Wikingerkleid fertig

Hier könnt Ihr alle Posts, die sich auf ein Kleidungsstück, Accessoire oder auf eine Epoche beziehen, posten. Bitte nennt das entsprechende Stück der Gewandung oder die Epoche nach Möglichkeit direkt im Titel beim Namen :o)

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Beitragvon Lawzina » 13.11.2012, 12:14

Glückwunsch!
Sieht toll aus.
Kennst du denn sogar das Schaf von dem die Wolle ist ? *grins*
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Lawzina
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Beitragvon Ragnhild » 13.11.2012, 13:57

Vielen lieben Dank für euer Lob. Ich muss aber auch zugeben, dass ich mächtig stolz bin. :blush:

In meiner Galerie gibt es zu den Bildern ja schon einige Ausführungen, aber ich kann ja noch etwas ergänzen:

Nein, das Schaf kannte ich nicht. Da müsst ihr mal die Flinke fragen, denn bei der habe ich den Polarfuchs bestellt. Vielleicht kann sie ja den Namen des Schafes recherchieren ;-) Den könnte ich dann in den Saum des Kleides sticken.

Die Spinnerei hat schon so ihre Zeit gebraucht. Wie es häufig so ist, ging es am Anfang ganz schnell und die ersten Knäuel lagen bald in der Schublade. Aber immer nur grau.... Tja, irgendwann ging es dann etwas langsamer weiter. Letztlich dauerte die Spinnerei von Anfang April bis Ende August. Es waren 6300 m Garn. Später habe ich auf Anyas Nachfrage hin noch ein Knäuel nachgesponnen. Aber das wäre wohl gar nicht nötig gewesen, denn es ist noch Stoff übrig geblieben. Der liegt gerade in der Beize und wird am WE rot gefärbt. Dann habe ich noch ein passendes Schultertuch zum Kleid.

Anya hat dann in Windeseile den Webrahmen bespannt, kaum dass das Garn bei ihr angekommen war. Die Fadendichte hatten wir ja beim Schal schon ausprobiert. Auf 1 cm kommen 8 Fäden. Am 27.10. konnte ich den fertigen Stoff bei der Post abholen. Noch am gleichen Tag habe ich ihn gewaschen, am nächsten Tag dann gleich noch einmal, damit er auch schön vor dem Zuschneiden eingehen konnte. Und das war gar nicht so wenig: In der Länge ist er um über 50 cm, in der Breite um 4,5 cm geschrumpft. Das hatten wir zum Glück aber vorher großzügig mit eingeplant.

Tja, und dann kam das Schlimmste: Irgendwann musste ich ja nun in den Stoff hinein schneiden. Zur Vorsicht habe ich ein Probekleid genäht, das, wie sich später herausstellte, für meine Darstellung aber unbrauchbar war.

Der Zufall und mein Glück wollten es, dass ich Dachs schon am nächsten WE beim NRW-FHT-Treffen kennenlernen durfte. Kaum dass ich wusste, dass sie auf der Gästeliste steht, habe ich sie angemailt und um moralische Unterstützung beim Zuschneiden gebeten. Schließlich ist daraus auch eine Gewandungsberatung geworden.

Das Kleid besteht zum größten Teil aus geraden Stücken. Vorder- und Rückenteil haben die Webbreite und somit an den Seiten auch die Webkanten. Die Ärmel sind gerade angesetzt und genau so weit angeschrägt, dass ich sie bis zum Ellenbogen hochschieben kann. Die Keile haben unten genau die Webbreite.

Eine große Sorge von mir war, dass beim Nähen der Stoff zu sehr ausfranst, so dass er mir praktisch unter den Händen wegfusselt. Besonders am Halsausschnitt hatte ich das befürchtet. Hier hat Hidril mir geholfen. Besonders dadurch, dass sie mir versichert hat, dass auch bei ihr der Halsausschnitt immer etwas Fummelarbeit ist. (So konnte ich mir wenigstens einreden: "Hidril kann es auch nicht besser." :devil: )
Letztlich war es aber gar nicht so schlimm mit der Franserei, und auch der Halsausschnitt ließ sich erstaunlich einfach umnähen. Für die ganze Näherei habe ich acht Tage gebraucht. Am 4.11. haben wir den Stoff zugeschnitten, am Abend des 11.11. habe ich schließlich den letzten Faden vernäht.

Insgesamt hat das Projekt also von Anfang April bis Anfang November gedauert. Und ich muss sagen, dass mein Respekt vor der Handarbeit der Frauen vor gut 1000 Jahren damit noch einmal deutlich gestiegen ist. Zumal diese früher kein Spinnrad hatten und am Gewichtswebstuhl gewebt haben ("Aua, mein Rücken!). Mein Projekt wäre also noch ausbaufähig. Wo ist noch gleich meine Handspindel...?

Gestern Abend habe ich übrigens auf dem Sofa gesessen und zu meinem Mann gesagt: "Komisch, ich habe gar nichts zu tun." Aber das stimmt natürlich nicht wirklich. Auf dem Brettchenwebrahmen warten zwei Meter Kette, das KLeid meiner Tochter ist noch nicht zusammen genäht, und Weihnachtsgeschenke könnte man ja auch bald machen. :biggrin:

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Beitragvon Dachs » 13.11.2012, 15:00

Das Ergebnis ist wirklich großartig!!!
:biggrin:
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Beitragvon Verry » 13.11.2012, 16:58

Woooow :wideeyed: Wenn ich überleg, wie lang ich allein an meinem Schal gesessen habe.... mit 20 cm Webbreite und gerade mal 500 m Garn..... wie viel wiegt es denn?
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Beitragvon Spessartspatz » 13.11.2012, 18:30

Ich ziehe meinen Hut vor der Arbeit, die du dir gemacht hast. Ich kann das zittern vorm zuschneiden gut nachvollziehen. Ich habe noch eine 1a Wollstoff liegen und trau mich nicht an einen Umhang ran. Ich weis nicht welche Art ich mir nähen soll, und solang bleibt er halt noch liegen.
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Beitragvon Delilah » 13.11.2012, 19:13

Du kannst und sollst zurecht stolz auf Dich sein!
Das Ergebnis ist wahrlich großartig!

Spätestens beim Nähen mit Hand hört bei mir die Geduld auf.
Bei Spinnen und Weben kann ich leider gar nicht mitreden.
Aber die Zeitspanne, die Du nanntest, ist schon enorm, wenn ich so überlege, wie verwöhnt und schnelllebig wir in unserer modernen Zeit sind!
Und dass Dir jetzt, nach dem Dein Projekt abgeschlossen ist, etwas fehlt, kann ich mir gut vorstellen!

Ich kann mich allen nur anschließen:
Das Kleid sieht super aus! Und auch ich habe riesen Respekt vor Deiner / Eurer Leistung!!!
Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen! (J.W.v. Goethe)

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Beitragvon Anya » 13.11.2012, 20:47

Vielen Dank für eure vielen Lobe :-)

Schon beim Weben habe ich mich ja schwer in den Stoff und die schöne Wolle verliebt, so dass es mir fast schwer fiel den Stoff dann in ein Paket zu legen und Ragnild zu schicken. ;-)
Aber wenn ich sehe, was daraus geworden ist, dann hat es sich auf jeden Fall gelohnt. Ich hoffe, dass ich das Kleid irgendwann auch mal in natura bestaunen kann! :-)

Zum Weben:
Das Stoffstück ist ca. 60x700cm groß geworden (vor dem Waschen ;-) ). Verwendet haben wir, wie schon gesagt, 8 Fäden pro cm. Als Bindung wurde Köper 2/2 gewebt. Hochgerechnet habe ich ungefähr 30 Stunden daran gesessen (klingt erstmal viel, aber dadurch dass es ein recht einfaches Muster ist, ist es eine schöne, entspannende Tätigkeit gewesen!), einschließlich schären, Kette aufziehen und abweben. Gewebt habe ich auf einem 80cm breiten Tischwebstuhl mit 8 Handhebeln (Hab natürlich nur 4 gebraucht).
Ragnild hatte das Garn als Singel gesponnen und dann auch gleich mit Sprühstärke behandelt. Schon beim Kette aufziehen habe ich gemerkt, dass das Garn recht gut klettet, was das aufziehen etwas erschwerte, aber beim Weben einen riesigen Vorteil brachte, denn ich hatte immer eine schöne gleihcmäßige Kettspannung. Spannungsprobleme (abgesehen von den letzten 10 cm, wo dann die Kette zu Ende ging) hatte ich auf den sieben Metern keine. Auch keine gerissenen Kettfäden, bis auf einen, den ich aber meiner Ungeduld zu schieben muss, denn man sollte nicht mit Gewalt zusammengeklettete Fäden auseinandereißen ;-)
Ich hatte ja erst ziemlichen Respekt davor, Singelgarn als Kette zu verweben, aber ich muss sagen, es ließ sich genauso verweben wie alles andere auch. Und viel Spass gemacht hat es auch :biggrin:

Viele Grüße, Anya
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Beitragvon sunnie » 13.11.2012, 23:18

Mir fällt da noch eine Frage ein:
In welche Richtung sind die Singles gesponnen?
Kette und Schuß unterschiedlich oder gleich?
100% Nature. Use it again.
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Beitragvon Sissi » 14.11.2012, 09:05

Ich bin mehr als schwer beeindruckt. Meinen tiefsten Respekt vor der Arbeit und dem Resultat!
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Beitragvon blue » 14.11.2012, 09:19

Anja, auch für Dich ein großes Lob. Der Stoff ist ein Traum. Fällt super schön.
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