Färberkamille

Hier könnt Ihr Fragen zu, Ergebnisse mit und Enttäuschungen über einzelne Färbepflanzen oder andere Naturfarbstoffe posten und diskutieren. Bitte benennt die Threads immer mit der Pflanze oder der Färbedroge, um die es gehen soll, dann findet man es leichter.

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Färberkamille

Beitragvon Tara » 12.07.2013, 08:12

Hallo Ihr Lieben.

Gestern habe ich es endlich mal geschafft mit selbst gesammelter Färberkamille (Blüten) zu färben, doch es ist nicht die erwartete Farbe bei raus gekommen.
Ich hatte eigentlich mit einem Goldgelb gerechnet, doch tatsächlich kam eher ein braun mit orangestich herraus.
Wenn die Wolle trocken ist mach ich mal ein Foto.

So bin ich vorgegangen:
Die getrocknete Färberkamille im Verhältniss 1:1 einen Tag in Wasser eingeweicht. Dann wurde sie 1h gekocht, abkühlen gelassen und abgeseit.
Den ersten Zug habe ich ohne Färbebeutel 1h gekocht, den zweiten mit Fäbebeutel 1h und den dritten mit dem selben Färbebeuten 1h gekocht und über Nacht abkühlen gelassen.
Verwendet habe ich weiße Sockenwolle (75% Wolle, 25% Polyamid) mit 10% Alaun gebeizt.

Hab ich was falsch gemacht?
Habe ich vielleicht garkeine Färbekamille gesammelt? Kann man die mit einer anderen Pflanze verwechseln?
Sie wuchs an einem Getreidefeld wo man meist auch die normale Kamille findet.
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Beitragvon Ragnhild » 12.07.2013, 10:15

Eigentlich klingt alles soweit richtig. Abgesehen davon, dass ich eher etwas mehr Alaun nehme, so 12 - 15 %. Aber du hast ja eine Farbe bekommen, daran wird es also nicht gelegen haben.

Bleibt die Vermutung, dass du tatsächlich keine Färberkamille hattest. Diese hat recht große, gelbe Blüten und ist eigentlich nicht zu verwechseln. Du hast doch hoffentlich kein Johanniskreuzkraut gepflückt. Das hat kleine Blüten und ist ziemlich giftig (gibt es hier irgendwo einen Thread zu).

Färberkamille:
http://www.google.de/imgres?imgurl=http ... A&dur=2874

Jakobskreuzkraut:
http://www.google.de/imgres?imgurl=http ... w&dur=2797´

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Beitragvon Tara » 12.07.2013, 10:34

Ah, jetzt weiß ich wie das Kraut heißt wo ich ständig am überlegen bin wie es heißt und ob man damit färben kann wenn ich es so zahlreich am Wegrand sehen.
Damit werde ich also nicht färben.

Johanniskreuzkraut habe ich nicht gesammelt.
Denke auch, dass es Färberkamille sein muss, denn sieht aus wie Kamille nur gelb halt. Meiner Meinung nach kaum zu verwechseln.
Ist halt nur die Frage, warum ich ein braun bekommen habe.

Könnte es an der Art der Trocknung der Blüten liegen?
Hab sie in einen Leinenbeutel gehabt und regelmäßig geschüttelt.
Oder verlieren die irgendwann ihre gelbe Farbkraft?
Liegen ja nun schon ca 1 Jahr.
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Beitragvon Amalie » 12.07.2013, 11:31

Sind das die gleichen Blüten, die du mir geschickt hast? Ich habe nämlich ziemlich gestaunt, weil der Inhalt des Beutels eher braun als gelb war und zur Hälfte aus Samen bestand. Reife Samen! D.h. es müssen da viele längst abgeblühte Blüten drin sein. Die färben bestimmt nicht gut.

Wenn Du den Bestand schon länger hattest, kann es sein, daß Du damals nicht zum Färben gesammelt hast sondern zum aussäen?

P.S. Ich hatte letztes Jahr eine Handvoll gesammelt, die waren nach dem Winter immer noch leuchtend gelb. Von Licht ausgeblichen können Deine im Leinenbeutel ja eigentlich nicht sein...
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Beitragvon wetterleuchten » 12.07.2013, 12:40

*g* Als ich anfing Färbepflanzen zu sammeln, habe ich auch mal Jakobskreuzkraut mit Färberkamille verwechselt. Ja, das färbt auch irgendwie gelb, aber halt nicht so sehr berauschend.
Nachdem ich dann mal Färberkamille in natura gesehen habe, denke ich auch, das ist nicht zu verwechseln. Wenn man den direkten Vergleich hat, sieht man zum Beispiel, dass die Blüten von Färberkamille "runder" sind.

Was ich empfehlenswert finde, sind Bestimmungsbücher in denen die Pflanzen entsprechend abgebildet sind und auch die typischen Erkennungsmerkmale beschrieben sind. Oder wenigstens gute botanische Zeichnungen.

Noch ein Wort zur Giftigkeit von Jakobsgreiskraut: für Menschen sind die nicht so sehr problematisch, solange wir damit ein wenig färben und es nicht essen. Wirklich problematisch ist das Zeug hauptsächlich für Weidetiere oder wenn jemand Kreuzkraut aus Versehen seinem Kleintier zuhause füttert. Das endet meistens grausam und tödlich.
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Beitragvon Tara » 12.07.2013, 12:54

@Amalie: Hab dir ja gerade ne PN geschickt.
Da die Blüten vom letzten Jahr noch schön blühten als ich sie pflückte denke ich nicht, dass ich sie zu spät gesammelt habe.
Vermute, dass ich was beim Trocknen falsch gemacht hab.
Habe dieses Jahr ja wieder gesammelt und trockne dieses mal ausgebreitet auf einem Tisch und nicht im Beutel.
Wenn sie trocken sind bekommst du natürlich Ersatz.
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Re: Färberkamille

Beitragvon Brettchenweber » 22.06.2017, 20:09

Hallo miteinander!

Hier meine aktuelle Ernte Färberkamille aus dem eigenen Garten, 500 g Frischpflanze. Da wir sie nicht sofort verwenden, trocknen sie schon bei 40 Grad in der Darre.
lG
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Re: Färberkamille

Beitragvon Rigana » 18.07.2017, 19:31

Meine Kamille war auch noch nach über einem Jahr so gelb wie die auf dem Foto.

Es kann natürlich auch an der Sockenwolle liegen, dass die die Farbe nicht so gut angenommen hat.

Übrigens hatte ich mir mal mit normaler Kamille (überlagerte lose Blüten von Annodunnemal aus der Apotheke) weiter beholfen, als meine Färberkamille aus war. Das gab auch ein intensives goldgelb. Gebeizt hatte ich mit 15% Alaun.

Liebe Grüße
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Re: Färberkamille

Beitragvon Brettchenweber » 02.04.2018, 17:41

Hallo miteinander!

Heute war es soweit, Sonnenschein und Färberlaune und 200 g Wolle die es mit Färberkamille (Ernte 2017) zu tun bekam. Der links äußere Strang auf dem Foto wurde nicht gebeizt und stammt aus dem zweiten Auszug. Die anderen lagen über Nacht in Kaltbeize AL.
Der Farbton ist defintiv mehr gold als gelb aber insgesamt eine problemlose Färbung!
lG
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Färberkamille Testfärbung

Beitragvon Brettchenweber » 28.07.2018, 17:48

Hallo miteinader!

Ich wollte schon immer mal testen wie der der Lanolingehalt der Wolle die Färbung beeinflusst. Dazu habe ich bisher nicht so viel Information gefunden. Zufällig erhielten wir eine kleine Menge Rohwolle vom Ostfriesenschaf das war die Gelegenheit. Ein Teil der Rohwolle wurde ausschließlich mit kaltem Wasser gewaschen, der zweite Teil warm unter Einsatz von "Power scour". Beide Teile wurden nach dem Trocknen von Hand gekämmt und von den obligaten Grasresten befreit. Der Fettgehalt der kalt gewaschenen Rohwolle war deutlich mit den Fingern greifbar.
Gefärbt wurde die gleiche (abgewogene) Menge, parallel in getrennten Töpfen (ohne Vorbeize) knapp unter Siedehitze ca. 1,5 h mit einem schwächeren Färberkamilleabsud (die Wolle war reinweiß).
Das Ergbnis hat mich ein wenig überrascht, die gewaschene Wolle hat einen deutliche Stich ins gelbliche bekommen, hingegen die fette Wolle einen deutlichen Stich ins bräunliche. Das Lanolin hat sich auch nicht wesentlich "ausgekocht", die Wolle ist immer noch deutlich fettig.
Jetzt frag ich mich, gilt das für alle Färbungen oder nur für bestimmte Farben und wie haben die wohl vor 2500 Jahren gefärbt ??
Am Foto ist der Unterschied nicht ganz so deutlich zu sehen wie in Natura!
lG
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