Prachtmäntel

Hier könnt Ihr alle Posts, die sich auf ein Kleidungsstück, Accessoire oder auf eine Epoche beziehen, posten. Bitte nennt das entsprechende Stück der Gewandung oder die Epoche nach Möglichkeit direkt im Titel beim Namen :o)

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Prachtmäntel

Beitragvon Stickfee » 20.09.2011, 16:12

@Dachs:
...ich hatte doch den link von Wikipedia angehangen....
die definieren den Begriff Prachtmantel,klick doch mal an unter dem alten Thread... ;-)

@Draca:
und es gibt inzwischen ein paar erhaltene Exemplare bzw. die Fragmente davon.


Also es würde mich schon interessieren, ob mittlerweile mehrere Funde existieren.

Komisch, ich hatte irgendwas in Erinnerung, daß sehr wohl mal wo definiert worden ist, was genau unter dem Begriff "Prachtmantel" zu verstehen ist, weil einer der Mäntel mit "nur" um die 70 Brettchen eigentlich dieses Kriterium nicht erfüllen würde, obwohl er eindeutig zu den Prachtmäntel gehört


Ich bin zur Zeit so informiert, das der Thorsberger Prachtmantel mit weit über 150 Brettchen gewebt wurde.

Es wäre wirklich lieb, dir diese Mühe zu machen, ich möchte ja nicht irgendein "Tinnef" hier einbringen... ;-)
Stickfee
 

Beitragvon Bettelmönch » 20.09.2011, 18:18

@Draca:
Die Ausführungen von Dir und Wetterleuchten über die Mäntel fande ich sehr interessant.
Mich würde es auch interessieren mehr über den / die Prachtmäntel zu erfahren.
Bettelmönch
 

Beitragvon Stickfee » 20.09.2011, 18:27

Ach ja.... für alle "Neumitleser" und hoffentlich "Miteinsteiger".
Dies ist der neu aufgemachte Thread vom ursprünglichen Thema:

[ot]"Gewandung einer Brettchenweberin"![/ot]
Stickfee
 

Beitragvon wetterleuchten » 21.09.2011, 07:29

@ Bettelmönch

So arg viel erhellendes kann ich dazu jetzt leider nicht beitragen, jedenfalls was eventuell vorhandene aktuelle Forschungsergebnisse betrifft. Mein Stand der Dinge bezieht sich hauptsächlich auf die -allerdings sehr ausführliche- Anlayse von Kurt Schlabow, die ich im anderen thread bereits erwähnt habe. warum ich aus dem armen Kurt chronisch einen Klaus mache ist mir absolut schleierhaft :wacky: .
Ich habe das vor ca. drei Jahren gelesen, als ich mir einen Wickelrock mit rundum brettchengewebter Kante weben wollte (das Projekt liegt allerdings bis heute brach). "Textilfunde der Eisenzeit in Norddeutschland" mag in Teilen inzwischen überholt sein, Draca hatte ja schon die Irrtümer bei der Berechnung der Herstellungszeit im andern thread kurz thematisiert, empfehlen möchte ich es an dieser Stelle trotzdem.

Der Rechteckmantel/-umhang war ja nun m.W. ein Standartkleidungsstück der Spätantike und ich denke mal so ganz allgemein dass so ziemlich jeder zeitgemäße Aufwand in Bezug auf Bindung, Kantenmusterung, Farbe usw. getrieben werden konnte,den mensch sich wirtschaftlich leisten konnte. Bunte, aufwendige Kleidung hat eine weitreichende optische Wirkung und eignet sich bestens als Statussymbol. Einfachere Umhänge wird es massenhaft gegeben haben, ausgesprochen "prächtige" also aufwendige, bunte, eher weniger.

Irgendwo habe ich auch noch dunkel im Kopf dass großzügig dimensionierte Rechteckmäntel ein Statussymbol unter spätrömischen Offizieren waren. Und wenn ich an so Geschichten wie des berühmten Martins Mantelteilung denke, will ich gar nicht so genau wissen, was für ein kostbares Luxusstück da zerschnippelt wurde, wenns zwei wärmen konnte.
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Beitragvon Draca » 21.09.2011, 16:09

Rechteckmäntel waren DAS Standardstück wärmende und schützende Überbekleidung in Zentral und Nordeuropa von der Bronzezeit bis weit in das Frühmittelalter hinein. Auf diversen Mosaiken und Reliefs aus der röm. Kaiserzeit sind solche Rechteckmäntel bei Römern wie Barbaren dargestellt.

Es gibt erhaltene Stücke mit beeindruckender Größe, wobei die Falten und Abnutzungsspuren darauf hinweisen, daß die Teile z.T. gefaltet und doppellagig getragen wurden (dargestellt bei Schlabow). Wenn der hlg. Martin also seinen Sagum, d.h. seinen römischen Offiziersmantel, geteilt hat, dann hat er danach einen etwas kühlen restlichen Weg vor sich gehabt, weil ihm dadurch eine Schicht gefehlt hat.

Ein Rechteckmantel wird zum Prachtmantel, wenn er eine entsprechende Feinheit und Qualität des Materials, einschließlich Farbe und überbreite Randborten (z.T. noch mit extra Fransen) zu rein repräsentativen Zwecken, die einen stark erhöhten Arbeitsaufwand bedeuten, aufweist. Der Begriff Prachtmantel wurde erstmals von Johanna Mestorf verwendet. Leider sind all diese Infos meistens nur in irgendwelchen Archäolog. Jahrbücher oder Konferenz-Proceedings publiziert, wo man nur umständlich rankommt.

Mindest. ein weiterer erhaltener Prachtmantel ist der aus dem Vaalermoor und liegt auch im Textilmuseum Neumünster. Das müßte der sein, der für die Definition zu wenige Brettchen für die Randborten aufweist, aber immer noch eindeutig ein Prachtmantel ist. Daneben muß es noch mehrere weitere Exemplare geben, für die ich aus dem Handgelenk keine Quelle angeben kann, aber die in diversen Römer-Foren rumgeistern. Bei Bedarf also mal dort nachhaken. Außerdem frage ich mich, warum es im Titel der Schalbow-Publikation "Prachtmantel No. 2 aus dem Vehnemoor" heißt. :gruebel:
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Beitragvon Stickfee » 21.09.2011, 16:24

@Draca:
Danke, das du nochmals nachgeschaut hast.

Ich schätze da es wohl tatsächlich "nur" zwei deutsche Prachtmäntel in solch einer ähnlichen Webetechnik erhalten sind wurde der erste aus dem Thorsbergermoor die Nummer 1 und der aus dem Vehnemoor wohl auf die 2 getauft....vielleicht...? :gruebel:

Jedenfalls nochmals vielen lieben Dank!!!
Stickfee
 

Beitragvon Carola » 21.09.2011, 17:24

Ist zwar nicht meine Zeit, deshalb steige ich auch nicht tiefer in die Diskussion ein. Aber selbst Wikipedia nennt drei Fundorte und im roman army forum sind noch ein paar mehr erwähnt.
www.igwolf.de
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Versuch es erneut. Scheitere wieder. Scheitere besser.
(S. Beckett)
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Beitragvon Sandra » 21.09.2011, 19:43

[mod="Sandra"]Auf Grund einiger verbaler Entgleisungen wurden an dieser Stelle mehrere Beiträge entfernt :rot: [/mod]
Liebe Grüße, Sandra

Geschichte besteht aus einem Haufen Lügen über Ereignisse, die niemals stattfanden, erzählt von Menschen, die nicht dabei waren. (George Santayana)
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