Samt <---> Samît

Welche Stoffe werden verwendet, welches Material? Was trug man?

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Samt <---> Samît

Beitragvon Flinkhand » 05.05.2006, 21:15

Hallo zusammen,

ich wollte hier nur mal eine "Entdeckung" kundtun, die ich in der Literatur gemacht habe - einfach weil ich es recht interessant und informativ finde.

In der mittelhochdeutschen Literatur wird oft Bekleidung aus "Samt" erwähnt, mit der sich der Hochadel kleidete. Dies in der neudeutschen Übersetzung. Im Original wird dieser Stoff als "Samît" (aus dem frz.) bezeichnet und hat mit unserem Verständnis für Samt nichts gemein. Ich hab mal ein bißchen herumgestöbert und bei Alwin Schultz "Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger I" (1880) folgende Definition für Samît gefunden:

"Aus sechsfadenstarkem Aufzuge ist der" ... griechisches Wort für Samît, das ich hier nicht schreiben kann ... "gewebt, der von den Dichtern so oft erwähnte Samît (fr. samit). Dieser Samît ist von dem Stoffe, den wir heute Sammet (velours) nennen, wohl zu unterscheiden; es ist ein sehr starkes, festes Seidengewebe, das gewöhnlich mit Gold- oder Silberfäden brochirt ist, also dem später Brocat genannten Stoffe entspricht.


Ich dachte, die Info wäre vielleicht für den ein oder anderen interessant :biggrin:

Liebe Grüße,
Claudia,
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Beitragvon steffi241 » 05.05.2006, 21:48

Es gibt auch Literatur in der das Wort Axamit auftaucht, dass ist dasselbe wie Samit. Die Bezeichnung ist abhängig vom alter der Literatur. Samit ist die heute gebräuchliche Bezeichnung.

Ich habe jedoch schon mal versucht jemanden zu finden der diese Bindungsart nachwebt, aber Fehlanzeige, dass macht niemend mehr. Wäre vermutlich auch unbezahlbar, aber ich fänds trotzdem toll mal so ein Stück viell. 10 X 10 cm zu besitzen :-) .
Liebe Grüße, Steffi

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Beitragvon wurm » 08.05.2006, 17:35

da ich jetzt endlich einen (normalen) Webstuhl habe, fange ich auch sofort an mit Samitgewebe. Ursprünglich wollte ich Lampas machen, aber Samit erscheint mir erstmal einfacher. Da sind ein paar technische Fragen, die ich noch nicht klären konnte, denn ich kenne zwar die Bindungsart als Ergebnis, aber weiß nicht recht welche Gestalt der zugehörige Webstuhl hatte. Das bedeutet also experimentieren. Natürlich mache ich das erstmal mit robuster Teppichwolle, es wird also nichts mittelalterliches rauskommen, bis die Experimentierphase vorbei ist. Die originalen Fadendichten von sagen wir mal 60 Fäden in je zwei parallelen Schusssystemen (macht 120/cm) sind ja für Handweberei der Horror, würde auch niemand bezahlen können.

Zur Anfangsfrage: Mit Samt hat der samit zwar gar nichts zu tun (vielleicht sprachgeschichtlich, aber nicht webtechnisch), aber das schließt den Samt ja nicht für histoische Darstellungen aus. Die Blütezeit der Samtgewebe war das 15. jahrhundert mit seinen mehrstufig geschnittenen, teilsmehrfarbig gewebten Samten. ich müsste jetzt nachschlagen, wann Samt im heutigen Sinne überhaupt erstmals aufkommt, falls Du ihn in hochmittelalterliche Darstellungen einbringen willst.
Nur eine gestallt hatte Samt damals nicht (Ausnahmen lasse ich zu): So schlicht langweilig, wie heute.
Die aufgeschnittenen Samtschlingen machen ihn ja geradezu prädestiniert für Veredelung durch Schnitt, und Muster wurden in venezianische und Florentiner Samte standartmäßig schon eingewebt. Es ging natürlich auch Samtbrokat, um allem die Krone aufzusetzen: Samt mit allem pipapo, und dann noch goldene Broschierungen.
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Beitragvon Claudia » 08.05.2006, 19:05

Von den tollen gemusterten Seidensamten aus dem 15. kann man im Museum der Abegg-Stiftung in Riggisberg bei Bern einiges sehen. Wirklich beeindruckend!

Jetzt noch was anderes: Neulich hat mir einer erzählt, im 13. Jh hätte es schon Wollsamte gegeben. Ich habe sehr ungläubig geguckt, weil mir das sehr unbekannt vorkam. Er konnte mir auf Anhieb auch keine Quellen nennen. Weiß da jemand was?
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Beitragvon wurm » 09.05.2006, 09:19

ich habe gestern noch mal eine Nacht lang gestöbert, weil mir der Samt nicht aus dem Kopf ging. Lucca als erstes Zentrum der Samtindustrie hatte ich natürlich glatt vergessen, und dort gibts alte Rechnungsurkunden, die die Samtproduktion in das 14. Jh. datieren, leider nicht genauer.
ok, sind wir schonmal ein Jahrhundert näher dran, aber reicht auch noch nicht.
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