Gewachstes Tuch

Welche Stoffe werden verwendet, welches Material? Was trug man?

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Beitragvon Draca » 12.12.2011, 09:13

Hallo, Klara!

Ich wäre sehr an dem Artikel interessiert. Hast du die aktuelle Ausgabe des Journals?

LG Draca
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Beitragvon llydana » 12.12.2011, 13:21

Ich kann über Loden auch nur Gutes berichten, damit habe ich bei wirklich üblem Regen dem Wetter getrotzt. Gewebter Loden, nicht das gestrickte Zeug, was sie einem jetzt überall als Loden verkaufen. Ich war nachher knochentrocken, sogar auf den Schultern, wo es ja immer zuerst durchsickert. Ich bin damit sicherlich 1 Stunde im dicken Regen rumgelaufen, mit der Zeit wäre sicher auch was durchgesickert, aber so lange hat er gehalten - und war anschließend auch relativ schnell wieder trocken. Leider gehört der Mantel meinem Mann - ich will auch so einen :freak:
Liebe Grüße
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Beitragvon Klara » 13.12.2011, 00:22

Hi Draca,

ja, ich hab' das Heft. Aber da man es u. A. hier http://www.thejournalforwsd.org.uk/ kaufen kann, wäre es erstens ein Verstoss gegen's Urheberrecht, den Artikel rauszukopieren, und zweitens würde es direkt einem Verein und einer Veröffentlichung schaden, die sowieso schon an Geldmangel leiden und deren erfolgreiches Weiterbestehen mir sehr am Herzen liegen (weil man dem Heft den Geldmangel nämlich nicht ansieht - für mich ist es eine der interessantesten Textilzeitschriften auf dem Markt, mir persönlich lieber als Spin-Off oder Handwoven).

Ciao, Klara
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Beitragvon Iðunn » 14.12.2011, 00:58

Meiner Meinung und Erfahrung nach sind Wollstoffe oder -textilien mit hohem Lanolingehalt ziemlich wasserabweisend und wenn man doch nass wurde, ertrug man auch das. Menschen frueherer Zeiten waren unempfindlicher gegen Næsse und Kælte (und Hunger, Durst, Schmerzen usw.) waren als wir.

Islænder gehen keinen Schritt schneller wenn es regnet, und ihre Toleranz gegen Kælte sieht man an den mitternæchtlichen Schlangen vor den Diskos und Kneipen, wo die girlies in Miniröcken und Hacken bei Frost und Schneesturm stehen, wæhrend auslændische Diskotouristen in Daunenanoraks noch zittern...

Als hier nach dem 2. Weltkrieg Gummistiefel auftauchten, war das eine Sensation: trockene Fuesse bei Regen waren bis dato undenkbar. Leute haben mir erzæhlt, wenn die Erde nass war, waren auch die Fuesse nass.

Wachs halte ich fuer ausgeschlossen, wie David schon sagt. Wachs ein Luxusgut war und hauptsæchlich liturgischen Zwecken vorbehalten. Zum andern stelle ich mir einen mit Wachs imprægnierten Stoff sperrig, unhandlich und bröckelig vor.

Die Segel islændischer Fischerboote können einen Hinweis geben: sie waren aus tog gewebt und anschliessend in Lebertran getrænkt/bestrichen, um sie wasserabweisender zu machen, denn ein regennasses Segel ist schwer zu navigieren. Wolle mit tierischem Fett zu imprægnieren scheint also durchaus möglich zu sein, aber nicht mit Wachs.



In der Seefahrt war Talg für das Geschmeidighalten der Takelage unverzichtbar; die Takler führten ihn stets in einem Splisshorn mit sich. Auch für Schuhwichse und als Schmierstoff (bei Kutschen und anderen Geräten) wurde jahrhundertelang Talg verwendet.

Quelle: Wikipedia, Stichwort Talg

Islændische Fischerkleidung war aus Schafsleder, das mit Lebertran getrænkt war. Sie bestand aus Hose, Jacke, Kopfbedeckung und Schuhen, nur die Handschuhe waren aus Wolle. Das war eine sehr wirksame Bekleidung, aber wir wissen aus Erzæhlungen noch lebender alter Seeleute, dass das ziemlich stank. Aber so war es eben, und was man nicht weiss oder noch nicht erfunden ist, vermisst man auch nicht.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wolle und Leder sind mit Lebertran, Lanolin oder Talg imprægnierbar.

Gruss von
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Beitragvon Laurentius » 14.12.2011, 13:39

Den einzigen Hinweis von mit Wachs imprägnierten Textilien gibt es bei Konrad Kyeser.
1405 entwickelte er zumindest theoretisch das Konzept einer Luftmatratze aus mit Wachs imprägnierten Stoff. Das Bild hierzu gibts hier:
Ingenieur Konrad Kyeser 1405 - Luftmatratzenentwurf

Es gibt noch eine andere Quelle, für 1435 oder 1453 (ich verwechsle die letzten beiden Ziffern immer...) die von ebensolchen aus Bienenwachs behandelten Luftmatratzen handelt und dass diese von Jägern gebraucht wurde.
Ich habe diese Quelle vor einer Weile mal gelesen, aber ich finde es gerade nicht wieder....(würde aber davon abraten es als Quelle zu verwenden, bis ich mir da selber sicherer bin)

Inwiefern es jetzt "echte" Funde gibt, vermag es nicht zu sagen.

Und die Frage, ob Textilien mit Bienenwachs behandelt wurden, vermag es auch nicht abschliessend zu beantworten, solange es nicht einen Fund gibt oder eine konkretere Quelle. Vielleicht finde ich die Ursprungsquelle ja mal und kann sie hier angeben.

Ah ja, und natürlich ist das kein Hinweis darauf, dass Kleidung evt mit Bienenwachs behandelt wurde.
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Beitragvon Klara » 14.12.2011, 21:28

Nur der Vollständigkeit halber: Mit Wachs behandelte Stoffe sind durchaus tragbar, z. B. in Form der berühmten englischen grünen Land- und Reitjacken (Barbour und Nachahmer).

Und, um die Verwirrung zu vergrössern: Lanolin IST ein Wachs - ein mit Lanolin behandeltes Tuch wäre also streng genommen auch ein gewachstes Tuch...

Ciao, Klara
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Beitragvon Regilla » 15.12.2011, 10:38

Das fängt jetzt an, mich zu interessieren, aber weniger im Zusammenhang mit regenfester Kleidung, ich denke an die Schildbemalung und die Feldzeichen. Die waren nicht gestickt, sondern gemalt.
Die Malerei mit Eitempera ist aber alles nur nicht wind- und wasserfest. Was macht man drauf, damit sie haltbar wird? Für den Schild habe ich Mastixfirnis genommen, der besteht aus Sachen, die es in der Antike wenigstens gab.

Plinius schreibt in seiner Naturkunde im Band über die Malerei viel über Enkaustikmalerei. Das ist eine komplizierte Maltechnik, bei der Wachs geschmolzen wird, Pigmente druntergemischt werden und mit dem noch flüssigen Wachs gemalt wird.

Grüßle,
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Beitragvon blanche_fleur » 15.12.2011, 12:08

@ Regilla: Ist jetzt ein bisschen OTIch hab gerade kürzlich den Ernst Ploss/ Ein Buch von alten Farben, durchgeblättert, und da zitiert er in mehreren Quellen mittelalterliche Rezepte von Firnis-Farben. Ich hab's leider wirklich nur überflogen; aber ich glaube in einem Rezept ging es darum, den Firnis schön Zähflüssig zu kochen um die Streichfähigkeit und Deckung der Farben zu optimieren und ich meinte, da war neben Harzen auch Wachs mit im Spiel.... Das "Verkochen" dieser Stoffe scheint relativ komplex zu sein, im Buch war ein Spätmittelalterliches Gefäss dafür abgebildet; eine Grappe mit einem gelochten Einsatz/ Aufsatz (ich hab's mir wie gesagt nicht so genau angeschaut..)
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Beitragvon Regilla » 16.12.2011, 11:17

Liebe Blanche Fleur,

Danke für den Hinweis, klingt interessant. Ich kenne den Pless nicht, nur vom Hörensagen. So Wachs- und Harzbeschichtungen für Stoffe waren sicher bekannt, wurden wohl nur für besondere Zwecke verwendet, weil die Zutaten selten und sicher teuer und nicht leicht zu beschaffen waren.

Grüßle,
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