Umstandsmittelalterkleid?

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Umstandsmittelalterkleid?

Beitragvon Sabrina » 10.02.2011, 17:11

Hallo!

Ich bin neu hier und muss Euch gleich mit einer komischen Frage bombardieren.
Wir wollen im Juni einen Mittelaltermarkt besuchen und ich werde dann hochschwanger sein.
Abgesehen davon dass ich kein Schnittmuster eines mittelalterlichen Umstandskleides kenne, möchte ich zu diesem Zwecke nicht extra eines nähen, welches ich dann nie wieder anziehe.

Welche Kleider würden sich eignen? Ich stell mir nur grad vor dass bei einem normalen Schnitt der vordere Saum höher wäre als der hintere, durch die Bauchkugel, darum würd ich jetzt den Vorschlag, einfach ein großzügig weites Kleid zu nähen, vielleicht doch als unpraktisch werten...?

Danke für Eure Hilfe!

LG Sabrina
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Beitragvon Hîdril » 10.02.2011, 18:26

Hallo Sabrina,

was spricht gegen ein weites Kleid, dass nach der Schwangerschaft einfach etwas mehr mit dem Gürtel eingehalten wird? Ich denke, die Frauen im Mittelalter hatten auch solche Kleider und sicherlich wird bei denen auch der Saum vorn etwas höher gewesen sein. So lange noch schicklich die Beine bedeckt bleiben, ist doch alles in Butter.

Habe ich das richtig verstanden, du willst "nur" als gewandete Besucherin den Markt besuchen? Oder bist du Darstellerin? Denn dann stellt sich ja auch die Frage, welche Zeit, welche Region und welchen Stand du darstellen möchtest und danach richtet sich oft auch so ein "Umstandskleid". Ich denke, die Umstandsmode ist eh eine neuzeitliche Erfindung. Die frühesten mir bekannten Umstandskleider sind aus dem Barock, da wurde eine Art Wateau-Falte, die normalerweise hinten vom Kragen an getragen wurde, nach vorn genommen, um darin den dicken Bauch zu verstecken. Aber für frühere Zeiten ist mir nichts bekannt. Aber da muss ich die Frage dann auch an die HoMis und SpäMis weitergeben, ich kenn mich hauptsächlich im FrüMi und da eher bei den Wikis aus und die hatten garantiert höchstens ein etwas weiteres Kleid an, dass dann eben auch nach der Schwangerschaft weiter "aufgetragen" wurde.
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Beitragvon Tanteanni » 10.02.2011, 18:40

Ein ganz einfaches Überkleid. Es gibt z.B bei mittelalter.net ein paar sehr schöne, die man hinterher einfach mit einem Gürtel tragen kann. Die kosten so um die zwanzig Euro. Je nachdem was du darstellst, ist das dann völlig in Ordnung.
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Beitragvon Sandra » 10.02.2011, 20:58

Wenns nur für den Besuch eines Mittelaltermarkts sein soll und du keinerlei (authentische) Darstellung anstrebst, bist du im Bereich Hochmittelalter gut bedient. Mit wieten Gêren bekommt frau jede Babykugel dadrin unter. Ok, evtl würde der Saum dann vorne etwas höher hängen, aber das war bestimmt auch im Mittelalter so. Denn wie bereits gesagt, eine extra Umstandsmode ist nicht bekannt.
Unter hinterher einfach nen Gürtel drum und es ist der wunderbare Hochmittelalter-Sack-Look.
Liebe Grüße, Sandra

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Beitragvon Theodora » 10.02.2011, 21:18

Hallo,

also ich hab einfach meine normalen Kleider (Frühmittelalter) angezogen, die ich sonst auch anhatte. Da sie eh nicht auf Figur geschnitten sind, sondern etwas weiter saßen. Meinen letzten Markt hatte ich 5 Wochen vor Entbindung.

Der Saum ging natürlich vorne hoch, aber man hat ja auch gesehen warum. Und es hatte den Vorteil, das man nicht ständig auf den Saum tritt.

Ich würde mir da nicht so viele Gedanken machen, schließlich ist die Murmel doch zum zeigen da und ich denke nicht, das schwangere Frauen versteckt wurden ;-) bzw. extra Kleidung angefertigt wurde (zu mindestens für das groh der weiblichen Bevölkerung).
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Beitragvon Fidelia » 10.02.2011, 22:19

Huhu,

wenn du selbst nähen möchtest, würde ich auch zu einem weitgeschnittenem, einfachem Überkleid tendieren.

Wenn es dich zu sehr stört, daß der Saum dann vielleicht nicht so hängt, wie er hängen sollte, dann stell doch deinen Juni-Babybauch mit einem Kissen nach und näh den Saum dementsprechend. Den kann man ja nach der Schwangerschaft ohne Probleme noch mal ändern.

Wie hat man damals eigentlich gestillt? Dauernd das komplette Kleid ausziehen oder so weit hochschieben, daß man vernünftig überall rankommt stell ich mir eher unspannend vor. Das Kind unters Kleid "stecken" ist glaub ich auch nicht das wahre.

Ich würde als Notlösung einfach ein Kleid mit extremen tiefen Halsschlitz zusammen mit einem Trägerrock tragen, da käme man schnell überall ran und wäre trotzdem gut bedeckt. Aber wie wurde das damals gemacht. Hat da jemand schon praktische Erfahrungen?
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Beitragvon Iðunn » 11.02.2011, 01:51

Ich habe das Buch zwar grad nicht bei der Hand, aber in Sarah Thursfield: The Medieval Tailor's Assistant ist eine Beschreibung mit Zeichnung eines Umstandskleides, das an den Seiten geschnuert ist, vielleicht auch vorne, das weiss ich jetzt grad nicht

Ich will morgen gern in dem Buch mal nachsehen. Es liegt in der Arbeit, so versuesse ich mir die Zeit zwischen der Kundschaft...

So eine Schnuerung haette den Vorteil, dass das Kleid immer so schlank ist wie du und kein Sack, den man mit Guertel zusammenhaelt, obwohl man den auch traegt.

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Beitragvon Alice » 11.02.2011, 12:24

Hallo Sabrina

Es hat zwar nicht direkt mit Umstandsmode zu tun, aber auf der Seite von Berwelf
hat es eine Anleitung für ein Stillkleid. Vielleicht ist sie dir später mal nützlich.
Stillkleid

Liebe Grüsse
Alice
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Beitragvon Iðunn » 11.02.2011, 17:19

Hallo Sabrina,

hier habe ich also das Buch 'The Medieval Tailor's Assistant' von der Sarah Thursfield vorliegen. Da ist auf S. 180 die Zeichnung einer Schwangeren, die ein 'overkirtle', also surcôte trägt, der an den Seiten geschlitzt und geschnürt ist.

Und damit keine nackte Haut vorblitzt, wird die Tunika darunter vorn geschlitzt und geschnürt.

Und wenn du wieder schlank bist, nähst du alles einfach wieder zu.

Darunter ist eine Anleitung für ein Babyhemdchen und wie man Babies ganz einwickelt. Wir haben das früher 'pucken' genannt, oder 'das Baby ist im Puck'. Keine Ahnung, woher das Wort kommt. Ich habe dazu ein grosses Moltontuch genommen und die Kinder vielleicht die ersten vier Wochen gepuckt oder so lange, bis sie anfangen, sich kräftiger zu bewegen. Es scheint ihnen ein Gefühl der Geborgenheit zu geben, die sie an den Mutterleib erinnert.

Grüsse
Iðunn
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Beitragvon kitty-kyf » 15.02.2011, 12:51

Hallo. Also ich habe zu hause ein Kleid, was ich als dafür gut erachten würde.
Es ist aus der Karfunkel Schnittmustersammlung und auf 12nochwas datiert. Ist halt ein Faltenkleid, was unter der Brust endet und dann ganz viele weite Falten wirft. Das ist bestimmt super wenn man schwanger ist.
Allerdings sieht man auch so fast aus, als wäre man schwanger.
Ich habe das Paradox erlebt, dass, wenn ich liebe,
bis es schmerzt, kein Schmerz mehr da ist,
sondern nur noch Liebe.

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