Färberwaid - Indigo

Hier könnt Ihr Fragen zu, Ergebnisse mit und Enttäuschungen über einzelne Färbepflanzen oder andere Naturfarbstoffe posten und diskutieren. Bitte benennt die Threads immer mit der Pflanze oder der Färbedroge, um die es gehen soll, dann findet man es leichter.

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Beitragvon Zofe Adelheid » 25.03.2010, 16:40

Hallo David,
muß ich dafür dann die Indigoküpe einfach etwas dünner ansetzten oder hast Du da noch einen anderen Zusatz rein um Hellblau zu bekommen?
Gruß Adelheid
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Beitragvon Regilla » 25.03.2010, 16:42

Hallo,
Meine Waidfärbungen sind aus einer Gärungsküpe mit frischem Waid, ohne Urin gemacht. Helles Blau sieht dem Indigo recht ähnlich, aber dunklere Färbungen unterscheiden sich deutlich. Waidfärbungen gehen mehr ins Petrolfarbene. Eine Farbmischung sieht halt anders aus wie der reine Farbstoff.
Liebe Grüße,
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Beitragvon David » 26.03.2010, 08:35

Da kann ich zustimmen, Färbungen aus den frischen Blättern unterscheiden sich deutlich von denen aus dem extrahierten Indigo. Ist ja auch logisch, in den Blättern ist ja noch mehr drin als der Indigo (oder dessen Vorstufen).
Interessant wäre dahingehend mal eine Dauerbelichtung. Möglicherweise zeigen sich einige der Stoffe als wenig lichtecht so das sich das Blau noch verändert.

Wenn du mit dem aus Waid extrahierten Indigo helle bis mittelblaue Töne färbst, gibt es keinen Unterschied zu Indigo aus dem Indigostrauch.
Du kannst mit einer geringeren Dosierung des Importindigos identische Ergebnisse erzielen. Wichtig dabei: möglichst vielfach kurz tauchen (5-10min) und reduzieren lassen. Dann wird der Farbton, bei richtiger Dosierung, irgendwann nicht mehr dunkler, aber weniger licht, und das ist ja bei Waidindigo ebenfalls so.
Bei einer NaOH/ Hydrosulfitküpe (Natriumdithionit) solltest du darauf achten, dass die Proportionen der Zutaten gleich bleiben. Also nicht nur die Indigomenge reduzieren, sonden entsprechend auch die anderen Zutaten. Am besten geht das indem du einfach "so tu´st" als ob du nur eine geringere Menge Wolle färben willst. Zumindest wenn du ein Rezept hast welches sich an der Wollmenge orientiert.

Gruß,
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Kann Indigo überlagern?

Beitragvon Amalie » 09.06.2010, 14:45

hat jemand von euch erfahrungswerte, ob und wie lange indigo benutzbar ist?

ich habe am wochenende eine küpe (nach rezept auf der flinkhand-homepage) in den sand gesetzt und dachte zuerst, ich hätte etwas falsch gemacht: die küpe wude nicht quietschgelb mit grünüberzug, wie ich es von meinem ersten versuch in erinnerung hatte, sondern eher gelbbraun. die wolle kam nur ganz schwach gelb heraus und wurde dann, hmm, schmutzigweiß statt zuvor wollweiß. mit ein paar winzigen blauen pünktchen.

dann habe ich das ganze nach regillas entfärber-rezept nochmal versucht (das ist ja wirklich genial einfach!), mit dem gleichen ergebnis.

das einzige, was bei beiden versuchen gleich blieb: das indigopulver. das hatte mir vor jahren jemand aus indien mitgebracht. kann es sein, daß es zu alt ist? zugegeben, ich weiß nicht, ob es jemals ordentlich gefärbt hat, weil ich es nur einmal verwendet hatte, zusammen mit hier gekauftem indigo. aber für künftige einkäufe wäre es schon interessant, ob es quatsch ist, auf vorrat zu kaufen.

noch eine sache geht mir im kopf rum: die färbetemperatur. in vielen rezepten steht, man solle die stammküpe auf 60° erhitzen. nun habe ich bei meinen forschungen aber eine seite gefunden, wo es heißt, daß indigo temperaturen über 60° nicht vertrage. müßte es in den rezepten folglich heißen, die küpe sei auf maximal 60° zu erhitzen? oder ist die behauptung auf jener seite quatsch? (da eine andere anleitung derselben firma dazu rät, das krapp-bad auf 70° zu erhitzen, halte ich das für durchaus denkbar. ;-) )
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Beitragvon Regilla » 10.06.2010, 18:43

Indigo müsste sich ziemlich lang halten. Es gibt historische blaue Textilien, da löst man das Indigo mit Natriumdithionit runter, um es nachweisen zu können. Warum sollte Indigopulver trocken aufbewahrt bei Dir nicht genauso lang halten.
Das mit der 60°-Höchsttemperatur habe ich auch öfters gelesen und mal einfach geglaubt. Bisher hatte ich keine Lust auszuprobieren, ob es auch kochend geht. Ich habe mal jemanden mit Indigo färben sehen, der das kochend gemacht hat, die Färbung ist nicht besonders toll geworden, aber ob das nur am Kochen lag, weiß ich nicht.
Liebe Grüße,
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Beitragvon Rigana » 10.06.2010, 19:02

Ich gehe schon alleine deswegen nicht höher in der Temperatur, um die Wolle zu schonen. Beim Indigofärben wird die ja nicht mit der Küpe erhitzt.

Allerdings hat mir mal eine Färberin erzählt, dass das Dithionit (auch im Entfärber enthalten) irgendwann alt wird und man etwas größere Mengen davon benötigt (bis es dann ganz unbrauchbar wird). Inwieweit das stimmt, habe ich noch nicht wirklich austesten können, weil das Färben - zumindest beim Indigopulver - immer gut gegangen ist.

Auf dem FHT haben wir nochmals ein wenig Farbe aus einer fast erschöpften Küpe rauskitzeln können, indem wir noch einen Teelöffel Dithionit reingemischt haben.

Also: vielleicht war der Entfärber schon überlagert und dein Indigo ist unschuldig.

Liebe Grüße
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Beitragvon Amalie » 11.06.2010, 09:02

ah, danke, das waren sehr interessante einwände!
allerdings, wenn ich drüber nachdenke... daß man indigo nach langer zeit noch reduzieren kann, spricht eigentlich noch nicht gegen überlagerten indigo. meinen konnte ich ja auch reduzieren - die küpe wurde gelblich -, nur wollte er danach nicht mehr oxydieren.

und überlagertes dithionit - das bei der ersten küpe war tatsächlich so alt wie der indigo, aber beim zweiten versuch war's frisch gekaufter entfärber. da ich mich beim 2. versuch an regillas rezept gehalten habe, schließe ich auch das ebenfalls uralte NaOH als ursache aus.

ich habe bei den zwei versuchen wirkich alles bis auf den indigo variiert. sogar das wasser: leitungswasser vs. regenwasser. ich habe jetzt nochmal indigo bestellt und dann variiere ich den indigo, während nich den rest gleich halte. ich habe auch schon drüber nachgedacht, mit dem alten indigo eine winzküpe zu machen, in die alle zutaten in ansteigender menge reinkommen, um zu sehen, ob ich höher hätte dosieren müssen.
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Beitragvon Amalie » 16.06.2010, 16:48

Beim rumgraben in Google books fielen mir bis jetzt zwei Büchlein über Indigo/Waid in die Hände, die vielleicht auch für andere interessant sind:

Anleitung zum Bau der Waidpflanze, und zur Bereitung des Küpen-Waids und des Indigs von 1814

sowie

Blues and carmines of indigo von 1863, worin eine Küpe aus Soda, Kleie und Krapp (!) vorkommt und explizit gesagt wird, Kleie und Krapp seien die Reduktionsmittel. Allerdings muß diese Küpe auch 48 Std. kochen.
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Beitragvon Gladwyn » 13.07.2010, 14:10

darf ich hier nen bild reinstellen? wir haben gefärbte wolle mit indigo überfärbt. ausgangsfarben waren gelb und cremetöne, gefärbt mit römische kamille, flechten und äh irgendwas.. :blush:
ganz links sieht man wie die wolle vorher war. :wideeyed:
ganz rechts war normal weisse wolle, die einmal im farbbad war.

Bild
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Beitragvon Silvia » 27.06.2012, 12:44

Ich hab ein lustiges Nebenprodukt aus Regillas Entfärberrezept, das ich Euch nicht vorenthalten möchte .
Meine Tochter durfte sich im letzen Zug olle Baumwollsocken färben:
http://zeitensprung.blogspot.de/2012/06 ... erbad.html
Silvia
 

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