Farbe gelb,ältestes Gewerbe der Welt im MiA?

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Farbe gelb,ältestes Gewerbe der Welt im MiA?

Beitragvon Kraeuterweib » 01.02.2006, 23:09

Hallo zusammen!
Ich weiß nicht genau wohin mit meiner Frage, ich versuch es mal hier, wenns nicht passt bitte verschieben :blush:
Stimmt es, dass die Farbe Gelb für Frauengewänder im Mittelalter va. HochMiA dem horizontalen Gewerbe vorbehalten war? Wer weiß warum?
Gibt es Quellen dafür?

VG, Martina
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Beitragvon Xia » 02.02.2006, 00:07

Hallo,

ich denke, das ist eher ein Hollywood-Klischee, das sich gehalten hat.

Zumindest im SpäMi ist es so, das in den meisten Städten die Kennzeichnung solzialer Randgruppen -> Huren durch z. B. gelbe Oberarmbinden, Glöckchen an der Kleidung oder meistens Schmuckverbot geregelt ist.

Quelle: "Tracht der Prostituierten", W. Möhring. Leider kenne ich weder ISBN bzw. Erscheinungsdatum.

Liebe Grüsse, Xia
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Beitragvon Trinao » 02.02.2006, 00:29

moin!

das im MA die prostituierten sich in gelbe kleider hüllen mussten, war eher die seltened angelegeneheit. zudem hatte jede stadt u.a. eigene regelungen. so war es durchaus auch nur eine gelbe markierun, andere städte sahen scharlachfarbene oder auch grüne markierungen an den kleidern vor, oder wie miene vorrednerin auch schon sagte, glöckchen (nun aber nich verallgemeinern und die glöckchenträger auf dem markt anpöbeln ;D) oder bestimmte kleidungsstücke, dies konnte ein besonders markierter schleier sein oder auch ein anderes kleidungsstück. zumindest mussten die damen sich kennzeichnen.

ich habe ein buch, da sind verschiedene kennzeichnungen aufgeführt. wenn ich dran denk und dann das buch wieder griffbereit habe, stell ichs hier noch rein

LG!
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Beitragvon Beate » 02.02.2006, 05:50

Schau mal bei Tempis Vivit (Suchfunktion), da gibt es u.a. einen Thread Farben bei Stoffen.


Zufällig habe ich gerade den Stoff für ein neues Kleid zugeschnitten, und der ist hellgelb! :biggrin:
Beate
 

Beitragvon Alvara » 02.02.2006, 10:12

Ich geh jetzt mal ganz weit zurück zu den alten Griechen.
Gelb und Ocker als Sonnenfarben, als Farben der Fruchtbarkeit, wurden gleichgesetzt mit dem Geschenk der Liebe. Hetären genossen einen besondere Stellung und einen teilweise hohen Status. Zeitweise war ihr Status mit denen von Priesterinnen vergleichbar und ihre Tätigkeit wurde im grossen und ganzen als Wohltat gesehen. Es galt als besonderes Zugeständnis, dass diese Damen (transparente) gelbe Gewänder trugen oder gelbe Perücken. Ähnlich wie die Geisha in Japan wurden diesen auserwählten Frauen eine besondere Ausbildung zu Teil und man kann davon ausgehen, dass sie nicht negativ stigmatisiert waren.
Im alten Rom war es ähnlich.

Erst mit dem Siegeszug des Christentums bekam die Farbe gelb den negativen Beigeschmack: Juden mussten in Europs gelbe Kappen tragen, -Dirnen oft gelb, das lässt sich in verschiedenen Kleiderordnungen nachlesen - begründet ist das mit der damals verbreiteten Ansicht, dass Prostituierte als "Rechtlose" gleichsam Unglücksbringer seien und z. B. den bösen Blick beherrschten.
Es wurden aber auch Grün und Rot festgelegt, nicht nur gelb: je nach Region wurden sie unterschiedlich gekennzeichnet. Allein Gelb für Prostituierte stimmt definitiv nicht.

LG

Alvara

Literatur:
-Hergemöller, Bernd-Ulrich, Sexualität, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 7, München/Zürich 1995,
-Lömker-Schlögell; Formen der Prostitution im Spätmittelalter, in: Randgruppen der spätmittelalterlichen Gesellschaft, hg. von Bernd-Ulrich Hergemöller, Warendorf 1994, S. 56-88.
-Goetz, Hans-Werner, Frauen im frühen Mittelalter. Frauenbild und Frauenleben im Frankenreich, Köln 1995.
-Specht:Schön zu sein und gut zu sein. Mädchenbildung und Frauensozialisation im antiken Griechenland;
-Reinsberg, Ehe, Hetärentum und Knabenliebe im antiken Griechenland; -Lukian: Hetärengespräche. Edition Ebersbach Dortmund
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Beitragvon David » 02.02.2006, 10:13

Hallo,

es gibt genug bildliche Darstellungen aus dem 13. u. 14. Jh., die offensichtlich "normale" Männer und Frauen zeigen, die in gelber Kleidung zu sehen sind (Bsp.: Bible Moralisee, frz. 13.Jh.).
Es handelt sich um ein hartnäckiges Vorurteil. Ausserdem gibt es die verschiedensten Gelbtöne...

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Beitragvon Gisa » 02.02.2006, 10:23

Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen!

Ich weiss, dass bunte Bänder (durchaus auch gelb) oder Schleier oder Schmuckverbot die Huren gekennzeichnet haben!
Das "Gelbe Gewand" hingegen ist nicht belegt.

Ich trage auch eine gelbe Tunika, allerdings nicht leuchtend gelb!
Wenn da mal ein Spruch kommt, was recht selten der Fall ist, dann bin ich um einen Antwort nicht verlegen! :nudelholz:
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Beitragvon Tjorven » 02.02.2006, 14:12

Also, gehört habe ich das auch schon und Sprüche gibt es des öfteren... das nervt schon ganz schön. Vor allem, wenn man dann höflich darauf hinweist, dass es bei Wikingers diese Farbsymbolik (noch) nicht wirklich gibt und man kriegt dann ein sehr anzügliches "Das hätt´ ich jetzt auch gesagt" zu hören!

Da Gelb sich aber nun mal am einfachsten Färben läßt wird wohl immer mal ein gelbes Kleidungsstück auftauchen, man wappne sich eben mit den passenden Antworten!

Und ein bißchen Freude muß man den Lästerern auch lassen, da haben sie mal was gelesen und behalten... :lesen:
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Beitragvon Wolfgang » 02.02.2006, 14:25

Meines Wissens galt nur blaßgelb als Farbe der Hübschlerinnen, und das mit all den Einschränkungen der vorhergehenden Beiträge. Kräftiges oder Goldgelb galten gerade im SpäMi als elegante Farben.
Lies mal!
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Beitragvon David » 02.02.2006, 15:24

Hallo,

den Artikel würde ich mit grösster Vorsicht geniessen:

"4.3. Stigmatisierung
[...]Meistens waren diese Kennzeichnungen in den Schandfarben rot, gelb oder grün.[...]"

Das rot oder grün (!!) per se´ eine "Schandfarbe" war, ist absolut unhaltbar!

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