frischer Waid - Erfarungsaustausch gesucht

Hier könnt Ihr Fragen zu, Ergebnisse mit und Enttäuschungen über einzelne Färbepflanzen oder andere Naturfarbstoffe posten und diskutieren. Bitte benennt die Threads immer mit der Pflanze oder der Färbedroge, um die es gehen soll, dann findet man es leichter.

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frischer Waid - Erfarungsaustausch gesucht

Beitragvon Silvia » 07.08.2008, 20:59

Hallo,
nun hab ich das Xte mal versucht mit frischen Waidblättern zu färben.
Ich habe schon waidrosé,waidgrün,waidganzblassblau,und heute waidbeige.
Irgendwas mache ich falsch.Ich hätte doch sooo gerne einmal ein schönes blau,mit frischen Blättern aus dem Garten und selbstgesponnerer Wolle.Wo ist der Fehler? Es wäre toll,wenn Ihr Erfolg hattet,mal zu berichten wie Ihr das gemacht habt,vielleicht komme ich dann dahinter,was bei mir schief läuft.

Total gefrustete Grüße
Silvia
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Beitragvon Sandra » 08.08.2008, 07:22

Hast du die Blätter fermentiert?

Mein erster Waidversuch steht auch irgendwann an, wenn ich wieder eine Möglichkeit zum Färben habe.

Ich hab mir mal aus einem Buch ein paar Seiten Theorie dazu kopiert. Ich mail dir mal...
Liebe Grüße, Sandra

Geschichte besteht aus einem Haufen Lügen über Ereignisse, die niemals stattfanden, erzählt von Menschen, die nicht dabei waren. (George Santayana)
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Beitragvon Silvia » 08.08.2008, 15:21

Hallo Sandra,
danke für die mail,auf dem ersten Blick hilft sie mir glaub ich nicht weiter,weil die Indigopulver verwenden,bzw. Pulver herstellen.

Ich habe mich an das Rezept von David aus dem Indigotread gehalten,wo es heißt Blätter zerkleinern,1Tag stehen lassen,auf etwa 50C° erhitzen,abseihen,zur Brühe Hydrosulfit,und Ammoniak dazu geben und stehen lassen,bis gelb ist,wieder auf 50C° erhitzen,Färbegut einlegen,bis zu einer halben Stunde,Färbegut wieder rausnemen und das blaue Wunder erleben.
Bis auf das blaue Wunder hab ich das genau so gemacht.

Ich vermute mein Fehler liegt im Zerkleinern.
Also: ich habe die Blätter schon einmal püriert und einen Tag stehen lassen,dann hab ich gedacht beim pürieren,-also den Pürierstab in die Blätter mit dem Wasser und dann gib ihm- kommt zu viel Luft ans Ganze.
Bei der Methode habe ich rosé bekommen,(warscheinlich zu viel Hitze),grün (weiß-ich-warum) und ganzblassblau.
Also hab ich diesemal die Blätter mit den Händen etwas durchgeknetet und dann mit Regenwasser aufgegossen und für zwei Tage in die Sonne gestellt. Diesmal wurde die Wolle beige.

Obwohl ich ein Kilo Blätter geentet habe könnte ich noch mal neu anfangen,weil meine Pflanzen so schön gediehen sind.

Weiß denn jemand wie die Waidmühlen betrieben wurden? Also Malsteine und dann die Blattmasse so wie sie war ohne zugabe von Wasser zerquetscht?Oder mit Wasser?
Im Web habe ich auf vielen Seiten den selben blöden Text gefunden,in dem beschrieben wurde das die Blätter 2 Wochen lang in einem Bottich in der Sonne stehen mußte und die Färber viel Alkohol trinken mußten um dann dadrauf zu p...das ist doch Humbug,oder?

Mir fehlt das chemiche Verständnis.Leider.Also versuche ich wie nach Kochbuch zu färben.

:nixweiss: :schwitz: :scheisskram: :frage: :wacky: :-(
Noch Anregungen? Oder noch besser Lösungen?
Silvia
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Beitragvon Silvia » 16.08.2008, 19:11

BLAU,ich hab BLAU !!!


Bilder folgen morgen wenns ausgeblaut hat.Bericht wie ich es gemacht hab auch.
Silvia
 

Beitragvon Rigana » 17.08.2008, 15:24

*hibbel* jajajaja Fotoooos!!!

Herzlichen Glückwunsch :-)

Liebe ungeduldige Grüße
Rigana
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Beitragvon Pilz » 17.08.2008, 21:32

Hej Silvia

Vom Prinzip her ist es egal, ob du Indigopulver nimmst oder Waidblätter. Das Pulver muß nur natürliches sein und darf nicht künstlich hergestellt sein.
Was du angesprochen hast (mit dem draufpi...), das ist schon korrekt so. Um mit Indigo zu färben muß das Indigo erstmal in Indoxyl umgewandelt werden. Das ist dieser gelbe Farbstoff und erreichen kannst du das in einer sauren sauerstoffarmen Umgebung, der Küpe.
Entweder lässt du die Blätter im Wasser gähren um den Sauerstoff zu entziehen, oder du gibst Natriumdithionit (Hydrosulfit) bei.
Und um die saure Umgebung zu bekommen geht man hin und pi... drauf oder gibt halt Ammoniak dazu.

Sicherlich wirst du mit dieser Erklärung nicht der Chemieprofi geworden sein, aber ich hoffe, daß du dadurch etwas mehr Verständnis für den Vorgang der Blaufärbung bekommen hast.

Grüße
Stefan

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Ja, Bilder bitte!
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Beitragvon Silvia » 18.08.2008, 07:28

Hallo,
dann kommt jetzt mal mein Erfarungsbericht,villeicht mögen auch andere hier von Mißerfolgen berichten,dann kommen wir zusammen evtl zu einem besseren Ergebnis. ;-)
zum Beispiel so : http://www.textiles-werken.de/blaufaerben.html

Ich habe ein gutes Kilo Waidblätter im Garten geschnitten,(etwa ein Putzeimer voll),mit Regenwasser gewaschen,und mit dem Fleischwolf zerkleinert,(schön im Garten weil das Sauerei macht) die Brühe die hinten rauskommt habe ich möglichst auch eingefangen und zur Masse geschüttet. Diese zermuste Blattmasse habe ich in einen Eimer gepackt und mit Regenwasser aufgefüllt,so das sie gut bedeckt war.(nun nur noch ein halber Eimer) Den Eimer an ein warmes Plätzchen gestellt.
Voller Ungeduld jeden Tag umgerührt,weil ich irgendwie blauen Schaum erwartete.
Nach einer Woche habe ich die Masse mit dem Handrührgerät gut druchgemixert,durch ein Sieb gegossen und die Pampe mit den Händen gut ausgedrückt.
Die aufgefangene Brühe habe ich auf 50°C erwärmt,dann 10El Samiakgeist und 3 Löffel Hydrosulfit zugefügt,gewartet bis die Brühe gelblich war und dann einen Probefaden eingelegt.1/2 Stunde lang.Der war rosa !!!!
:motz: :scheisskram: :frage:
Spontanüberlegung:Gulli oder ... dann habe ich aus dem Handgelenk Samikageist dazugeschüttet,(im Rekonstruktionsversuch ca 60ml ) und noch mal 2 Löffel Hydrosulfit,wieder gewartet,Probefaden eingelegt,befunden das es blau werden könnte,und noch mal tapfer einen Strang Garn geopfert,den im Regenfass naß gemacht,die Brühe wieder auf 50°C erwärmt und dann in den Pott.Das Garn eine halbe Stunde im Farbbad gelassen und dann endlich mein blaues Wunder erlebt.

Ich bin rumgehüpft wie ein Olympiasieger!

Das Garn auf dem Foto ist 3 mal im Farbbad gewesen,das kräftigere rechts erste Flotte,die beiden linken zweite Flotte.(Fotos hab ich erst mal in meiner Galerie,werde ich sobald ich kann fest ins Album stellen.)

Die nächste Portion Waidblätter steht diesmal klein geschnitten am warmen Plätzchen.

@Pilz wenn das mit gekauften Waidpulver auch son Gedöns ist,lass ich die Finger davon!

:freak: Silvia
Silvia
 

Beitragvon Tjorven » 18.08.2008, 08:40

Na, herzlichen Glückwunsch! Siehste, alles wird gut... ich freu mich über dei Erfolgserlebnis und bin gespannt auf Fotos!
Derjenige, der etwas zerbricht, um herauszufinden, was es ist, hat den Pfad der Weisheit verlassen. J.R.R. Tolkien
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Beitragvon Silvia » 25.08.2008, 18:46

Soooo für die Leute die die Bilder in meiner Galerie nicht finden konnten : nun sind sie im großen Flinkhandalbum bei den Färbern.
Silvia
 

Beitragvon Sioux » 06.10.2008, 13:20

hallo Silvia

Ich habe ja schon oft mit der Küpe (Hydrosulfit und auch Urinküpe) gefärbt.

Mit der Hydro bin ich immer zurechtgekommen und habe da auch schöne dunkelblaue Töne hinbekommen.
Die Urinküpe ist weitaus schwieriger und es war entweder Blaßblaugrün oder sonst undeffinierbar.

Waid habe ich schon einige Jahre im Garten, der säet sich ja selbst aus. Und immer wieder versucht damit zu färben. (In der Urinküpe).
Letztes Jahr bin ich auf eine Internetseite gestolpert. Http://www.filz-und-faden.de,
Das mußte ich auch gleich ausprobieren. Also mein frischer Waid in der Küchenmaschine Pürriert, und wolle gleich rein damit. Eine Std. gewartet. Als ich die Wolle rausholte war die Grün. nix von blau. Dieses Jahr habe ich das anders gemacht. Da habe ich den Waid mit den händen gematscht, und gleich die Wolle mit dazu. Juchu, die wolle wurde während des Matschens Blau, genau so wie meine Fingernägel.
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