Kirtle 1495

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Kirtle 1495

Beitragvon Tora » 25.02.2014, 09:11

Hallo zusammen,

den Tipp mich mal hier umzuschauen habe ich von einer netten Dame aus dem Hobbyschneiderinnenforum bekommen. Also - wie ihr seht, ganz neu. Nicht nur hier, sondern auch im Mittelalter. Und deshalb ein absolutes Greenhorn.....leider. Vieles bringt mich durcheinander, z.B. die Bezeichnungen der Kleider :blush: Vielleicht erklärt mir das mal jemand bei Gelegenheit?!

Aber zu meiner Frage:
Meine Tochter brauch für eine Theateraufführung ein "Kostüm". Da ich für mich auch mal ein Gewand nähen wollte (für Märkte, als Beuscher) kommt mir das Projekt Burgfräulein ganz gelegen. Genommen habe ich diesen Schnitt: Kirtle

Also Unterkleid und das Oberkleid. Bei den Hobbyschneiderinnen wurde mir gesagt das ich Pannesamt um keinen PReis nehmen soll, (dachte ich mir schon) Also habe ich für´s Unterkleid Baumwolle, fast weiß und für das Oberkleid einen naturfarbenen Baumwollstoff genommen der wie Leinen wirkt. (War beides vorhanden). Die Ärmel wollte die Tochter (12) ganz weit. Also werde ich diese bis zum Oberarm doppeln. Nur würde ich gerne wissen wie das mit dem Saum war? Und beim Unterkleid? Ich habe , weil ich den Ausschnitt etwas größer gemacht habe ein Bändchen eingezogen, vorher mit einem Beleg verstürzt. Gab´s aber doch so eigentlich nicht? Und wurden die Ärmel vom Unterkleid auch gedoppelt? Noch ein Problem: im Ärmel des UK und am Rücken des OK kommt eine Schnürung hin. Wie mache ich die Löcher? Wie auch immer man das nennt. Das werde ich ja von Hand machen müssen. Der Rest ist mit Maschine genäht. Irgendwie möchte ich es so authentisch wie möglich, ist aber in der Kürze der Zeit nicht machbar. Vorn Hand nähen ist mir (bis jetzt jedenfalls noch) ein Graus.
Ach ja, als Kopfbedeckung wünscht sich das Kind so eine Art Jungfernkranz mit Schleiher. Also kein geflochtener, sondern nur so ein Ring mit Schleier. Sie möchte nicht diesen Hennin wie im Schnittmuster.

Für mich würde ich gerne denselben Schnitt nehmen. Da dachte ich also an einen feinen Wollstoff. Ich wäre wohl gerne eine Apothekerin, Hebamme......ist der Schnitt da überhaupt geeignet? Eher wohl für Adlige? Könnte niederer Adel auch Apothekerin gewesen sein?
Oje, ihr seht ich weiß noch gar nix. OBwohl ich hier und wonaders schon fleißig gestöbert habe.
Danke für ´s lesen und für die Hilfe,

Tora :-)
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Beitragvon wetterleuchten » 25.02.2014, 12:26

Hallo Tora,

du bist wirklich ganz neu im Mittelalter ;) aber ich versuch mal zu helfen.
Mittelalter ist ein elendsweiter Begriff und umfasst ungefähr 1000 Jahre, d.h. da wandelten sich alleine schon die Begriffe für Kleidungsstücke. Die Kleidung selbst für einfache Leute nicht allzu sehr, gehobene Schichten waren natürlich mode- und chicbewusst, auch wenn die Trends nicht ganz so schnell wechselten wir heutzutage durch industirielle Fertigung möglich. Ich schreib den Sermon jetzt mal etwas ausführlicher, um dir eine Art Grundverständnis nahe zu bringen.
Einfache Stände verwendeten, was greifbar war, hauptsächlich Schafwolle evtl. Leinen. Richtig Reiche (gabs jetzt aber nicht so viele) konnten auch auf teuer Importware zurückgreifen, also Seide (ab Frühmittelalter), Baumwolle ab Hoch- SpätMA, feines Leinen sowieso und Wolle durfte auch gerne feiner (und teurer) sein. Gewebt wurde von Hand, jahrtausende lang am Gewichtwebstuhl, später im MA dann auf Flachwebstühlen. Geponnen wurde auch von Hand (bis weit ins HoMi mit der Handspindel), gefärbt mit Färbepflanzen, und selbstverständlich handgenäht. D.h. Kleidung war immer mit einem gewissen AUfwand verbunden und entsprechend längerfristig angelegt. Da Kleidung für einfache Leute meist Arbeitskleidung war, wurde da natürlich auf Schnickschnack wir tolle aber unpraktische Schnitte oder Borten eher verzichtet. Repräsentative Kleidung war aufwendiger.

Das ist der Hintergrund. Jetzt musst du dich nur naoch für eine Zeit entscheiden, dann bist du schon ein großes Stück weiter.
Für FrühMI sind die Herstellungsbasics hier http://www.wikingerkleidung.de/ verständlich erklärt.
Wenn du mal sehen willst, was die Leute im Hochmittelalter so anhatten, kannst du z. B.hier schauen: http://commons.wikimedia.org/wiki/Categ ... uselang=de

P.S. Die Löcher für die Schnürung würde ich vorsichtig mit einer spitzen Stickschere "bohren" und dann mit einem engen Knopflochstich (google mal nach "Nestellöcher") einfassen.
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Beitragvon Verry » 26.02.2014, 17:35

Wie Wetterleuchten schon geschrieben hat: Mittelalter ist ein seehr weiter Begriff. Wenigstens zwischen Früh- Hoch- und Spätmittelalter solltest du dich entscheiden, wenn möglich bzw. wenn du nicht die gaaanz einfache Darstellung haben willst, auch in etwa für ein Jahrhundert und eine grobe geographische Region (z.B. Süddeutschland, Norddeutschland...) Der Schnitt, den du dir gekauft hast, sieht auf dem Foto nicht aus, als ob er in irgendeine der Kategorien passt (v. a. die senkrechten Nähte vorne gehören da eigentlich nicht hin.). Das macht das Nähen komplizierter, die Grundschnitte (kpl. mit Nähmaschine) kann man, wenn man wenigstens ein bisschen nähen kann, in geschätzt 8 h fertig bekommen (pro Schicht).
Vor allem im Hoch- und Spätmittelalter hat sich die Betätigung adeliger Frauen leider hauptsächlich auf Dekozwecke beschränkt, evtl. noch edle Handarbeiten wie Stickereien. Gerade Frauen in medizinischen Berufen waren meist nicht sehr beliebt (Stichwort Hexen).

Das alles soll jetzt aber keine Abschreckung sein :-) Ich finde es toll, dass du nachfragst und dich informierst, das tun leider nicht alle. Also nur Mut und viel Spaß beim Weitersuchen (Die Flinkhand- Homepage ist da ganz brauchbar ;-) )
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Beitragvon Tora » 26.02.2014, 19:21

Hallo,

erstmal vielen Dank für eure Antworten.

Also das Spätmittelalter wäre schon gut. Allerdings - wenn dieser Schnitt nicht geht, würde mir auch ein Kleid mit Höllenfenstern sehr gefallen, dann also lieber paar Jährchen vornedrang ;-)
Im Ernst - das mit der Hebamme, Apothekerin, weise Frau ist mir wichtiger als das genaue Jahr. Nur nicht vor 1200 würde ich meinen. Und da ich im schönen Schwarzwald wohne, bleibe ich auch da. Also Süddeutschland. Das mit der Hexe weiß ich ja, ist mir aber schnurz.

Das Kleid für meine Tochter ist bist auf die Nestellöcher bereits fertig. Incl. des Unterkleides. Fehlt noch eine Kopfbedeckung. Morgen stelle ich mal ein Bild ein, dann kann mir vielleicht jemand raten was sie dazu tragen kann.
Waren Sonntag auf der Hochkönigsburg/Elsass. Und in dem Tourishop hat sie was gesehen das ihr gefällt. Ein Ring, hinten mit Schleier dran. Früher wollte sie immer so einen Jungfrauenkranz. Der Hennin welcher zum Schnitt gehört gefällt ihr nicht.
Warum schreibt der Hersteller denn bitteschön sogar das Datum zum Schnitt wenn´s doch nicht stimmt? Vielleicht kann ich da wenigstens mal ein Dirndl draus basteln :biggrin:
Hier kann man so viel lesen, da reicht meine Zeit nicht ........
Für weitere Vorschläge bin ich dankbar.

lg

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Beitragvon Annie-Petit » 26.02.2014, 22:01

Tora hat geschrieben:Warum schreibt der Hersteller denn bitteschön sogar das Datum zum Schnitt wenn´s doch nicht stimmt?


Ganz einfach, weil sich's dann besser verkauft! Würde man ehrlich mit den mittelalterlichen Schnitten umgehen, würde die keiner kaufen wollen. Das Schnittprinzip ist nämlich viel zu einfach, als dass sich damit Geld machen lässt ;-) Kann aber auch ganz gut sein, dass der Hersteller selbst nicht viel Ahnung hatte. Das grobe Schnittprinzip kannst du z.B. auch hier mal gut sehen: http://www.tempora-nostra.de/schnitt_prinzip.shtml
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Beitragvon Verry » 27.02.2014, 15:25

http://www.flinkhand.de/index.php?naehen
da kannst du auch noch nachlesen. Ja, leider wird fürs Mittelalter viel Mist verkauft, weil es so viele eh nicht interessiert :-( oder die Käufer es nicht besser wissen. Vor allem (wie Annie-Petit schon schreibt) ist das Prinzip so lächerlich einfach, dass man dazu keine Anleitung kaufen muss.
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Beitragvon Sandra » 27.02.2014, 22:39

Jaein, im Spätmittelalter, hier 1495, ist es mit den Schnitten schon nicht mehr ganz so einfach, da frau sehr figurbetont getragen hat.
Allerdings ist es auch schwierig, figurbetonte Schnittmuster zu erstellen, die wie angegossen sitzen. Hier macht fröau am besten selber, und auch dafür gibts eine einfache Anleitung (in 2 Varianten) Cotte simple.

Höllenfensterkleider trugen nur die Reichsten, und nicht die allgemeine Bevölkerung, gerne mit Fell verbrämt. Auch diese XXL-Ärmel konnten sich nur die leisten, die die Kohle für ein paar Ellen extra Stoff übrig hatten und nicht arbeiten mussten.
Liebe Grüße, Sandra

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