Gewachstes Tuch

Welche Stoffe werden verwendet, welches Material? Was trug man?

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Gewachstes Tuch

Beitragvon absinthfee » 11.11.2009, 11:23

Hallo,

beim lesen meiner letzten historischen Lektüre bin ich auf etwas gestoßen was mich nicht mehr loslässt.
Im Buch ist die Rede von einem Umhang der in Wachs getränkt wurde. Der soll angeblich wetterdichter sein als Woll/Filz/Loden Stoffe. Hat jemand schon mal so was gesehen/gemacht?? Ist da was wahres dran oder ist das nur fli fla flu schriftstellerische Freiheit??
Ich mein ich kann mir vorstellen das bei jeder Bewegung das Wachs anfängt abzubröckeln. Wollt mal fragen ob das schon mal wer ausprobiert hat???
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Beitragvon meirah » 11.11.2009, 12:08

....zur historischen "Korrektheit" kann ich jetzt nix sagen, aber es gibt ja gewachste Wetterjacken, hab eine schon seit vielen Jahren, die sind tatsächlich mit Wachs imprägniert, zur Nachbehandlung kann man Spray oder auch Wachs kaufen, der erwärmt wird und dann in das Gewebe eingearbeitet wird,....da bröckelt nix ;-)
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Beitragvon David » 11.11.2009, 13:00

Genau, bei modernen Textilien aus kenne ich das auch.
Im "Mittelalter" müsste man dafür ja logischerweise Bienenwachs genommen haben. Wenn man sich vorstellt, daß Bienenwachskerzen als Luxusgut gehandelt wurden, ist es für mich schwer nachvollziehbar das damit Textilien imprägniert wurden.
Naturbelassene Wolle, wie sie sicher für Schutzkleidung benutzt wurde, enthält ihr natürliches Wollfett, das Lanolin. Damit waren diese Stoffe schon deutlich wasserabweisender als es die meisten heutigen Wollstoffe sind.

Die wichigste Frage die sich zu Beurteilung der Sache stellt, ist allerdings wieder mal die Quelle... Wo hast du das gelesen?

Mir persönlich ist sowas allerdings noch nicht untergekommen, jedenfalls nicht in dem mir bekannten Textilfundspektrum.

Gruß,
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Beitragvon absinthfee » 11.11.2009, 14:16

ich habs bei der iny lorenz gelesen :blush: die feuerbraut. (recht oberflächlich)
hab ich gelesen weils meine freundin so toll fand.

also wenn du sagst das bienenwachs luxusgut war. . . das hab ich nicht gewusst. . . die geschichte handelt in der zeit während des schwedenkriegs und den umhang hat ein sklave/leibeigener diener. klingt also schon alles recht fragwürdig.
hmm wie is es mit talg damit hab ich zwar selber keine erfahrung aber is doch was ähnliches. oder??

es wird auch immer wieder von ölzeug geredet, oder öltuch, zum transport von den neuen stoffballen auf den schiffen. das ist aber dann schon hochmittelalter glaub ich.

das mit dem lanolin werd ich an meinem umhang ausprobieren, zu meiner schande is er aus einem schurwoll/viscose gemisch. aber ich steh ja noch am anfang meiner karriere. . . aber vielleicht wird er ja noch wasserdichter und wärmer ....
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Beitragvon David » 11.11.2009, 17:57

Hallo,

es ist natürlich deine eigene Sache, aber ich persönlich würde historische Romane nicht als Quelle für eine belegorientierte Darstellung heranziehen... ;-)
Da würde ich mich lieber an die Fachliteratur halten. Besonders hilfreich sind hier archäologische Publikationen.

Talg geht gut im Schälchen zum Brennen, auf die Kleidung würd ich es mir nicht schmieren :wideeyed:
Bleib lieber beim Lanolin ;-)

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Beitragvon Klara » 12.11.2009, 17:56

Aber waren die mittelalterlichen Schafe überhaupt so fettig? Nach meinen Wollerfahrungen ist das meiste Lanolin in Merinos und deren Kreuzungen. Und meine Strickjacke (zugegeben, ich musste die Wolle waschen, weil sie sont nicht zu verarbeiten war, und die Jacke ist auch schon mal gewaschen) ist zwar völlig okay bei Nebel und leichtem Nieselregen, aber in Wolkenbrüchen gehe ich damit nicht raus. Und auch bei Fettwolle habe ich Zweifel an der Wolkenbruchtauglichkeit... (übrigens verziehen sich auch meine Schafe bei ernsthaftem Regen in den Stall und verlangen lautstark, dass ich die Dusche abstellen). Gab's da was oder hat man sich halt untergestellt bzw. sich gesagt "weiter als bis auf die Haut geht's nicht"?

(Ich mach' ja keine Mittelalterdarstellung, aber Regenklamotten interessieren mich immer - in modernem Plastikzeug schwitzt man von innen durch und ist dann auch nass).

Ciao, Klara
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Beitragvon David » 13.11.2009, 11:43

Niemand hat behauptet, Wolle würde einen Wolkenbruch überstehen...
Es ist natürlich nicht möglich aus Wolle, egal wie fettig, wasserdichte Kleidung herzustellen.
Ausserdem habe ich nicht alte und neue Schafrassen verglichen (Merino gibts übrigens soweit ich weiss schon sehr lange), sondern modern produzierte Wollstoffe und jene, wie sie im Mittelalter produziert wurden ;-)

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Beitragvon Carola » 13.11.2009, 13:11

Von Iny Lorenz als Quelle für irgendwas kann ich nur dringend abraten. Die Bücher sind reine Fiktion, in die allenfalls zufällig Übereinstimmungen mit historischen Fakten einschleichen.

Ölzeug/Öltuch wurde nicht aus Wolle, sondern aus Leinwand hergestellt, die mit einem schnell trocknenden Öl (z.B. Leinöl) imprägniert wird. Nachweise kenne ich allerdings erst seit der frühen Neuzeit.
Im Mittelalter war das Holzfass das Mittel der Wahl, um empfindliche Waren trocken zu halten. In Fässern wurde nicht nur Fisch und Salz transportiert, sondern z.B. auch Felle und Stoffballen.

Als Alternative zum Regenmantel scheidet das aber wohl aus, da Fässer für Menschen keinen besonderen Tragekomfort bieten... ;-)
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Versuch es erneut. Scheitere wieder. Scheitere besser.
(S. Beckett)
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Beitragvon Klara » 13.11.2009, 14:06

Also gab's irgendwas an Regenklamotten oder litt man einfach?
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Beitragvon blanche_fleur » 13.11.2009, 14:52

na ja, ich hab einen Duffelcoat aus einem sehr dichten, hochwertiger Fischgrat-Wollstoff (ist das eigentlich auch ein Köper?); der Stoff ist im Bereich der Schultern (die ja am exponiertesten sind) mindestens 4-Lagig; da kann ich also stundenlang im strömenden Regen rumpatschen und werde kaum nass (beziehungsweise die Füsse und Hosen sind dann das Problem) und das ist bei kühlen Temperaturen viel angenehmer als jede Gore-Tex Jacke . Wenn ich mir jetzt Chemise, Cotte, Surcotte, Mantel und ev. noch eine Gugel - die 2-3 letzten Schichten in einem dichten Wolltuch - vorstelle, war man doch eigentlich recht gut geschützt....
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