Färberwaid - Indigo

Hier könnt Ihr Fragen zu, Ergebnisse mit und Enttäuschungen über einzelne Färbepflanzen oder andere Naturfarbstoffe posten und diskutieren. Bitte benennt die Threads immer mit der Pflanze oder der Färbedroge, um die es gehen soll, dann findet man es leichter.

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Beitragvon Flinkhand » 02.10.2005, 12:10

Ja, total cool! Erst hat man dieses schwach gelbliche Zeug in der Küpe, und wenn man es dann herausnimmt, verwandelt es sich vor deinen Augen in Blau!

Ich finde auch, daß es gar nicht so schwer ist, dieses Färben mit Indigo. Hatte ich mir viel komplizierter vorgestellt. Dabei geht es eigentlich recht schnell (es sei denn, man wiederholt den Vorgang immer wieder) und so doll stinkt's gar nicht

Allerdings habe ich das Rezept von Iet van de Vrande ("Wolle färben mit Naturfarben" Ravensburger Verlag) verwendet, und das ist nun wirklich nicht so schwer:

Für 100 gr Wolle braucht man:

3,5 l Wasser
7 gr Hydrosulfit
14 ccm Amoniak 25%
4 - 8 Messerspitzen Indigopulver (bei natürlichem Indigo ca. das Doppelte)
Brennspiritus zum Auflösen von synthetischem Indigo - nicht notwendig bei natürlichem Indigo.

Wasser auf 55° erhitzen, dann Feuer ausmachen. Vorsichtig Hydrosulfit einstreuen und Ammoniak dazugeben. Indigopulver mit einem Schuß Brennspiritus in einem Becher oder Glas auflösen (wenn es synthetisch ist) und dazugeben. Vorsichtig umrühren, Deckel oder Alufolie auf den Topf, 15 min. stehen lassen.

Wolle inzwischen in Wasser tränken, damit sie naß ins Färbebad kommt. Nach 15 min. Färbebad ggf. wieder auf 55° erhitzen, sollte es bereits zu sehr ausgekühlt sein. Dann Wolle hineingleiten lassen, Deckel wieder drauf, 15 Min. ziehen lassen.

Die Küpe sollte immer 55 ° C haben (nicht mehr) - deshalb ist es gut, sie auf Temperatur zu bringen und dann vom Feuer zu nehmen. Innerhalb von 15 Min. kühlt sie so sehr ja nicht aus.

Dann Wolle vorsichtig herausnehmen. Immer darauf achten, daß man nicht so spritzt. Wolle an der Luft oxidieren lassen und ggf. nach 20 Min. wieder in die Küpe geben ( bei 55° ), 15 Min. drin lassen, raussnehmen, oxidieren lassen. Das Spiel kann man so lange machen, bis die gewünschte Farbtiefe erreicht ist.

So, nun hab ich hier doch einen langen Bericht geschrieben *seufz*
Zuletzt geändert von Flinkhand am 09.09.2006, 15:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon David » 02.10.2005, 13:14

Na wenn du schon so einen langen Bericht schreibst, wollen wir aber auch Bilder sehen...

Kompliziert ist es für uns heute nicht mehr, aber schon aufwändiger im Vergleich mit bspw. Zwiebel.
Es muß mehr gemessen, gewogen, gerechnet, etc. werden.

So einfach ist es heutzutage auch dank der modernen Chemie, mit deren Hilfe wir eine Gärungsküpe beschleunigt synthetisieren können.

Kürzlich haben wir mit einer Waidurinküpe experimentiert. Trotz langer Vorbereitung (es ist sehr langwierig)ging es gründlich in die Hose. Blaues Tuch haben wir nicht erhalten, aber dafür wunderschön blaue Fliegenmaden. Diese verbläuten beim rauskriechen aus der Küpe...
Warum das Tuch nicht blau wurde, wissen wir noch nicht so richtig. Es ist halt nicht einfach.

Hier ein Bild der blauen Kreaturen, sie befinden sich in den abgeseihten Waidresten:

Bild

Gruß,
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Beitragvon Flinkhand » 02.10.2005, 13:31

igitt - das wär nix für mich ... bei Maden und überhaupt Insekten (vor allem die, die in Massen auftreten), bekomme ich 'ne Ekelkrise.

Aber Fotos mach ich noch. Nur werden die bei diesem Regenwetter immer nicht so schön - vielleicht kommt ja nochmal die Sonne raus.
Zuletzt geändert von Flinkhand am 09.09.2006, 15:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon David » 02.10.2005, 14:08

Naja, die Maden waren noch das harmloseste...
Aber eigentlich sollten die da auch gar nicht drin sein.

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Beitragvon Knappe » 02.10.2005, 14:41

waah!

aber seltsam, dass die maden gefärbt wurden und das tuch nicht...

- so eine urinküpe muss doch extrem riechen, oder? kriegt man das aus dem stoff überhaupt wieder raus?
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Beitragvon David » 02.10.2005, 15:27

Es stinkt erbärmlich. Eigentlich soll es wenn es fertig gegoren ist nicht mehr stinken. Bei uns stank es bis zum Schluß. Vermutlich war es eben noch nicht fertig...
Keine Ahnung warum die Maden blau wurden und der Stoff nicht.

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Beitragvon Flinkhand » 02.10.2005, 15:40

Vielleicht liegt es daran, daß die Maden nicht nur in dem Zeug gebadet sondern es auch gefressen haben - wer weiß was sich bei dem Verdauungssystem einer Made so alles abspielt ... *grusel*
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Beitragvon David » 02.10.2005, 15:52

...ähnlich geartete Vermutungen haben wir auch schon angestellt...
Aber sie kamen ja weiß (quasi Natur) aus dem Mist gekrochen...
Hm.

D.
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Beitragvon Lis » 23.03.2006, 15:40

Bei Wollknoll gibt es nun Färberwaid, allerdings geschnitten und nicht gemahlen. Hat da jemand Erfahrungen mit der Dosierung? Da das Kilo nur 16,36 EUR kostet (und nicht die sonst +- üblichen 10€/50g), bin ich etwas skeptisch, was die Farbkraft angeht...
(hier noch der Link zum Färberwaid)
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Beitragvon Flinkhand » 23.03.2006, 17:01

Gemahlen gibt es soweit ich weiß nur Indigopulver - das ist nicht wie geschnittener Waid. David kennt sich mit den Mengen für geschnittenen Waid ganz gut aus, glaub ich. Von dem Indigopulver brauchst du jedenfalls nur ein paar Messerspitzen voll - das Zeug ist sehr ergiebig (deshalb sind 10,- € / 50 gr auch nicht wirklich teuer). Bei geschnittenem Waid tippe ich auf ähnliche Mengen wie bei anderen getrockneten Färbe-Pflanzen.
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