Spindelsucht!?

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Beitragvon Carola » 23.01.2007, 21:50

greifenritter hat geschrieben:Die Kopfspindeln kommen ja eigentlich aus anderen Kulturkreisen, soviel ich weiß. Bei uns wurden ja die mit der Wirtel unten verwendet. Wo genau kommen die denn her?
CU
Danny


Auch auf die Gefahr hin, mit meinem ersten Post besserwisserisch rüberzukommen: Kopfspindeln waren auch im mittelalterlichen Europa durchaus bekannt. Jedenfalls tauchen sie immer mal wieder auf Bildern auf, z.B. auf diesem Bild: Kopfspindel
Und von der Art der Aufhängung scheint mir auch das eine Kopfspindel zu sein: Kopfspindel2
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Beitragvon spinntantchen » 24.01.2007, 13:48

Huhu Carola,

ich sehe in den Bildern keine Hochwirtelspindeln (Kopfspindeln) sondern nur Tiefwirtel.

Auf beiden Bildern sitzt der Wirtel auf dem unteren Drittel des Schaftes und darüber ist (bauchig) das schon gesponnene Garn aufgewickelt.
Auf beiden Bildern benutzt die Spinnerin einen Wocken.

Wo auf diesen Bildern siehst Du eine Kopfspindel (=Hochwirtelspindel, Spindel bei der der Wirtel oben sitzt und das Garn darunter aufgewickelt wird)?

tschau spinntantchen
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Beitragvon marled » 24.01.2007, 19:25

greifenritter hat geschrieben:Die Kopfspindeln kommen ja eigentlich aus anderen Kulturkreisen, soviel ich weiß. Bei uns wurden ja die mit der Wirtel unten verwendet. Wo genau kommen die denn her?
Danny


Habe den Thread grad erst entdeckt.
Also die Hochwirtel gibt es in Island schon einige Jahrhundert. Muss noch mal im Nationalmuseum nachschauen, von wann die erste datiert (dauert aber noch ein bisschen :biggrin: )
Für die Zwischenzeit hier schon ma ein paar hübsche Exemplare
Bild

oder die hier

Bild

Wenn man mal ne Zeit lang Hochwirtel gesponnen hat, möchte man es nicht mehr anders. Es hat den großen Vorteil, dass man den Faden nur in den Haken einzuhängen braucht, das geht schnell1

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Beitragvon greifenritter » 25.01.2007, 10:00

Ich sehe auf den Bildern auch keine Kopfspinndel.
Sind beides Fußspindeln.

Im nordischen Bereich waren die allem Anschein nach schon verbreitet, da gibt es ja auch einige Funde. Hier bei uns in Deutschland (in meinem Fall das heutige Bayern) aber nicht - oder kennt jemand von Euch Funde in dieser Art aus unserer Gegend?

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Beitragvon Carola » 25.01.2007, 10:57

Äh, für Bild 1 nehme ich alles zurück. Keine Ahnung, weshalb ich da plötzlich gemeint habe, eine Kopfspindel zu sehen :blush: :gruebel:

Beim zweiten Bild meine ich aber von der Art der Aufhängung her schon, dass das eine Kopfspindel sein muss. Ich weiß ja nicht, wie Ihr Eure Fäden befestigt. Aber ich mache eine Schlaufe über dem Gesponnenen.
Auf dem Bild ist es aber genau andersrum. Man erkennt deutlich, dass der Faden unterhalb der Spindel befestigt ist und von dort zum Wocken verläuft.
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Beitragvon Claudia » 25.01.2007, 11:48

Jetzt muß ich etwas weiter ausholen:

Die meisten erhaltenen Spindelstäbe haben eine Verdickung etwa an einer Stelle, die ein Drittel vom einen und zwei Drittel vom anderen Stabende entfernt ist. Die Wirtel waren vermutlich nicht dauerhaft befestigt, sondern vom kurzen Ende aus draufegsteckt, um sie nach Vollspinnen der Spindel leicht abziehen zu können.

Wenn man nun mit einer solchen Spindel als "Wirtel-unten-Spindel" spinnt, ist die Verdickung über dem Wirtel, der Wirtel könnte also unter Umständen herunterfallen. Deshalb windet man das Garn nach dem Aufwickeln des zuletzt Gesponnenen einmal unter dem Wirtel um die Spindel und geht erst danach wieder nach oben, um die Schlaufe um die Spitze der Spindel zu legen (oder den Faden in einen Einschnitt zu legen). Dadurch wird der Wirtel gesichert.
Wenn man die nächste Länge Garn gesponnen hat, muß man natürlich die ganze Konstruktion erst wieder abwickeln, bevor man das neue Garn aufwickeln kann. Und dann wieder neu unten rum, oben rum, Schlinge legen. Geht nach etwas Übung fixer, aöls es sich jetzt anhört.

Wenn man so eine Spindel beiseite legt, kann es schon sein, daß man die Schlinge oben rum grade nicht gemacht hat. Daher kann mich dieses Bild nicht überzeugen.
Und es läßt sich aus dem MA aus Mitteleuropa meines Wissens keine Darstellung finden , wo jemand aktiv beim Spinnen mit einer Spindel gezeigt wird, die den Wirtel oben hat. Um eine eindeutige Aussage treffen zu können, bräuchte man halt schon ein Bild von einer aktiven Spinnerin (oder Spinner, das gibts auch).

Aus Grönland sind wiederum Funde von Spindelstäben bekannt, die am kürzeren Ende nach der Verdickung eine Drahtschlaufe haben, was auf eine Kopfspindel hindeutet. Das steht offenbar in einer Reihe mit den Islandfunden. Aber für Europa ist mir da überhaupt nichts bekannt, weder Fund noch Abbildung.
BTW, heutzutage werden Kopfspindeln ja mit einem Haken gefertigt, in den sich der Faden fix einlegen läßt. Die Funde (jedenfalls die grönländischen, die ich gesehen habe) haben aber geschlossene Drahtschlaufen. Wie befestigt man da den Faden??
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Beitragvon Carola » 27.01.2007, 13:25

Wie gesagt: Ich will absolut nicht klugscheißen und wahrscheinlich habt Ihr alle ohnehin mehr Erfahrung als ich, da ich erst seit einem Jahr handspinne. Aber die Argumentation überzeugt mich nicht.

Mag ja sein, dass manche Spinnstäbe irgendwo eine Verdickung haben (meine sind aus Ästen bzw. die erste aus einem dieser Holzstäbe, die man benutzt, um Pflanzen dran festzubinden - von Verdickung also keine Spur). Trotzdem mache natürlich auch ich zuerst eine Schlinge unter dem Wirtel, bevor ich die über dem Gesponnenen mache. Nicht, weil der Spinnwirtel sonst abrutschen würde (der wird am Anfang ohnehin durch eine derartige Doppelschlinge fixiert, die auch nicht aufgemacht wird, bevor ich den ganzen Faden abwickle), sondern weil die obere Schlinge sonst an dem glatten Spinnstab nicht halten würde.

Das man allerdings die Schlinge oben vergisst, wage ich zu bezweifeln. Die "Arbeit" besteht schließlich im Aufwickeln und nicht im Knüpfen der beiden Schlingen. Deswegen ist die Tatsache, dass der Faden auf dem zweiten Bild eindeutig vom Wirtel weggeht, für mich schon ein Argument dafür, dass es sich hier um eine Kopfspindel handelt.

Auch die fehlende Drahtschlinge sehe ich nicht als Gegenargument. Erstens finde ich das Bild für derartige Details ein bisschen klein. Zweitens besagt das Vorhandensein an modernen Spindeln nichts darüber, ob es eine derartige Schlinge an mittelalterlichen Spindeln gegeben hat. Das gleiche gilt für die Funde aus Grönland bzw. Island, die ich schon deshalb nicht bewerten kann, weil ich sie nicht kenne.
Sicher ist nur, dass eine solche Schlinge überflüssig ist. Das habe ich jedenfalls im Selbstversuch festgestellt. Einfach die Schlaufen mal umgekehrt knüpfen (d.h. die erste auf oder über dem Gesponnenen und die zweite unter dem Wirtel) und heraus kam eine durchaus brauchbare Kopfspindel. Der einzige Unterschied war, dass sich automatisch die Spinnrichtung umgekehrt hat, d.h. statt "S"-Fäden habe ich plötzlich "Z"-Fäden gesponnen.
Mag sein, dass das an meiner mangelnden Erfahrung liegt, aber vielleicht ist das der Grund dafür, dass Kopfspindeln weniger verbreitet waren. Irgendwo habe ich nämlich mal gehört, dass im Mittelalter vorwiegend Dochtgarn aus "S"-Fäden verwendet wurde.
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Beitragvon André » 27.01.2007, 16:49

Tut mir Leid Carola, ich finde Dein Argument mit dem Faden absolut nicht aussagekräftig. Ich kann der Abbildung nicht entnehmen, wo genau der Faden langgeht. Das ist Spekulation, und bei solchen Abbildungen kommt auch immer noch die Interpretation des Künstlers hinzu. Also lass mal einen Mann dieses Bild machen, der selbst nie spinnt. Dem ist es egal, wo der Faden langläuft. Hauptsache, man erkennt die Spindel und den Wocken.
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Beitragvon Elin » 29.01.2007, 18:32

so um mal wieder zum thema SUCHT zu kommen...

hab in September ja 100 Probegramm gesponen und dann erstmal kein Gled gehabt für mehr.... und nun hab ich heute Wolle bestellt und will sie am liebsten schon gestern hierhaben !!!

(war auch die zeit nicht hier, weil das hier so antreibt zum werkeln...!

Ich will spinnen!!! Und vor allem mal wirklich schöne Fäden... und ein paar Spindeln will ich auch noch selbst bauen und und und und und und und...
Elin
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Beitragvon Elin » 05.02.2007, 18:27

Es ist soweit.. ich hab meine erste Spindel selbst gebaut. Mit einem Holzrundstab und nem Klotz Fimo in "Steinoptik" (sah in der packung hellgrau aus mit dunklen Punkten.. entweder is der mir angebrannt, oder das gehört so, dass der schokobraun wird.. keine ahnung ist mein erster Fimo versuch...). 46g Gesamtgewicht...

Also hier die Bilder:

Bild

und

Bild



Der Wirtel saß etwas locker, da hab ich unten n bisserl wolle drumgewickelt und das ganze mit sekundenkleber fixiert :biggrin:

und jetzt werd ich sie mal ausprobieren... wenn ich sie locker in der hand hielt (horizontal) und angeschubst hab hat die in der hand herrlich lang gedreht... obwohl das da ja fix bremsen sollte
Elin
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