Welche Stoffqualitäten/Stoffarten verwendet man?

Welche Stoffe werden verwendet, welches Material? Was trug man?

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Welche Stoffqualitäten/Stoffarten verwendet man?

Beitragvon Lex » 14.05.2012, 16:17

Hallu liebes Flinkhand-Forum,

ich bin mitlerweile am verzweifeln, da ich keine Ahnung habe welche Qualitäten von Stoffen ich nehmen soll/ nehmen kann.

Falls benötigt: Ich stelle einen mittelständigen(nicht wohlhabenden) Kaufmann, ca. um 1250 in Buchonia (Osthessen, bei Fulda) da.

Also allem vorran habe ich bereits eine komplete Gewandung. Allerdings kann man an der Gewandung noch einiges Verbessern (Nähtechnisch nicht, nur die Stoffe können verbessert werden).

Wolle:

Ich hatte einen Walkloden verwendet der allerdings sehr kratzig ist.
Jetzt ist meine Frage welche alternativen gibt es zu Walkloden?

Wie Schwer soll ein Stoff für z.B. Kotta, Beinlinge und Umhang sein?

Gibt es Wollstoffe die nicht so kratzig sind? Vorallem für Beinlinge wäre das Prima!

Weiterhin würde mich interessieren, was z.B. Kammgarngewebe, Leinwandgewebe, Lodenstoffe bedeutet/sind?


Leinen:

Mit meinem Untergewand aus Leinen bin ich z.Z zufrieden, dennoch würde mich interessieren, welche Leinen (Gewicht) für welches Gewandstück verwendung finden könnte?
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Beitragvon Ragnhild » 14.05.2012, 17:41

Hallo Lex,

herzlich willkommen.

Zu deinen Fragen schau doch mal hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Loden

Da bekommst du schon einige Antworten.

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Beitragvon Lex » 14.05.2012, 18:44

Vielen Dank für die schnelle Antwort. Jetzt ist mir schon einmal klar was kammgarngewebe Leinwandgewebe und Lodenstoffe sind! Also müsste ich dann Kammgarngewebe nehmen wenn ich feineren Stoff möchte, der nicht so kratzt?
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Beitragvon Ragnhild » 14.05.2012, 19:00

Es geht wohl eher darum, welche Bindung das Gewebe hat. Für die frühen Darstellungen sind da eher Köperbindungen angesagt. Wie das für deine Darstellung aussieht müsstest du sehen.

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Beitragvon Lis » 14.05.2012, 19:09

Hallo Lex,

Genau, Kammgarn ist ist quasi das Mittel der Wahl, wenn es um feine, wenig kratzende Stoffe geht. Für Beinlinge verwendest Du am besten Köper (eine Art der Webbindung, die dehnbarer ist als Leinwandbindung), und auch bei der Kotta liegst Du mit einem einfachen Gleichgratköper (d.h. eher kein Fischgrät oder Diamantköper) sicher nicht falsch.

Wieviel Gramm/m²? Je nach Witterung. Im Hochsommer sind sehr leichte Stoffe (z.B. 150 g/m²) angenehm, im Winter dürfen es gerne auch mal 500 g/m² sein, und für die Jahreszeiten dazwischen halt Grammzahlen irgendwo dazwischen ;-)

Die Fragen haben sich übrigens auch schon andere Leute gestellt, schau doch mal hier:
http://www.flinkhand.de/forum/viewtopic.php?t=8410 oder hier: http://www.flinkhand.de/forum/viewtopic.php?t=2486


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Was kann man draus machen

Beitragvon Isa » 24.09.2014, 06:38

Hallo,

ich habe vor einem Jahr für einen Färbekurs einen recht festen Wollstoff aus unbehandelter Rohwolle in Leinwandbindung ungewalkt gekauft. Als ich den Stoff erhielt dachte ich mir oh wie hässlich ist der denn, aber da er quasi nur zu Lernen war wars für mich ok. Der Stoff wurde Reseda gefärbt und mit Eisen entwickelt. Als er quietschgelb aus dem Resedabad kam, sah er auch schon echt hammermäßig aus und nach der Eisenentwicklung hat er nun ein schönes olivgrün. Ich bin auch richtig heiß darauf geworden aus dem Stoff was zu nähen - nur habe ich keine Ahnung was! :buhaeh: Wie gesagt, der Stoff ist echt grob und schwer!
Wir haben uns vor kurzem für eine Wikingerdarstellung (Haithabu ist ja nur 80km entfernt, um 800, 850 n.C.) als Zweitzeit entschieden. Da ich hier mit meinen Recherchen noch am Anfang bin und z.B. noch kein einziges Werk von Inga Hägg gelesen habe, weiß ich auch noch nicht was aus einem solchen Stoff entstehen könnte.
Habt ihr Ideen? Ich habe auf den Wikingertagen in Schleswig gesehen, dass jemand einen Klappenrock (gefüttert) aus so einem Stoff gemacht hat. Aber ist das auch A? Bitte hilft mir mit Tipps und eventuell dem einen oder anderen Beleg.

Viele Grüße
Isa

PS. Falls ich im Thread mit meiner Frage fehl am Platz bin, bitte verschieben
Isa
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Beitragvon Allyfants » 24.09.2014, 08:58

Wie groß und wie schwer ist denn der Stoff?

So kann man nicht abschätzen, ob es für eine Garnison oder nur für einen Geldbeutel reicht.
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Beitragvon Hîdril » 24.09.2014, 10:23

Hallo Isa,

wenn du eine Wikingerdarstellung machst, bist du mit so einem Stoff für einen Mantel schon mal ganz gut ausgerüstet.

Aber als Frau Wiki tragen wir nicht den klassischen Klappenmantel mit den schrägen Kanten, der ist den Mannsbildern vorbehalten. Wenn du die Kante vorn gerade machst, ist das sehr A.
Besorg dir noch einen schönen, feinen Stoff für die Außenseite und nähe deinen resedar-grünen Stoff als Innenfutter. So haben es die Wikinger in Haithabu gemacht.

Der Schnitt sollte gerade sein, wie ein Kleid, nur eben mit geteiltem Vorderteil und die Seitenkeile nicht ganz so groß schneiden wie bei einem Kleid. Das Vorderteil sollte gut eine Handbreit, gerne etwas mehr, übereinander klappen. Geschlossen wird dieses Schmuckstück dann einfach mit einem Gürtel. Ich schließen meinen Mantel an sehr kalten Tagen dann noch zusätzlich mit einer zweiarmigen Fibel am Hals (ich mag keine Zugluft am Hals, da bin ich empfindlich ;-) )

Länge: ca. bis Wadenmitte. Mach ihn nicht zu lang, sonst schleift er leicht im Dreck und zieht die Feuchtigkeit vom Boden hoch und hast ständig einen feuchten Saum. Bedenke, dass du auch mal durch höheres, feuchtes Gras gehen musst.

Noch Fragen, Kinzle?

Dann ruhig her damit.

P. S. So ein Wikimantel ist auch wunderbar im Winter in modernen Zeiten zu tragen :biggrin: , vorallem, wenn du ihn ohne irgendwelche Stickereien etc. machst.
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Beitragvon roskur » 25.09.2014, 08:00

@ Lex

deinen überlegungen gemäß solltest du auch über hanfstoffe nachdenken. leinen (weißes linnen) ist so etwas, wie die 1. wahl, da es als das "weiße gold" gehandelt wurde. kommt wie immer auf die qualität/feinheit der stoffe drauf an.
hanfstoffe kommen an die qualität/feinheit von seide und leinen nicht heran, haben aber eine höhere rissfestigkeit und sehen vom äußeren her, wie groberes leinen aus - also nix für die damalige elite.

ich bin jedenfalls mit meiner "hanf"tunika voll zufrieden. (so als popeliger handwerker)
wer sagt "er sei sich 100% sicher" ist 100% unsicher
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Vielen Dank...

Beitragvon Isa » 26.09.2014, 06:59

... für die Antworten. Der Stoff ist ca. 4m lang und hat ein Gewicht von 490g/lfm bei einer Breite von 1,7m. Ich werde versuchen am Sonntag mal ein Bild hochzuladen, da sieht man die Struktur dann ganz gut.
Vielen Dank Hidril, für die ausführlich Antwort. Ich muss dann aber noch mal ganz doof nachfragen: Echt du würdest den Stoff als Futter verwenden? Ich mein, schubbert der dann nicht beim Anziehen ganz doof über den drunter liegenden Wollstoff deines Gewandes? Die Struktur ist ja eher grob.

Ich hätte vielleicht auch erwähnen sollen, dass ich daran gedacht hatte meinen Mann mit dem Ergebnis meiner Nähkunst aus dem Stoff zu beglücken. Dann hätte ich bei einem Klappenrock sogar noch Stoff übrig - fürn Beutel/Tasche oder so, da wird mir dann schon was einfallen :)

Viele Grüße
Isa
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