Baumwolle bei Mauren?

Welche Stoffe werden verwendet, welches Material? Was trug man?

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Baumwolle bei Mauren?

Beitragvon Dvergr » 18.05.2007, 19:38

Hallo Leute!

Ich beschäftige mich in letzter Zeit ein kleines bisschen mit Kreuzritterorden, und zwar im Speziellen mit dem Santiagoorden. Der war hatte anfangs nur die Aufgabe die Pilger am Jakobsweg zu schützen, hat sich aber später sehr damit beschäftigt die Mauren aus dem Gebiete Spaniens zurückzudrängen.

Nun frage ich mich aus (für mich rein praktischen Gründen), in wiefern es denn möglich wäre, dass die Angehörigen dieses Ordens über ihre Feinde zu Maurischen Alltagswaren gelangt sein könnten.

Und ehrlich gesagt weiss ich noch nicht einmal 100% ob denn die Mauren überhaupt selber Baumwolle hatten :blush:

Ich weiss nur, dass einige Quellen davon berichten, dass die Ägypter bereits 12.000 vC Baumwolle zu Stoff verarbeitet haben... und von daher kann ich mir ganz gut vorstellen, dass dieses Material im Laufe von immerhin 13.000 Jahren über Handel auch seinen Weg nach Nordwest-Afrika, zu den Mauren gefunden haben könnte.

Nun ist das ganze auch nicht direkt mein Spezialgebiet, und ich hab auch nicht vor das zu einer Darstellung zu verarbeiten (außer vll LARP :devil: )

Aber diese Frage interessiert mich irgendwie brennend... reine Neugier :blush:
Und sonderlich gute Quellen habe ich leider auch zZ nicht zur Verfügung...


Also wenn sich da rein zufällig jemand auskennt, wär ich über Informationen dankbar! :wideeyed:


Grüße,
der Dverg
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Beitragvon Kattugla » 02.07.2008, 20:35

Ja guck, da hat der Dvergr schon genau das gefragt, was mich auch gerade stutzen ließ, als ich was über antike Mode bei Griechens las:

Ebenfalls aus pflanzlichem Rohstoff besteht die Baumwolle. Sie stammt ursprünglich aus Indien, wird in der Antike aber auch in Oberägypten und im Vorderen Orient angebaut. Es handelt sich bei der Baumwolle um das Samenhaar einer Malvenart, aus deren Blüten sich walnußgroße Kapseln bilden, welche im reifen Stadium aufspringen und die weißen Samenhaare, die eigentliche Baumwolle, herausquellen lassen. Diese wird dann gepflückt und verarbeitet. Wann die Baumwolle in Griechenland heimisch wird, ist unbekannt, möglicherweise erst zur Regierungszeit Alexanders des Großen (336 - 323 v. Chr.) Allgemein findet sie für Kleidung Verwendung.

Woher die Autorin der Seite Messala ihr Wissen bezieht, verrät sie nicht.
Gefunden habe ich dazu noch was bei Kirchers und ihren Webrahmen.

Ist das verpönte Baumschaf also lediglich eine Reenactment-Marotte?
Ich komme gerade echt ins Grübeln... und bin ebenso neugierig wie der Zwerg...
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Beitragvon Christine zu Wagenzelle » 03.07.2008, 08:27

Ein Thema über das man mehrseitige Abhandlungen schreiben kann. Ich habe mich mit dieser Problematik recht intensiv befasst, da wir selbst eine Stoffhändlerfamilie darstellen.

Ich versuche mal, mich kurz zu fassen.

Es gibt in Mexico Gewebefunde die fast 8000 Jahre alt sind, die Funde aus Indien datieren auf das 3. bis 4. Jahrtausden v.Chr., in Ägypten und ab dem 11. Jhd. auch in Spanien wurde Baumwolle angebaut und auch verarbeitet. ABER - diese Gewebe waren eine Seltenheit und ähnlich teuer wie Seide. Auch in Ägypten ist trotz des nachgewiesenen Anbaus von Baumwolle der Großteil der Gewebefunde aus Leinen gewesen.

In Deutschland begann man im 14 Jhd Baumwolle zu verarbeiten, allerdings nur als Mischgewebe. Der Grund lag darin, dass 1. Baumwolle noch nicht in ausreichender Menge für eine intensive Verarbeitung vorrätig war und 2. die Spinnmethoden für die Garne keine ausreichende Reissfestigkeit zur Verarbeitung auf den Webstühlen erbrachten. Baumwollketten rissen auf den für die Leinenweberei konzipierten Geräten. Es wurde daher mit Leinenkette und Baumwollschuss der sogenatte Barchent hergestellt.

Es gab auch Gewebe aus Seidenkette und Baumwollschuss, die aber entsprechend teuer waren. Baumwolle blieb in Europa als Bekleidungsstoff bis ins 17 Jahrhundert unbedeutend. Erst dann begannen die englischen Tuchwebereien mit größerer Produktion. Die Verdrängung des Leinens fand erst im Zuge der Industrialisierung statt nachdem in Amerika die großen Baumwollplantagen ihre Arbeit antraten und die Sklavenarbeit dafür sorgte, dass das Rohmaterial billiger wurde als Flachs.

Um jetzt noch mal die Kurve zu den Kreuzrittern zu bekommen. Es ist durchaus möglich, dass diese an Baumwollgewebe gekommen sind, aber in diesem Fall hätte man vermutlich das kostbare Gewebe verhökert und nicht selbst getragen.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig Licht ins Dunkel bringen :biggrin:
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Beitragvon casstlevania » 03.07.2008, 14:46

Ueber das Thema Baumwolle bin ich auch ständig auf der Suche...
Meine Theorie:
Tuchhändler waren ja stets und ständig auf Reisen. Kann es denn nicht sein, das man Baumwolle in unserer Region trug bevor es hier versponnen wurde?
Sicher war das nicht an der Tagesordnung, leider habe ich diesbezüglich auch noch keine Quellen gefunden. Sicher war auch das nicht billig, aber es wäre doch sicher nicht von der Hand zu Weisen?
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Beitragvon Christine zu Wagenzelle » 03.07.2008, 16:01

Also hätte theoretisch sein können finde ich immer etwas problematisch.
Selbst wenn sich ein Beleg für ein Baumwollgewand fände, birgt sowas dann die Gefahr, dass plötzlich alle damit Ihre Baumwollgewänder rechtfertigen, das Bild ist dann aber ungefähr so stimmig wie wenn jeder 2. Reenactor im Feh-Pelz herumspaziert :devil:

Zurück zum Thema: Tuchhändler verkauften Tuch (=Wolle) natürlich vorrangig an die gut betuchte (schönes Wortspiel) Bevölkerung. Die Kölner Kaufleute waren da nicht gerade unbedeutend. Wer sich da mal reinlesen mag, dem empfehle ich "Ein mittelalterlicher deutscher Grossunternehmer: Terricus Teutonicus de Colonia" von Natalie Fryde. Dort finden sich auch jede Menge Quellangaben. Bislang hab ich das Buch nur überflogen, aber das war schon sehr interessant.

Hat aber nebenbeibemerkt mit Baumwolle absolut gar nichts zu tun, da geht es wirklich nur um die Stellung der Tuchhändler und die Handelsbeziehungen zwischen Köln und England.

Was die Baumwolle angeht verstehe ich aber auch nicht, warum immer alle so um Belege dafür bemüht sind. Anständige Baumwolle ist genauso teuer wie Leinen, pflanzlich Färben kann man das eine wie das andere schlecht und besser aussehen tut's auch nicht. :gruebel:

LG
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Beitragvon casstlevania » 03.07.2008, 16:37

[/quote]Selbst wenn sich ein Beleg für ein Baumwollgewand fände, birgt sowas dann die Gefahr, dass plötzlich alle damit Ihre Baumwollgewänder rechtfertigen, das Bild ist dann aber ungefähr so stimmig wie wenn jeder 2. Reenactor im Feh-Pelz herumspaziert[/quote]

Icfh habe vergessen dazuzu schreiben, das ich Adelsdarstellungen meine.

[/quote]Was die Baumwolle angeht verstehe ich aber auch nicht, warum immer alle so um Belege dafür bemüht sind. Anständige Baumwolle ist genauso teuer wie Leinen, pflanzlich Färben kann man das eine wie das andere schlecht und besser aussehen tut's auch nicht[/quote]

Weil es sich besser anfühlt und trägt.... :biggrin: Ich mag es einfach lieber. Daher wäre es schön wenn es belegbar wäre...
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Beitragvon casstlevania » 03.07.2008, 16:40

Also irgendwie bin ich heute zu dusselig zum Schreiben... na, bei 34 im Schatten...... :dizzy: :dizzy:
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Beitragvon Christine zu Wagenzelle » 04.07.2008, 07:37

Naja das persönliche "Hautgefühl" ist natürlich ein Punkt über den sich nicht streiten lässt :biggrin: Wobei - Ikea Leinen will ich auch nicht tragen, dass kratzt und ist nebenbeibemerkt als Dekostoff u.U. auch nicht hautfreundlich gefärbt. Ist auch viel zu grob. Hab grad nen Restposten feinstes italienisches Leinen erstanden - einfach nur genial.

Zurück zu den Funden. Soweit ich weiss, sind alle Funde aus dem Homi Mischgewebe Seide/Baumwolle oder Leinen/Baumwolle - wie oben schon erwähnt aufgrund der besseren Haltbarkeit. Aber ich hab grad ein paar neue Bücher entdeckt, wenn mir darin etwas gegenteiliges über den Weg läuft sag ich Bescheid. In Birka soll es Baumwollfunde gegeben haben, vielleicht können sich da mal ein paar Frümis zu äussern :biggrin:

@ Castlevania: Vielleicht ist Mischgewebe ja eine Alternative für dich, echte Halbseide bekommt man glaube ich nicht mehr, aber echtes Halbleinen gibts schon manchmal, mein Sohn hat eine Cotte aus echtem Halbleinen, wurde als französisches Bauernleinen verkauft und ist wie es sich gehört mit Leinenkette und Baumwollschuss gewebt und durch die Baumwolle super weich. Hab ich aber bislang nirgendwo wieder gesehen. Vielleicht hast du ja mal Glück.
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Beitragvon casstlevania » 04.07.2008, 07:52

@ Castlevania: Vielleicht ist Mischgewebe ja eine Alternative für dich, echte Halbseide bekommt man glaube ich nicht mehr, aber echtes Halbleinen gibts schon manchmal, mein Sohn hat eine Cotte aus echtem Halbleinen, wurde als französisches Bauernleinen verkauft und ist wie es sich gehört mit Leinenkette und Baumwollschuss gewebt und durch die Baumwolle super weich. Hab ich aber bislang nirgendwo wieder gesehen. Vielleicht hast du ja mal Glück.


Danke Christina. Das hört sich doch gut an!! Ja, manches Leinen sollte man lieber lassen zu Erwerben.. :biggrin: Ich hatte vor Jahren im Dänischen Bettenlager Leinentischdecken gekauft zu einem sehr günstigen Preis in blau und rot. Das hat allerdings nicht gefärbt und war auch recht weich. Ich werd jedenfalls ordentlich die Augen offenhalten. :biggrin:

Zurück zu den Funden. Soweit ich weiss, sind alle Funde aus dem Homi Mischgewebe Seide/Baumwolle oder Leinen/Baumwolle - wie oben schon erwähnt aufgrund der besseren Haltbarkeit. Aber ich hab grad ein paar neue Bücher entdeckt, wenn mir darin etwas gegenteiliges über den Weg läuft sag ich Bescheid. In Birka soll es Baumwollfunde gegeben haben, vielleicht können sich da mal ein paar Frümis zu äussern


Bin gespannt, was dabei herauskommt. Sehr interssant.
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