Ärmelvarianten in Schnittmuster

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Ärmelvarianten in Schnittmuster

Beitragvon Sissi » 09.06.2008, 19:20

Jetzt muss ich aber doch mal fragen :
Beim Durchschauen meiner Schnittmustersammlung stieß ich immer wieder auf Schnittmuster, bei denen die Ärmel schon am Gewand dran sind und nicht seperat geschnitten und genährt werden.
Das ist doch total falsch, oder? Die Stoffe waren damals doch garnicht so breit... Bei Kindergewandung kann man ja mit mir darüber vielleicht reden, aber ansonsten? Oder hab ich da einen absoluten Denkfehler?
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Beitragvon David » 09.06.2008, 20:17

Hallo,

es gibt antike Textilien wo die Ärmel direkt mit angeschnitten sind. Aus dem Mittelalter kenne ich sowas überhaupt nicht.
Ganz im Gegenteil, häufig sind die Ärmel aus diversen Teilen "zusammengestückelt". Nicht selten auch asymetrisch. Schöne Beispiele: der Bockstenkittel (13./14. Jh.), der Kragelundkittel (12. Jh.). Dabei aber die Originalschnittlage beachten, nicht die häufig publizierte, vereinfachte Schnittführung.

Ich kenne zwar deine Sammlung nicht, aber mittelalterlichen "Schnittmustern" stehe ich skeptisch gegenüber...

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Beitragvon Sissi » 09.06.2008, 20:36

Ich habe diverse .. zum Teil Karfunkel, eine schreckliche von Ebay und aus dem Netz. Bin grad am Sortieren.
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Beitragvon Carola » 09.06.2008, 21:00

Vergiss Karfunkel (falls Du das Schnittmusterbuch meinst). Die Sachen sehen zwar z.T. ganz hübsch aus, sind aber allenfalls historisierend.

Rekonstruktionsvorschläge für verschiedene Kleidungsstücke findest Du auf der Seite von Marc Carlson. Vielleicht ist da ja auch etwas für Dich passendes dabei.
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Beitragvon Sissi » 10.06.2008, 08:27

Marc Carlson ist ja ein klasse Link -alles anhand von Funden belegt. Jetzt steh ich aber vor dem Problem - Nählaie - das ich bisher nach Schnittmustern gearbeitet habe, weil ich das mit der Umrechnung nicht hinbekomm. Das seh ich jedes Mal, wenn ich für die Kinder was mach. Erst gestern musste ich wieder feststellen, dass ich ein Untergewand viel zu eng genäht habe und bei dem zweiten habe ich dann großzügig gemessen und beim Anprobieren durfte ich feststellen, dass Antonia kaum in die Ärmel rein kommt. Hier habe ich dann um die Achsel rumgeschnitten (gottlob war noch genügend Stoff da) und habe dann eine Gere bzw. einen Keil reingesetzt, der nicht spitz zuläuft, sondern oben noch eine Gerade bildet und hoffe später bei der erneuten Anprobe, dass es dann passt. Doch ich selbst kann bei mir nicht so messen, abgesehen von dem Verschnitt den ich auf diese Weise produzier...
Gerade die Ärmel sind mein größtes Problem. :buhaeh:
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Beitragvon David » 10.06.2008, 11:13

Hi Sissi,

da hilft nur Übung, Übung, und genaues Maßnehmen.
Es ist auch für den Laien sinnvoll, sich den Schnitt vorher auf Papier zu entwerfen. Vielleicht auch noch mal ein Probestück aus billigem Baumwollstück ztu heften.
Mittelalterliche Kleidung wurde immer auf Maß geschneidert. Das heisst, das entsprechende Kleidungstück wurde nach den konkreten Dimensionen des späteren Trägers geschneidert.
Du musst es also nicht so genau nehmen. Schau dir den gewünschten Schnitt an, und entwirf mit euren Maßen ein Kleidungstück welches so geschnitten ist wie dort abgebildet. Dann bsit du schon gut dran.
Wie bereits erwähnt, sind die meisten Schnitte bei M. Carlson bereits stark vereinfacht. Ich sehe das gerade exemplarisch an einer nahtgenauen Rekonstruktion des Kragelund Kittels, die ich gerade in Angriff nehme. Bei der Beschäftigung mit dem Original (leider nur auf Bildern...) sind mir viele Unterscheide zu der Version von carlson untergekommen. Scheu dich nicht, wenns irgendwo nicht passt, ein Stück/ Keil einzunähen. Dafür gibt unzählige Beispiele. Die einfachen Menschen im Hoch- und Spätmnittelalter waren auch keine perfekten Schneider. Das kann man an den Funden klar ablesen.

Gerade Ärmel bereiten Anfängern oft Probleme. Wenn man aber einmal verstanden hat wie so ein Ärmel aufgebaut ist, und weiß was womit vernäht wird, wirds auf einmal sehr logisch.

Ich habe ganz am Anfang mal ein passendes, aber altes, Hemd von mir genommen, die gewünschte Nahtführung aufgezeichnet und den Ärmel dann so auseinandergeschnitten. Schon hatte ich (unter Beachtung der Nahtzugabe) einen klasse Schnitt.

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Beitragvon Carola » 10.06.2008, 12:25

Gerade bei Kindersachen würde ich mir keine Gedanken über originalgetreue Schnitte und Umrechnungen oder Passgenauigkeit machen, so lange das Prinzip (nur Rechtecke und Dreiecke) eingehalten ist.
Weil Kinder so schnell wachsen, werden die Sachen nicht nur für ein Kind angefertigt worden sein, sondern wurden höchstens angepasst (ab Fürstenhof aufwärts mag es anders ausgesehen haben; aber davon sprechen wir - glaube ich - nicht). Ausserdem wird man nicht das beste Material genommen haben, sondern das, was gerade zur Hand war. Alles andere wäre unökonomisch.

Bei der Bekleidung für Erwachsene ist das natürlich etwas anderes. Da würde ich Davids Rat folgen, und erstmal ein Probestück aus irgendeinem Billigstoff zusammenstoppeln und davon den Schnitt zu nehmen. Auf diese Weise ersparst Du Dir teure Fehler.

Den bisher produzierten Verschnitt würde ich übrigens nicht wegwerfen. Spätestens in einem Jahr freust Du Dich darüber. Wenn Deine Süßen neue Klamotten brauchen. Oder wenn Du etwas flicken musst...
Ich habe die Wollkotte für meinen Großen aus der Kotte meines Jüngeren, einem Stück neuem Stoff und dem Verschnitt vom Vorjahr genäht. Ging prima.
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Beitragvon Sissi » 11.06.2008, 09:22

Ich hab mir gestern Abend überlegt, dass ich aus einem festen Stoff ein Muster für ein Unter- und ein Obergewand mache, das ich dann (in der Hoffnung die Figur bleibt) immer als Schnittmuster auflege. Ich werd dann eben großzügig mit der Hand die Nähte machen und wenn alles passt auftrennen. Im Gegenteil zu meinen Kindern wachs ich ja nimmer.
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Beitragvon Solà » 06.06.2011, 12:52

@ David: du sprichst hier von einer Kragelund - Rekonstruktion.
Hast du Quellen, wo ich mich genauer informieren kann als bei dem "vereinfachten" Schnittmuster? ich find partout keine Bilder oder nähere Informationen, obwohl ich echt schon lang gesucht hab... :undecided:
kannst du mir da helfen?

Viele Grüße
Sola
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Der Tag ist zu kurz um all das zu tun, was ich tun möchte.... :-(
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Beitragvon Carola » 06.06.2011, 13:15

Eine Schnittzeichnung, auf der auch die Beulen und Stückelungen abgebildet sind, findest Du z.B. in dem Buch von Katrin Kania "Kleidung im Mittelalter" (S. 277).
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