Leinen erkennen...

Welche Stoffe werden verwendet, welches Material? Was trug man?

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Leinen erkennen...

Beitragvon Nils » 01.09.2007, 14:49

Hallo!

Ich habe hier ein altes Bettlaken liegen, schöner, fester Stoff. Jetzt weiß ich leider nicht, ob es sich dabei um Leinen oder Baumwolle handelt. Ich kann allerdings nur mit Leinen etwas anfangen, und will nicht irrtümlich Baumwolle verarbeiten. Es weißt zwar eine Leinen-artige Struktur auf, was allerdings nicht unbedingt ein Beweis für reines Leinen ist.
Also, euer Sachverstand ist gefragt: Was sind eure Kniffe und Tricks um echtes, reines Leinen von Baumwolle zu unterscheiden? Optik, Geruch?

Danke schonmal.

Schöne Grüße,
Nils
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Beitragvon Pilz » 02.09.2007, 13:30

Tja Nils

Eine nicht ganz so einfache Frage. Vorraussetzung für meine Lösungsvorschläge ist, daß du reines Leinen oder reine Baumwolle hast. Ist es Halbleinen (Baumwoll-Leinengemisch) wird es schon sehr schwierig. Ist der Stoff ausgerüstet wird es genauso schwierig.
Also:

- Leinen fängt an zu glänzen, wenn du es heiß bügelst / BW bleibt matt
- Leinen riecht im nassen Zustand anders
- Leinen wird im nassen Zustand fester
- Leinen hat eine glattere Schnittfläche
- Leinen neigt wesentlich stärker zum Knittern
- Leinen fühlt sich kühler an
- Leinen wirkt glänzend wenn du Öl draufgießt / BW matt
- Leinen wird rötlich wenn du Salmiakgeist draufgibst / BW weiß
- Leinen hat von Natur aus längere Fasern als BW
- Leinen nimmt schneller Wasser auf

Das sind alles nur sehr feine Unterschiede, die du eigentlich nur feststellen kannst, wenn du ein Stück reine Baumwolle und ein Stück reines Leinen zum Vergleich hast.

Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg beim Bestimmen deines Stoffes.

Grüße
Stefan

[edit]
- Leinen wird rötlich wenn du Salmiakgeist draufgibst / BW weiß

Das habe ich gerade mal angetestet, konnte es allerdings nicht nachweisen. Eventuell liegt es auch daran, daß ich nur 10%tige anstatt 25%tige Lösung zur Verfügung habe.
[/edit]
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Beitragvon Evelune » 03.09.2007, 10:11

Also in Stoffläden neh ich immer ein Stück Stoff in die Hand und drück es zusammen, Pilz schrieb ja Leinen knittert wesentlich mehr, das merkt man sofort, da die Falten bei Baumwolle sich nach dem Öffnen der Hand schnell wieder glätten, die von Leinen aber so bleiben bis man den Stoff wieder grade zieht, und das der Stoff sich irgendwie kühl anfühlt.
Selbst bei Halbleinen entknittert er sich wesentlich schneller, das man dort einen Unterschied sieht zu echtem Leinen.

Früher haben die Wikinger ihr Leinen mit Glassteinen gebügelt, wenn ich das richtig Erinnerung habe, dann glänzt der Stoff , wie auch beim normalen Bügeln heute. Wenn man sich wirklich nicht sicher ist, einfach bügeln. Aber auch das hat Pilz ja schon geschrieben.
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Beitragvon Beate » 03.09.2007, 15:04

Stoffe sind heutzutage fast immer mit Ausrüstung versehen, so dass eine Unterscheidung von Leinen und Baumwolle auch einem Profi schwerfallen kann.

http://www.marquise.de/de/themes/howto/stoffkunde.shtml


Chemische Prüfung:

Zur Prüfung der Leinen ist zunächst die Appretur vollständig zu entfernen und dann mittels eines Vergrößerungsglases (Fadenzähler) die Zahl der Fäden in einem bestimmten Raum zu zählen und ihre Beschaffenheit festzustellen. Die Unterscheidung von Flachs und Baumwolle gelingt sicher fast nur mit dem Mikroskop, von chemischen Prüfungen ist besonders die mit konzentrierter Schwefelsäure zu empfehlen. Man kocht das zu prüfende Stückchen Leinen in Wasser und spült es gut aus, um die Appretur vollständig zu entfernen; dann trocknet man es gut und taucht es bei gewöhnlicher Zimmerwärme zur Hälfte in die Säure. Je nach der Stärke des Gewebes zieht man es nach 1/2-2 Minuten heraus und bringt es sofort in viel reines Wasser. Durch vorsichtiges Bewegen kann man die Schwefelsäure auswaschen, am besten aber legt man die Probe einige Augenblicke in Sodalösung und wäscht dann vollständig in Wasser aus.
Nach dem Trocknen fehlen die Baumwollfäden, so dass man dieselben ihrer Zahl nach bestimmen kann. Reines Baumwollgewebe wird sehr schnell von der Säure zerstört, aber auch reines Leinengewebe wird allmählich angegriffen; man bringe deshalb die Leinenprobe anfänglich nur kurze Zeit in die Säure und beobachte, ob die Einwirkung eine ganz gleichmäßige ist; die Baumwollfäden werden jedenfalls früher dünn und durchsichtig als die leinenen Fäden; durch abermaliges Eintauchen kann man dann die Baumwolle gänzlich zerstören, und nur, wenn durchaus alle Fäden zu gleicher Zeit zerfressen werden, war die Leinwand rein.
Für weiße Stoffe kann man die Anilinprobe anwenden. Man löst 1 g Fuchsin in 96 g Brennspiritus und taucht in die Lösung ein Läppchen Stoff von 100mm Länge und 50mm Breite, das an den Rändern ausgefasert ist. Wenn man das Läppchen sofort herausnimmt und in Salmiakgeist legt, verschwindet die Farbe von den Baumwollfransen, während die Leinenfasern gefärbt bleiben.

Quelle
Beate
 

Beitragvon Hîdril » 04.09.2007, 13:33

Das hört sich ja an wie: Der kleine Chemiker, Teil I

Wer hat schon konzentrierte Schwefelsäure zu Hause *mal eben schnell unter der Spüle nachseh* :gruebel:

Und wenn ich das bei Marquise richtig lese, dann kann ich mir bei "100% Leinen" auch nicht sicher sein, dass da wirklich nur Leinen drin ist.

Hab ich das richtig verstanden? Wenn in dem Stoff 30% oder auch mehr Prozent von einem zweiten Stoff drin ist, dann darf sich das immer noch 100% nennen? Also ist 100% Leinen auch nur eine Schwindelpackung.
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Beitragvon Flinkhand » 04.09.2007, 16:18

Öhm ... 30% weniger als 100% sind 70% ... Adam Riese und so ...

Das ist ja Schummel!
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Beitragvon Claudia » 04.09.2007, 17:37

Also bei der Marquise steht was davon, daß bis zu 5% des Stoffgewichtes aus was anderem sein darf und "auch dann nur, wenn die Herstellungsweise das erfordert und nicht nur so zum Spaß oder weil es billiger ist".

Da das ne Gewichtsangabe ist, könnte es sich bei diesen 5 Gewichtsprozenten auch durchaus um so Zeug wie Appretur handeln.

Keine 30%...
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Beitragvon Hîdril » 04.09.2007, 18:11

Ich beziehe mich da auf diesen Satz von der Marquise:

Wenn sich die Prozentangaben zu 100% addieren (z.B. 70% Leinen, 30% Baumwolle), gilt das gleiche.

Und das interpretiere ich so, dass ein Stoff, der zu 30% aus Baumwolle besteht und zu 70% aus Leinen sich immer noch reines Leine bzw. "100%-Leine" schimpfen darf.

Belehrt mich eines besseren. :gruebel:
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Beitragvon Pilz » 04.09.2007, 18:21

Das verstehst du falsch Hîdril.

Ein Stoff mit 70% Leinen- und 30% Baumwollanteil darf nicht mehr reines Leinen genannt werden. Ist dann glaub ich Halbleinen.
In diesem Stoff darf nicht wesentlich weniger als 70% Leinen und 30% Baumwolle verarbeitet sein. Insgesamt dürfen von den 100% aber nur 5% anderes Material sein, welches auch immer.

war das verständlich? :gruebel:

Grüße
Stefan
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Beitragvon Hîdril » 04.09.2007, 18:35

Pilz hat geschrieben:Ein Stoff mit 70% Leinen- und 30% Baumwollanteil darf nicht mehr reines Leinen genannt werden. Ist dann glaub ich Halbleinen.


Das hab ich auch immer gedacht. Da hat sich die Marquise aber ein bisschen verquer ausgedrückt :hammeraufkopf:
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