrennt das Eiweiß. Soweit sind alle Aminosäuren gleich.
Der Unterschied zwischen den Aminosäuren befindet sich in der vierten Bindung, die von dem einen C-Atom ausgeht.

Das kann im einfachsten Fall ein weiteres H-Atom sein, das genauso wenig reaktiv ist, wie das erste. Seide besteht zu fast 50% aus dieser einfachen Aminosäure. Zu weiteren 25% besteht Seide aus einer Aminosäure, die als vierte Bindung eine Methylgruppe hat, das ist ein C-Atom mit drei H-Atomen, auch diese Aminosäure reagiert nicht mit Farbstoffen. Damit lässt sich erklären, warum sich Seide mit vielen Farbstoffen schlecht anfärben lässt.

Seide enthält zu 10% Thyrosin, eine Aminosäure, die eine Phenolähnliche vierte Verbindung hat.
Farbstoffe, die solche Phenolähnlichen Strukturen haben, können gut gebunden werden.

Wolle enthält Aminosäuren, die weitere Säuregruppen und Aminogruppen haben. Deshalb kann Wolle mit Farbstoffen, die Säure- und Basenreaktionen eingehen, gut reagieren. Wolle hat auch eine Aminosäure, die eine Schwefelbrücke zwischen benachbarten Ketten ausbilden kann. Diese Schwefelbrücke wird bei einer Dauerwelle aufgemacht und neu gebildet. Bei Wolle nutzt man das für dauerhafte Bügelfalten, die man gar nicht bügeln muss. Seide hat diese Aminosäure gar nicht, deshalb könnte man mit ihr keine Dauerwelle machen.
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Beitragvon Ragnhild » 16.07.2013, 16:43

Och, keine Löckchen in mein seidenes Haar... ;-)

Danke für die Ausführungen, Regilla. Ich erinnere mich da schwach an die Chemiestunden auf der Penne. Ich werde mir das wohl nicht alles merken können, aber kann dann jetzt - wen's interessiert - zumindest sagen, dass die unterschiedlichen Farben an den unterschiedlichen Aminosäuren liegen. Das soll dann mal reichen.

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Beitragvon Regilla » 16.07.2013, 16:45

Die Beizenfarbstoffe, die wir häufig verwenden bestehen aus einem Metallion im Zentrum, das meistens sechs Bindungen eingeht. Diese sechs Bindungen werden zur Faser und zu den Farbstoffen, die von den Pflanzen kommen gebildet. Man nennt solche Verbindungen, die ein Metallion im Zentrum und mehrere Moleküle drumrum haben, Komplexe.

Ein bekannter Farbstoff aus Eiweiß und einem Eisenion im Zentrum ist der rote Blutfarbstoff, das Hämoglobin. Hier ist noch eine Bindung frei, die kann dann vom Sauerstoff besetzt werden. Dadurch, dass die Bindung zum Sauerstoff schwach ist, kann das Hämoglobin als Sauerstofftransporteur funktionieren. Kohlenmonoxid und Blausäure, bzw. Cyankali reagieren mit der freien Stelle im Hämoglobin zu einer sehr stabilen Bindung, weshalb dann kein Sauerstoff mehr transportiert werden kann und man bei einer solchen Vergiftung innerlich erstickt. Das nur als Beispiel, dass Eiweißkomplexverbindungen in der Natur nicht selten sind und dass es stabilere und weniger stabile Komplexbindungen gibt.

Das ist der Vorgang beim Entwickeln einer Färbung, ein Metallion, das weniger stabile Bindungen im Komplex bildet, wird gegen ein Metallion ausgetauscht, das die stabileren Bindungen macht.

Wenn jetzt verschiedene Aminosäuren die Komplexe mit den Metallionen bilden, ist es nur logisch, dass auch verschiedene Farben dabei rauskommen.

Ich hoffe, dass ich mich jetzt einigermaßen verständlich ausgedrückt habe.

Liebe Grüße,
Regilla
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Beitragvon marled » 16.07.2013, 17:02

Ich habe zwar nicht alles nachvollziehen können (war in Chemie immer eine Null), aber im großen und ganzen habe ich verstanden, warum Wolle und Seide unterschiedlich die Farbe aufnehmen - VIELEN DANK, liebe Regilla!
Kannst du uns vielleicht noch verraten welche Farbstoffe sonst so eine phenolähnliche Srtuktur haben? Dann könnten wir hier noch ein paar Versuche mehr mit Seide und Wolle machen ;-)
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