Edelgewandung für spätes 12.Jhd.

Hier könnt Ihr alle Posts, die sich auf ein Kleidungsstück, Accessoire oder auf eine Epoche beziehen, posten. Bitte nennt das entsprechende Stück der Gewandung oder die Epoche nach Möglichkeit direkt im Titel beim Namen :o)

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Beitragvon Hermine » 06.08.2011, 18:02

Das sind interessante Links. Ich plane nämlich mein zweites Kleid und lange Ärmel verbrauchen so viel Stoff, von der Alltagstauglichkeit abgesehen. Ein Kleid mit seitlicher Schnürung und schmalen Ärmeln ist also machbar.
Mfg Hermine
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Beitragvon Nalija » 30.03.2012, 10:23

Seit gegrüßt

Möchte mich gerade, da ich mein Untergewand endlich fertig habe und es auch schon zwei Märkte miterlebt hat, bei den Damen für die nette Hilfe und die Anregungen und Anmerkungen bedanken.

Lieben Gruß
Nalija

P.S. Das Obergewand wird nach langen Überlegungen jetzt grün, passend zum Wappen meines Holden Ritters... ausserdem hat meine Tochter mir den roten Leinenstoff abgeschwatzt und nun ein neues Kleid... :dizzy:
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Beitragvon Macalla » 13.08.2012, 12:33

Ich würde mich gern bei dem Thema noch anhängen.

Bei mir steht ebenfalls ein Kleid auf dem Programm:

Um 1170
Süddeutscher Raum
Hochadel (ich glaub irgendwann kommt jeder an diesen Punkt *G*)

Die Fragen zum Schnitt etc. hab ich schon geklärt. Aber ich hätte da noch Fragen zum Material und eine zur Methode:

Ist feine Dupionseide (also mit eher weniger 'Knoten') OK? Und wenn nicht, welche Seide eignet sich sonst noch?
Die selbe Seide für Über- und Untergewand? Kann ich also für beides das selbe Material (natürlich Untergewand weiß) verwenden?

Und zur Methode:
Welche Naht eignet sich bei Seide am Besten? Flügelnaht? Kappnaht? (Wobei ich letztere immer ein bisschen schwerfällig in der Optik finde - aber vielleicht hab ich einfach noch nicht genug Übung *G*)
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Beitragvon Carola » 20.08.2012, 20:05

Dazu ein klares "kommt drauf an".
Wenn Du den "klassischen", der A-Linie folgendem Schnitt nehmen willst, dann kannst Du sicher auch feine Dupionseide nehmen. Aber wenn Du eine Schnürung willst, wirst Du damit vermutlich nicht glücklich, weil Dir dann alles ausreißt. Für Schnürungen brauchst Du schwere, feste Seide.
Auch das Unterkleid würde ich an Deiner Stelle nur dann aus Seide nähen, wenn Du wenigstens noch ein Leinenhemd darunter tragen willst. Schon weil Seide sich längst nicht so gut waschen lässt, wie Leinen. Aber wenn Du das machen willst, kannst Du auch etwas buntes für "drunter" nehmen. Wenn Du schon Seide trägst, dann solltest Du das auch zeigen!

Bei den Nähten würde ich inzwischen zur Kappnaht oder zur halben Kappnaht raten. Gerade bei feineren Stoffen lässt die sich so schmal legen, dass sie überhaupt nicht plump wirkt. Außerdem ist sie schneller genäht, als die Flügelnaht (weil der Stoff vorher nicht versäubert werden muss) und haltbarer.
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Beitragvon Macalla » 21.08.2012, 13:10

Ganz lieben Dank für die Antwort!

Das klärt doch schon einiges :) Besonders die Sache mit der Schnürung gibt mir grade zu denken :) Danke für den Hinweis!

Inzwischen ist noch eine weitere Frage aufgetaucht:

Es soll zum Kleid einen passenden Mantel geben. Da stellt sich mir die Frage nach Pelz und auch nach einem eventuellen anderen bzw. zusätzlichen Futter.

Ich dachte beim Hauptmaterial an Wolle (hab da einen Wollköper in einem wunderschönen Krapprot im Visier) und dann eben an Pelz. Ich bin da bloss völlig unbewandert. Was würde man da verwenden?
Ich meine, ich hätte mal was von Hase bzw. Kaninchen gelesen - kann das sein?
Oder doch nur die Kanten mit Pelz besetzt?

Ich habe auf diversen Bildern auch gefütterte Mäntel gesehen. (Zumindest interpretiere ich das so, wenn die Außenseite anders aussieht als die Innenseite) Womit also in diesem Fall füttern? Andersfarbige Seide scheint mir passend - ist mein Gefühl da richtig?
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Beitragvon Sandra » 21.08.2012, 14:45

Ich würde auf keinen Fall Pelz an der Innenseite verwenden. Das würde an den Schultern viel zu schnell in Mitleidenschaft gezogen und außerdem viel zu schwer. Am Hals macht sich ein Pelz aus wärmenden Gründen sehr gut, alles andere ist dann Zierde. Am unteren Saum wäre ich auch mit Pelz etwas vorsichtig, wenn du beabsichtigst, dich damit auch einmal bei schlechtem Wetter zu bewegen. Der Adel konnte es sich leisten, bei Matschwetter die guten Klamotten zu schonen bzw. nur drinnen zu tragen.
Eine Fütterung kannst du entweder mit einem dünnen Wollstoff oder Seide machen. Ich rate nur bei einem wärmenden Mantel von Leinen ab.
Welche Pelztiere verwendet wurden, kann ich dir gar nicht sagen, dafür ist meine Darstellung nicht pompös genug ;-)
Liebe Grüße, Sandra

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Beitragvon Carola » 21.08.2012, 20:47

Leider ist bei keinem der erhaltenen Mäntel des 12. Jahrhunderts noch Futter vorhanden.
Ausgehend von den Abbildungen waren die meisten Mäntel allerdings ohnehin leichte Überwürfe, die eher repräsentativen Zwecken dienten, denn als Wärmequelle. Daneben gab es aber sehr wohl pelzgefütterte Umhänge, wobei Feh (Bauchseite vom Eichhörnchen) das Nonplusultra gewesen zu sein scheint. Fehfutter erkennst Du auf Abbildungen daran, dass der Mantel innen eine Art Dachziegelmuster (helle Ziegel mit dunkler Umrandung hat), wie z. B. der König auf diesem Bild aus dem Hortus Deliciarum trägt.
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Beitragvon Macalla » 22.08.2012, 06:54

Danke für die vielen Infos, Sandra und Carola :)

Bauch vom Eichhörnchen ... ich glaub, das kriegt man heute nicht mehr so ohne Weiteres :dizzy:

Ich denke mal, dann bleib ich bei Seide innen und evtl (falls möglich) eine schmale Pelzverzierung an den Kanten.

Und eine Frage hätte ich da noch (war ja klar ...):
Soweit ich gelesen habe, wurden bei Mänteln und anderen Gewandungsteilen teilweise (Nestel-)Löcher extra für die Nadeln der Fibeln vorbereitet, damit man das Gewebe nicht kaputt macht. Allerdings ging es in dem Artikel um Fibeln aus dem 13. Jhd. Ist das auch für die Zeit um 1170 korrekt? Es scheint jedenfalls nachvollziehbar.
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Beitragvon Carola » 22.08.2012, 08:50

Sagen wir's mal so: Ich fänds sinnvoll, um den Stoff zu schonen. Die Alternative besteht darin, auf jeder Seite eine kleine Schlaufe zu nähen und die Fibelnadel dadurch zu führen.
Einen Beleg dafür habe ich aber nicht parat.

Daneben gab es noch interessante Schnurverschlüsse, bei denen auf beiden Seiten eine Metallplatte mit 4 (?) Löchern genäht wurde, durch die die Schnur lief. Die Enden wurden danach nicht verknotet, sondern das Ganze hielt durch Reibung.
Aber frag' mich jetzt nicht, wo ich das gesehen habe und wie genau das funktioniert.
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Beitragvon Macalla » 22.08.2012, 11:56

Danke schön. Dann werd ich besser Löcher vorbereiten.

Wobei ich erst gestern beim Lesen von 'Medieval Jewellery' (Victoria & Albert Museum) draufgekommen bin, dass es auch Brustschmuck gab, den man wohl direkt auf die Gewandung aufgenäht hat. Fand ich auch spannend.

Naja, erstmal genug gelöchert :)

Vielen Dank für eure Hilfe :) Heute geh ich dann noch ganz simplen Aufgaben nach: ein Stirnband für unter den Schleier säumen :)
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