Waidkugeln

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Waidkugeln

Beitragvon wetterleuchten » 10.07.2013, 07:18

sind die traditionelle Methode, Waid lagerfähig zu bekommen ohne dass der Indigo flöten geht (was bei einer einfachen Trocknung der Blätter der Fall ist). Sehr schön beschrieben z.B. hier: http://www.thueringer-naturbrief.de/ind ... Itemid=187

Hat das schon jemand von euch probiert und wenn ja, wie liefs und wo sind die Tücken?
In den diversen Quellen zum Thema ist ja immer schön von "Fermentation" die Rede. Dummerweise meint Fermentation im allgemeinen Sprachgebrauch inzwischen so ziemlich jeden Umwandlungsprozess, einschließlich der Oxidation. Letzteres ist aber wohl eher nicht gemeint wenn an anderer Stelle dann wiederum von "Gärung" die Rede ist. Oder?
Blöd, wenn frau keinen gelernten mittelalterlichen Waidknecht zur Hand hat :gruebel:

Jetzt habe ich erst mal nach Waidbäuerinnenart die zerhackte Waidmatsche zur Kugel geformt und trocknen lassen. Am Wochenende will ich das ganze zerbröseln und "vergären" bzw. "fermentieren", also neu anfeuchten. Mit oder ohne Alkali? Was meint ihr?
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Beitragvon Ela2004 » 10.07.2013, 10:27

Hier ist dann mal der Link in funktionsfähig (ohne das zu viele t in http ;-))

obiger Link
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Beitragvon wetterleuchten » 10.07.2013, 12:41

Oh Danke, Ela.

War ich wohl noch nicht ganz so fit heute morgen. In der Überschrift fehlt auch ein "d". :blush:

Könnte jemand von der Moderation das vielleicht richten? *liebguck*
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Beitragvon Tara » 10.07.2013, 12:44

Danke. Les ich mir mal durch XD
Wieso, weshalb, warum??? Wer nicht fragt bleibt dumm!!!
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Beitragvon Regilla » 11.07.2013, 10:46

Da muss ich jetzt auch mal meinen Senf dazugeben. Diese Anleitungen, dass man Waid antrocknen lässt und dann durch irgendeine geheimnisvolle Fermentation Indigofarbstoff bekommt, glaube ich erst, wenn ich eine bekomme, die tatsächlich funktioniert.

Bei der Indigoherstellung aus Waid, die funktioniert, muss man die Indigovorstufe aus den frischen Blättern herauslösen und alkalisch machen und Luft zuführen. Macht man zu früh oder zu spät alkalisch bekommt man nichts blaues.

Genauso würde ich es bei Kugeln versuchen. Ein paar Blätter matschen, ich würde sie auf ein Brett legen und mit dem Wellholz drüberrollen und dann entweder in Sodalösung tauchen oder mit einer Blumenspritze Sodalösung draufsprühen. Wenn es nicht blau wird, etwas warten zwischen matschen und alkalisch machen.

Ohne alkalisch machen denke ich, wird es nicht funktionieren. Warum es so viele Anleitungen gibt, die nicht funktionieren, von der Antike bis heute, weiß ich nicht.
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Beitragvon wetterleuchten » 12.07.2013, 12:59

Hallo Regilla,

*lach* ja, es ist nicht wirklich nachzuvollziehen, warum Waidblätter einerseits anwelken sollen, andererseits bekannt ist, dass die Indigovorstufen in selbigen unheimlich empfindlich sind und man Waid deswegen auch nicht einfach durch trocknen haltbar machen kann.
Ich könnte mir vorstellen, dass das so eine Art Stille-Post-Quellenproblem ist. Wenn die Bäuerinnen annodunnemal die geernteten Blätter einsammelten und zur Mühle brachten, kamen sie dort womöglich nicht mit dem knackfrischesten Material an. Wenn also in alten Quellen von angewelkten Blättern die Rede ist, meint das vielleicht sowas wie so frisch als irgend möglich. Könnte ich mir jedenfalls vorstellen. Wenn dann später alle auf den welken Zustand fokusiert da einen geheimnisvollen Prozess dahinter vermuten oder nahelegen wär das der klassische Fall von tragischem Irrtum :biggrin:

Ich denke, dass eine "Vorfermantation" an der Waidmühle eher den Tatsachen geschuldet war, dass Bauern eben das eigentliche Waidpulver nicht herstellen durften und frischer, gänzlich unverarbeitete Blätter bzw. deren entscheidende Inhaltsstoffe den Weg zum Markt nicht heil überstanden hätten.

Deinen Vorschlag, die Matsche gleich alkalisch zu machen und die Entwicklung zu kontrollieren werde ich auf jeden Fall ausprobieren.Ich bin ja nicht an mittelalterliche Marktordnung gebunden :)


Im Grunde interessiert mich das hauptsächlich deshalb, weil ich halt eine Möglichkeit haben will, meine Ernte "zu retten" auch wenn ich grad keine Zeit habe mit Frischwaidküpe zu färben oder Indigo zu extrahieren.
Ob das so klappt, wie ich mir das mal vorgestellt habe wird sich zeigen.
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Beitragvon Amalie » 12.07.2013, 14:12

Der verlinkte widerspricht sich bezeichnenderweise in Sachen anwelken: "zum Trocknen und Anwelken ausgebreitet", steht da.
anwelken ist für mich, wenn die Blätter schlapp werden, Trocken ist, wenn sie hart und spröde werden. Im letzteren Fall ist nix mehr mit zu Brei vermahlen.

Das mit dem Anwelken könnte tatsächlich einen Sinn haben. Für Maibowle soll man den Waldmeister anwelken lassen, damit die Zellwände zerstört werden und das Aroma besser herauskommt. Andere Quellen behaupten, daß dadurch Cumaringlykosid zu Cumarin zerfällt, wodurch das Aroma überhaupt erst entsteht... und laut Wikipedia passiert das angeblich durch - Achtung, jetzt kommt's! - trocknen des Waldmeisters.
Gesundes Halbwissen, wohin man schaut.

Worauf ich rauswollte: Vielleicht hilft das anwelken, den Indigo rauszukitzeln.

Ich glaube auch, daß das Problem darin besteht, daß Leute mit Viertelwissen von Leuten mit Halbwissen abschreiben, es nie selber ausprobieren und dann anderen Leuten mit Nullwissen im Brustton der Überzeugung ihr (mittlerweile) Drittelwissen präsentieren. Und keiner prüft es nach.
Amalie
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