100% Wolle, aber dennoch Elasthan drin? Help!

Welche Stoffe werden verwendet, welches Material? Was trug man?

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100% Wolle, aber dennoch Elasthan drin? Help!

Beitragvon WickedWeaver » 24.11.2013, 20:56

Ich hab mir vor einiger Zeit einen Restposten Wollstoff gekauft, extra drauf geachtet, dass es 100 Prozent Wolle ist und gedacht, dass die leichte Elastizität auf die Webart zurückzuführen ist (Köper) Hab den Stoff jetzt mal wieder in die Finger gekriegt und überlegt, wie ich ihn verarbeite, und festgestellt, dass wenn ich einzelne Fäden auseinanderziehe, zwar die Wollfäden reißen, aber diese offenbar um ein sehr, sehr dünnes elastisches Fädchen liegen. (Warum muss sowas nicht ausgezeichnet werden?!? :scheisskram: ) Für eine authentische mittelalterliche Darstellung kommt das also nicht mehr in Frage... :buhaeh:

Ich wüsste allerdings gerne, ob ein "richtiger" Wollstoff in Köper auch elastisch ist... ich weiß nur, dass er fester ist als in Leinwandbindung. Vielleicht mache ich dann aus dem Stoff dennoch mein erstes Gewand, zum Üben wär das dann ja ideal. :gruebel:

Viele Grüße,

Marion
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Beitragvon Streulicht » 24.11.2013, 21:37

Mein Wollkleid hat auch 2% Elasthan, aber man sieht es nicht. Vielleicht auch nur dann, wenn man die Fäden auseinanderzieht. Hab ich aber noch nicht gemacht und jemand anderes ist auch noch nicht auf die Idee gekommen. ;-) Und da das Kleid auch ein wenig zu eng geraten ist, ärgere ich mich auch nicht, teuren, "authenischen" Wollstoff verschnitten zu haben :-)

Von daher, wenn du eh noch kein Kleid geschneidert hast, mach lieber erst mal ein Kleid aus diesem.


Zu deiner Elastizitätsfrage kann ich dir leider nicht weiterhelfen, behaupte aber mal, dass die meisten Stoffe (je nach Webart) diagonal, mal mehr, mal weniger, elastisch sind. Aber ich würde kein Kleid diagonal zuschneiden, das wäre ja ein ungeheurer Stoffverbrauch. :wideeyed:
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Re: 100% Wolle, aber dennoch Elasthan drin? Help!

Beitragvon Amalie » 25.11.2013, 11:59

WickedWeaver hat geschrieben:(Warum muss sowas nicht ausgezeichnet werden?!? :scheisskram: )


Das muß eigentlich ausgezeichnet werden, d.h. man hat dich schlicht beschissen. Du schreibst "vor einiger Zeit", also wird es wohl nichts mehr bringen, in den Laden zurückzugehen und jemanden rundzumachen. Normalerweise sollte man das aber tun, wann immer etwas falsch ausgezeichnet ist.

@Elastizität: Köper ist in der Diagonale geringfügig elastischer als leinenbindige Stoffe, weswegen ich ihn für Radmäntel oder Tellerröcke eher nicht empfehlen würde. Aber richtig elastisch würde ich das nicht nennen... denk doch mal an Jeans, das ist auch Köper.
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Beitragvon Streulicht » 25.11.2013, 13:49

Ich glaube, mal irgendwo gelesen zu haben, dass gewisse Anteile von anderen Bestandteilen in Stoffen auch nicht unbedingt ganannt werden muss. Fragt mich aber nicht wo und ob das so auch korrekt ist. Habe leider auch gerade keine Zeit, das noch mal zu recherchieren.
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Beitragvon WickedWeaver » 25.11.2013, 14:09

Es ist nicht so elastisch wie Stretchstoffe oder ähnliche. Schon eher wie Jeans würde ich sagen... etwas mehr vielleicht. Hm... vielleicht geh ich trotzdem noch mal hin und frage nach. Rundmachen ist nicht, hab den Stoff ja selber in Händen gehabt. Doch nachfragen werde ich auf jeden Fall. Aber immerhin weiß ich jetzt, worauf ich beim nächsten Mal Stoffkaufen auch achten muss. Aus Fehlern wird man klug, nicht wahr? :undecided: Jetzt werde ich mal sehen, wie viele Fehler ich beim Schneidern noch mache :devil:
Vielen Dank schonmal!

Viele Grüße,

Marion
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Beitragvon Hîdril » 25.11.2013, 16:18

Ich hab mal ganz kurz und nicht wirklich gründlich im Netz geguckt und dies auf Burdastyle.de gefunden:



[Zitat]Ganz klar, das Schaf liefert uns die Wolle. Die beste Qualität ist „Reine Schurwolle". Sie darf nur 0,3% Beimischung enthalten und wird mit dem Wollsiegel ausgezeichnet. „Schurwolle" darf bis zu 7% Beimischung enthalten, muss aber, wie „Reine Schurwolle", vom lebenden Schaf stammen. Bei der Bezeichnung „100% Wolle", „Reine Wolle" oder „Wolle" kann es sich um minderwertige Wolle oder Reißwolle (aus Recycling) handeln. [Zitatende]

Ich glaube auch, dass hier im Forum schon mal diese Diskussion war, wie viel Beimischung sich noch "100%" nennen darf.
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Beitragvon Amalie » 25.11.2013, 18:12

Ach schade, ich hatte gehofft, um die Zitiererei rumzukommen. :-|

Aus der europäischen Textilkennzeichnungsverordnung, §7:

(1) Nur Textilerzeugnisse, die ausschließlich aus einer Faser bestehen, dürfen den Zusatz „100 %“, „rein“ oder „ganz“ auf dem Etikett oder der Kennzeichnung tragen.
Für andere Textilerzeugnisse dürfen diese oder ähnliche Formulierungen nicht verwendet werden.
(2) Unbeschadet des Artikels 8 Absatz 3 kann auch ein Textilerzeugnis, das einen Gewichtsanteil an Fremdfasern von nicht mehr als 2 % enthält, als ausschließlich aus einer Faser bestehend behandelt werden, sofern dieser Anteil dadurch gerechtfertigt ist, dass er bei guter Herstellungspraxis technisch unvermeidbar und nicht Ergebnis einer systematischen Hinzufügung ist.


Link: kompletter Originaltext


Ich würde mal sagen, Elasthan in Wolle ist nicht unvermeidlich und ganz bestimmt systematisch hinzugefügt worden.

Ob man den Stoff in der Hand hatte oder nicht, spielt keine Rolle. Deswegen gibt es ja Gesetze über Textilauszeichnung: Weil man es Stoffen nicht anmerkt, wenn sie bis zu einem gewissen Prozentsatz aus etwas anderem bestehen. Erst recht, wenn man sie nicht anzünden darf. ;)
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